AG42B Ljungman, Taktischer Schaft Teil 6

Herr Broszat, dieser Artikel ist Ihnen gewidmet!

Sie hatten im letzten Beitrag dieser Serie einen Kommentar hinterlassen und erwähnt, dass die Verschlussfeder des Gewehrs möglicherweise in ihrer Federrate nachgelassen hat – und Sie hatten Recht! An dieser Stelle also nochmals vielen Dank für Ihren Hinweis! Ich habe diese Möglichkeit gar nicht in Erwägung gezogen, glücklicherweise war es mir aber ein Leichtes, das nachzuprüfen. Ich musste dazu erst gar nicht die Produkte von Gutekunst studieren, sondern habe zwei Verschlussfedern aus meinem mittlerweile ganz ansehnlichen Ersatzteilvorrat verwendet. Wenn ich mir also die tadellose Lackierung dieser Federn ohne jegliche Spuren von Schmauch oder Schmutz so anschaue, kann es sich dabei eigentlich nur um unbenutzte Arsenalware handeln.

Ein Hoch auf die Messtechnik…

… so man sie hat! Wieder einmal bringt mich mein Beruf in Sachen Hobby in riesigen Schritten weiter: Ich habe aus meiner Firma kurzerhand mal eines unserer Kalibriergeräte inklusive Sensor bis 20kN Kraft ausgeliehen.

Den Sensor habe ich einmal mit den beiden alten und natürlich auch mit den beiden neuen Federn in das Verschlussstück eingelegt. Um eine gute Krafteinwirkung zu gewährleisten – möglichst unter Ausschluss von Querkräften – habe ich mit einer Stecknuss meines Ratschekastens noch etwas improvisiert. Der Versuchsaufbau ist simpel, siehe nächstes Bild.

Folgt man also der Gleichung F=c*x (Neu: F=R*x) zur Berechnung der Federkraft, kann bei bekannter Auslenkung „x“ und gemessener Kraft „F“ die Federrate „c“ (Neu: „R“) berechnet werden. Sie ist jener Federkennwert, der die „Härte“ der Feder beschreibt. Mir reicht ein qualitativer Vergleich, so vernachlässige ich also die Betrachtung der Auslenkung „x“ und die Berechnung der tatsächlichen Federrate (aber nur, weil die Auslenkung „x“ in beiden Versuchen identisch ist!). Ich schaue mir also nur die gemessenen Kräfte an und stelle fest, dass es mit 36N für das alte Federpaar zu 51N beim neuen Federpaar erhebliche Unterschiede gibt! Mit anderen Worten: Das alte Federpaar hat nur noch 70% der Federsteifigkeit im Vergleich zu den beiden neuwertigen Federn. Da die Gleichung eine lineare Variable (nämlich die Auslenkung „x“) hat, ist es auch völlig egal, wie sehr ich die Federpaare im Versuch vorgespannt hätte, die obige Aussage bleibt gleich – wie gesagt, solange die Auslenkung für beide Versuche ebenfalls gleich gross ist.

Es ist also durchaus möglich, dass diese Info schon alles war, was mir zu meinem Glück gefehlt hat!!! Rückblickend betrachtet kommt die Erkenntnis, dass ich sehr viel Energie in alternative Lösungsansätze gesteckt habe:

  • Neue Laborierung mit 36,9 gr. N150 und Zusatzgewichte für den bereits vorhandenen Schwingungsdämpfer
  • Neukonstruktion einer modifizierten Schraube für die Gasabnahme
  • Kauf eines weiteren AG42B Ljungman. Ja, verrückt – ich weiß!
  • Konstruktion von Sicherungsträger und Sicherungsbolzen für eine Nachfertigung

Zu letztgenanntem Punkt übrigens noch ein wenig mehr Information: Ich habe in unserem Werkstofflabor freundlicherweise Unterstützung bei der Materialbestimmung des Sicherungsblocks erhalten. Keine Ahnung, wie das Bestimmungsverfahren nun genau heißt (irgendeine Spektroskopie), aber das Ergebnis zählt:

Es wird vermutet, dass es sich aufgrund der Zusammensetzung um einen Einsatzstahl ähnlich 13NiCr6 handelt. Bei der Gelegenheit wurden auch noch drei Härtemessungen durchgeführt, die folgende Ergebnisse nach Vickers (HV10) lieferten: 680HV, 690HV und 693HV. Da bin ich mit dem von mir ausgesuchten Stahl 42CrMo4V für die Nachfertigung dieser Teile immer noch ganz gut unterwegs. Außerdem hilft die Bestimmung der Zusammensetzung, die zum Aufschweißen beste Elektrode auszusuchen, denn das beschädigte Teil gebe ich auf keinen Fall auf!

Dem neu gekauften AG42B habe ich jetzt dessen Sicherungsblock entnommen und in mein Gewehr eingebaut, nicht ohne die dortigen Prallflächen vorher mit Edding zu markieren. Demnächst geht es wieder auf den Schiessstand. Sollte sich also herausstellen, dass die Kollision durch die neuen Federn jetzt gänzlich vermieden wird, wechsle ich nochmal zur härteren Laborierung mit 37,5gr. N150. Zeigt sich auch dann die Eddingschicht unberührt, ist das Ziel erreicht. Ich werde auf jeden Fall weiter berichten!

AG42B Ljungman Taktischer Schaft, Teil 5

Wie bereits im letzten Beitrag zum AG42B erwähnt, gab es bei der Erprobung einer geeigneten Laborierung einen kleinen Schaden am Sicherungsträger des Systems. Nichts, was das Schießen mit dem Gewehr jetzt unwiderruflich beendet hätte, aber auffallend genug, um nicht auch noch in alter Manier weiterzumachen und mit der Zeit gravierendere Schäden zu verursachen.

Schadensanalyse

Ich habe bemerkt, dass sich der Sicherungsflügel des Sicherungsträgers nur noch sehr schwer bis in die Mittelstellung schwenken lässt. Das ist notwendig, um ihn anschließend für die Laufreinigung etc. entnehmen zu können. An ein Umstellen ganz nach rechts in die Position „Gesichert“ war schon mal gar nicht zu denken. Eine Entnahme ist mir dann doch gelungen und hat eine Beschädigung auf seinen außen liegenden Prallflächen gezeigt (die abgeplatzte Ecke habe ich anschließend im Abzugsgehäuse wiedergefunden).

OK, die Sache war klar, der Verschlussträger ist mit zu viel Energie wieder zurückgekommen, das kann ja nur von einer zu harten Ladung gekommen sein. Die härteste Ladung, die je verladen wurde, waren 38,0 Grain N150 bei einer OAL von 76,50mm. Blöd nur, dass die besten Streukreise gerade mit 37,5 Grain N150 erzielt wurden und somit leider sehr nah dran liegen! Somit kann ich aktuell nicht beurteilen, mit welcher Laborierung dieser Schaden denn tatsächlich entstanden ist. Zum Vergleich: 37,0 Grain Pulver bringen schon wieder Streukreise, die für mich nicht zufiedenstellend sind, bei denen ich aber erstmal weniger Bedenken hätte.

Reparatur

Da die beschädigte Prallfläche aber nichts mit dem Mechanismus des Sicherungsflügels zu tun hat, war hier nachfolgend noch eine Demontage aller inneren Kleinteile des Sicherungsblocks notwendig. Der Sicherungsbolzen war sehr leicht verbogen und wurde auf der Drehbank nochmals nachgedreht (auf dem Bild Nr. 2 in der unteren Galerie erkennbar). Reingesteckt in den Sicherungsträger liess sich dieser aber immer noch nicht drehen. Nach einiger Zeit der weiteren Untersuchung war klar, dass sich durch den Aufprall ein Grat an der Innenseite der Bohrung (direkt an der Austrittskante) gebildet haben muss, der die Drehbewegung fortan verhindert hat. Nachbohren mit einem Bohrer D=7,3mm half leider auch nicht, erst die Nacharbeit mit einer Reibahle hat das gewünschte Ergebnis gebracht. Die Reibahle hat gegenüber dem Bohrer den Vorteil, dass sie auch im axialen Vorschub schon stirnseitig Material abtragen kann (nicht vollflächig, sondern nur am Rand) und sich von einer „Unwucht“ in der Bohrung auch nicht wegdrücken lässt. Nach dem Zusammenbau war das Gewehr dann wieder schussbereit.

Hier eine kurze Anleitung zum Zusammenbau:

  • Bild 2: Der Sicherungsbolzen sollte nur in der gezeigten Position (Sicherungsflügel steht links) entnommen werden. Eine Druckfeder und ein kleines rundes Druckstück fallen dann heraus.
  • Ohne Bild: Druckfeder durch Querbohrung einsetzen.
  • Bild 1: Druckstück (Nr. 1) durch Querbohrung einsetzen.
  • Bild 2: Sicherungsbolzen nur in der gezeigten Position einsetzen.
  • Bild 3: Sicherungsbolzen einschieben, Druckfeder ist angedeutet, Druckstück (Nr.1) ist markiert.
  • Bild 4: Druckstück durch Querbohrung gegen die Federkraft eindrücken (z.B. mit Schraubendreher etc.) und Sicherungsbolzen weiter bis zum gefühlten Anschlag hochschieben. Das Druckstück liegt jetzt an der Kante des großen Bolzendurchmessers an, der kleine Zapfen für den Sicherungsflügel ist von oben sichtbar.
  • Bild 5: Sicherungsbolzen durch sanften Schlag auf die Unterseite weiter eintreiben, jedoch nur soweit, wie auf dem Bild ersichtlich. Das klappt nur, wenn der Bolzen wie in Bild 2 eingelegt ist, weil sich nur dort die einzige Fase befindet, an der das Druckstück vorbeigleiten kann.
  • Bild 6: Sicherungsflügel mit Anschlag links einlegen und Sicherungsbolzen ganz hochschieben.
  • Bild 7: Nur Funktionsprüfung, die Stellung des Sicherungsflügels ist für die weitere Montage nicht mehr wichtig.
  • Bild 8: Abgeschrägten Führungsbolzen einlegen und mit Madenschraube (M5x0,5) sichern.

Künftige Strategie

So, was hab´ ich jetzt – außer Erfahrung – eigentlich gewonnen? Ich hab´ jetzt ein Gewehr, dass sich Dank seiner Eigenschaften mit der jetzigen Munition über einen langen Zeitraum wohl selbst zerlegen wird, weil es nur mit dieser stark geladenen Munition gute Streukreise liefert und wofür es aufgrund seines Baujahres und seiner Seltenheit kaum noch Ersatzteile auf dem Markt gibt. Wohl oder übel habe ich den Entschluss gefasst, die beschädigten Bauteile durch eine Nachfertigung zu ersetzen. Sicherungsträger als auch Sicherungsbolzen wurden sorgfältig vermessen und anschließend ins CAD übertragen, sowie Zeichnungen erstellt. Linkes Bild unten: Die hintere Prallfläche des Sicherungsträgers ist bereits rechteckig, die vordere habe ich abgerundet belassen. Danach habe ich mir das Zusammenspiel der Teile angesehen, um einige Verbesserungen einfließen zu lassen.

Spiel minimieren

Der Sicherungsträger hat gefühlt nach allen Seiten hin Spiel! Da wäre zum einen der Lagerzapfen des Sicherungsträgers, der in seiner Bohrung schon Spiel hat. Der Lehrdorn auf dem Bild (D=15,05mm) geht gerade so nicht rein.

Deutlich erkennbar auch an der fehlenden Brünierung hinten oben und vorne unten: Durch eine Kippbewegung des kompletten Sicherungsträgers durch den aufschlagenden Verschlussträger, verursacht das den Abrieb am besagten Lagerzapfen des Sicherungsträgers (in der obigen Galerie zu erkennen).

Durch ein Spiel von min. 0,2mm zur Führungsschiene kann man den Sicherungsträger zudem hin und her drehen, auch das will abgestellt werden.

Prallfläche optimieren

Jetzt komme ich zum eigentlichen Schadensbild: Ich will künftig verhindern, dass nochmal abgeplatzte Ecken entstehen und könnte die Prallfläche des Sicherungsträgers optimieren, dabei habe ich mehrere Möglichkeiten:

  • Das lichte Maß von 28,15mm zwischen den Schienen optimal ausnutzen und die Breite der hinteren Prallfläche von 27,50mm auf 28,00mm erhöhen. Die Bauteilbelastung würde durch den erhöhten Materialquerschnitt sinken.
  • Beide Prallflächen sind vom Querschnitt her rund gefräst oder gedreht, je nach damaliger Fertigungsstrategie für das gesamte Bauteil. Zumindest jene Flächen nahe der Führungsschienen können rechteckig gefräst werden, was den Querschnitt nochmals geringfügig erhöhen würde.
  • Das komplette Bauteil wird aus Vergütungsstahl hergestellt, derzeit schwebt mir 42CrMo4V (1.7225) vor, er sollte ausreichend hart und schlagzäh sein.
  • Schaut man sich die Mechanik des Verschlussträgers und der berührenden Flächen an, stelle ich mir die Frage, warum ich überhaupt die hintere Prallfläche optimieren soll, wenn sie im besten Fall vielleicht gar nicht in Kontakt sein muss? Immerhin prallen zwei wirklich dünne Stege auf diese Fläche auf, da wundert es nicht, wenn es zu Spannnungsspitzen in den Ecken kommt.

Ehrlich gesagt bin ich sogar ein wenig überrascht, dass nicht einer der Stege seinen Geist aufgegeben hat. Eine Alternative wäre also, diese hintere Prallfläche einige Zehntel Millimeter nach hinten zu versetzen, sodass künftige Rückstoßkräfte nur noch in die vordere Prallfläche eingeleitet werden. Schaue ich mir die fehlende Brünierung an genau dieser Stelle an, ist das ja sowieso schon der Fall. Ein Blick ins Innere des Verschlussträgers lässt mich aber zweifeln: Verschluss und Verschlussträger lassen sich ca. 2mm gegeneinander verschieben. Würde ich im hinteren Bereich des Gewehrs verhindern, dass die beiden dünnen Stege (gelbe Pfeile im oberen Bild) aufprallen, würde die eingeleitete Energie über die nachfolgend gekennzeichneten Flächen eingeleitet werden.

Sie sind erheblich größer, als die Kontaktflächen an den Stegen, aber ob ich mir damit einen Gefallen tue, weiss ich erst, wenn es zu spät ist.

Alternative Laborierung

Die wenigsten meiner Blogbeiträge entstehen an nur einem Tag und nachdem ich buchstäblich eine Nacht darüber geschlafen habe, ist mein Entschluss gefallen, besser kein Risiko einzugehen und einfach weiter an meiner Laborierung zu arbeiten. Der Sicherungsträger wird auf jeden Fall nachgefertigt, aber ich werde mich künftig darauf konzentrieren, den Aufprall an sich zu vermeiden, statt zu sehr in den Mechanismus des Gewehrs einzugreifen und Kollisionen dort zu verursachen, wo sie ursprünglich nicht vorgesehen waren.

Das heißt im Klartext: Weniger oder sogar ein anderes (N160?) Pulver in die Patrone laden und die Ladeleiter mit verschiedenen Laufgewichten abermals erproben, bis die Streukreise wieder gut sind. Das bisherige Laufgewicht werde ich jedenfalls stufenweise mit zwei weiteren Klemmringen von je 80 Gramm erhöhen und diesmal mit einer Laborierungen um die 36,5gr. starten. Der Ladedruck dürfte dann bei (geschätzten) 2650-2700 bar liegen. Zum Vergleich: Mit der 38,0gr.-Laborierung lag dieser bei 3069bar (mit Quickload berechnet).

Nicht verzagen, Georg fragen!

Nein, keine Angst, das wird jetzt kein Running-Gag, der sich durch meine Beiträge zieht! Ich will damit nur andeuten, dass der Austausch mit anderen Schützenkollegen für mich Gold wert ist, weil sich dadurch manchmal Möglichkeiten eröffnen, auf die man selbst einfach nicht kommt. Während der Arbeit an diesem Beitrag habe ich zuätzlich einen Besuch bei diesem Schützenkollegen geplant, der ebenfalls AG42B-Besitzer ist. Das war für mich insofern wichtig, als dass ich die Bauteile seines Gewehrs genauer unter die Lupe nehmen konnte, denn erstens ist dieses Gewehr unglaublich wenig geschossen worden und zweitens hat es meist Surplus-Munition „gesehen“ – in seltenen Fällen auch Fabrikmunition. Wie man sieht, haben sich auch in diesem Gewehr die einschlägigen Flächen berührt, allerdings weit weniger heftig, als das bei mir der Fall war. Die Abdrücke im Sicherungsblock konnte man mit dem Fingernagel ertasten und sind geschätzt nur 0,1mm tief.

Viel wichtiger war die Information, die mir Georg im nachträglichen Telefonat noch mitgeteilt hat: Er ist im Internet auf ein Forum gestoßen, in dem eindeutig davor gewarnt wurde, den Ljungman mit progressiven Pulvern zu schießen. Klasse, genau das, was ich gemacht habe und die Quittung habe ich ja auch prompt bekommen…

Aber es ging noch weiter: Um die hohen Gasdrücke wieder in den Griff zu bekommen, wurde im Forum darüber berichtet, einfach die Schraube am Gasabnahmeblock zu verändern. Diese soll gegen eine längere Schraube ausgetauscht werden, die ins Innere des Blocks hineinragt („Pipans gaskanal“) und dadurch an der direkt rechtwinklig abgehenden Kanalbohrung („Gasrör“) den Eintrittsquerschnitt verkleinert, siehe Bild. Fluidtechnisch quasi eine (Drossel-)Blende.

Dadurch kommt weniger Impuls auf den Verschluss, der infolge dessen auch nicht mehr mit der ursprünglichen Energie auf dem Sicherungsträger aufschlägt – falls er ihn aufgrund der dann vorgespannten Verschlussfeder überhaupt noch erreicht! Die gewählte Laborierung mit 37,5gr. N150 könnte ich dadurch möglicherweise unverändert beibehalten. In dem Forum wurde auch noch eine zweite Methode beschrieben, die allerdings die Demontage des Gasrohres bedingt und die Modifikation einer Gewindebuchse nach sich zieht, die direkt vor dem Verschlussträger sitzt. Diese Gewindebuchse könnte man nachfertigen und deren Bohrung so verkleinern, dass dadurch auch wieder eine Drosselung entsteht. Der Aufwand hierfür zieht aber die Demontage von weit mehr Teilen nach sich, er war mir einfach zu hoch.

Wer den Beitrag im besagten Forum nachlesen möchte, kann das hier tun:

Swedish AG42b Ljungman (Youngman) (gunloads.com)

Die Sache mit der geänderten Schraube an der Gasabnahme gehe ich auf jeden Fall an, der nächste Beitrag wird dann von dessen Herstellung und Erprobung handeln.

AG42B Ljungman Taktischer Schaft, Teil 4

Ich kann mich glücklich schätzen, dass mein Verein unter erhöhten Auflagen immer noch geöffnet ist und das Schießen mit Langwaffen auf Distanzen von 100m und 300m weiterhin ermöglicht. Durch die Terminvergabe per Buchungsapp ist die Zeit für meine Erprobungen zwar stets knapp, aber ich will mich nicht beschweren! Also angemeldet und ab ging es auf die 100-Bahn…

Obwohl mein Schwedenmauser mit der bisherigen Laborierung hervorragende Streukreise lieferte, habe ich für den jetzigen Halbautomaten eher im unteren Bereich angefangen zu laborieren.

Dies war die Ausgangssituation der Laborierung:

  • Hülse: Lapua Match, Kailber 6,5×55
  • Zündhütchen: Federal Ammunition FA 210
  • Pulver: N150
  • Menge: 3x,x gr.
  • Geschoss: Lapua Scenar HPBT, 139gr.
  • OAL: 76,5mm
  • Crimp: keiner

Getestet wurden schließlich Ladungen mit 34,5 / 35,0, / 35,5 und 36,0 grain.

Natürlich gibt es dazu auch einige Schussbilder, ich beschränke mich dabei aber mal auf zwei exemplarische, die meisten waren noch schlechter:

Was meinen Anspruch angeht, ist das Resultat nicht wirklich gut. Die Streukreise finde ich sogar so schlecht, dass ich sie nicht mal vermessen habe, ich schätze sie aber auf 60mm und 70mm. Von jenen, die ich nicht hochgeladen habe, mal ganz zu schweigen! Auffällig sind neben den zu großen Streukreisen teilweise ordentliche Ausreißer zur Seite (jedoch nicht auf den obigen Bildern zu sehen). Als die Schussbilder teilweise schlechter wurden, habe ich angefangen, mal sämtliche Verschraubungen zu überprüfen: Am Ende hat sich herausgestellt, dass das Zweibein locker geworden ist. Ist mir so auch noch nie passiert! Zumindest nicht mit einem Harris… ☹

Auch die Laborierung des Schwedenmausers mit 38,0 gr. N150 habe ich mit sehr wenigen Schüssen erprobt, allerdings war die Trefferlage oberhalb der Scheibe im Erdwall und so habe ich mich wieder den ursprünglichen Laborierungen zugewandt.

Als der Schießtermin vorüber war, hatte ich zwar noch keine Laborierung, mit der ans Long-Range-Schießen zu denken war, aber eines hatte die Erprobung zumindest gezeigt: Die gesamte Konstruktion des Schafts hat keinerlei Schwächen gezeigt! Alles sass noch genauso bombenfest, wie ursprünglich montiert (vom Zweibein mal abgesehen).

Wieder zu hause angekommen, habe ich mir überlegt, was man nun noch anstellen könnte, um ordentliche Streukreise hinzubekommen. Leider habe ich das Gewehr vor dem Kauf nur auf eine Entfernung von 50m über Kimme und Korn testen können, aber die Streukreise waren für die damaligen Umstände zufriedenstellend. Ich weiß bis heute nicht, ob es mit seinem gebrauchten Lauf überhaupt jemals so gut schießen wird, wie ich das gerne hätte oder was vielleicht ein geübter „Kimme-Korn-/Diopter-Schütze“ mit Originalschaft vor dem Umbau hätte „rausholen“ können. Fakt ist aber, dass der Lauf des AG42B zu stark in Schwingungen gerät und das schon bei weniger starken Ladungen mit N150-Laborierungen (im Vergleich zum Schwedenmauser). Dieser hatte damals mit dem brisanteren Pulver S065 von Lovex ja ein ähnliches Verhalten gezeigt, bis ich daran schließlich die langsameren Pulver N160 und zuletzt N150 erprobt habe. Noch langsamer wollte ich im Pulver jetzt aber nicht mehr werden. Beide Gewehre haben aber auch die Gemeinsamkeit, dass deren Lauf im originalen Holzschaft nicht freischwingend ist, sondern durch eine Abdeckung mit dem eigentlichen Basisschaft mittels Metallösen geklemmt wird. Ich habe dazu auch schon überlegt, den Lauf des AG42B nochmals irgendwo abzustützen oder zu klemmen.

Nicht verzagen, Marvin fragen!

Ja, ist wirklich so: Ich hab´ scheinbar den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen! Marvin habe ich aufgrund seiner Software Quickload angerufen und von der Erprobung des AG42B berichtet. Ich hatte mir erstmal erhofft, noch einige Tipps oder Hinweise bezüglich verschiedener Pulvermengen zu erhalten und deren möglichem Zusammenspiel mit der Anzahl der Züge und/oder der Lauflänge. Er hat mir dann auch berechnet, dass mit der Lauflänge von 620mm beim Ljungman erst ab einer Pulvermenge von 37,0 gr. der Brennschluss noch im Lauf stattfinden wird, entscheidend war aber sein Hinweis darauf, dass ich ja den Kornträger an der Laufmündung demontiert hatte! An den hatte ich überhaupt nicht mehr gedacht, denn er musste ja runter, wollte man das System aus dem Schaft ausbetten. Jedenfalls waren das insgesamt 55 Gramm Stahl, die an der Laufmündung demontiert wurden, wodurch mein „Schwingungsdämpfer“ quasi weg war. Ja, total logisch! Aber daran hatte ich jetzt auch nicht mehr gedacht, muss ich zu meiner Schande gestehen. Und dass, obwohl ich als Biker ebenfalls Lenkerendenblinker an meinem Chopper montiert habe. ☹

Für den nächsten Termin auf dem Schießstand fahre ich also mehrgleisig: Zum einen werde ich noch eine Laborierung mit 37,0 gr. und 37,5 gr. herstellen und abermals meine 38,0 gr.-Ladung mitnehmen. Außerdem werde ich den bisherigen Kronträger in zwei verschiedenen Varianten (80g und 155g) durch ein Laufgewicht ersetzen, das direkt in das originale Mündungsgewinde (M12x1) geschraubt wird (siehe Bild oben).

Bis diese neuen Fertigungsteile verfügbar sind, werde ich mit einem anderen Bauteil als Schwingungsdämpfer improvisieren, das auf dem Laufmantel verschiebbar ist und durch Madenschrauben (auf dem Bild noch nicht eingeschraubt) geklemmt werden kann.

Das Laufgewicht wurde wie gezeigt kurz vor den Bohrungen des „Mündungsdämpfers“ montiert, die resultierenden Schussbilder waren aber immer noch schlecht:

Auch das Verschieben des Laufgewichts hin zur Systemhülse hat leider nichts gebracht. Die Schussbilder wurden dadurch nur noch schlechter und das Hochladen erspare ich mir hier mal. Zum nächsten Schiesstermin waren dann glücklicherweise bereits die beiden Schwingungsdämpfer für die Montage an der Laufmündung vorhanden:

Den schwereren von beiden (155 Gramm) habe ich zuerst montiert und war am Ende echt zufrieden, sodass der leichtere Schwingungsdämpfer vorerst nicht mehr zum Einsatz kam:

Die Laborierung mit 37,5 gr. N150 hat dabei den besten Streukreis mit D=26mm und D=24mm (über Schussmitten und ohne Ausreisser) ergeben. Für einen Halbautomaten diesen Baujahrs auf 100m ein gutes Ergebnis, wie ich finde.

Weitere Untersuchungen

Ich werde in den kommenden Wochen versuchen, eine weitere Kombination aus Laborierung und Schwingungsdämpfer zu finden. Hintergrund ist eine leichte Beschädigung am Prallblock des Systems vom AG42B. Ich denke, dass das von einer der starken Laborierungen herrührt, mit denen ich geschossen habe. Falls es jene des Schwedenmausers mit 38gr. N150 war, so bin ich mit dem aktuellen Favoriten von 37,5gr. immer noch recht nahe dran. Ich sehe hier die Möglichkeit, für diese Laborierung die Pulvermenge zu reduzieren und gleichzeitig den Schwingungsdämpfer anzupassen, oder die Pulvermenge beizubehalten und die OAL der Patrone zu erhöhen. Ich werde mit Letzterem beginnen, weil das erstmal keine Nachbearbeitung des Schwingungsdämpfers oder gar ein Neuteil zur Folge hat. Mindestens ein Beitrag zu dieser Serie wird also noch folgen.

AG42B Ljungman Taktischer Schaft, Teil 3

Vom CAD-Modell bis zum Erhalt aller Bauteile hat es bei diesem Projekt leider richtig lange gedauert, aber am Ende wird ja meistens alles gut…

Hier und da war natürlich auch wieder Nacharbeit angesagt, die war allerdings nicht sehr aufwändig und so gut wie immer mit einer Feile zu erledigen.

Werfen wir nochmal einen Blick auf die wesentlichen Teile des AG42B Ljungmann. Im Vergleich zum Schwedenmauser hat dieser eine relativ komplizierte Geometrie der Systemhülse und besitzt auch keinen Prallschild, in den die Rückstoßkräfte des Schusses eingeleitet werden können. Dafür ist das Ende der Systemhülse sehr massiv ausgeführt und für mich lag nahe, sämtliche Rückstoßkräfte nun über diese Fläche in den Schaft einzuleiten. Die Kunst lag nun darin, die Systemhülse sehr genau zu vermessen, um Abmessung und Toleranz für die Bettung im neuen Alugehäuse festzulegen. Rechts von der Systemhülse kann man auf dem nachfolgenden Bild ein kleines Metallplättchen erkennen, dass ich bei der Montage zusätzlich verwendet habe, um minimalstes Spiel aus dem Zusammenbau zwischen Systemhülse und Aluschaft herauszunehmen: Es handelt sich dabei um Metallfolie von 0,05mm Dicke, auf die sogar die stirnseitig vorhandene Kronenstempelung der Systemhülse aufgeprägt wurde, sobald alle drei Schaftschrauben angezogen waren. Ein Anzeichen dafür, dass das erste Teilziel erreicht wurde.

Systemhülse mit Verschluss und rückwärtiger Sicherung/Verriegelung, sowie Abzugsgruppe mit zwischenliegender Abstandshülse sind noch original. Das erwähnte Metallplättchen, sowie die drei Schaftschrauben (M6x0,75) sind angepasst. Die äußerst rechte Schraube wird zudem durch die Griffaufnahme und eine weitere Abstandshülse, sowie die Abzugsgruppe geführt, bis sie letztendlich mit der Systemhülse verschraubt wird.

Die nächsten Bilder zeigen Details des Schafts:

Da sich der Hinterschaft vom Projekt Schwedenmauser bisher bestens bewährt hat, ist er komplett übernommen worden. Die Schaftbacke stammt noch vom Prototyp des Anschlagschafts für meine 1911er. Sie musste nur um drei weitere Bohrungen ergänzt werden, die später aufgrund von aufgeklebtem Moosgummi nicht mehr sichtbar sind.

Noch ein Blick auf die Unterseite des Schafts. Hier ist die Griffaufnahme bereits durch die letzte Schaftschraube nahe des Abzugszüngels montiert. Rechts davon befindet sich eine Gewindebohrung zur Befestigung des Hogue-Griffes und wiederum rechts daneben eine zweite Schraube, die die Griffaufnahme mit dem Schaft verbindet.

Die Befestigung des Vorderschafts am Basisschaft ist asymmetrisch ausgeführt: Auf der rechten Seite wurde ein speziell gewinkeltes Verbindungsteil angebracht, um dort wiederum den Hülsenfangsack montieren zu können.

Einschränkungen

Wie im zweiten Teil zum Projekt beschrieben, habe ich mir einen zweiten Verschlussdeckel zugelegt, der nachgearbeitet wurde. Die beidseitigen Höcker wurden demontiert und ein kleines Stück Stahl wurde angeschweißt, um den Verschluss noch spannen und das gesamte Konstrukt in seinen Führungen auch noch bewegen zu können. Leider ist der angeschweißte Stab ohne allzu große Krafteinwirkung abgeplatzt und ich habe darauf verzichtet, weitere Schweißversuche zu unternehmen – Umdenken war also angesagt! Ich habe daraufhin den Entschluss gefasst, den originalen Verschlussdeckel des Gewehrs ebenfalls umzuarbeiten, diesmal jedoch nur den linken Höcker zu entfernen. Der rechte noch verbliebene Höcker erfüllt jetzt den gleichen Zweck, den der angeschweißte Stab erfüllen sollte, mit dem Unterschied, dass man den Verschlussdeckel zum Putzen des Gewehrs nun leider nicht mehr nach hinten entnehmen kann. Der Lauf muss fortan also bei gespanntem und nach hinten geschobenem Verschluss von vorne geputzt werden.

Ohne die Möglichkeit zur Entnahme des Sicherungsblocks wäre mir das zu heikel gewesen, denn allzu leicht löst sich der gespannte Verschluss und eine ernsthafte Verletzung wäre nur eine Frage der Zeit. Durch den am Sicherungsblock vorhandenen Pin war es notwendig, die Halterung der Picatinny-Schiene auszusparen. Der Sicherungsblock kann nun angehoben und schräg unterhalb der Picatinny-Schiene entnommen werden (selbige hat auf dem Bild noch nicht die endgültige Länge, es wurde kurzerhand mit einer kürzeren Schiene vom Projekt Schwedenmauser improvisiert).

Alternativ hätte ich auch die rechte hintere Stütze der Picatinny-Schiene entfernen können, um den Lauf wie ursprünglich geplant wieder von hinten putzen zu können. Allerdings erschien mir die Lagerung des Zielfernrohrs – dann allein durch die beiden linken Halterungen gestützt, dafür als nicht stabil genug.

Hier nun das Resultat des Umbaus, bevor es bei nächster Gelegenheit auf die Schießbahn geht. Selbstverständlich folgt noch ein Bericht zum Schussbild mit entsprechend gewählter Laborierung. Eloxiert wird erst ganz zum Schluss…

Stahl selbst brünieren

Im Rahmen meines Projekts „Taktischer Schaft für den AG42B“ habe ich mich mal selbst daran versucht, Stahlteile zu brünieren. Die Gelegenheit, das gerade jetzt auszuprobieren war günstig, denn ich hatte einige Teile, die später nach der Montage nicht wirklich im sichtbaren Bereich sein werden. Trotzdem sollten sie mit der Zeit nicht rosten und so habe ich kurzerhand versucht, sie mit einer Schnellbrünierung aufzuhübschen und gleichzeitig zu konservieren. Ich habe es mir einfach gemacht und mal beim großen Online-Versandhändler nach dem Schlagwort „Brünieren“ gesucht. Es dauerte nicht lange und ich habe die nachfolgende Schnellbrünierung von Ballistol gefunden, die mit knapp über 270 Bewertungen durchweg gut weggekommen ist und für unter 11 Euro zu haben war.

Hier ist ein kurzer Bericht zu meiner Vorgehensweise und den Resultaten meiner Arbeit.

Sicherheitsvorkehrungen

Das Zeug ist alles andere als gesund! Arbeitet an einem Ort, an dem Ihr von der Brünierung auch etwas verschütten könnt, ohne dass der Untergrund für immer verschandelt ist, denn ätzend ist sie auch noch. Gummihandschuhe sind sehr empfohlen, ich hatte glücklicherweise dünne aus Nytrilkautschuk, mit denen hat man noch viel Feingefühl beim Arbeiten. Falls möglich, sorgt für ausreichend Belüftung.

Vorarbeit am Bauteil

Das ist schnell erklärt: Durch irgendeine Bearbeitung ist ein Stahlteil nun an einer Stelle blank. Wenn diese Stelle später wieder schön aussehen soll, empfehle ich, sie mit Schleifpapier von 400er Körnung vorzubehandeln.

Mindestens die Stelle, wenn nicht das ganze Bauteil, sollte vor dem Brünieren auch mit Waschbenzin sorgfältig entfettet werden. Ich habe dazu eine kleine Espresso-Tasse geopfert und kurzerhand einige Teile darin versenkt. Die Schrauben auf dem unteren Bild wurden alle gekürzt und teilweise noch am Kopfdurchmesser abgedreht.

Aufgetragen habe ich die Brünierung mit einem Wattestäbchen. Man kann erstaunlich viel Fläche auf diese Art und Weise bestreichen, die Flasche wird bei mir wohl ewig halten! Was mich sehr gewundert hat, war, dass die Brünierung sofort mit dem Stahl reagiert hat. Er ist fast schlagartig geschwärz worden. Eine etwas längere Schraube habe ich am Schaft mit dem Kopf zuerst in die Flasche getunkt. Auf einem Blatt Papier wollte ich die überflüssige Brünierung dann loswerden und habe die Schraube aufgesetzt, allerdings hat es fast keinen Abdruck gegeben…

Die Teile habe ich nach der ersten Anwendung 25 Minuten ruhen lassen und so sehen sie danach aus:

Was auch immer sich da für eine Schicht gebildet hat, ich habe sie mit etwas Poliervlies leicht abgerieben. Die Prozedur des Brünierens habe ich dann ohne erneutes Entfetten wiederholt und nach weiteren 25 Minuten diesmal mit einem weichen alten T-Shirt abgerieben. Das Ergebnis ist überraschend gut! Zum Vergleich habe ich zwei weitere noch nicht brünierte Schrauben dazu gelegt.

Nachbehandlung

Nachträgliches Abreiben scheint erstmal nicht zu reichen. Die Brünierung ist wohl auch weiterhin am wirken, so hat sich auf den Bauteilen am nächsten Tag stellenweise wieder eine leichte Oxidschicht gebildet. Nach dem nochmaligen Abreiben mit einem ölgetränktem Stück Stoff war es dann aber schließlich erledigt und der chemische Prozess war am nächsten Tag beendet. Bauteile, die direkt noch am Tag der Brünierung mit Öl abgewischt wurden, haben am Folgetag trotzdem noch eine neue Oxidschicht gebildet – das war allerdings nur sehr wenig. Nach erneutem Abwischen mit Öl war dann auch hier ab dem zweiten Tag alles gut.