Hera Arms Triarii

Motivation

Viel wurde über Anschlagschäfte geschrieben, manches wahr, einiges falsch. Jeder Waffenträger, egal ob beruflich, oder privat hat sich seine eigenen Gedanken zu dem Thema gemacht, warum also ein weiterer Bericht dazu? Wir alle kommen in unserem Alltag mit Technik in Berührung. Die meiste davon nehmen wir nicht wahr, doch hin und wieder halten wir ein Stück Technik in den Händen welches besser ist. Sicher passiert das bei technikbegeisterten Menschen öfters, und doch haben wir alle diese Momente. Was fasziniert uns daran? Was unterscheidet dieses eine Exemplar von den Anderen?

Ich persönlich denke es ist eine Mischung aus der Haptik und Funktion, aber vor allem der Gedanke dahinter. Es gibt jemanden, der es geschafft hat, diese eine Stück so zu gestalten, dass es sich wunderbar anfühlt, dass es fantastisch aussieht und dass es seine Funktion einwandfrei erfüllt. Sicher gehört zu der Entwicklung auch eine Portion Glück, aber noch mehr das immer wieder neu Denken, das neu Gestalten und das Testen, bis es am Ende zu dem wird, was es ist.

Genau das ist der Firma Hera aus Triefenstein mit dem Triarii gelungen. Diese Leistung, dieses Engagement ist der Grund, warum ich einen Text schreibe.

Hera Arms Triarii mit CZ Shadow 2
Verriegelung geschlossen

Fakten 

Der Triarii ist als Basischaftsystem ohne Anbauteile erhältlich oder als RTU mit Vordergriff, Klappschaftadapter, Buffertube und Hinterschaft. Von Hera Arms wird in der RTU-Variante der hauseigene CCS Hinterschaft in der offenen Version und der HFG mit integriertem Staufach als Vordergriff mitgeliefert. Der Klappschaftadapter SFU kann auch bei ähnlichen Systemen verwendet werden, welche die Buffertube nicht aktiv nutzen. 

Der Winkel des Hinterschafts ist einstellbar, so dass sich auch mit Helm oder Gehörschutz ein fester Anschlag einnehmen lässt.

Hinterschaft CCS

Als Schnittstelle bietet der Triarii neben der AR-15 Buffertube auf der Rückseite vier Picantinny Schienen rund um den Vorderschaft. (3 Uhr 16 Nuten, 6 Uhr 12 Nuten, 9 Uhr 5 Nuten und 12 Uhr 26 Nuten) dazu kommt eine pistolenspezifische Schnittstelle. 

Aktuell wird der Triarii für Modelle von CZ, Walther, Glock und HK angeboten. Die RTU-Variante hat im CCS Hinterschaft noch zwei QD-Ösen sowie zwei Ösen zur direkten Aufnahme eines Gurtes verbaut. 

An der Unterseite des CCS kann eine, im Lieferumfang enthalten, Picantinny Schiene angebaut werden (5 Nuten).

Der Klappschaftadapter SFU verriegelt im geschlossenen Zustand. In der geklappten Position wird er durch Federkraft gehalten.

SFU Ansicht von hinten
SFU Draufsicht

Der Triarii ist hauptsächlich aus Aluminium aufgebaut, dazu kommt Stahl in den beanspruchten Teilen (Schrauben, Verriegelungen, Federn, etc.) und hochwertiger Kunststoff an den spezifischen Pistolenaufnahmen.

Die Abmessungen betragen geklappt 9 x 18 x 48 cm und 8 x 18 x 71 – 80 cm und das ganze System wiegt als RTU ohne Waffe knapp unter 1,8 kg.

SFU geschlossen. An der Schraube kann der Winkel des Hinterschafts fixiert werden.

Handhabung

Um die Waffe in den Triarii zu bekommen, ist lediglich eine Verriegelung zu lösen. Dazu wird das sauber rastende Rad, welches sich am vorderen Ende der zwölf Uhr Schiene befindet um 90 Grad gedreht. Danach lässt sich die Verriegelung hochklappen und der Vorderschaft kann um ca. 7 cm nach vorne gezogen werde. Die Waffe wird mit dem Beavertail eingelegt und in Position geschwenkt. Der Vorderschaft wird zurück gezogen, wobei sie die Aussparungen im Vorderschaft passgenau um die Schiene der Pistole gleitet. Die Verriegelung wird nach unten geklappt und das Verriegelungsrad wieder zurück gedreht. Wenn man es zwei Mal gemacht hat, dauert der gesamte Vorgang wenige Sekunden. Anschließend kann das Magazin eingesetzt werden und die Waffe wird mit dem Durchladehebel auf der linken Seite schussbereit gemacht.

Durchladehebel

Schießstand

Pandemiebedingt hat es etwas gedauert, bis ich den Triarii das erste Mal testen konnte. Aber jetzt war es endlich so weit. Unter den interessierten bis kritischen Blicken der wenigen Anwesenden auf dem Stand wurde die Waffe in wenigen Sekunden eingelegt. 

Es gab ja im Vorfeld genügend Zeit zu üben. 

Und danach ging es los. Am Anfang mit BUIS, im Anschluss daran mit ZF und Rotpunkt. Kaum war die erste Scheu überwunden, wurde das gute Stück von Schütze zu Schütze gereicht und es gab Keinen, der sich in der Folge nicht bewundernd geäußert hat. Die Schussgruppen lagen Mal für Mal unter dem, was mit der Pistole ansonsten erreicht wurde, teilweise deutlich. Wir haben keine Präzisionstests gemacht, weil diese mit unseren Mitteln nicht aussagekräftig gewesen wären. Wir haben auch nicht aufgeschrieben, wie schnell der doch ganz ansehnliche Munitionsvorrat für den Tag aufgebraucht war. Wir haben auch nicht gemessen, wie schnell das Grinsen im Gesicht erschienen ist oder wie lange es dort blieb, aber alles das ist auch nicht wichtig weil es einfach viel zu viel Spaß gemacht hat dieses wunderbare Stück Technik zu testen. 

Was hier nicht unerwähnt bleiben sollte, ist, dass die Zielerfassung deutlich schneller und präziser erfolgt. Insbesondere wenn es Ziele auf unterschiedlichen Höhen und unterschiedlichen Abständen waren.

Hinweis für Sportschützen: Es gibt mittlerweile sowohl im DSU als auch im BDS Disziplinen, welche mit dem Triarii geschossen werden können.

Ansicht Mündung von vorne. Gut zu erkennen ist die Verbindung zwischen Durchladehebel und Pistolenschlitten.

{Hera Arms Triarii-10.jpg} – Hera Arms Triarii Mündung eingebaut

Vergleich zu Anderen

Wenn man den Triarii mit den Anschlagschäften anderer Hersteller vergleicht, dann fällt neben dem verwendeten hochwertigen Material vor allem auf, dass er keinen der Nachteile der anderen hat. Das fängt an mit der Haptik. Andere Hersteller setzten hier vermehrt auf Kunststoff. Es geht weiter mit der werkzeuglosen Montage ohne die Möglichkeit, dass man dabei Teile verliert. Der tadellosen Verarbeitung und der damit einhergehenden Sicherheit, dass das System nicht neu eingeschossen werden muss. Der Tatsache, dass es einen Handschutz gibt, der das Wort verdient (ein Hersteller montieren den vorderen Griff so, dass man leicht mit der Hand vor die Mündung kommen kann.). Keine Anbauteile an der Waffe notwendig. Und letztendlich einer gelungenen Optik. Sicher kann man hier einwänden, dass dies Geschmacksache ist und ich möchte dies auch nicht bewerten, aber wenn man rein objektiv die verschiedenen Systeme neben einander legt, dann fällt auf, dass der Triarii, vor allem in Verbindung mit der CZ, wirkt wie aus einem Guss und nicht als hätte man zwei vollkommen verschiedene Teile wahllos aneinander geschraubt.

Auch wenn man das System gegenüber Langwaffen im Pistolenkaliber vergleicht ergeben sich Vorteile für den Triarii. Er ist kompakter, gilt nicht als Waffe (belegt somit keinen zusätzlichen Platz in der WBK oder im Schrank). Fairerweise muss erwähnt werden, dass der Triarii in seiner Systempräzision natürlich auf die Grund(kurz)waffe angewiesen ist und somit im Vergleich zu einer Langwaffe in dieser Disziplin im Mittel schlechter abschneidet.

Fazit

Der Triarii ist ein Hingucker. Wer ihn auf dem Pistolenstand auspackt, wird nicht umhinkommen viele Fragen zu beantworten. 

Nein, man braucht ihn nicht, aber er macht Spaß und davon eine ganze Menge. Er steigert dem Munitionsverbrauch, doch das ist es wert. Hätte ich ihn nicht schon, würde ich ihn sofort kaufen. 

Es ist unglaublich in wie weit ein Anbauteil eine so gelungene Ergänzung zu einer vorhandenen Pistole sein kann. 

Auf der einen Seite ist er total vertraut und es kommt einem vor, als ob er schon immer da gewesen wäre, auf der anderen Seite ist es als schieße man eine andere Waffe. Und da das Auge bekanntlich mit schießt, ist es eine Freude zu sehen, wie perfekt Waffe und Anschlagschaft zusammen harmonieren. Mein CZ Shadow 2 ist super und dennoch macht der Triarii sie besser. Ich habe das System jetzt schon so oft auseinander und zusammen gebaut und doch erwische ich mich dabei, wie ich die Verriegelung mehrfach bediene, weil ich einfach immer noch fasziniert bin, wie simpel und doch geschickt Lösungen für komplexe Fragestellungen sein können.

Und um den Bogen zur Einführung zu schließen. Dem Hera Arms Triarii wohnt ein Zauber inne, welcher nur von wenigen anderen Dingen erreicht wird und vor allem von keinem anderen Anschlagschaft.

Danksagung

Vielen Dank an das Team von Hera Arms, nicht nur dafür, dass ihr so tolle Produkte entwickelt, sonder vor allem für den netten und persönlichen Kontakt. Danke Thomas.

Verriegelung offen

Mythen

Wie bei allen Dingen rangen sich auch um Anschlagschäfte besondere Mythen, ich möchte die Möglichkeit nutzen hier ein wenig aufzuräumen.

Ein Anschlagschaft ist frei verkäuflich

Ein Anschlagschaft steigert nicht die Präzision der Waffe. Durch die verbesserte Ergonomie gegenüber einer Pistole, (Schulteranschlag, die verlängerte Visierlinie und/oder die Verwendung von optischen Visieren wie Rotpunkt, Holovisier und ZF) lassen sich Schützenfehler minimieren. Durch diesen Umstand steigert sich die Präzision des Systems Schütze/Waffe.

Der Rückstoß bleibt identisch, wird aber im Schulteranschlag besser absorbiert. 

Noki2000

Picatinny-Montageschiene für 1911er, Teil 2

Wie angekündigt, habe ich das Thema weiterverfolgt und einen Prototypen fräsen lassen, der nur die wichtigsten Bohrungen beinhaltete. Da ich auf weitere Verstiftungen oder sonstige Befestigungen verzichten wollte, musste das Abstandsmaß für die beiden Bohrungen zur Befestigung der Griffschale so gewählt sein, dass sie sich perfekt mit den beiden Gewindebuchsen der Griffschrauben decken. Ich war echt überrascht, dass der Prototyp bereits das perfekte Maß aufwies: Sowohl der Prototyp, als auch die spätere fertige Montagebrücke passen spielfrei an das Griffgehäuse! Um sie abzuziehen, sind sogar beide Hände notwendig, damit es nicht zum ungewollten Verkanten kommt.

Prototyp

Wie auch zuvor, habe ich auf der Rückseite hochwertiges Doppelseitiges Klebeband aufgeklebt, von dem ich die Trennfolie nicht abgezogen habe. So vermeide ich, dass die Brünierung der Waffe im Laufe der Zeit unter Umständen doch etwas abgetragen wird, sollte sich im Schuss etwas bewegen oder aneinander reiben.

Auf ausreichend Spielraum zu angrenzenden Bauteilen habe ich geachtet: An meiner 1911er kann ohne weiteres das serienmäßige Korn und die Bo-Mar-Visierung montiert bleiben.

Um das System auch im Schuss testen zu können, habe ich mir diesmal ein Docter-Sight II („plus“ oder „C“ ist aktuell nicht bekannt) mit 7 MOA-Dot ausgeliehen. Marvin´s Burris Fast Fire III musste ich wieder zurück geben.

Kleiner Exkurs:

Das Docter-Sight (jetzt Noblex) ist für mich das erste Reddot überhaupt, bei dem ich den Rotpunkt nicht ausgefranst sehe! Ich war von dem 7-MOA-Punkt schon sehr begeistert, habe aber gemerkt, dass die Variante mit 3,5-MOA-Punkt noch heller leuchtet und somit zum Schießen auf Ziele mit Tageslicht (oder in Hallen mit starker Zielbeleuchtung) für mich besser geeignet ist . Zum Schießen mit einer Kurzwaffe wird eher das Rotpunktvisier mit größerem Punkt empfohlen, für Langwaffen entsprechend eher das mit 3,5-MOA-Punkt. Da LW ja häufiger auf größeren Distanzen eingesetzt werden, würde der größere Punkt dann höchstwahrscheinlich zu viel von der Zielmitte verdecken. Das Schießen mit Kurzwaffen und 3,5-MOA-Punkt ist aber auf Distanzen von 25m immer noch sehr gut möglich. Ich werde mir ein solches zulegen und habe dann immer noch die Möglichkeit, es auf der LW zu montieren.

Um die Montagebrücke anbringen zu können, muss bei meiner Les Baer Premier II der rechte Sicherungsflügel entnommen werden. Kein wirklicher Aufwand, denn das Teil ist nur hinein gesteckt. Da ich für die linke Seite bisher noch keine zweite Alu-Griffschale hab´ anfertigen lassen, ist dort wieder die alte aus Holz montiert.

Das Aufwurffenster ist der Vorlage nachempfunden und weist auch nach ca. 250 Schuss keinerlei Spuren von Kollision mit ausgeworfenen Hülsen auf.

Ihr wolltet Spass…

Natürlich habe ich die Montagebrücke mit Reddot auch noch mit dem Anschlagschaft kombiniert!

Die Präzision, die man erreichen kann, wenn man konzentriert schießt, ist bemerkenswert! Beim ersten Schussbild auf 25m habe ich zügig geschossen, beim zweiten auf 15m habe ich mir mehr Zeit gelassen.

25m, 25 Schuss

15m, 20 Schuss

Anschlagschaft für Colt 1911, Teil 3

Was das Projekt „Anschlagschaft“ angeht, bin ich endlich am Ende angelangt und möchte hier kurz das Endergebnis präsentieren.

Nach nur einem Prototypen habe ich das Design radikal geändert, sodass jetzt wirklich nur noch das Nötigste vorhanden ist: Keine Längenverstellung und keine Wangenauflage mehr. Der Anschlagschaft besteht lediglich noch aus der PRS-2-Schaftkappe von Magpul, einer massiven Alustrebe, der Kontermutter aus Stahl und dem verlängerten Hauptfedergehäuse, ebenfalls aus Stahl. Letzteres geht spielfrei in das Griffstück der 1911er, die Einpassarbeiten mussten dafür erstmalig durch Handarbeit erledigt werden. Das ermittelte Fertigmass wurde für Nachfertigungen dann in die Konstruktionsdateien übertragen.

Dadurch, dass in beide 1911er-Modell „Government“ und Commander“ das gleiche Hauptfedergehäuse im Griffstück verbaut ist, kann der Anschlagschaft somit natürlich auch für beide Modelle verwendet werden. Er ist im Hauptfedergehäuse bereits mit allen Einzelteilen für das Spannen des Abzugs ausgerüstet (siehe nachfolgendes Bild) und wird lediglich durch einen einzigen Sicherungsstift gehalten. Alle auftretenden Rückstoßkräfte werden durch Nut und Feder des Hauptfedergehäuses, bzw. der Griffstücks aufgenommen und wie bei einer Langwaffe über den Schaft in die Schulter eingeleitet.

Der Anschlagschaft bietet schon jetzt eine erhebliche Unterstützung beim Zielen mit Kimme und Korn. Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich ihn zusätzlich mit der eigens für die 1911er konstruierten Picatinny-Montage kombinieren.

Magazinbodenverlängerung Hera Arms H1

Ich habe mir lange überlegt, wie ich die Einleitung zu diesem Beitrag am besten formuliere, denn dieser Blog soll auch weiterhin unpolitisch bleiben. Wer sich als Sportschütze in den letzten Monaten aber auch nur ein kleines Bischen über aktuelle oder anstehende Themen informiert hat, dürfte mittlerweile schon gecheckt haben, wie sehr manche Politiker die Sportschützen instrumentalisieren, bzw. regelrecht verarschen und vorführen. Zu traurig das Ganze, diesem speziellen Thema könnte man glatt mehr als einen eigenen Beitrag widmen…

Ok, lasst uns der Sache ins Auge blicken: 10er-Magazine am AR-15 sehen einfach nach nichts aus. Nach neuer Gesetzgebung, die zwar aktuell noch nicht in Kraft ist, aber die bei Veröffentlichung dieses Beitrags garantiert schon beschlossen sein wird, sind Magazinkörper für Langwaffen, die imstande sind, 10 oder mehr Patronen zu fassen, demnächst für das sportliche Schießen nicht mehr zugelassen. Vom Magazinboden war allerdings nicht die Rede und ein Boden kann eben auch keine Patronen aufnehmen. Aus diesem Grund habe ich auf Basis meiner bereits konstruierten Magazinbegrenzung (damals war ich noch jung und naiv und dachte, die Sache wäre damit erledigt) ein verlängertes Bodenstück konstruiert. Ziel ist es, das 10er-Magazin optisch wieder auf die Länge eines 20er-Magazins zu bringen.

Zu sehen ist hier also der Prototyp, mit welchem die Länge des 20er-Magazins leider noch nicht ganz getroffen wird; er macht das 10er-Magazin insgesamt ca. 15mm länger als das 20er-Magazin. Ist aber kein Problem, das nochmal anzugleichen. Das Bauteil passt an die Magazine H1 und H2 und müsste eigentlich auch an ein H3 passen.

Nach dem Entfernen des Stützmaterials musste nur an sehr wenigen Stellen nachgefeilt werden. Das war zum einen unterhalb der Rastnase auf der Rückseite und der Oberseite der Durchführung für den Sicherungsclip der Fall. Auf den obigen Bildern ist der Magazinboden noch unlackiert, als Farbe habe ich mir dafür RAL 7006 anmischen lassen.

So sieht das ganze nach der Montage aus:

…und so nach der Lackierung:

Weitere Druckergebnisse

Nachtrag 05.04.2021

Es wurde mal Zeit, diesen Beitrag zu überarbeiten und mit den ganzen Dateiversionen mal aufzuräumen. Die nachfolgenden Dateien will ich durch Bildmaterial dann auch so aufbereiten, dass es übersichtlicher ist, was man sich nun runterlädt. Dazu zunächst mal eine kurze Übersicht der Magazintypen von Hera Arms von H1 bis H3. Das oberste Magazin (H1) hat eine Verlängerung „H2-20mm“ montiert. Sinngemäß ergibt sich – angebracht an ein Magazin H1 – eine Gesamtlänge, die 20mm unter der des Originalmagazins H2 liegt. Was Ihr auf den Bildern nicht sehen könnt: Es handelt sich um eine Magazinbodenverlängerung „Version 4“, die im oberen (nach der Montage nicht mehr sichtbaren) Bereich keine Taschen mehr hat. Folglich muss dort auch keine Stützstruktur mehr ausgeputzt werden und die umlaufende dünne Kante, die den Übergang formen soll, bleibt eher unbeschädigt. Natürlich kann man die Verlängerung „H2“ auch nochmal an seinem H2-Magazin montieren und erhält dann eine Länge die ca. 6-8mm über der des 30er Magazins H3 liegt.

Achtet darauf, die Dateiendung nach dem Download in „.STL“ umzubennen!

H1 wird H2-20mm

H1 wird H2 / h2 wird H3-8mm

H1 wird H2+10mm

Picatinny-Montageschiene für 1911er, Teil 1

In meinem ersten Beitrag zum Anschlagschaft für meine 1911er Government von Les Baer hatte ich bereits eine Picatinny-Montageschiene bei Brownells verlinkt, die ich eigentlich mit Anschlagschaft im Verbund testen wollte. Da ich die Montage bei Brownells zu teuer fand, habe ich noch ein wenig recherchiert und schließlich eine ähnliche bei Ebay gefunden. Weil ich so lange auf die Teile zum Schaft warten musste, habe ich die Montagschiene schonmal vorher ausprobiert und hier ist mein Bericht dazu.

Die Montageschiene wurde bei Ebay unter dem Begriff „Aimtech AMP-7“ angeboten und war nur günstige 50 US-Dollar teuer. Der Versand belief sich auf zusätzliche 29 US-Dollar, dafür war der Artikel aber auch schon nach ca. 7-10 Tagen bei mir zuhause – inklusive zolltechnischer Behandlung! Alles in allem immer noch kein schlechter Preis…

Vor der Montage habe ich den Adapter erstmal unter die Lupe genommen. Das Bauteil ist aus Aluminium gefertigt, wobei ich vermute, dass das Teil zuerst gefräst und dann gebogen wurde. Die Oberfläche ist schwarz eloxiert, die Picatinny-Nuten sind – soweit ich das beurteilen kann – korrekt gefräst. Einziger und gravierender Nachteil ist die nicht korrekt winklige Position der Pica-Schiene gewesen. Schon vor der Montage ist mir aufgefallen, dass sich die Oberseite der Schiene nicht im rechten Winkel zur seitlichen Griffschale befindet. Bei näherer Untersuchung ist dann hinzugekommen, dass die Pica-Schiene in Richtung des Pistolenschlittens auch noch geneigt ist. Nach ca. 2-3 Stunden ist es mir dann gelungen, den Adapter so zu richten, dass ich zufrieden sein konnte. Die größte Schwierigkeit bestand für mich darin, das Bauteil zu spannen und die Kraft zum Biegen gut zu dosieren. Mit zwei automatischen Grip-Zangen, die eher im Metallbau Anwendung finden, ist es mir dann schließlich auch gelungen. Die Spuren des Eingriffs kann man auf der rechten Seite der Montageschiene gut erkennen.

Im Lieferumfang enthalten waren neben der eigentlichen Montageschiene noch zwei weitere Zylinderstifte, die am Ende beide noch ein Gewinde aufweisen. Die Sache mit der Befestigung der Montage an der Waffe ist gut durchdacht: Die mitgelieferten Pins ersetzen jeweils die serienmäßigen Pins, die den Hammer und dessen Federgehäuse (engl.: „Main Spring Housing“) im Rahmen halten (siehe gelbe Pfeile im Bild). Sobald diese Pins mit dem Gewindeende auf die Montageschiene, bzw. die Gewindelöcher in der „Griffschale“ treffen, werden sie mit dem ebenfalls mitgelieferten Sechskantschlüssel reingedreht. Da bei mir die Abzugssicherung beidseitig vorhanden ist, habe ich sie auf der rechten Seite kurzerhand herausgezogen.

Sinn dieser zusätzlichen Befestigung ist, die „Griffschale“ absolut fest auf dem Waffenrahmen zu montieren, denn allein durch die Schrauben der Griffschalen (zusätzliche Griffschrauben sind übrigens nicht im Lieferumfang enthalten) kann die Montageschiene nicht zuverlässig fest montiert werden. Leider weiß ich, wovon ich rede und das muss Euch ja nicht auch noch passieren…

Jedenfalls wollte ich den Aufwand nicht betreiben, die Waffe auch noch umständlich zu zerlegen und diese Pins zu verwenden. Die Griffschale/Montageschiene wurde also nur mit den Griffschrauben befestigt. Die Positioniergenauigkeit der Bohrlöcher ließ keine Wünsche offen, aber die Durchgengsbohrung war natürlich einige Zehntel im Durchmesser größer. Obwohl die Schrauben fest angezogen waren, konnte die relativ rauhe Oberfläche des Eloxals durch minimalste Bewegung im Schuss dann doch meine Brünierung „anfressen“. Ärgerlich, aber nicht tragisch. Ich habe den Braten schon vorher gerochen und habe nach nur 5-6 Schuss nachgeschaut, ob meine Befürchtungen wahr werden. Und ja, war leider der Fall…

Das Schießen wurde erstmal abgebrochen. Die Innenseite der „Griffschale“ habe ich dann mit 0,5mm dickem Gummi beklebt und das Problem damit gelöst. Nachfolgend meine Schussbilder mit dem von Marvin geliehenen Rotpunktvisier „Fastfire 3“ von Burris.

15m Distanz

Das Rotpunktvisier wurde erstmal mit wenigen Schüssen justiert, bevor dann letztendlich die Mitte getroffen wurde. Das Schussbild hätte durch Klicks noch ein wenig nach links korrigiert werden können, aber durch die nicht perfekt ausgerichtete Pica-Schiene hätte ich vielleicht auch noch eine Höhenkorrektur machen müssen. Ich war erstmal zufrieden und habe dann im Anschluss noch die Ziffern „3“ auf drei, neun und zwölf Uhr anvisiert.

25m Distanz

Für die Distanz von 25m habe ich dann mal eine Markierung von je vier Schusspflastern in der linken und rechten oberen Ecke angebracht, um ein ausreichend großes Ziel mit dem Reddot anvisieren zu können. Wie man sieht, ist da eine ganz schöne Höhenverlagerung des Schussbilds vorhanden. Das finde ich insofern beruhigend, als dass ich keine Klickveränderung am Reddot für die neue Distanz vorgenommen habe. Hätte sich jetzt noch eine signifikante Abweichung nach links oder rechts gezeigt, würde das bedeuten, dass ich die Montageschiene nicht mal annähernd gerade biegen konnte.

Sehr erfreulich war, dass es keinerlei Waffenstörungen beim Schießen gab, das Auswurffenster der 1911er wird durch die großzügige Aussparung in der Halterung nicht verdeckt. Zum Schlitten gibt es ausreichend Freiraum, sodass keine Kollision mit der Montageschiene zu befürchten ist.

Mein Fazit

Für die relativ geringe Summe von 80 US-Dollar (Versand nach Deutschland mitgerechnet) ist das ein gut durchdachtes und durchaus brauchbares Teil! Sehr schade finde ich die Zeit und Mühe, die man investieren muss, um die Winkligkeit des Produkts (wieder) herzustellen. Meiner Meinung nach lohnt sich der Kauf am ehesten für Schützen, die dauerhaft auf einer fixen Distanz mit einem Rotpunktvisier oder einer anderen Zielvorrichtung schießen möchten, da die korrekte Montage ein wenig Zeit in Anspruch nimmt und eine 100%ige Ausrichtung der Montage schwierig werden könnte – das hängt vom handwerklichen Geschick des Schützen ab. Wer letztgenannte Arbeit scheut, kann aber durchaus Höhe und Seite auf die gewünschte Distanz einstellen und loslegen. Erst bei wechselnden Distanzen kommt man in die Verlegenheit, zur Höhen- ggf. zusätzlich noch die Seitenlage justieren zu müssen. Mich reizt jedenfalls der Gedanke, diese Montage in Verbindung mit dem letzten Design meines Anschlagschafts künftig weiter zu benutzen und ich werde mich daran machen, eine eigene Montageschiene zu konstruieren, die ausschließlich auf CNC-Maschinen produziert und daher perfekt gerade sein wird. Aus Kostengründen wird sie später höchstwahrscheinlich zweiteilig ausgeführt sein.

Hier geht es zum zweiten Teil des Beitrags.