Zielfernrohr Tac Vector Optics 3-18×50

Tac Vector Optics 3-18x50 01

In diesem Beitrag wird wiederum ein Zielfernrohr getestet – nur diesmal ist es zur Abwechslung wieder mein eigenes. Bisher war ich mit dem Zielfernrohr 3-12×44 SWAT von UTG recht zufrieden. Dass es im Kaliber .223 Rem. schussfest ist, sollte nach ca. 2000 Schuss mittlerweile auch bewiesen sein. Da ich mir von Hera Arms aber ein neues Upper in 16,75“ Länge bestellt habe, muss nun zwangsläufig auch eine neue Optik her. Die zukünftige  Strategie war also schnell gefunden: Das neue Upper wird leicht und soll es mit (altem) ZF auch bleiben, hiermit soll fortan vorwiegend im Knien und Stehen geschossen werden. Das alte Upper hingegen wird nur noch zum liegenden Schießen verwendet, hierfür sollte ein neues Glas beschafft werden, das jetzt auch etwas größer ausfallen durfte: Das Tac Vector Optics 3-18×50 mit ¼-MOA-Klickverstellung und 30mm-Mittelrohr zu einem Preis von 170 Euro inkl. Versand ist es schließlich geworden.

Schon wieder so´n günstiges Glas wie das von UTG?

Ja!

Mal ein Gedanke nebenbei: Ich beobachte viele Schützen, die neben Ihren recht teuren Waffen bisweilen Zieloptiken kaufen, die der eigentlichen Waffe preislich kaum nachstehen. Wer das Geld übrig hat, kann sich glücklich schätzen. Ob ich es übrig habe, lasse ich an dieser Stelle offen, es würde ohnehin nichts zur Sache beitragen. Aber eines ist für mich sicher: Ich will es einfach nicht ausgeben! Zu einer guten Präzision trägt der Schütze natürlich viel selbst bei, vorausgesetzt, dass seine Waffe leistungsfähig ist und damit eine solide Basis darstellt. Dazu gehört meiner Meinung nach aber vor allem ein hervorragender Lauf und die Tatsache, dass das Zielfernrohr absolut fest auf der Waffe montiert ist. Ob dieses Zielfernrohr nun erst- oder zweitklassig ist, das spielt meiner Ansicht nach keine Rolle. Beurteilt man das ZF nach seinem Preis, würde es eher schlecht wegkommen. Und wenn wir ehrlich sind, tun wir das doch irgendwie auf den ersten Blick, oder? Ist ja auch nicht verwunderlich, wenn wir in einschlägigen Fachzeitschriften stets von den tollsten hochpreisigen Gläsern renommierter Hersteller lesen. Eines wie das, über das ich hier schreibe, würde man in solchen Zeitschriften doch höchstens auf den letzten Inseratsseiten finden. Einen kompletten Artikel wird es der Redaktion wohl eher nicht wert sein.

Und warum kauft der Kerl überhaupt ein solch günstiges Glas? Na, weil ich von meiner Meinung überzeugt bin und weil es mir 170 Euro wert waren, es schließlich auszuprobieren.

Zum ZF habe ich außerdem noch eine Blockmontage von Leupold ergattern können, ironischerweise lag deren damaliger Kaufpreis sogar noch über dem des ZFs von Tac Vector Optics – Tim hat sie mir aber noch für einen guten Preis überlassen …

Erste Eindrücke

Ja, ich war skeptisch beim Auspacken und bin es eine ganze Weile auch geblieben. Äußerlich betrachtet hat das Glas mit seiner Mono-Tube einen robusten Eindruck gemacht, es gab keine mechanischen Bearbeitungsspuren, das Finish der Oberfläche mit Eloxal war tadellos. Die außen aufgedruckten Artikelmerkmale und –bezeichnungen waren hingegen nicht immer sauber aufgedruckt, bei einem Glas höherer Qualität wäre das wahrscheinlich nicht passiert. Beim ersten Durchsehen war ich erfreut über das klare Bild und das sehr fein gehaltene Absehen.

Zubehör

Direkt am Objektiv befindet sich ein schmaler abschraubbarer Ring, an seiner Stelle kann der mitgelieferte Killflash installiert werden. Es sind zwei Flip-Caps mit dabei und zwei Montageringe mit Torx-Werkzeug sowie ein Reinigungstuch liegen ebenfalls bei. Irgendwie ein Rundum-Sorglos-Paket, wie beim Zielfernrohr von UTG.

Montage

Vor dem Einsatz steht natürlich die Montage an, hier entstehen unter Umständen erst mal weitere Kosten: Dass die Montageringe gleich mitgeliefert werden ist klasse, jedoch ist das Glas damit nicht montierbar, wenn die Waffe eine durchgehende und gerade Picatinny-Schiene wie bei meinem AR besitzt. Richtig ärgerlich, wenn man mit seinem neuen Spielzeug gleich loslegen will, denn das Objektiv berührt die Oberseite der Schiene. Hier helfen nur noch Montagen mit einer Höhe von 21-22mm weiter (die beiliegenden haben eine von ca. 15mm). Besitzer eines Repetiergewehrs mit einer teilweisen Picatinny-Schiene, die z.B. auf der Laufhülse montiert ist, sind hingegen besser dran. Durch eine vorhandene Höhendifferenz zwischen Schiene und Laufhülse gibt es hier wieder genügend Platz für das Objektiv. Die Befestigung der Montageringe an der Picatinny-Schiene erfolgt übrigens über Sechskantmuttern – für mich immer ein Garant dafür, dass man das Glas auch wirklich fixiert bekommt, von Rändelmuttern kann ich nur abraten.

Im Einsatz

Die Verstellmöglichkeiten für die Dioptrien am Okular und die Vergrößerung am Tubus waren beide relativ schwergängig. Beide Einstellmöglichkeiten werden dann aber doch eher selten benutzt. Die Höhen- und Seitenverstelltürme auf 12- und 3-Uhr können genullt werden und deren Klickverstellung passt zur Graduierung, die sich auf dem Zylindermantel befindet. D.h., auch nach großer Verstellung rasten die Türme auf einem Teilstrich ein und nicht etwa daneben. Am Rastpunkt besitzen die Höhen- und Seitenverstelltürme allerdings eine gewisse Flexibilität, so kann man sie am Rastpunkt einen wirklich winzigen Bereich in beide Richtungen drehen, bevor sie am nächsten Punkten einrasten.

Der Parallaxeturm auf der 9-Uhr-Position ist hingegen leichtgängig und besitzt Einstellungen für die Distanzen 10, 15, 25, 30, 50, 100 und 300 Yards, sowie unendlich. Das Absehen ist fein gehalten, befindet sich in der zweiten Bildebene (wird also nicht mit vergrößert/verkleinert) und wirkt glücklicherweise nicht Überladen an Informationsflut. Auf 100m konnte ich die Einschüsse im Kaliber .223 Rem. bei 18-facher Vergrößerung noch wirklich sehr gut erkennen, allgemein hat das Glas ein sehr gutes Bild erzeugt. Man darf auch etwas erwarten, wenn der Hersteller/Importeur mit Schott-Gläsern aus Deutschland und einer Lichttransmission von 90% wirbt.

Die nachfolgenden Schussbilder (alle hinten aufgelegt mit Zweibein) zeigen, dass ein Glas auch günstig sein darf:

Das erste Schussbild zeigt 10 Schuss durch mich auf 100m, das zweite ca. 20-25 Schuss durch einen erfahrenen Schützenkollegen auf 100m. Es wurde bei Übergabe nichts am ZF verstellt, die Treffpunktverlagerung ist dem Schützen zuzuschreiben. Das dritte Schussbild (wiederum 10 Schuss) entstand in einer Halle auf einer Distanz von 50m. Hier ist deutlich zu erkennen, dass das Projektil im Bereich von 50-100m noch am Steigen ist.

Vergleich beider Absehen des Tac Vector Optics 3-18×50 (links) und des kürzlich vorgestellten IOR 4-28×50 (rechts). Eine gewisse Ähnlichkeit ist schon da.

Fazit und Vergleich mit dem ZF von UTG

Der Lieferumgang ist groß und im Vergleich zum UTG mit Killflash und Reinigungstuch sogar leicht umfangreicher. Der Umstand mit den Montageringen ist blöd, nach diesem Review weiss man aber zumindest, worauf man achten sollte. Der Verstellbereich der Vergrößerung ist mit 18-fach natürlich größer als mit 12-fach beim UTG, ein direkter Vergleich wäre hier unfair. Auch beim ZF von UTG findet man die erwähnte Flexibilität rund um den Rastpunkt der Klickverstellung, aber beim UTG passt nach einer gewissen Umdrehung die Graduierung leider nicht mehr zum Rastpunkt.

Alles in allem ist das Bild beim Tac Vector Optics zudem aber bedeutend besser: Das Objektiv ist größer und kann dadurch natürlich mehr Licht sammeln, das Mittelrohr ist in beiden Fällen mit 30mm Durchmesser gleich, die Verwendung der Schott-Gläser in Verbindung mit dem filigranen Absehen und der besseren Lichttransmission macht das Tac Vector Optics aber zum klaren Favoriten: Kaufempfehlung!!! Und zwar noch deutlich vor dem UTG!

Kommen wir abschließend noch zu den Nachteilen des ZFs: Hier vermisse ich Klemmringe für die Höhen- und Seitenverstelltürme, jenes von UTG hat welche. Die Flip-Caps haben außerdem einen dermaßen hohen Öffnungswiderstand, dass man sie bei Gebrauch von Okular und Objektiv abziehen würde – sie sind schlichtweg unbrauchbar! Die Verstellung der Vergrößerung ist wegen der Schwergängigkeit etwas umständlich, bestünde die Gefahr einer versehentlichen Verstellung,  könnte man das im Zweifelsfall aber auch wieder positiv auslegen. Auf jeden Fall punktet hier das ZF von UTG mit einer Art Nocke am Verstellring, die die Handhabung vereinfacht – beim Tac Vector Optics sucht man diese vergebens. Zuletzt sei noch bemängelt, dass der Verstellbereich der Dioptrien ruhig auf dem Okular hätte aufgedruckt sein können, ich kenne den Verstellbereich aktuell immer noch nicht. Der günstige Preis muss sich meiner Meinung nach schließlich auch irgendwo wiederfinden, dass tut es möglicherweise bei der Qualitätskontrolle. Bei meinem ersten Glas war leider das Absehen relativ zu den Türmen um einige Grad geneigt montiert. Die Reklamation beim Verkäufer verlief hingegen überraschend einfach: Nach Erhalt meiner Mail wurde sofort (!!!) ein weiteres Glas verschickt, das zwei Tage später inklusive Retourenschein für das erste ZF auch bei mir eintraf – vorbildlicher Kundenservice!

Erhältlich sind die Produkte von Tac Vetcor Optics hierzulande über folgenden Importeur: https://www.profis.shop

Nachtrag Okt. 2018:

Ich habe mir endlich mal neue Schutzkappen von Butler Creek für das ZF gekauft, folgende Artikel passen:

Objektiv: Art. # 30400, Durchmesser 57,2mm

Okular: Art. # M20190, Durchmesser 43,9mm

Nachtrag Okt. 2019:

Sehr schade, aber mir ist das Everest im Juni 2019 auf einem Longrange-Event ohne weiteres Zutun von mir selbst leider kaputt gegangen. Diesmal war es die Parallaxe, die es nicht mehr erlaubt hat, das Sichtfeld scharf zu stellen, bzw. die eine Schärfe-/Unschärfeverstellung im Schuss verursacht hat – nach insgesamt ca. 2000 Schuss im Kaliber .223 Rem. Der Service des Importeurs ist immer noch vorbildlich, ich habe umgehend ein neues ZF erhalten, auf das ich natürlich wiederum 5 Jahre Garantie erhalten habe (zumindest gehe ich davon aus). Aber nachdem ich mittlerweile die vierte Umtauschaktion hinter mir habe (verschiedene Modelle von Tac Vector Optics, hauptsächlich Paragon und Everest) und von zwei Umtauschaktionen von Marvin weiss, kehre ich dieser Marke nun endgültig den Rücken. Die Leistung des ZFs mitsamt seinem Zubehör ist für den Preis wirklich gut, aber die Haltbarkeit lässt zu wünschen übrig und die macht bezüglich Qualität eben auch etwas aus. Meine eingangs vertretene Meinung, dass man auch mit preiswerten Gläsern schießen kann, sei hiermit also revidiert – Asche auf mein Haupt…

Mittlerweile habe ich mir bei Heinz Henke für das 18-Zoll -AR-15 ein neues Sightron S-TAC 4-20×50 mit MOA-2-absehen gekauft.

Neben dem Typ „S-III 8-32×56 Long Range Target“, die ich bereits auf meinem Schweden und meiner Savage 10 BA montiert habe, bleibe ich der Marke auch weiterhin treu, denn sie garantiert wirklich gute Qualität zu annehmbaren Preisen.

Nachtrag Dez. 2020:

Im Dezember 2020 ist nun sogar mein viertes Sightron für mein neues Projekt AG42B dazu gekommen: abermals ein SIII 8-32×56, diesmal aber das Modell Tactical mit MOA-2-Absehen. Eine Verbesserung ist mir gleich aufgefallen: Die „Nullung“ des Turms geschieht jetzt nicht mehr anhand von drei kleinen Madenschrauben ringsum am Verstellturm, sondern durch eine einizige zentrale, zur Turmachse koaxiale Senkschraube. Alukappen gibt es bei diesem Modell für die beiden Türme dann nicht mehr.

Zielfernrohr IOR 4-28×50

Hera Arms & IOR 4-28x50 1

Das Warten auf die erste eigene Waffe zieht sich ja leider endlos hin. Ich denke, da können fast alle Waffenbesitzer ein Lied von singen. Ein kleiner Trost ist es wenigstens, wenn so langsam schon mal das Zubehör angeliefert wird und man bereits im Vorfeld einige Dinge erproben kann.

Für einen Schützenkollegen in genau dieser Situation habe ich deshalb neulich mein AR-15 als Spielwiese zur Verfügung gestellt. Wie an der Überschrift ersichtlich, handelt es sich bei dem Ausrüstungsteil um ein Zielfernrohr der Marke IOR. Diese Firma ist in Rumänien ansässig und besteht seit 1936. Sie fertigt aktuell optische Ausrüstungen für Medizin, Freizeit und Militär.

Für Interessierte geht´s hier zur Homepage des Herstellers:

http://www.ior.ro/

Bei dem Zielfernrohr handelt es sich um das Modell 4-28×50 IL FFP Mil/Mil mit einem Durchmesser des ZF-Tubus´ von satten 40mm! Bei einem derart großen Mittelrohr-Durchmesser wäre meine nächste Sorge, die dazu passenden Montageringe zu finden. Der Kollege hat dieses Problem glücklicherweise schon im Vorfeld gelöst und zwei passende Montageringe mitgebracht. Der Clou an diesen Teilen ist, dass der vordere Montagering niedriger ausfällt als der hintere und sich durch die innen liegenden sphärischen Klemmschalen automatisch eine Vorneigung des ZFs einstellt, wenn man den Abstand der Ringe zueinander variiert. Nach kurzer Zeit hatten wir den Dreh raus und konnten das ZF korrekt montieren, sodass dann immer noch alle Verstellmöglichkeiten am ZF gegeben waren.

Nach der Demontage des Lowers wurde das Upper mit dem darauf montierten Monstrum von ZF dann kurzerhand mittels Adapter auf dem Dreibein-Stativ befestigt, sodass durch Lauf und Zielfernrohr blickend schon eine grobe Voreinstellung für das Einschießen stattfinden konnte. Hier der stolze ZF-Besitzer höchstpersönlich bei der Arbeit:

 

Das Glas selbst besitzt wie auch aus der Bezeichnung ersichtlich, eine verstellbare Vergrößerung von 4- bis 28-fach. Am Okular befindet sich der Einstellring für die Dioptrien im Bereich -3 bis +3. Der Höhenverstellturm befindet sich auf 12 Uhr und fällt entsprechend dem Mittelrohrdurchmesser ebenfalls recht groß aus. Seine Klickverstellung ist leichtgängig und exakt, wie man es von höher preisigen Zielfernrohren erwarten kann. Der Anwender kann den Höhenverstellturm mit einem Verstellbereich von 120 MOA /41 MIL nullen und findet direkt darunter noch ein arretierbares Stellrad für den sog. „Second Impact“. Das bedeutet, dass der Schütze sich für eine Entfernung oder Laborierung seiner Wahl eine Markierung setzen kann, die er mit dem Höhenverstellturm dann in kürzester Zeit einstellen kann. Die Klickverstellung beträgt übrigens 0.1 MRAD, das ist auf 100m Entfernung bezogen, genau 1cm pro Klick.

 

Auf 9 Uhr befindet sich schließlich der Wahlschalter für die Intensität des Leuchtabsehens in 12 Abstufungen, wobei der erste von 12 Rastpunkten dabei auf die Funktion „Aus“ entfällt. Versorgt wird das Leuchtabsehen von einer Batterie des Typs CR123.

Auf 3 Uhr ist der Seitenverstellturm, auch er ist schön griffig mit sauberen Rastpunkten – hier gibt es ebenfalls keinen Anlass für Beanstandungen.

 

 

 

Weiter vorne am Objektiv findet man koaxial zum Tubus das Stellrad für den Parallaxenausgleich und hier sind wir auch an – meiner Meinung nach – einem der wenigen Mankos des Zielfernrohrs. Zum Verstellen der Parallaxe muss der Schütze nämlich seitlich weit nach vorne an das Mittelrohr des ZFs greifen, wenn er gleichzeitig im Anschlag bleiben möchte. Bei anderen ZFs, bei denen der Parallaxenturm hingegen auf der 9-Uhr-Position angebracht ist, finde ich die Handhabung ergonomischer. Weiterhin ist beim IOR die Parallaxen-Skala von oben ablesbar – und nun? Aufrichten und nachschauen? Das wäre umständlich. Schauen wir uns die Skala mal genauer an: Ganze drei Einstellung sind zu sehen für 50m, 100m und Unendlich. Das ist extrem wenig, lässt aber darauf hoffen, dass das Glas vielleicht einfach mit wenig Einstellmöglichkeiten auskommt. Ich jedenfalls kann nur einen Vergleich zu meinem Sightron SIII ziehen und bei diesem bin ich für die vergleichsweise feine Skala zum Parallaxenausgleich dankbar. Hier weiss ich mittlerweile, welcher Teilstrich zu welcher Entfernung gehört. Ich muss aber auch erwähnen, dass die Schiessbahn nach 300m zu Ende war und wir nicht ausprobieren konnten, wie schnell oder bequem sich die Parallaxe beim IOR auf größere oder wechselnde Entfernungen tatsächlich einstellen lässt.

IOR 4-28x50 Detail 3

 

Eine weitere Auffälligkeit war ein „Linseneffekt“, der aufgetreten ist, sobald man auf stärkster Vergrößerung durch das ZF blickt (damit ist nicht der dunkle Randbereich gemeint, der sich ergibt, wenn man den Augenabstand zu sehr vergrößert). Das könnte aber auch ein gängiger Effekt sein, immerhin ist mir das bei einem Glas von Kahles auf der IWA 2016 auch aufgefallen. Schaut man bei maximaler Vergrößerung korrekt durch das Glas, ergibt sich ein sehr gutes Bild und der Effekt fällt gar nicht weiter auf. Sei es nun, dass das menschliche Gehirn diesen Effekt verarbeiten kann oder dass es durch die nur sehr geringen Bewegungen des Gewehrs beim Zielen gar nicht weiter auffällt.

 

Kommen wir zum Absehen, es liegt in der ersten Bildebene (FFP, First Focal Plane) und gefällt mir ausgesprochen gut, weil darin wenig „Informationsflut“ enthalten ist – aber das ist natürlich Geschmackssache. Es verändert zwar seine Größe bei Verstellung des Zooms, allerdings bleiben alle geometrischen Größen im Verhältnis erhalten, sodass Bilder stets wahrheitsgetreu zu sehen sind und das Ermitteln von Entfernungen weiterhin gut möglich ist.

IOR 4-28x50 Detail 7

 

Die Sonnenblende ist schließlich im Lieferumfang enthalten und muss meiner Meinung nach immer montiert sein, damit ZFs immer so groß wie möglich erscheinen! 🙂

 

Das nachfolgende Schussbild entstand liegend mit Zweibein und Sandsack am Hinterschaft auf einer Distanz von 100m durch einen Gastschützen, der an diesem Tag zum ersten Mal überhaupt schoss. Die Vergrößerung war mit 28-fach voll aufgedreht. Daraus ergeben sich für mich zwei Erkentnisse: Erstens kann man mit dem Glas, das für eine Distanz von 100m sicherlich „oversized“ ist, auf genau dieser Entfernung kaum etwas falsch machen und zweitens stimmt die Präzision meines AR´s nach mittlerweile rund 2200 Schuss glücklicherweise immer noch!

Schussbild Hera Arms - IOR 4-28x50

 

Mein Fazit:

Ein Zielfernrohr, das mit seinem großen Mittelrohrdurchmesser ordentlich aus dem Rahmen fällt und das bisher bekannte Erscheinungsbild von großem Objektiv und schlankem Mittelrohr dadurch hinter sich lässt. Der Übergang vom 40mm- Mittelrohr zum 50mm-Objektivdurchmesser ist marginal und lässt das ZF damit sehr massiv, fast schon überdimensioniert erscheinen.

Mir gefällt gerade das aber ausgesprochen gut und auch die Leistung lässt mit 90% Lichttransmission (laut Hersteller) und einem subjektiv sehr klaren Bild wenig bis gar keine Wünsche offen. Ich hätte es am liebsten direkt auf meinem AR belassen, obwohl oder gerade weil es auch einen gewissen Stilbruch darstellt. Schafft man sich solch ein ZF für ca. 1800 Euro zzgl. Montageringe für ca. 150 Euro an, ist es auf einem Präzisionsgewehr wegen der größeren Reichweite natürlich sinnvoller aufgehoben. Erhältlich ist es hierzulande z.B. über die Firma Fortmeier http://www.ior-optik.de/ . Weitere technische Daten sind auf dieser österreichischen Seite einsehbar: http://www.ior-optik.com/Seite123.html .

 

 

Kompensator für Bull-Barrell Matchlauf

AR-15 Hera Arms Kompensator 3

Hier ist ein kurzer Bericht zu meiner jüngsten Spielerei: Ein Laufgewicht zum Klemmen an einen Bull-Barrel Matchlauf. Ein Mündungsfeuerdämpfer ist es per Definition ja eigentlich nicht, denn dieser soll ja das Hochschlagen der Waffe beim Schuss durch vorhandene Querbohrungen oben und seitlich verhindern. Wer mag, kann das Laufgewicht daher auch als SD-Attrappe bezeichnen. Wie dem auch sei, beide Objekte sind in Deutschland frei erhältlich und bedürfen keiner Genehmigung zum Erwerb oder der Anbringung.

Mit nachfolgender Zeichnung kann das Teil hergestellt werden. Die Bohrung der Klemmnabe habe ich im Durchmesser 0,1mm größer als der vermessene Laufdurchmesser festgelegt (hinzu kommt dann noch die Toleranz von +0,1mm, die ja nicht ausgeschöpft werden muss). Die Schrauben sollten nicht unbedingt aus Edelstahl sein, sondern eine Härte von min. 8.8 aufweisen. Brünierte Schrauben mit flachem Kopf nach DIN 6912 wären für meine Begriffe das Optimum.

Klemmhülse LS100

Im montierten Zustand sieht das Ganze dann so aus:

Nachfolgend noch einige Schussgruppen auf 50m, die in dieser Reihenfolge entstanden sind:

1: Ohne Laufgewicht, Haltepunkt Schusspflaster

2: Mit Laufgewicht, Haltepunkt Schusspflaster, Klemmschlitz zeigt nach 3 Uhr

3: Ohne Laufgewicht, Haltepunkt Schusspflaster

4: Mit Laufgewicht, Haltepunkt Schusspflaster, Klemmschlitz zeigt nach 12 Uhr

Schussbild AR-15 Hera Arms Kompensator

Als erstes fällt auf, dass sich bei Montage des Laufgewichts die Trefferlage um ca. 25-30mm nach rechts unten verlagert. Hätte ich jetzt ehrlich gesagt nicht erwartet, aber irgendwas muss der Lauf ja machen, wenn man ihn schwingungstechnisch verändert. Die Lage der Schussgruppe bei montiertem Gewicht scheint mir auch nicht wirklich von der Ausrichtung des Klemmschlitzes abzuhängen – aber es will ja alles ordentlich untersucht werden. Während ich noch so darüber nachdenke, ob die Treffpunktverlagerung jetzt schlecht ist, fällt mir folgendes dazu ein: Wer sagt eigentlich, dass mein Lauf ohne die zusätzlich Masse perfekt schießt? Schwer zu beurteilen, denn ich habe mein ZF ja längst nach der ursprünglichen Trefferlage ausgerichtet und beurteile jetzt natürlich von diesem Standpunkt aus.

Auf den beiden nachfolgenden Videos wollte ich dokumentieren, ob sich das Mündungsfeuer verändert – mir ist aber keine Besonderheit aufgefallen.

 

Mein Fazit:

Augenscheinlich hat sich das Schussbild ja nicht verschlechtert, denn Schussgruppe Nr. 4 spricht für sich. Ansonsten macht die Konstruktion nicht viel Sinn, außer, man wollte schon immer eine SD-Attrappe haben – denn dafür kann das Ding herhalten. Wer mehr über das auf den Bildern zu sehende AR-15 wissen möchte, kann hier weiterlesen.

 

Pistole 1911, Les Baer Premier II, 5″

Les Baer Premier II 1

Die Les Baer Premier II im Kaliber .45 ACP mit einer Lauflänge von 5“ war meine erste Waffe überhaupt. Sportschützen die hoch hinaus wollen, entscheiden sich häufig doch eher für die 6“-Variante wegen der längeren Visierlinie. Ich bin aber der Meinung, dass man durchaus auch eine 5“-Waffe meistern kann, denn Schießen lernt man eben nur durch schießen. Nebenbei bemerkt gefallen mir die Proportionen einer 6“ langen 1911er einfach nicht, aber das muss jeder selbst wissen.

Generell kann ich über diese Kurzwaffe nicht viel Neues schreiben, was nicht schon durch eine Vielzahl von anderen Berichten bekannt wäre. Les Baer hat einen gewissen Ruf und der liegt nach einschlägiger Meinung in der Eigenpräzision der Waffe begründet – das spiegelt sich dann aber leider auch im hohen Preis wieder. Nicht, dass andere Waffen nicht auch präzise wären, aber über die kann ich nun mal nichts sagen, mir fehlt da ganz einfach der Vergleich. Was auf jeden Fall als Mass für eine gute Eigenpräzision an einer 1911er angesehen werden kann, ist das Spiel zwischen Schlitten und Griffstück. Das kann jeder vor dem Kauf selbst überprüfen, indem er versucht, eben diese Bauteile an der Waffe gegeneinander zu verschieben und zu verdrehen (das gilt natürlich auch für den Kauf anderer Pistolen). Fabrikneue Les Baers heutiger Fertigung haben kein spürbares Spiel, davon konnte ich mich bereits selbst überzeugen. Klar, dass sich die berührenden Teile am Schlitten noch minimal abnutzen oder eine Beschichtung auch mal blank wird. Das ist aber kein Grund zur Sorge. Bei meiner Waffe handelt es sich um eine fast 20 Jahre alte Fertigung, zum Glück für mich wurde die Les Baer bis vor meinem Kauf kaum geschossen, sie war ein klassisches Erbstück. Das erwähnte Spiel an meiner Waffe ist kaum merklich und hat sich nach ca. 4000 Schuss die nun durch sind auch nicht spürbar verändert. Wer es zusätzlich doch etwas minimieren will, kann ja Fett anstatt Öl zur Schmierung des Schlittens verwenden. Doch Vorsicht vor grenzwertig laborierten Patronen, es kann im Winter zu Fehlfunktionen kommen, insbesondere bei Longslide-Modellen mit 6“ langem Lauf.

Les Baer Premier II 2

Die einzige Veränderung, die ich an der Waffe bisher vorgenommen habe, ist der Austausch der Griffschalen gegen einen Gummigriff von Hogue. Wer diesen bestellt, sollte nicht vergessen, auch die separat erhältlichen Schrauben zu kaufen.

 

Wartung und Pflege:

Vor jedem Schießen öle ich im Zustand mit offenem Verschluss den Laufmantel von außen ein, damit er es beim Gleiten durch die Mündungshülse etwas leichter hat. Wie und wo man eine Kurzwaffe ansonsten ölt, setze ich als Wissen jetzt einfach mal voraus. Das einzige Ersatzteil, das der Besitzer einer 1911er meiner Meinung nach noch auf Lager haben sollte, ist der ringförmige Gummipuffer, auf den der Schlitten beim Nachladen aufprallt. Hier empfehle ich eher hochwertige Produkte wie z.B. von Wilson, diese halten auch schon mal bis zu 3000 Schuss – bei mir jedenfalls. Das einzige, was diesem Gummipuffer wirklich weh tut, ist, die Schlittenfeder mit dem offenen Wicklungsende auf ihn drauf zu schieben. Man sollte also besser das angelegte Federende auf ihn schieben.

Zur Munition, die ich auf die Waffe abgestimmt habe, kann ich noch etwas beitragen. Hier findet sich meine Tabelle an Laborierungen wieder, die schon aus der Rubrik Downloads bekannt sein dürfte.

 

Achtung, es wird keine Garantie für die Richtigkeit der Ladedaten übernommen!

Wiederlader handeln auf eigenes Risiko!

Ladedaten .45 ACP

 

Vor dem Kauf meines AR-15 habe ich mich längere Zeit mit dem Gedanken befasst, die Les Baer in ein Triarii-System von Hera Arms einzubauen. Voraussetzung dafür ist, dass die Waffe nach Mil-Spec. gefertigt ist – und das ist die Les Baer definitiv nicht! An einem Triarii-System eines Kollegen habe ich es ausprobiert – der auf der linken Seite angebrachte Sicherungshebel ist leider im Weg. Der Durchladehebel des Triarii-Systems ist übrigens über ein Gestänge mit einem aus Stahl gefertigten Mitnehmer verbunden. Dieser Mitnehmer zieht den kompletten Schlitten der 1911 an der Mündung beim Durchladen nach hinten und hinterlässt nach einiger Zeit deutliche Spuren auf der Oberfläche der Waffe, das sollte man vor dem Kauf einfach wissen. Ansonsten kann ich das Triarii-System sehr empfehlen, es macht einigen Reiz aus, mit einer Carbine-änlichen Waffe auf dem Kurzwaffenstand zu schießen. Dank Picatinny-Schienen lassen sich sogar Zielfernrohre, Reflexvisiere oder weiteres Zubehör montieren. Die Katergorie dieser Waffe wird durch den Umbau übrigens nicht verändert, das System ist und bleibt juristisch gesehen eine Pistole!

 

Was man mit der 5“-Variante auf 25m erreichen kann, seht Ihr anhand der nachfolgenden Schussbilder.

 

 

Nachtrag:

Es hat lange gedauert, aber ich habe ein neues Höchstergebnis geschossen:

Schussbild Les Baer 25m

 

Diese Ergebnisse wurden auf 50m geschossen:

 

Anschlagschaft

Für die Waffe habe ich einen Anschlagschaft entwickelt, dessen Entwicklung ich in einer Beitragsserie beschrieben habe. Der finale Beitrag kann unter diesem Link gelesen werden.

Picatinny-Montage

Im gleichen Zuge habe ich für die Pistole eine Griffschale entwickelt, die über eine Picatinny-Montage die Anbringung einer Zieloptik oberhalb des Schlittens erlaubt. Die Picatinny-Montage ist hier verlinkt, wer den Beitrag zum Rotpunktvisier Meopta Mesight 3 lesen möchte, kann dies hier tun.

Hera Arms The 15th, Teil 2

Nachdem ich mein AR-15 von Hera Arms nun schon ca. 10 Monate besitze, möchte ich mit diesem Artikel einfach mal ein kurzes Update geben. Schließlich besteht an Teil 1 des Artikels zum Review immer noch reges Interesse.

Hera Arms The 15th 2.1

Mittlerweile wurden aus dem Halbautomaten 1522 Schuss abgefeuert und ich habe mir beim letzten Training vorgenommen, die Präzision der Waffe mal zu überprüfen. Klar, dass sowas immer auch von der Tagesform und kontinuierlichem Training abhängt – aber seht selbst.

Das nachfolgende Schussbild von 10 Schüssen entstand wie zuvor auch im sitzenden Anschlag auf 100m mit Zweibein, Sandsack am Hinterschaft, sowie dem vergleichsweise günstigen ZF 3-12×44 Compact von UTG. Diesmal war allerdings der Matchabzug Hiperfire 24C eingebaut. Bei der Munition handelt es sich immer noch um die gleichen Ladedaten wie in Teil 1 mit 55gr.-Geschossen.

Schussbild Hera Arms 100m 2.1

Bei der Scheibe handelt es sich übrigens wieder um eine BDS-Kurzwaffenscheibe, mit einem Durchmesser der Mouche von 25mm und einem Durchmesser der „10“ von 50mm. Betrachtet man die 7 Einschüsse im linken Bereich, liegen diese sehr eng zusammen, an der 5er-Gruppe links unten gibt es schon mal gar nichts zu meckern. Tja, und dann gibt es da noch die drei Einschüsse auf der rechten Seite… Die gehen ganz klar auf mein Konto, scheinbar habe ich es nicht geschafft, zehn Mal immer wieder gleich durch das ZF zu schauen. Zeit zum Schießen hatte ich ja eigentlich genug. Jedenfalls gibt es aufgrund des Schussbildes für mich keinen Grund zur Besorgnis und so bin ich zur 300m-Bahn gegangen.

 

Hier habe ich zur Munition mit 68gr.-Geschossen (abermals die alten Ladedaten wie im ersten Artikel) gewechselt und folgendes Ergebnis im liegenden Anschlag auf einer Distanz von 300m geschossen:

Schussbild Hera Arms 300m 2.2

Die Mouche besitzt bei dieser elektronischen Anlage einen Durchmesser von 50mm und die „10“ einen von 100mm. Das Schussbild finde ich sogar besser, als im ersten Teil des Artikels.

 

Über eine Schwachstelle am Gewehr möchte ich noch berichten: Zum Reinigen entferne ich nur den hinteren Pin, klappe das Gewehr etwas zusammen und lasse es dann auf Zweibein und Hinterschaft stehen. Der Staubschutzdeckel klappt beim Herausnehmen des Verschlusses allerdings etwas mehr als 180° nach unten, was dazu führt, dass beim Schließen von Upper und Lower der Staubschutzdeckel im Weg ist. Ist man also unvorsichtig, fliegt der Deckel kurzerhand weg, weil dessen Kunststoffpin abschert. So bei mir geschehen. Den Pin gibt es leider nur in Kombination mit einem neuen Deckel. Wenn ich mich recht erinnere, sind dafür 15 Euro fällig – ärgerlich. Ich habe mir mit einem neuen Pin aus Edelstahl ausgeholfen, zur Installation muss aber der Handguard abgenommen werden. Mit den drei Klemmschrauben und den beiden Madenschrauben kein wirklich großer Akt. Probleme gab es aber beim Einschieben des Edelstahlpins, weil Stahl ja wesentlich unflexibler als Kunststoff ist. Im Falle eines Schadens rate ich also eher zum Kauf des Originalteils, das spart zumindest mal Nerven. Vorsorglich könnte man außen am Gewehr oder dem Staubschutzdeckel auch einen Abstandshalter (Filz, Kunststofflinse für Schranktüren etc.) anbringen.

Hera Arms The 15th Pin

Nachfolgend noch einige aktuelle Bilder der Waffe, jetzt auch mit Hiperfire 24C und Magpul BAD Lever.