Meopta Meosight 3

Vor einigen Wochen habe ich mir ein neues Rotpunktvisier gekauft, dass ich aufgrund der noch vorherrschenden Beschränkungen durch die Pandemie leider nicht gleich auf einer Schusswaffe testen konnte. Das habe ich mittlerweile aber nachgeholt und ich bin mit dem Ergebnis bisher sehr zufrieden: Das Meopta Meosight 3 ist es geworden.

Da ich vor dem Kauf bereits die Daten einiger anderer Rotpunktvisiere studiert habe und auch einige selbst ausprobieren konnte, möchte ich zu diesem Thema meine Erfahrungen mitteilen und natürlich auch meine Kaufentscheidung begründen. Vielleicht hat der eine oder andere unter Euch ja die gleichen Ansprüche und kann mit den nachfolgenden Infos noch etwas anfangen. Ich reiße die verschiedenen Rotpunktvisiere dabei nur an, detaillierte Informationen finden sich in den aufgeführten Links.

Wesentlichen Einfluss auf meine Kaufentscheidung hatte meine Rot-Grün-Sehschwäche. Sie bedingt, dass – für eben diese zwei Farben – das Farbsehvermögen gemindert ist. In extrem ausgeprägten Fällen ist es sogar möglich, dass man diese Farben kaum noch wahrnehmen kann, das ist bei mir aber glücklicherweise längst nicht der Fall. Es hat sich aber gezeigt, dass ich bei besonders kleinen Punkten (z.B. 2 MOA) oder relativ lichtschwachen Punkten in Verbindung mit Sonneneinstrahlung am Ziel den Punkt oft gar nicht mehr erkennen kann. Die meisten anderen Schützen werden das nicht wirklich nachvollziehen können und orientieren sich höchstwahrscheinlich eher an anderen technischen Daten der Rotpunktvisiere.

Meine Anforderungen an das Rotpunktvisier waren schließlich folgende:

  • Rotpunkt soll größer 2 MOA sein.
  • Montage soll hauptsächlich auf meiner 1911er sein, dort i.V.m. der neu entwickelten Griffschale.
  • Montage soll auf Picatinny-Schiene möglich sein, eine notwendige Adapterplatte wäre akzeptabel, eine Schlittenmontage mit entsprechendem Adapter ist nicht erwünscht.
  • Spätere Montage auf dem AR-15 „SRB“ von Hera Arms ist nicht ausgeschlossen, der Rotpunkt darf deshalb nicht zu groß sein, weil er z.B. auf 100m zu viel vom Ziel verdecken würde.
  • Manuelle Regulierung der Helligkeit ist aufgrund Rot-Grün-Sehschwäche notwendig.
  • Der Preis sollte unterhalb von 300 Euro sein.
  • Der Rotpunkt soll einen scharfen Rand haben. Jaaaa, wer wünscht sich das nicht? Das liegt aber an den eigenen Augen und nicht am Produkt. Astigmatismus nennt sich das Phänomen und bedingt, dass man den Rotpunkt nicht als kreisrund wahrnehmen kann, sondern Ausfransungen sieht.

EOTECH 512

Das Eotech 512 habe ich mal selbst besessen, es war mein erstes Reflexvisier. Ursprünglich für das erste AR-15 gekauft, ist es nachher recht schnell auf meiner Benelli M4 gelandet und wurde danach letztendlich verkauft. Für den Verkauf gab es zwei Gründe: Erstens waren für die entsprechenden Wettkämpfe der SL-Flinte nur offene Visierungen erlaubt und zweitens war der innenliegende Punkt ausgefranst. Dass das an mir liegt, habe ich erst später geschnallt…

Das Eotech war nicht schlecht, allerdings vergleichsweise groß. Die Bedienung war einfach und man konnte die Helligkeit des Absehens bis hin zu einer ordentlichen Leuchtkraft regulieren.

Das Eotech 512 habe ich damals bei Vegaoptics gekauft, der aktuelle Preis liegt immer noch bei über 500 Euro.

https://vegaoptics.de/

Aber kommen wir zu den Rotpunktvisieren, die bei mir wirklich in die nähere Auswahl gekommen sind:

Burris Fastfire III

Da war zuerst das Burris Fastfire III, das ich damals auf der IWA gesehen habe, die ich mit Marvin gemeinsam besucht habe. Er war damals ebenfalls auf der Suche nach einem Rotpunktvisier und wir haben uns gemeinsam verschiedene Hersteller und Modelle angeschaut – für Ihn ist es schließlich dieses geworden. Da er es immer noch besitzt, konnte ich es schließlich eine Zeit lang testen. Obwohl ich es damals auf der IWA durchaus gut fand, hat es nun meine Anforderungen nicht mehr erfüllt.

Hier einige Eckdaten zum Burris Fastfire III:

  • Punkt 3 MOA, rot
  • Fenster 21x15mm
  • Verstellung: Klickverstellung
  • Höhenverstellung 115 MOA
  • Seitenverstellung 86 MOA
  • Helligkeit manuell: 3 Stufen
  • Helligkeit automatisch: ja
  • Picatinny-Montage enthalten: nein
  • Preis ca. 310 Euro

https://vegaoptics.de/burris-fastfire-iii-3-moa-red-dot?c=925

Für mich waren die wenigen Helligkeitsstufen maßgebend, es schließlich nicht zu kaufen.

Docter/Noblex Sight C

Ich weiß nicht, was Docter/Noblex anders macht, als andere Hersteller, aber ich habe noch nie einen derart scharfen Rand an einem Rotpunktvisier gesehen – und das mit meinen Augen, die Punkte ansonsten immer ausgefranst sehen!!! Das gilt sowohl für dieses Modell, als auch die nachfolgend beschriebene Variante „III“. Bliebe noch zu erwähnen, dass es das „Sight C“ und das „Sight III“ jeweils mit verschieden großen Punkten gibt. Das entscheidet man allerdings beim Kauf, umschalten ist leider nicht…

Eckdaten Noblex Sight C:

  • Punkt 7 MOA oder 3,5 MOA, rot (mit 7 MOA getestet)
  • Fenster ?x?mm
  • Verstellung: stufenlos
  • Höhenverstellung 360cm/100m
  • Seitenverstellung 270cm/100m
  • Helligkeit manuell: keine/0 Stufen
  • Helligkeit automatisch: ja
  • Picatinny-Montage enthalten: nein
  • Preis ca. 325 Euro

https://vegaoptics.de/noblex-sight-c-schwarz-3-5-moa?c=925

Das „Sight C“ ist im Vergleich zum „Sight III“ die weniger robuste Variante und sollte niemals auf Pistolenschlitten montiert werden, da dessen Beschleunigungskräfte zum Ausfall des Visiers führen würden. Mich hat beim „Sight C“ die automatische Regulierung der Helligkeit gestört. Für das Schießen in einer Halle war das noch in Ordnung, aber sobald sich die Zielscheibe im Freien befand und ggf. noch von der Sonne angestrahlt wurde, konnte ich den Punkt leider nicht mehr erkennen.

Docter/Noblex Sight III

Diese Variante habe ich mit einem Punkt von 3,5 MOA ausprobiert. Er erschien im Vergleich zum 7-MOA-Punkt heller, war aber durch nur drei vorhandene Helligkeitsstufen leider auch ungenügend für mich. Manuell kann man hier die Helligkeit durch einen in der Schutzkappe integrierten Magneten verändern. Dazu muss die Schutzkappe (mit der Seite des Magneten) kurz an dem Gehäuse entlang gezogen werden.  

Hier die Eckdaten vom Noblex Sight III:

  • Punkt 7 MOA oder 3,5 MOA, rot (mit 3,5 MOA getestet)
  • Fenster 21x15mm
  • Verstellung: stufenlos
  • Höhenverstellung 360cm/100m
  • Seitenverstellung 270cm/100m
  • Helligkeit manuell: 3 Stufen
  • Helligkeit automatisch: ja
  • Picatinny-Montage enthalten: nein
  • Preis ca. 290 Euro

https://vegaoptics.de/noblex-sight-iii-3-5-moa?c=925

Bei diesem Rotpunktvisier waren mir die drei manuell einstellbaren Helligkeitsstufen einfach zu wenig. Auch auf der höchsten Stufe war das Schießen im Freien für mich nicht mehr möglich. Die manuelle Verstellung durch den Magneten hat mich auch nicht überzeugt, ich bin da einfach „oldschool“ und brauche Druckknöpfe!

Holosun HS510C/HS510C-GR/HS510-GR Elite

Bei diesen Visieren habe ich mich etwas länger damit beschäftigt, deren Unterschiede anhand der Produktbeschreibungen zu verstehen. Holosun bietet natürlich eine Vielzahl mehr an Rotpunktvisieren, allerdings habe ich mir mit diesen Modellen gleich eine niedrige Baugröße ausgesucht, das war mir wichtig. Diese Visiere finde ich immer noch sehr interessant, weil es bei den Modellen „GR“ ein grün beleuchtetes Absehen gibt, das ich trotz des kleinen 2MOA-Punktes vielleicht doch besser sehen kann, als jene in rot. Zudem gibt es Varianten in der Gehäusefarbe FDE, das wäre dann wieder stimmig mit meinem AR.

Eckdaten Holosun HS510C:

  • Punkt 2 MOA oder Kreis 65 MOA oder Punkt-Kreis, rot oder Variante „GR“=grün
  • Fenster 32x24mm
  • Verstellung: 0,5 MOA Klickverstellung
  • Höhenverstellung 100 MOA
  • Seitenverstellung 100MOA
  • Helligkeit manuell: 12 Stufen
  • Helligkeit automatisch: nein
  • Picatinny-Montage enthalten: ja, integriert mit QD-Hebel
  • Preis ca. 360 Euro/400 Euro „Elite“

https://vegaoptics.de/holosun-hs510c?c=925

https://vegaoptics.de/holosun-he510c-gr-fde?c=925

https://vegaoptics.de/holosun-he510c-elite?c=925

Vortex Venom/Viper

Neben den o.g. Modellen von Holosun ist das Vortex Viper ein Rotpunktvisier, das ebenfalls in die engere Auswahl gekommen ist. Ein wesentliches Merkmal kann man einfach nicht außer Acht lassen: Vortex gibt auf dieses Produkt eine lebenslange Garantie! Erfahren habe ich das vom Geschäftsführer der Fa. Ritter Optik, bei der ich schließlich mein Meopta Meosight 3 gekauft habe. Das wird in Anbetracht der Beschleunigungskräfte auf Pistolenschlitten schon sehr interessant, denn wer hat nicht schon von Visieren gehört, die dort montiert wurden und nicht lange funktioniert haben?

Eckdaten Vortex Venom/Viper:

  • Punkt 6 MOA oder 3 MOA/Viper nur 6 MOA, rot
  • Fenster 26x16mm
  • Verstellung: Klickverstellung
  • Höhenverstellung 130/120 MOA
  • Seitenverstellung 100/120 MOA
  • Helligkeit manuell: ja, ??? Stufen
  • Helligkeit automatisch: ja
  • Picatinny-Montage enthalten: nein
  • Preis ca. 270/280 Euro

https://www.ritter-optik.com/leuchtpunktvisier-vortex-venom-3moa.html

https://www.ritter-optik.com/leuchtpunktvisier-vortex-venom-6moa.html

https://www.ritter-optik.com/leuchtpunktvisier-vortex-venom-6moa.html

Meopta Meosight 3

Dies ist nun mein erstes Produkt von Meopta und der erste Eindruck ist wirklich gut. An der Verarbeitung gibt es nichts auszusetzen und die Sache mit der Haltbarkeit wird sich noch zeigen. Ich erwarte jetzt ehrlich gesagt auch keine bösen Überraschungen, weil das Visier ja nicht auf einem Schlitten montiert wird. Das wäre für jedes Rotpunktvisier der absolute Härtetest! Im Vergleich mit den anderen Rotpunktvisieren möchte ich noch kurz meine Entscheidung begründen, wobei ich schon jetzt sagen kann, dass der Preis von Meopta fast unschlagbar ist:

Burris Fastfire 3: Hat leider nur drei Helligkeitsstufen und fällt dazu noch teurer aus, ist aber immer noch im gesetzten preislichen Rahmen.

Noblex Sight C: Hat einer der schärfsten Punkte, aber leider keine manuellen Helligkeitsstufen. Fällt ebenfalls teurer aus, ist aber auch immer noch im gesetzten preislichen Rahmen. Die 7 MOA-Variante ist für das Gewehr auf >100m ungeeignet.

Noblex Sight III: Hat einer der schärfsten Punkte, aber leider nur drei manuelle Helligkeitsstufen. Fällt ebenfalls teurer aus, ist aber auch immer noch im gesetzten preislichen Rahmen. Die 7 MOA-Variante ist für das Gewehr auf >100m ungeeignet.

Holosun 510C: Die Daten dieses Rot- (bzw. Grün-) Punktvisiers klingen sehr vielversprechend, insbesondere mit grün beleuchtetem Absehen. Leider hat es den gesetzten preislichen Rahmen überschritten, es bleibt aber als geeigneter Kandidat – dann ausschließlich für das AR – im Sinn. Es wird sich dann mit dem Falke 2 NV messen müssen…

Vortex Viper: Die Lebenslange Garantie ist einfach ein riesiger Pluspunkt! Ich habe allerdings nicht ermitteln können, wie viele manuelle (und ob überhaupt) Helligkeitsstufen es hat. Fällt ebenfalls teurer aus, ist aber auch immer noch im gesetzten preislichen Rahmen.

Vortex Venom: Mit einem Punkt von 6 MOA ist es für ein Gewehr auf >100m für mich leider ebenfalls ungeeignet.

Eckdaten Meopta Meosight 3:

  • Punkt 3 MOA, rot
  • Fenster 26x16mm
  • Verstellung: stufenlos
  • Höhenverstellung 130/120 MOA
  • Seitenverstellung 100/120 MOA
  • Helligkeit manuell: 8 Stufen
  • Helligkeit automatisch: ja
  • Picatinny-Montage enthalten: nein

Preis ca. 215 Euro

https://www.ritter-optik.com/reflexvisier-meopta-meosight-III.html

Meosight 3 Zubehör

Das folgende Bild zeigt fast das gesamte Zubehör des Meosight 3. Außerdem enthalten sind noch zwei längere Schrauben M3, die ich dazu verwendet habe, das Visier direkt auf die Picatinny-Montage zu schrauben.

Meosight 3 im Schuss

Am unteres Fensterrand hat das Meosight 3 eine Art Kimme, die es enorm erleichtern kann, den roten Punkt im Sichtfenster zu finden. Das Meosight 3 hat zudem eine stufenlose Verstellung von Höhe und Seite, die ich keineswegs als störend empfinde, im Gegenteil: Ich halte sie für fein genug, sodass sie gegenüber einer Klickverstellung meiner Meinung nach sogar einen Vorteil bietet, denn zwischen den Klicks kann bei Rotpunktvisieren anderer Hersteller ansonsten nichts passieren.

Diese Schussbilder sind beim zweiten Schießtermin entstanden, dank der nachgefeilten Schlüsselweite an der Picatinny-Montage hat sich auch nichts mehr gelockert. Eins vorweg: Sie sind alle mit dem zuletzt entwickelten Anschlagschaft entstanden! Während der ersten drei Schussbilder wurde 2x nachjustiert, beim vierten Schussbild war ich dann zufrieden und beim fünften habe ich den Anschlagschaft demontiert – man sieht deutlich, wie die Waffe wieder hochschlägt.

Zubehör-Montageplatten

Wer zum Rotpunktvisier noch eine geeignete Picatinny-Montage sucht, mag wie ich auch erstmal bei Egun suchen. Ich habe dort eine günstige Variante für ca. 26 Euro gefunden und den Kauf auch schon bereut: Die Picatinny-Montage war zur Aufnahme der Adapterplatte des Meosights vorbereitet und sollte mit dessen Schrauben M3 drauf befestigt werden. Die Bohrungsabstände haben gestimmt, allerdings waren die Gewinde M3 derart grob hineingeschnitten, dass es schon fast Gewinde M4 waren! Die Schraube M3 hat leider keinen Halt gehabt… Ich habe schließlich auf die Adapterplatte im Lieferumfang des Meosights verzichtet und mir durch die Durchgangsbohrungen des Visiers direkt meine Bohrungspositionen für Gewinde M3 auf der Picatinny-Montageplatte angerissen. Danach war die Sache erledigt. Zusätzlich ärgere ich mich über mich selbst, dass ich wider besseren Wissens doch zu einer Montage mit Rändelmutter als Klemmung gegriffen habe. So ein Scheißdreck taugt einfach überhaupt nichts! Obwohl fest angezogen und obwohl keine Montage auf dem hochbeschleunigten Schlitten erfolgt ist, hat sich das Rotpunktvisier beim Schießen gelöst. Zweite Abhilfe war, der Rändelmutter mit der Feile eine Schlüsselweite zu verpassen, damit man sie ordentlich festziehen kann (siehe Einzelbild oben). Wer Zubehör gekauft hat, will nur noch montieren und dann endlich loslegen und nicht erst großartig nacharbeiten. Wer nicht den gleichen Fehler wie ich machen möchte, der sollte sich also gleich etwas Vernünftiges kaufen. Die nachfolgenden Links zu den Montagen sind häufig waffenspezifisch, aber auch für eine generelle Picatinny-Montage. Sie machen jedenfalls einen besseren Eindruck als das, was ich mir gekauft habe.

Montageplatten für Pistolenschlitten:

https://www.ritter-optik.com/montagen-docter-noblex-vortex-burris/leuchtpunktvisier-montagen-kurzwaffen/

Montageplatten für Langwaffen, auch Picatinny:

https://www.ritter-optik.com/montagen-docter-noblex-vortex-burris/leuchtpunktvisier-montagen-langwaffen/

https://vegaoptics.de/utg-super-slim-picatinny-rmr,-trijicon,-montage—niedrig

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