CZ 75 Shadow 2

Nachdem ich vor mittlerweile fast 2 Jahren meinen Revolver SW 686 verkauft habe, war die 1911er von Les Baer in dieser Zeit meine einzige Kurzwaffe. Da ich am Revolver aber sowieso das Interesse verloren hatte, war das auch nicht weiter schlimm. Nach nun ca. 7 Jahren des Schießsports wollte ich mir schließlich meine erste Kurzwaffe im Kaliber 9mm zulegen und habe mich aus folgenden Gründen für die CZ 75 Shadow 2 entschieden:

  • Eine Polymerwaffe kommt für mich nach wie vor nicht infrage. Die CZ 75 Shadow 2 ist eine Ganzstahlwaffe und ihr Eigengewicht dämpft den ohnehin relativ milden Rückstoß des Kalibers 9mm nochmal zusätzlich. Das Schussverhalten der Shadow 2 kann ich nur als ausgesprochen angenehm bezeichnen.
  • Als Mitglied des BDMP konnte ich diese Waffe über den gleichen Verband für die Disziplin „C9.2 Pistol 1500“ beantragen. Zudem ist sie mit einem etwas kürzeren Magazin (das muss man sich aber erst zulegen) auch für die BDMP-Disziplin „C17 EPP“ zugelassen (das Box-Maß ist zu beachten).
  • Die Pistole ist allgemein sehr vielseitig auch in weiteren Disziplinen anderer Verbände einsetzbar, wie z.B. beim IPSC. Zusätzlich ist für die Shadow 2 mittlerweile auch ein Triarii-System von Hera Arms verfügbar, was seinen ganz eigenen Reiz – und nebenbei bemerkt auch wieder eine eigene Disziplin beim BDS – hat.
  • Der Anschaffungspreis der Shadow 2 ist mit knapp 1.050 Euro relativ niedrig. Eine Pistole im Preissegment einer Les Baer oder gar einer Sig Sauer X war ich nicht bereit, (wieder) zu bezahlen. Im Kaufpreis der Shadow 2 sind ab Werk übrigens ein Transportkoffer, Reinigungsgerät und drei Magazine enthalten.
  • Die Munitionskosten für das Kaliber 9mm sind im Vergleich ebenfalls niedrig, jedenfalls im Bereich der Großkaliber. Ich habe mich auch für das Kaliber 9mm zum Wiederladen entschieden, ganz einfach, weil es mir Spass macht und ich das Zubehör dazu seit den Anfängen meines Schießsports schon im Schrank hatte. Speziell bei diesem Kaliber scheiden sich ja die Geister, ob ein Wiederladen noch zeitlich sinnvoll, bzw. finanziell lohnend ist, aber das soll jeder für sich selbst entscheiden. Würde ich die Shadow 2 z.B. auch für das IPSC-Schießen nutzen wollen, dann sähe die Bilanz durch den zu erwartenden hohen Durchsatz an Munition schon anders aus. Abgesehen davon: Das Tüfteln nach der geeigneten Laborierung macht mir immer wieder Spass, egal für welche Waffe.
  • Die Shadow 2 bietet mit Ihrer Picatinny-Schiene unterhalb des Laufs Potential für weitere Anbauteile, mal schauen, auf was für Ideen ich noch komme… 😊

Marvin besitzt schon seit Längerem eine CZ 75 Shadow SP01, die meines Wissens nach auch ein Abzugstuning von Oschatz aufweist. Diese Pistole konnte ich bereits öfter probeschießen und ich hatte nichts daran auszusetzen. Das hat natürlich auch zu meiner Kaufentscheidung beigetragen, mir das Nachfolgemodell zuzulegen. Das bei meiner Waffe nicht vorhandene Abzugstuning vermisse ich nach ca. 400 Schuss, die mittlerweile durch sind, überhaupt nicht. Allgemein würde ich die Shadow 2 auch einem Anfänger empfehlen. Der Anschaffungspreis und die niedrigen Folgekosten für Munition sind einfach ein unschlagbares Argument für eine Großkaliber-Waffe.

Im Netz habe ich zu der Shadow 2 zwei ausführliche Berichte von All4Shooters gefunden, die ich hier verlinken möchte. Der erste Link bietet eine sehr gute Beschreibung der Waffe mit Übersicht der verfügbaren Varianten . Hilfreich ist außerdem die Auflistung der geschossenen Streukreise mit einigen wenigen Munitionstypen. Wer zu den verschiedenen Laborierungen detailliertere Infos über Streukreise haben möchte, kommt an den dort erwähnten Artikeln der Zeitschrift „Visier“ wohl nicht vorbei.

CZ 75 Shadow Line

Der zweite Link führt zu einem Bericht über die Verwendung beim IPSC.

CZ Shadow 2 IPSC

Nachteile

Die gibt es, wenn für mein Empfinden auch nur sehr wenige. Sie sind für mich aber eher vernachlässigbar, weil ich sie zu meiner Zufriedenheit bereits in den Griff gekriegt habe:

  • Erwähnenswert ist für mich das Gewicht der Waffe. Es stellt für mich genaugenommen aber kein Nachteil dar, im Gegenteil. Wie oben bereits geschrieben, ist Masse nach wie vor ein hervorragender Rückstoßdämpfer und ich persönlich komme sehr gut damit klar. Die Pistole ist aber schon spürbar schwerer als z.B. meine Les Baer 1911 und es mag sein, dass man generell eine leichtere Waffe bevorzugt. Selber testen heißt hier also die Devise.
  • Zwischen Schlitten und Griffstück ist ein sehr leichtes Spiel bemerkbar (vielleicht 0,1 bis 0,15 Millimeter?). Wie gesagt, bewegt man sich mit der Waffe auch nicht im hochpreisigen Segment der Pistolen, in dem dieses Spiel eher nicht mehr vorhanden ist. Mein Händler meinte bei Übergabe: „Erwarten Sie keine hochpräzise Waffe.“ Trotzdem bin ich mit der Schussleistung sehr zufrieden und liefere weiter unten auch Schussbilder dazu. Übrigens: Das Spiel an meiner Les Baer empfinde ich mittlerweile – nach ca. 8000 Schuss – als gleich groß und bin nach wie vor überzeugt von dieser Waffe. Auch hierzu gibt es weiter unten ein Schussbild zum Vergleich.
  • Die CZ 75 Shadow 2 hat ab Werk leider keine Mikrometervisierung für die Seitenverstellung, sondern nur für die Höhe. Eine Seitenjustage ist hier also leider etwas aufwendiger, da die Kimme recht stramm in ihrer Nut sitzt.

Da eine Seitenverstellung bei meiner Shadow 2 notwendig war, möchte ich nachfolgend noch beschreiben, wie ich die Sache gelöst habe:

Kimme vermessen

Das Schussbild lag bei mir auf einer Entfernung von 25m ca. 2-3cm außermittig links. Ich will nicht bestreiten, dass ein antrainierter Abzugsfehler ebenfalls an dieser Abweichung beteiligt war, aber dafür ist das Einstellen ja gedacht. Da ich nicht ewig Nachjustieren wollte, habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, die Position der Kimme zu vermessen, um von deren Verschiebung in Verbindung mit der neuen Trefferlage dann auf eine Abhängigkeit schließen zu können. Das war erstmal gar nicht so einfach, weil meine Wahl auf einen Messschieber mit Tiefenmessdorn fiel und ich am Pistolenschlitten keine geeigneten Kanten und Flächen fand, mit denen ich zuverlässig und wiederholgenau kleinste Abstände zur Kimme hin ermitteln konnte.

Bei Mikrometervisierungen ist ein Verstellen ja vergleichsweise einfach, denn die „Schrittweite“ der Verstellung ist meist durch einen „Klick“ spürbar. Das Resultat wird auf der Scheibe dann schon nach wenigen Schüssen sichtbar. Bei einer durchgehenden Nut wie bei der Shadow 2 wollte ich mir also durch Nachmessen zu einem Fixpunkt behelfen, so hätte ich die Kimme im Zweifelsfall auch wieder ein gewisses Stück zurückstellen können, ohne ständig im Dunkeln zu tappen. Nachjustieren zuhause und Probeschießen auf dem Stand im Wechsel haben das in diesem Fall letztendlich ein bischen in die Länge gezogen…

Ich habe mir schließlich mit einer Fühlerlehre und einem Dentalwerkzeug, das ich für die Reinigung von schwierigen Stellen nutze, weitergeholfen. Die Fühlerlehre habe ich an der Kimme angelegt und mit dem Dentalwerkzeug dann quasi den Übergang zum Schlitten ertastet. Wenn das ohne spürbaren Absatz möglich war, hatte ich mein gesuchtes Abstandsmaß anhand der Dicke der Fühlerlehre. Ich habe das Mass vorsichtshalber auf beiden Seiten der Kimme vermessen.

Kimme justieren

Fest stand, dass ich die Kimme der Pistole nach rechts verschieben musste. Bei meiner Waffe war der Abstand zwischen Schlittenfläche und Kimme auf der rechten Seite um 0,1mm größer, als auf der linken Seite (Die Kimme war folglich um 0,1mm über die Mitte nach links verschoben). Um den oben beschriebenen Versatz des Schussbilds von „2-3cm links“ auf 25m zu korrigieren, war bei meiner Shadow 2 letztendlich eine Verschiebung der Kimme um 0,2mm nach rechts notwendig (Endposition war dann 0,1mm nach rechts über Mitte).

Die Einstellungen von Kimme und Korn folgen dabei immer dieser Logik:

Kimme verschiebbar, Korn fest (so auch bei der Shadow 2)
  • Einschussloch liegt links: Kimme ist nach rechts zu stellen
  • Einschussloch liegt rechts: Kimme ist nach links zu stellen
  • Einschussloch liegt oben: Kimme ist tiefer zu stellen
  • Einschussloch liegt unten: Kimme ist höher zu stellen
Kimme fest, Korn verschiebbar
  • Einschussloch liegt links: Korn ist nach links zu verstellen
  • Einschussloch liegt rechts: Korn ist nach rechts zu verstellen
  • Einschussloch liegt oben: Korn ist höher zu stellen
  • Einschussloch liegt unten: Korn ist tiefer zu stellen

Für das Verschieben der Kimme sind auf ihrer Oberseite zunächst die beiden Klemmschrauben zu lösen.

Anschließend habe ich die Waffe mit einem Kunststoffkeil (hier zum Verlegen von Laminat) unterlegt und dann mit einer Schraubzwinge (mit Schutzkappen!!!) am Tisch fixiert.

Zum Treiben der Kimme hätte ich gerne wieder einen Stab aus Kunststoff genommen, der stand aber leider nicht zur Verfügung, also habe ich 10mm Rundstahl dafür verwendet. Um die Brünierung nicht zu beschädigen, habe ich doppelseitiges Klebeband auf die Kimme geklebt und die Schutzfolie nicht abgezogen (gerne auch mehr als nur eine Schicht verwenden). Die Aktion verlief gut, ohne Spuren an der Waffe zu hinterlassen. Die Klemmschrauben der Kimme sind danach wieder anzuziehen.

Und hier sind die erwähnten Schussbilder mit der Waffe, allesamt 20 Schuss auf 25m:

Schussbild CZ 75 Shadow 2 auf 25m

Les Baer 1911 auf 25m am gleichen Tag:

Schussbild CZ 75 Shadow 2 auf 25m mit Irisblende

Die Ladedaten gibt es dazu natürlich auch:

Achtung! Es wird keine Garantie für die Richtigkeit der Wiederladedaten übernommen – Wiederlader handeln auf eigenes Risiko!

  • Hülse: S&B
  • Pulver: 4,0 gr. Vihtavuori N320
  • Geschoss: H&N HP HS, 125 gr.
  • Zünder: Magtech 1 1/2″
  • OAL: 28,4mm

Laufinspektion / Teslong Laufkamera

Aufgrund der noch nicht ganz zufrieden stellenden Streukreise meines Halbautomaten AG42B Ljungmann habe ich mich dazu entschlossen, dessen Lauf mal durch einen Büchsenmacher inspizieren zu lassen. Ich habe bei dieser Gelegenheit auch gleich meinen Schwedenmauser mitgenommen, quasi als „Vergleichsnormal“, da dessen Schussleistung einfach phänomenal ist. Den Besuch habe ich nicht bereut, obwohl er doch meine Befürchtungen bezüglich des AG42B bestätigt hat: Dessen Lauf sieht ziemlich abgenutzt aus. Jener des Schwedenmausers ist hingegen noch ziemlich gut in Schuss, wenn ich mir dieses Wortspiel mal erlauben darf. 😊

Leider konnte ich die Inspektion durch den BüMa nicht wirklich dokumentieren, aber unter Schützenkollegen mal zum Thema Laufkamera nachgefragt, hat sich ausgerechnet Marvin gemeldet, der ebenfalls eine besitzt und freundlicherweise bereit war, sie mir mal auszuleihen.

So ist die Idee zu diesem Beitrag entstanden, denn über die Einschätzungen des BüMa´s will ich hier berichten. Mir ist es außerdem wichtig, dies relativ zeitnah nach dem dortigen Besuch zu machen, denn das Problem, das bei eigenständiger (also in meinem Fall genaugenommen laienhafter) Begutachtung des Laufs nämlich entstehen könnte, ist, dass allein durch die Vergrößerung der Kamera der Eindruck eines total abgenutzten Laufs entsteht. Jeder kleinste Krümel, jeder noch so kleine Kratzer wird einfach dermaßen hervorgehoben, dass man kaum noch hinschauen mag! Dass ein Lauf trotz der vielen sichtbaren Spuren noch absolut in Ordnung ist, fällt dann schwer zu glauben. Am Ende sollte aber immer das Schussbild der Waffe mit Ausschlag gebend sein, denn ohne Laufkamera ist das der einzige Indikator für Eure Zufriedenheit beim Schießen, bzw. Treffen.

Die verwendete Laufkamera

Nach dem Modell der Laufkamera, die bei der Inspektion des BüMa´s verwendet wurde, habe ich leider nicht gefragt, denn ich habe sie von Vornherein als sündhaft teures Spezialzubehör eingestuft. Tja, weit gefehlt! Nach dem Auspacken von Marvin´s Kamera war ich davon überzeugt, dass der BüMa das gleiche Modell verwendet hat! Es handelt sich übrigens um die Laufkamera von Teslong für unter 60€. Wer sie sich auch eine zulegen mag, findet sie sehr leicht beim großen Online-Versandhändler.

Das Set besteht aus der Kamera selbst, die in einen flexiblen Stab integriert ist, einem Verbindungskabel mit USB-Anschluss, sowie einem Adapter von USB auf USB C, um die Kamera auch mit einem Smartphone betreiben zu können.

Ausgehend vom sich verdickenden Ende des Kamerastabs mit seinem Multipol-Stecker bis hin zur Mitte des integrierten Spiegels im Kamera-Kopf messe ich eine Länge von 98cm, die man die Kamera folglich in den Lauf hineinschieben kann. Das ist schon eine ordentliche Strecke von umgerechnet ca. 38,5 Zoll. Wem das immer noch nicht reichen sollte, der kann die Kamera ja zusätzlich auch nochmal von der anderen Laufseite einführen. Das Verbindungskabel zum Laptop oder Smartphone hat dann nochmal eine Länge von 150cm.

Verwendung unter Win10

Das war gar nicht so selbstverständlich, das Ding zum Laufen zu kriegen. Nachdem ich mir von der Herstellerseite aber das Manual heruntergeladen hatte, ging es sehr schnell:

  • Kamera mit dem Rechner verbinden und die Windows-Taste drücken.
  • „Kamera“ eingeben, um die entsprechende App dann per Mausklick zu starten.
  • Rechts oben die Schaltfläche für „Kamera umdrehen“ (quasi Selfie-Modus) anklicken und das Übertragungsbild erscheint.
  • Fotos und Videos werden übrigens automatisch in diesem Pfad gespeichert:

Dieser PC/Bilder/Eigene Aufnahmen

Verwendung mit einem Android Smartphone

Hierfür habe ich mir aus dem Playstore die App „OTG View“ heruntergeladen. Sie war die am häufigsten heruntergeladene App, das ausschlaggebende Argument aber war, dass sie werbefrei ist. Einfach die App starten, die Kamera mittels USB C-Adapter anschließen und den Zugriff auf die Kamera erlauben – einfacher geht´s nicht.

Manch einer mag Bilder wie nachfolgend zum ersten Mal sehen und deshalb werde ich das Bildmaterial so gut es geht auch beschreiben: Die Kamera ist mit ihrem Objektiv fest nach vorne ausgerichtet, man schaut also in die Laufbohrung hinein. Koaxial zur Kamera befindet sich in ca. 1cm Abstand aber ein kleiner Spiegel im Winkel von 45°, mit dem man quasi seitlich an die Innenwand des Laufs schauen kann. Dieser Bereich wird im Video und auf den Bildern immer scharf in der Mitte dargestellt. Möchte man sich an einer bestimmten Stelle im Laufinneren die gesamte Laufoberfläche ansehen, so muss die Kamera ohne weiteren Vorschub an Ort und Stelle gedreht werden. Das Bildmaterial, das man etwas unschärfer – also um die Bildmitte herum – sieht, kann zur Orientierung dienen, falls man bestimmte Stellen im Lauf finden will.

AG42B Ljungman

Los geht´s auch gleich mit dem Negativbeispiel schlechthin. Ich habe hierzu ein kleines Video gedreht, dass einen langsamen Vorschub der Kamera für die ersten ca. 10cm ab der hinteren Lauföffnung zeigt. Dort, wo ich innehalte und die Kamera ein wenige hin und her rotiere, gibt es nennenswerte Orientierungspunkte im Lauf.

Abschnitt 01

Zeit 00:00:09 bis 00:00:18 zeigt den Bereich bis einschließlich Hülsenschulter. Im Bereich der Hülsenschulter wird der Lauf konisch – genau wie die Patrone auch.

Zeit 00:00:18 bis 00:00:21 zeigt einen zylindrischen Bereich des Laufs, hier befindet sich der Hülsenhals der Patrone mit dem darin sitzenden Geschoss.

Zeit 00:00:22 bis 00:00:29 zeigt den sog. Übergangskonus des Laufs. Auf diesen Übergang trifft das aus der Patrone austretende Geschoss nach einem kurzen Weg des Freiflugs und wird anschließend in den Bereich mit beginnendem Feld/Zug-Profil auftreffen. Der Übergangskonus ist beim AG42B schon ordentlich von Rissen gezeichnet.

Zeit 00:00:30 bis 00:00:35 zeigt den Übergang in das Feld/Zug-Profil. Die Felder des Laufs sind eher hell, das Zugprofil ist dunkel abgesetzt. Schon in diesem Bereich findet sich reichlich „Krokodilhaut“ im Lauf, also jene zerfurchten und rissigen Stellen im Metall, die Hinweise auf eine Abnutzung geben. Direkt nach dem Patronenlager steigt der Druck der beim Schuss freigesetzten Gase ja auch erstmal stark an, bis er schließlich langsam über die Lauflänge abfällt. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn Waffen im Bereich kurz nach dem Patronenlager die stärksten Abnutzungserscheinungen zeigen. Das muss noch lange nicht heißen, dass eine Waffe nicht mehr gut schießen wird, doch dazu später mehr.

Zeit 00:00:35 bis 00:00:47 zeigt schließlich noch eine kleine Umsicht des Laufinneren kurz nach dem Patronenlager.

Abschnitt 02

Mittig im Bild befindet sich ein Feldprofil, dass ich über einige Zentimeter bei einer Lauflänge von ca. 25cm nach dem Patronenlager filme. Man beachte die zahlreichen kleinen Krater.

Abschnitt 03

Eine Aufnahme der Gasabnahmebohrung. Beim Ljungman kommt sie nach ca. 38cm Wegstrecke des Projektils.

Abschnitt 04

Tja, es wird leider nicht besser: In der Begrenzung von blauer bis zur grünen Pfeilspitze sieht man längs von oben nach unten das Zugprofil verlaufen. Im linken Bereich der blauen Pfeilspitze ist bei noch gut erhaltenen Läufen eine scharfe Kante zwischen Feld- und Zugprofil zu sehen. Hier kann man schon erahnen, dass sich Felder und Züge im Durchmesser immer mehr annähern, was natürlich einer Abnutzung entspricht. Wie auf einigen Videos vorher auch schon zu sehen war, befindet sich mittig – und zwar in jedem Zugprofil – auch noch eine längs des gelben Pfeils verlaufende Schleifspur. Nicht gut!

Abschnitt 05

Ein kurzer Blick auf die serienmäßigen Kompensatorbohrungen mit Fasern von Reinigungspatches.

Abschnitt 06

Zu sehen ist das Innengewinde M12x1 an der Mündung.

Abschnitt 07

Das letzte Bild zeigt die innere Oberfläche meines aufgeschraubten Laufgewichts.

Schwedenmauser M63

Abschnitt 01

Das nächste Video zeigt den Übergangskonus des Schwedenmausers, es ist vergleichbar mit dem obigen Video „Abschnitt 1“ des AG42B im Zeitraum 00:00:22 bis 00:00:29. Auffällig ist hier, dass der Bereich auffallend glänzender ist, als beim Ljungman.

Abschnitt 02

Auch hier ist wieder einiges an „Krokodilhaut“ zu sehen, der Kommentar des BüMa´s lautet, dass der Bereich „noch OK aussieht“. Deutlich erkennbat sind hier noch die Tombak-Ablagerungen in den beiden Zügen links und rechts.

Abschnitt 03-09

Ich will Euch nicht mit zu vielen Details langweilen, daher hier noch eine Galerie mit Bildern, die ich ca. alle 10cm gemacht habe. Wie man erkennen kann, ist auch hier Krokodilhaut zu sehen, allerdings bei Weitem nicht so ausgeprägt, wie im direkten Bereich hinter dem Patronenlager und außerdem relativ gleichbleibend „milde“ im Erscheinungsbild. Erwähnenswert wäre noch, dass sich zwischen Feld- und Zugprofil noch eine deutliche scharfe Kante erkennen lässt, sodass von einem ausgeschossenen Lauf hier nicht die Rede sein kann. Zudem befindet sich entlang des Zugprofils auch keine mittig liegende Schleifspur – beim Ljungman war die ja leider sehr deutlich zu sehen.

Abschnitt 10

Wie im Beitrag zur Eigenbau-Mündungsbremse zu lesen, ist diese beim M63 nur geklemmt. Diesen Bereich direkt nach der Mündung mit seinem kleinen Spalt habe ich im letzten Abschnitt fotografiert und darin eine abgelöste Messingborste entdeckt.

Ich habe durch den Besuch beim BüMa nun ein klein wenig an Erfahrung gewonnen und einige Hinweise darauf erhalten, den Verschleiß eines Laufs erkennen zu können. Auf jeden Fall ist eine solche Laufkamera eine gute Investition, wenn man den Kauf einer gebrauchten Waffe plant, denn eines habe ich auf jeden Fall gerlernt: So gut wie jeder Lauf glänzt und sieht klasse aus, wenn man mit einer Taschenlampe hinein leuchtet, egal wieviele tausend Schuss bereits durch sind! Die Anschlussmöglichkeit der Kamera an ein Smartphone erleichtert die Handhabung enorm und so kann man vor einem Gebrauchtkauf im Zweilfel immer mal einen schnellen Blick in den Lauf werfen. Eines muss aber auch klar gesagt werden: Entscheidend für die Beurteilung des Laufzustands einer Waffe sollte immer noch das Schussbild sein, denn viele Läufe sehen im Bereich direkt nach dem Patronenlager nur mittelmäßig aus, haben im weiteren Verlauf der Lauflänge aber noch durchaus scharfe Züge und können das Projektil hervorragend führen. Das ist genau so z.B. auch bei meinem Schwedenmauser der Fall.

Da ich die Schussbelastung für den Ljungman überhaupt nicht kenne und jene vom Schwedenmauser nur grob mit 3000- 4000 Schuss abschätzen kann, habe ich mich für einen Folgebeitrag entschlossen, in dem ich noch einige Bildergalerien zur Savage 10 BA, meinem AR-15 und dem Wechselsystem veröffentliche. Für diese letztgenannten Läufe kenne ich die Schussbelastung aufgrund des Rohrbuchs, das ich führe, nämlich exakt.

AG42B Ljungman, Taktischer Schaft Teil 8

Die Waffe hält einen echt auf Trab…

Der Schaft ist mittlerweile eloxiert und wieder zusammengesetzt, zwei Fehlfunktionen gab es in der Vergangenheit aber immer noch, auch darüber will ich in diesem Beitrag weiter berichten, obwohl ich diese komplette Serie eigentlich schon längst abgeschlossen haben wollte.

Neue Laborierung:

Auch wenn die Patrone 6,5×55 Swedish Mauser einen maximalen Gasdruck von 3800 bar nach CIP hat, heißt das noch lange nicht, dass der Selbstlader damit gut zurecht kommt. Ich habe diesen maximalen Druck natürlich nicht ausgereizt, aber das Gewehr hat bereits empfindlich auf meine letzte Laborierung reagiert. Ich bin also dazu übergegangen, moderatere Laborierungen zu verwenden und diese Erprobungsphase dauert aktuell immer noch an. Ist sie abgeschlossen, bin ich auch endlich mit dem Projekt fertig.

Der Zwischenstand ist also der, dass ich bisher wieder zur maximalen Ladeempfehlung von Vihtavuori für das Pulver N150 zurückgekehrt bin – d.h. meine bisherige favorisierte Ladung aus dem Beitrag Nr. 7 wurde reduziert. Diese habe ich dann mit Kompensatoren verschiedener Massen (0, 80, 155 und 235 Gramm) erprobt.

  • Hülse: Lapua Match, Kailber 6,5×55 Schwedenmauser
  • Zündhütchen: CCI 200
  • Pulver: N150
  • Menge: ehemals 37,5gr., neu: 35,2gr.
  • Geschoss: Lapua Scenar GB458 HPBT, 139gr.
  • OAL: ehemals 76,5mm, neu 79,0mm
  • Crimp: keiner
  • Kompensator: 155g.
  • Schussbild auf 50m: D=17mm

Die zweite vielversprechende Laborierung war:

  • Hülse: Lapua Match, Kailber 6,5×55 Schwedenmauser
  • Zündhütchen: CCI 200
  • Pulver: N160
  • Menge: 38,0gr.
  • Geschoss: Lapua Scenar GB458 HPBT, 139gr.
  • OAL: 78,0mm
  • Crimp: keiner
  • Kompensator: 155g.
  • Schussbild auf 100m: D=22mm

Man darf sich vom linken Schussbild nicht täuschen lassen, da es auf einer Entfernung von nur 50m entstanden ist. Ich werde beim nächsten Termin weiter mit der zweiten Laborierung auf Basis von N160 testen und werde die Menge zunächst auf 37,0 gr. reduzieren, sowie die OAL wieder auf 79,0mm erhöhen. Von hohen Geschossgeschwindigkeiten bis hin zu 800 m/s habe ich mich innerlich bereits verabschiedet. Zur Schadensbegrenzung laboriere ich jetzt mit dem Ziel von guten Streukreisen ohne den Fokus auf eine hohe V0. Wie weit ich damit beim nächsten Long-Range-Event komme, wird sich noch zeigen.

Firing out of Battery, (2)

Bisher ist es nur noch ein einziges Mal vorgekommen, dass eine Patrone durch den vorschnellenden Verschluss gezündet wurde, ich hatte aber endgültig die Schnauze voll und war beim Lösungsansatz dann auch nicht mehr zimperlich: Den Verschluss habe ich entnommen und den Schlagbolzen entfernt. Anschließend habe ich die Schlagbolzenfeder bis auf Ihre sog. „Blocklänge“ komprimiert. Das ist jene Länge, bei der sich dann sämtliche Windungen der Feder berühren. Mich hat mehr die Differenz zwischen ungespannter Länge (L0) und dieser Blocklänge interessiert und so habe ich dieses Mass mit knapp über 60mm ermittelt. Dem Schlagbolzen und seiner Feder habe ich schließlich eine Vorspannhülse aus Edelstahl mit einer Länge von 25mm verpasst.

Beachtet bitte, dass diese Maßnahme durch meine fabrikneuen Verschlussfedern aus Arsenalbeständen notwendig wurde. Besitzer eines bereits betagten Ljungmann mit gealterten Verschlussfedern, kommen möglicherweise erst gar nicht in diese Situation.

Eine Zeichnung zur Hülse gibt es natürlich auch. Die Innenfase 0,3×45° ist bei Montage auf den Kopf des Schlagbolzens ausgerichtet, die gerade Stirnseite liegt an der Schlagbolzenfeder an.

NAchtrag Januar 2022

Mittlerweile kann ich einen zweiten, äußerst wenig geschossenen Ljungman mein Eigen nennen. Es handelt sich um das bereits erwähnte Exemplar aus vorigen Beiträgen, das bisher beim Büchsenmacher eingelagert war. Um den Grad der Abnutzung der Federn beurteilen zu können und Beschädigungen am Sicherungsträger zu vermeiden (wie sie bei mir aufgetreten sind) möchte ich nochmal kurz auf die Federlängen von Schlagbolzen- und Verschlussfeder eingehen. Sie können einen Aufschluss darüber geben, ob man sich langsam mal nach Ersatzteilen umschauen sollte. Die Messwerte für „stark abgenutzt“ sehe ich nach heutigem Kenntnisstand übrigens schon als Verschleissgrenze an.

  • Schlagbolzenfeder fabrikneu: L0=110,5mm
  • dergleichen, wenig abgenutzt: L0=97mm
  • dergleichen, stark abgenutzt: L0= 90mm
  • Verschlussfeder, fabrikneu: L0=143mm
  • dergleichen, wenig abgenutzt: L0= 130,5mm & 130,5mm
  • dergleichen, stark abgenutzt: L0=123mm & 127,5mm

Zum Abschluss diese Beitrags sind hier noch einige Detailbilder des Schafts, mein Dank geht an dieser Stelle an „Noki2000“, der sich unserem Team als neuer Redakteur angeschlossen hat und sich die Zeit genommen hat, ein paar tolle Bilder vom AG42B zu machen!

AG42B Ljungman, Taktischer Schaft Teil 7

So langsam aber sicher nähert sich diese Beitragsreihe dem Ende, denn ich habe beim letzten Schießtermin – zumindest in technischer Hinsicht – mein Ziel erreicht: Der AG42B macht jetzt genau das, was er soll! Ohne sich selbst zu zerlegen 😊

Optisch ist das Gewehr natürlich noch nicht ganz fertig, denn es fehlt noch die Eloxal-Beschichtung am Schaft. Ein weiterer sehr kurzer Beitrag wird also noch folgen, der den Halbautomaten dann in seinem komplett fertigen Zustand zeigen wird.

Ich möchte dem geneigten Leser aber schon in diesem Artikel alles Weitere an die Hand geben, um seinen Ljungmann ebenfalls zum Schießen zu bringen, falls er mit einem Kauf liebäugelt oder falls er das Gewehr einfach mal wieder vom Staub befreien möchte. Einige der nachfolgenden Tipps sind natürlich auch anderweitig im Internet zu finden, da will ich mich gar nicht mit fremden Federn schmücken. Allerdings kann ich hier und da noch einige Details beisteuern oder Lösungswege aufzeigen.

Freischwingender Lauf und Laufgewicht

Der AG42B Ljungmann hat eigentlich keinen freischwingenden Lauf, das ergibt sich erst durch die Umbettung in meinen eigens dafür konstruierten Schaft. Ich habe das Gewehr vor dem Umbau nie ausgiebig erprobt und kann daher auch nicht sagen, ob es mit meiner nachfolgenden Laborierung ähnlich gute Streukreise ohne Laufgewicht und dafür mit originalem Schaft erzielt hätte. Wer sich an ein ähnliches Projekt wagen möchte, dem sei jedenfalls dieses Laufgewicht wärmstens empfohlen, sofern er das System aus dem Holzschaft ausbettet. In logischer Konsequenz sollte man dann aber auch die untenstehende Laborierung übernehmen. Im Gegensatz zu den vorherigen Bildern in vergangenen Beiträgen ist die unten abgebildete Zeichnung zum Laufgewicht leicht modifiziert worden: Die Bohrung D=5mm/Tiefe 5mm zum Festziehen mittels Schneideisenhalter ist einer gefrästen Schlüsselweite mit SW19 gewichen. Außerdem ist das Gewinde M12x1 nun mit 13,7mm um 1,5mm länger geworden, da das Laufgewicht künftig mit einem Crush-Washer auf dem Lauf befestigt wird. Wem der Begriff nicht geläufig ist: Es handelt sich dabei um eine etwas dickere, speziell geformte Unterlegscheibe zwischen Lauf und Laufgewicht, die sich beim Anziehen des Laufgewichts auf dem Gewinde verformt. Das Laufgewicht bleibt auf dem Gewinde dadurch etwas vorgespannt, sodass es sich nicht mehr ohne Weiteres von selbst lösen kann. Ich habe mir dazu von Brownells folgende Artikel bestellt, bzw. nachbestellt:

Artikel Nr.  452000271 (passt auf jeden Fall)

JP Enterprises ½“x28 .750OD

Artikel Nr.  452000273 (hat sich als zu klein herausgestellt!)

JP Enterprises 5/8“x24 .750OD

Laborierung

Achtung:

Für das Long-Range-Schießen weiche ich von der Ladeempfehlung von Vihtavuori ab! Ich sehe das als unproblematisch an und erläutere das in diesem Beitrag nochmals genauer.

  • Hülse: Lapua Match, Kailber 6,5×55 Schwedenmauser
  • Zündhütchen: CCI 200
  • Pulver: N150
  • Menge: 37,5gr.
  • Geschoss: Lapua Scenar GB458 HPBT, 139gr.
  • OAL: 76,5mm
  • Crimp: keiner

Ähnlich gute Streukreise konnte ich bei der o.g. Laborierung mit nur 36,9gr. N150 erzielen. Da ich das Gewehr aber auch auf sehr weite Distanzen schießen möchte, wähle ich natürlich 37,5gr. N150.

NAchtrag Juni 2021

Die obige Laborierung hat zwar recht gute Streukreise geliefert, allerdings hat sich die Ladung unter gewissen Umständen als zu hart für den Ljungman herausgestellt. Ich lasse sie zwar für den Beitrag bestehen, möchte aber von der Verwendung abraten! Ich werde mir ausgiebig Zeit nehmen, um nochmals verschiedene Laborierungen – dann neben N150 auch mit N160 – in Kombination mit verschiedenen Laufgewichten zu testen. Mein Ziel ist es, das Projektil auch mit N160 bei guten Streukreisen auf Geschwindigkeit zu bringen, denn die Verwendung des progressiveren N160 verspricht laut Homepage von LHS eine höhere V0 bei gleichem Druck.

Fabrikneue Verschlussfedern

Ich habe in den letzten Beiträgen mit Schäden an meinem Gewehr zu kämpfen gehabt, die durch den repetierenden Verschlussträger bei Verwendung der obigen Laborierung entstanden sind. Verschlussfedern aus Arsenalbeständen sind immer noch erhältlich und bauen den Energieimpuls des Verschlussträgers am besten ab – für das „Projekt Ljungmann“ haben sie sich als der Schlüssel zum Erfolg herausgestellt! Bei Verwendung der obigen Laborierung sind sie dringend empfohlen, sie haben bei mir aber auch zu weiteren Komplikationen geführt…

„Firing out of battery“

So heißt es im englischsprachigen Raum und beschreibt den Umstand, dass die Patrone (ohne den Abzug zu betätigen!!!) bereits allein durch die Energie des schließenden Verschlussträgers und seines darin gelagerten Schlagbolzens ausgelöst wird. Der Schlagbolzen des AG42B ist im Gegensatz zum Verschluss z.B. eines AR15 nicht ausschließlich schwimmend gelagert, sondern wird noch durch eine kleine Feder im Inneren zurückgehalten. Diese Federkraft am Schlagbolzen wird dann im Normalfall spielend vom Schlaghammer überwunden. Tja, leider überwindet die Federkraft der neuen Verschlussfedern diese Rückhaltekraft bereits und was dann passiert, seht Ihr auf den folgenden Bildern.

Noch bevor der Verschluss komplett verriegelt, zündet der Schlagbolzen durch die Beschleunigung der (neuen) Verschlussfedern die Patrone, die zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht komplett zentrisch im Patronenlager sitzt. Der Hülsenhals verformt sich dadurch einseitig, platzt auf und ohne die erwähnte Verriegelung des Verschlusses, reißt es selbigen sofort wieder nach hinten. Bei dieser Rückwärtsbewegung wird der Patronenboden vom Auswerfer förmlich durchstoßen, einen einzigen Zündhütchenbläser hatte ich sogar auch dabei. Richtig ärgerlich aber war, dass der am Ende befindliche Sicherungsblock wieder die volle Energie des Verschlussträgers abgekriegt hat und dort abermals die Prallflächen herausgebrochen sind – das war dann mittlerweile der zweite Sicherungsblock, der repariert werden musste! Total ätzend, denn der stammte bereits aus dem Ersatzgewehr! Seit diesem Vorfall sind die harten Zündhütchen CCI 200 bei meinem Ljungmann Pflicht!

Nachtrag:

Die härteren Zündhütchen verbessern die Situation beim Verriegeln/erstmaligen Durchladen des Verschlusses wesentlich, aber es kann nach einem Schuss immer noch zu einer „Doppelung“ kommen – so bei mir geschehen. Deshalb: Wer neue Verschlussfedern einsetzt kommt nicht darum herum, auch die Feder des Schlagbolzens zu ersetzen!!! Das Ersetzen ist wirklich einfach: Verschlussabdeckung entnehmen und Verschluss aus dem Verschlussträger entnehmen. Im hinteren Bereich sieht man den Schlagbolzen, welcher durch einen gekerbten Stift gesichert ist. Der Stift wird ausgetrieben, indem man auf die nicht gekerbte Seite schlägt. Auf dem unteren Bild sieht man die neue und die (kürzere) abgenutze Feder, letztere ist über die Jahre des Gebrauchs ca. 20mm gestaucht worden.

Nachtrag Juni 2021

Bisher ist es lediglich noch ein einziges Mal vorgekommen, dass es beim Durchladen zu einer Zündung der zugeführten Patrone gekommen ist, trotz oben beschriebener MAssnahmen. Ich werde aus diesem Grund prüfen, ob man der Schlagbolzenfeder nicht durch eine kleine Hülse etwas mehr Vorspannung verpassen kann, um dieses Phänomen ein für alle Mal zu unterbinden. Alternativ könnte ich ebenfalls eine der zwei fabrikneuen Federn wieder gegen eine ältere austauschen, um die Beschleunigung des Verschlusses zu verringern. Das hat aber auch wieder den Nachteil, dass später weniger Kräfte des Repetiervorgangs aufgenommen werden.

Gefettete Hülsen

Ja, von dieser Empfehlung aus einem englischsprachigen Forum hatte ich bereits von einem Kollegen gehört, das geriet aber schnell wieder in Vergessenheit, weil ich als Wiederlader meine LW-Hülsen natürlich immer vor dem Kalibrieren fette. Bei der versuchsweisen Verwendung von Fabrikmunition ist mir dieser Umstand wieder in Erinnerung gerufen worden, denn die Hülsen wurden nicht mehr ausgeworfen, ließen sich zum Glück aber noch manuell heraus repetieren. Die getestete Fabrikmunition war übrigens PPU mit 139gr.-Geschoss und nebenbei bemerkt lief sie richtig schlecht.

Gasrückführung

Im letzten Beitrag hatte ich ein Forum verlinkt, in dem für den AG42B bei Verwendung von progressiven (also langsam abbrennenden) Pulvern eine längere Schraube der Gasabnahme empfohlen wird, um den Impuls auf den Verschlussträger zu mindern, bevor dieser auf dem Sicherungsblock aufschlägt und Schäden verursacht. Das ist meiner Meinung nach nur die halbe Wahrheit, denn ich kann das laut meinen Untersuchungen nicht ausschließlich auf progressive Pulver zurückführen. Schauen wir uns dazu kurz das Gewehr selbst und drei Berechnungen von Laborierungen mit der Software Quickload an: Wenn ich die Lage der Patrone in der Kammer abschätze, so vermesse ich noch ca. 385mm Weg, den das Projektil im Lauf bis zum Passieren der Gaskanalbohrung zurücklegt. Runden wir das der Einfachheit halber mal auf 400mm auf und gehen in die nachfolgenden Diagramme, die mir Marvin zur Verfügung gestellt hat.

Eine Laborierung mit sehr gutem Streukreis, die in einem Forum beschrieben wurde (Schussbild war dabei) und die ich mit Quickload nachbilden liess: 140gr. Nosler HPBT/34,5gr. IMR 4046/OAL 76,6mm/2813 bar. Bei einem Geschossweg von 400mm wirken noch rund 900bar auf den Verschlussträger. Das IMR 4046 ist ein US- Pulver, dass laut meinen Informationen nicht mehr importiert wird, weil es gewisse Zusätze enthält, für die es keine Freigabe mehr in der EU gibt.

Mit N140 habe ich dann versucht, den obigen Spitzendruck von ca. 2800 bar nachzubilden, siehe unten.

139gr. Lapua Scenar HPBT/34,1gr. N140/OAL 76,5mm/2795 bar

Nach einem Geschossweg von 400mm ermittle ich hier einen Restdruck im System von ca. 1000 bar.

Ähnlicher Spitzendruck mit N150, siehe unten.

139gr. Lapua Scenar HPBT/37,0gr. N150/OAL 76,5mm/2861 bar

Auch hier erkenne ich noch einen Restdruck von ca. 1000 bar nach einem Geschossweg von 400mm.

N140 besitzt eine ähnliche Abbrandgeschwindigkeit wie das IMR 4046. Beide Pulver gelten im Vergleich zum progressiven N150 eher als offensiv. Es ist zu erkennen, dass – offensiv oder progressiv – die Druckkurve bei keinem der drei Pulver nach der Druckspitze signifikanter abfällt. Wer eine verlängerte Schraube der Gasabnahme also als notwendig ansieht, kann den Umstand meiner Meinung nach nicht einfach durch Verwendung eines offensiven Pulvers umgehen.

Hinweis: Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Veränderung der Verschlussschraube an der Gasabnahme nicht notwendig ist, wenn man neue Verschlussfedern verwendet!

Für diejenigen, die auch in dieser Hinsicht weitertüfteln möchten, sind hier weitere Tipps:

Man fängt logischerweise erstmal bei einer zu langen Schraube an, die die Gasrückführung komplett unterbindet und das Gewehr vorübergehend wieder zu einem Repetierer macht. Von da aus kann man die Schraube dann versuchsweise Stück für Stück abfeilen, bis die ursprüngliche Funktion des Halbautomaten wiederhergestellt ist. Dazu lädt man für jeden Versuch nur eine einzige Patrone ins Magazin. Das Ziel ist erreicht, wenn der Verschluss aufgrund des leeren Magazins gefangen wird und keine Beschädigung am Sicherungsträger ersichtlich ist. Ich rede bewußt von Beschädigungen und nicht von Berührungen, denn bauartbedingt kann es ja durchaus normal sein, dass der Verschlussträger auf den Sicherungsträger aufschlägt. Nur bitte, ohne Schaden zu verursachen! Anders ist es z.B. beim AR15 ja auch nicht…

Das nachfolgende Bild zeigt meinen bereits reparierten Sicherungsträger. Die defekten Stellen wurden aufgeschweißt, nachgeschliffen und anschließend wieder brüniert. Der leichte Abrieb an den äußersten Ecken der Reparatur entstand während der Versuchsphase mit verschiedenen Schraubenlängen an der Gasabnahme. Ein Fortschritt des Abriebs wurde für die folgenden 40 Schuss nicht mehr beobachtet, sodass ich davon ausgehe, dass es in der jetzigen Konstellation Feder/Laborierung/Verschlussschraube zu gar keiner Berührung mehr zwischen Verschlussträger und Sicherungsträger kommt.

Wer die Verschlussschraube in einer längeren Form benötigt, kann also nachfolgende Zeichnung verwenden:

Die Schraube besitzt laut Zeichnung Überlänge und wird den Gaskanal (ich habe seinen Innendurchmesser mit D= 2mm ermittelt) komplett verschließen. Angefertigt aus einem vergüteten Edelstahl braucht sie nachträglich nicht mehr gehärtet zu werden, lässt sich dafür aber auch leider nicht brünieren.

Der Mühe Lohn

Ich habe auf dem ersten Schussbild (100m, sitzend mit Zweibein und Sandsack) noch sämtliche Versuchsbedingungen und Infos festgehalten. Es ist noch mit einem Restbestand an Munition mit 36,9gr. N150 und den weicheren Zündhütchen FA 210 entstanden, glücklicherweise ohne Schäden oder Fehlfunktionen.

Beim zweiten Schussbild sind einige schlimmer Ausreißer zu sehen, da ich den Schaft nicht richtig im Sandsack fixiert habe. Ich muss sagen der Ljungmann lässt sich nicht so leicht kontrollieren, wie mein Schwedenmauser.

Ersatzteile

Auch die sind fertig geworden! Mit ein wenig Nacharbeit habe ich gleich zwei Sicherungsträger spielfrei auf mein Gewehr eingepasst. Mit den nachgefertigten Sicherungsbolzen und einigen Ersatz-Kleinteilen aus Arsenalbeständen habe ich jetzt einen weiteren kompletten Sicherungsträger. Mal schauen, ob ich ihn nochmal irgendwann benötigen werde.

Hier geht es zum achten Teil der Serie

AG42B Ljungman, Taktischer Schaft Teil 6

Herr Broszat, dieser Artikel ist Ihnen gewidmet!

Sie hatten im letzten Beitrag dieser Serie einen Kommentar hinterlassen und erwähnt, dass die Verschlussfeder des Gewehrs möglicherweise in ihrer Federrate nachgelassen hat – und Sie hatten Recht! An dieser Stelle also nochmals vielen Dank für Ihren Hinweis! Ich habe diese Möglichkeit gar nicht in Erwägung gezogen, glücklicherweise war es mir aber ein Leichtes, das nachzuprüfen. Ich musste dazu erst gar nicht die Produkte von Gutekunst studieren, sondern habe zwei Verschlussfedern aus meinem mittlerweile ganz ansehnlichen Ersatzteilvorrat verwendet. Wenn ich mir also die tadellose Lackierung dieser Federn ohne jegliche Spuren von Schmauch oder Schmutz so anschaue, kann es sich dabei eigentlich nur um unbenutzte Arsenalware handeln.

Ein Hoch auf die Messtechnik…

… so man sie hat! Wieder einmal bringt mich mein Beruf in Sachen Hobby in riesigen Schritten weiter: Ich habe aus meiner Firma kurzerhand mal eines unserer Kalibriergeräte inklusive Sensor bis 20kN Kraft ausgeliehen.

Den Sensor habe ich einmal mit den beiden alten und natürlich auch mit den beiden neuen Federn in das Verschlussstück eingelegt. Um eine gute Krafteinwirkung zu gewährleisten – möglichst unter Ausschluss von Querkräften – habe ich mit einer Stecknuss meines Ratschekastens noch etwas improvisiert. Der Versuchsaufbau ist simpel, siehe nächstes Bild.

Folgt man also der Gleichung F=c*x (Neu: F=R*x) zur Berechnung der Federkraft, kann bei bekannter Auslenkung „x“ und gemessener Kraft „F“ die Federrate „c“ (Neu: „R“) berechnet werden. Sie ist jener Federkennwert, der die „Härte“ der Feder beschreibt. Mir reicht ein qualitativer Vergleich, so vernachlässige ich also die Betrachtung der Auslenkung „x“ und die Berechnung der tatsächlichen Federrate (aber nur, weil die Auslenkung „x“ in beiden Versuchen identisch ist!). Ich schaue mir also nur die gemessenen Kräfte an und stelle fest, dass es mit 36N für das alte Federpaar zu 51N beim neuen Federpaar erhebliche Unterschiede gibt! Mit anderen Worten: Das alte Federpaar hat nur noch 70% der Federsteifigkeit im Vergleich zu den beiden neuwertigen Federn. Da die Gleichung eine lineare Variable (nämlich die Auslenkung „x“) hat, ist es auch völlig egal, wie sehr ich die Federpaare im Versuch vorgespannt hätte, die obige Aussage bleibt gleich – wie gesagt, solange die Auslenkung für beide Versuche ebenfalls gleich gross ist.

Es ist also durchaus möglich, dass diese Info schon alles war, was mir zu meinem Glück gefehlt hat!!! Rückblickend betrachtet kommt die Erkenntnis, dass ich sehr viel Energie in alternative Lösungsansätze gesteckt habe:

  • Neue Laborierung mit 36,9 gr. N150 und Zusatzgewichte für den bereits vorhandenen Schwingungsdämpfer
  • Neukonstruktion einer modifizierten Schraube für die Gasabnahme
  • Kauf eines weiteren AG42B Ljungman. Ja, verrückt – ich weiß!
  • Konstruktion von Sicherungsträger und Sicherungsbolzen für eine Nachfertigung

Zu letztgenanntem Punkt übrigens noch ein wenig mehr Information: Ich habe in unserem Werkstofflabor freundlicherweise Unterstützung bei der Materialbestimmung des Sicherungsblocks erhalten. Keine Ahnung, wie das Bestimmungsverfahren nun genau heißt (irgendeine Spektroskopie), aber das Ergebnis zählt:

Es wird vermutet, dass es sich aufgrund der Zusammensetzung um einen Einsatzstahl ähnlich 13NiCr6 handelt. Bei der Gelegenheit wurden auch noch drei Härtemessungen durchgeführt, die folgende Ergebnisse nach Vickers (HV10) lieferten: 680HV, 690HV und 693HV. Da bin ich mit dem von mir ausgesuchten Stahl 42CrMo4V für die Nachfertigung dieser Teile immer noch ganz gut unterwegs. Außerdem hilft die Bestimmung der Zusammensetzung, die zum Aufschweißen beste Elektrode auszusuchen, denn das beschädigte Teil gebe ich auf keinen Fall auf!

Dem neu gekauften AG42B habe ich jetzt dessen Sicherungsblock entnommen und in mein Gewehr eingebaut, nicht ohne die dortigen Prallflächen vorher mit Edding zu markieren. Demnächst geht es wieder auf den Schiessstand. Sollte sich also herausstellen, dass die Kollision durch die neuen Federn jetzt gänzlich vermieden wird, wechsle ich nochmal zur härteren Laborierung mit 37,5gr. N150. Zeigt sich auch dann die Eddingschicht unberührt, ist das Ziel erreicht. Ich werde auf jeden Fall weiter berichten!

Hier geht es zum siebten Teil der serie