Hera Arms Triarii

Motivation

Viel wurde über Anschlagschäfte geschrieben, manches wahr, einiges falsch. Jeder Waffenträger, egal ob beruflich, oder privat hat sich seine eigenen Gedanken zu dem Thema gemacht, warum also ein weiterer Bericht dazu? Wir alle kommen in unserem Alltag mit Technik in Berührung. Die meiste davon nehmen wir nicht wahr, doch hin und wieder halten wir ein Stück Technik in den Händen welches besser ist. Sicher passiert das bei technikbegeisterten Menschen öfters, und doch haben wir alle diese Momente. Was fasziniert uns daran? Was unterscheidet dieses eine Exemplar von den Anderen?

Ich persönlich denke es ist eine Mischung aus der Haptik und Funktion, aber vor allem der Gedanke dahinter. Es gibt jemanden, der es geschafft hat, diese eine Stück so zu gestalten, dass es sich wunderbar anfühlt, dass es fantastisch aussieht und dass es seine Funktion einwandfrei erfüllt. Sicher gehört zu der Entwicklung auch eine Portion Glück, aber noch mehr das immer wieder neu Denken, das neu Gestalten und das Testen, bis es am Ende zu dem wird, was es ist.

Genau das ist der Firma Hera aus Triefenstein mit dem Triarii gelungen. Diese Leistung, dieses Engagement ist der Grund, warum ich einen Text schreibe.

Hera Arms Triarii mit CZ Shadow 2
Verriegelung geschlossen

Fakten 

Der Triarii ist als Basischaftsystem ohne Anbauteile erhältlich oder als RTU mit Vordergriff, Klappschaftadapter, Buffertube und Hinterschaft. Von Hera Arms wird in der RTU-Variante der hauseigene CCS Hinterschaft in der offenen Version und der HFG mit integriertem Staufach als Vordergriff mitgeliefert. Der Klappschaftadapter SFU kann auch bei ähnlichen Systemen verwendet werden, welche die Buffertube nicht aktiv nutzen. 

Der Winkel des Hinterschafts ist einstellbar, so dass sich auch mit Helm oder Gehörschutz ein fester Anschlag einnehmen lässt.

Hinterschaft CCS

Als Schnittstelle bietet der Triarii neben der AR-15 Buffertube auf der Rückseite vier Picantinny Schienen rund um den Vorderschaft. (3 Uhr 16 Nuten, 6 Uhr 12 Nuten, 9 Uhr 5 Nuten und 12 Uhr 26 Nuten) dazu kommt eine pistolenspezifische Schnittstelle. 

Aktuell wird der Triarii für Modelle von CZ, Walther, Glock und HK angeboten. Die RTU-Variante hat im CCS Hinterschaft noch zwei QD-Ösen sowie zwei Ösen zur direkten Aufnahme eines Gurtes verbaut. 

An der Unterseite des CCS kann eine, im Lieferumfang enthalten, Picantinny Schiene angebaut werden (5 Nuten).

Der Klappschaftadapter SFU verriegelt im geschlossenen Zustand. In der geklappten Position wird er durch Federkraft gehalten.

SFU Ansicht von hinten
SFU Draufsicht

Der Triarii ist hauptsächlich aus Aluminium aufgebaut, dazu kommt Stahl in den beanspruchten Teilen (Schrauben, Verriegelungen, Federn, etc.) und hochwertiger Kunststoff an den spezifischen Pistolenaufnahmen.

Die Abmessungen betragen geklappt 9 x 18 x 48 cm und 8 x 18 x 71 – 80 cm und das ganze System wiegt als RTU ohne Waffe knapp unter 1,8 kg.

SFU geschlossen. An der Schraube kann der Winkel des Hinterschafts fixiert werden.

Handhabung

Um die Waffe in den Triarii zu bekommen, ist lediglich eine Verriegelung zu lösen. Dazu wird das sauber rastende Rad, welches sich am vorderen Ende der zwölf Uhr Schiene befindet um 90 Grad gedreht. Danach lässt sich die Verriegelung hochklappen und der Vorderschaft kann um ca. 7 cm nach vorne gezogen werde. Die Waffe wird mit dem Beavertail eingelegt und in Position geschwenkt. Der Vorderschaft wird zurück gezogen, wobei sie die Aussparungen im Vorderschaft passgenau um die Schiene der Pistole gleitet. Die Verriegelung wird nach unten geklappt und das Verriegelungsrad wieder zurück gedreht. Wenn man es zwei Mal gemacht hat, dauert der gesamte Vorgang wenige Sekunden. Anschließend kann das Magazin eingesetzt werden und die Waffe wird mit dem Durchladehebel auf der linken Seite schussbereit gemacht.

Durchladehebel

Schießstand

Pandemiebedingt hat es etwas gedauert, bis ich den Triarii das erste Mal testen konnte. Aber jetzt war es endlich so weit. Unter den interessierten bis kritischen Blicken der wenigen Anwesenden auf dem Stand wurde die Waffe in wenigen Sekunden eingelegt. 

Es gab ja im Vorfeld genügend Zeit zu üben. 

Und danach ging es los. Am Anfang mit BUIS, im Anschluss daran mit ZF und Rotpunkt. Kaum war die erste Scheu überwunden, wurde das gute Stück von Schütze zu Schütze gereicht und es gab Keinen, der sich in der Folge nicht bewundernd geäußert hat. Die Schussgruppen lagen Mal für Mal unter dem, was mit der Pistole ansonsten erreicht wurde, teilweise deutlich. Wir haben keine Präzisionstests gemacht, weil diese mit unseren Mitteln nicht aussagekräftig gewesen wären. Wir haben auch nicht aufgeschrieben, wie schnell der doch ganz ansehnliche Munitionsvorrat für den Tag aufgebraucht war. Wir haben auch nicht gemessen, wie schnell das Grinsen im Gesicht erschienen ist oder wie lange es dort blieb, aber alles das ist auch nicht wichtig weil es einfach viel zu viel Spaß gemacht hat dieses wunderbare Stück Technik zu testen. 

Was hier nicht unerwähnt bleiben sollte, ist, dass die Zielerfassung deutlich schneller und präziser erfolgt. Insbesondere wenn es Ziele auf unterschiedlichen Höhen und unterschiedlichen Abständen waren.

Hinweis für Sportschützen: Es gibt mittlerweile sowohl im DSU als auch im BDS Disziplinen, welche mit dem Triarii geschossen werden können.

Ansicht Mündung von vorne. Gut zu erkennen ist die Verbindung zwischen Durchladehebel und Pistolenschlitten.

{Hera Arms Triarii-10.jpg} – Hera Arms Triarii Mündung eingebaut

Vergleich zu Anderen

Wenn man den Triarii mit den Anschlagschäften anderer Hersteller vergleicht, dann fällt neben dem verwendeten hochwertigen Material vor allem auf, dass er keinen der Nachteile der anderen hat. Das fängt an mit der Haptik. Andere Hersteller setzten hier vermehrt auf Kunststoff. Es geht weiter mit der werkzeuglosen Montage ohne die Möglichkeit, dass man dabei Teile verliert. Der tadellosen Verarbeitung und der damit einhergehenden Sicherheit, dass das System nicht neu eingeschossen werden muss. Der Tatsache, dass es einen Handschutz gibt, der das Wort verdient (ein Hersteller montieren den vorderen Griff so, dass man leicht mit der Hand vor die Mündung kommen kann.). Keine Anbauteile an der Waffe notwendig. Und letztendlich einer gelungenen Optik. Sicher kann man hier einwänden, dass dies Geschmacksache ist und ich möchte dies auch nicht bewerten, aber wenn man rein objektiv die verschiedenen Systeme neben einander legt, dann fällt auf, dass der Triarii, vor allem in Verbindung mit der CZ, wirkt wie aus einem Guss und nicht als hätte man zwei vollkommen verschiedene Teile wahllos aneinander geschraubt.

Auch wenn man das System gegenüber Langwaffen im Pistolenkaliber vergleicht ergeben sich Vorteile für den Triarii. Er ist kompakter, gilt nicht als Waffe (belegt somit keinen zusätzlichen Platz in der WBK oder im Schrank). Fairerweise muss erwähnt werden, dass der Triarii in seiner Systempräzision natürlich auf die Grund(kurz)waffe angewiesen ist und somit im Vergleich zu einer Langwaffe in dieser Disziplin im Mittel schlechter abschneidet.

Fazit

Der Triarii ist ein Hingucker. Wer ihn auf dem Pistolenstand auspackt, wird nicht umhinkommen viele Fragen zu beantworten. 

Nein, man braucht ihn nicht, aber er macht Spaß und davon eine ganze Menge. Er steigert dem Munitionsverbrauch, doch das ist es wert. Hätte ich ihn nicht schon, würde ich ihn sofort kaufen. 

Es ist unglaublich in wie weit ein Anbauteil eine so gelungene Ergänzung zu einer vorhandenen Pistole sein kann. 

Auf der einen Seite ist er total vertraut und es kommt einem vor, als ob er schon immer da gewesen wäre, auf der anderen Seite ist es als schieße man eine andere Waffe. Und da das Auge bekanntlich mit schießt, ist es eine Freude zu sehen, wie perfekt Waffe und Anschlagschaft zusammen harmonieren. Mein CZ Shadow 2 ist super und dennoch macht der Triarii sie besser. Ich habe das System jetzt schon so oft auseinander und zusammen gebaut und doch erwische ich mich dabei, wie ich die Verriegelung mehrfach bediene, weil ich einfach immer noch fasziniert bin, wie simpel und doch geschickt Lösungen für komplexe Fragestellungen sein können.

Und um den Bogen zur Einführung zu schließen. Dem Hera Arms Triarii wohnt ein Zauber inne, welcher nur von wenigen anderen Dingen erreicht wird und vor allem von keinem anderen Anschlagschaft.

Danksagung

Vielen Dank an das Team von Hera Arms, nicht nur dafür, dass ihr so tolle Produkte entwickelt, sonder vor allem für den netten und persönlichen Kontakt. Danke Thomas.

Verriegelung offen

Mythen

Wie bei allen Dingen rangen sich auch um Anschlagschäfte besondere Mythen, ich möchte die Möglichkeit nutzen hier ein wenig aufzuräumen.

Ein Anschlagschaft ist frei verkäuflich

Ein Anschlagschaft steigert nicht die Präzision der Waffe. Durch die verbesserte Ergonomie gegenüber einer Pistole, (Schulteranschlag, die verlängerte Visierlinie und/oder die Verwendung von optischen Visieren wie Rotpunkt, Holovisier und ZF) lassen sich Schützenfehler minimieren. Durch diesen Umstand steigert sich die Präzision des Systems Schütze/Waffe.

Der Rückstoß bleibt identisch, wird aber im Schulteranschlag besser absorbiert. 

Noki2000

H&K P9S Puffergehäuse

Das Hintergrundbild der H&K P9S stammt von Wikipedia, die genaue Quellenangaben stehen in den folgenden beiden Absätzen.

Von Rizuan (talk) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9086956

https://de.wikipedia.org/wiki/HK_P9S#/media/Datei:HK_P9S_PDRM.jpg

Der ehemalige Besitzer meines zweiten (jetzt bei einem Händler eingelagerten) AG42B Ljungman ist ebenso Besitzer einer Pistole P9S von Heckler & Koch. Da er nicht nur eine flüchtige Bekanntschaft im Rahmen des Ankaufs ist, hatte ich während des Projekts AG42B und insbesondere während der Entstehung dessen Ersatzteile häufiger Kontakt zu ihm. Das brachte ihn auf die Idee, die mittlerweile sehr raren und somit leider auch teuren Puffergehäuse für die P9S bei mir als Nachfertigung anzufragen. Leider brechen diese Teile nicht selten im Gebrauch, insbesondere, wenn sich der innenliegende Elastomerpuffer zerlegt und man diesen Umstand nicht gleich bemerkt. Sämtliche Kräfte des Repetiervorgangs wirken dann ungebremst auf die konkave Geometrie auf der Oberseite des Puffergehäuses ein, die unter dieser Belastung abbricht.

Das Vorhaben einer Nachfertigung wurde mit H&K abgestimmt. Da die Produktion dieser Pistole aber bereits im Jahr 1995 eingestellt wurde, spielen Patente (20 Jahre) und Gebrauchsmuster (10 Jahre) rechtlich gesehen zudem keine Rolle mehr. Die Puffergehäuse werden sowohl für das Kaliber 9mm, als auch für das Kaliber .45 ACP / .45 Auto. verfügbar sein. Den Elastomerpuffer möchte ich bei dieser Gelegenheit auch noch angehen, aber alles zu seiner Zeit.

Aktuell sind bereits Teile in der Anfertigung, ich rechne damit, dass die Erprobungsphase dann spätestens Mitte Mai 2021 beginnt – ich werde weiterhin berichten!

AG42B Ljungman, Taktischer Schaft Teil 7

So langsam aber sicher nähert sich diese Beitragsreihe dem Ende, denn ich habe beim letzten Schießtermin – zumindest in technischer Hinsicht – mein Ziel erreicht: Der AG42B macht jetzt genau das, was er soll! Ohne sich selbst zu zerlegen 😊

Optisch ist das Gewehr natürlich noch nicht ganz fertig, denn es fehlt noch die Eloxal-Beschichtung am Schaft. Ein weiterer sehr kurzer Beitrag wird also noch folgen, der den Halbautomaten dann in seinem komplett fertigen Zustand zeigen wird.

Ich möchte dem geneigten Leser aber schon in diesem Artikel alles Weitere an die Hand geben, um seinen Ljungmann ebenfalls zum Schießen zu bringen, falls er mit einem Kauf liebäugelt oder falls er das Gewehr einfach mal wieder vom Staub befreien möchte. Einige der nachfolgenden Tipps sind natürlich auch anderweitig im Internet zu finden, da will ich mich gar nicht mit fremden Federn schmücken. Allerdings kann ich hier und da noch einige Details beisteuern oder Lösungswege aufzeigen.

Freischwingender Lauf und Laufgewicht

Der AG42B Ljungmann hat eigentlich keinen freischwingenden Lauf, das ergibt sich erst durch die Umbettung in meinen eigens dafür konstruierten Schaft. Ich habe das Gewehr vor dem Umbau nie ausgiebig erprobt und kann daher auch nicht sagen, ob es mit meiner nachfolgenden Laborierung ähnlich gute Streukreise ohne Laufgewicht und dafür mit originalem Schaft erzielt hätte. Wer sich an ein ähnliches Projekt wagen möchte, dem sei jedenfalls dieses Laufgewicht wärmstens empfohlen, sofern er das System aus dem Holzschaft ausbettet. In logischer Konsequenz sollte man dann aber auch die untenstehende Laborierung übernehmen. Im Gegensatz zu den vorherigen Bildern in vergangenen Beiträgen ist die unten abgebildete Zeichnung zum Laufgewicht leicht modifiziert worden: Die Bohrung D=5mm/Tiefe 5mm zum Festziehen mittels Schneideisenhalter ist einer gefrästen Schlüsselweite mit SW19 gewichen. Außerdem ist das Gewinde M12x1 nun mit 13,7mm um 1,5mm länger geworden, da das Laufgewicht künftig mit einem Crush-Washer auf dem Lauf befestigt wird. Wem der Begriff nicht geläufig ist: Es handelt sich dabei um eine etwas dickere, speziell geformte Unterlegscheibe zwischen Lauf und Laufgewicht, die sich beim Anziehen des Laufgewichts auf dem Gewinde verformt. Das Laufgewicht bleibt auf dem Gewinde dadurch etwas vorgespannt, sodass es sich nicht mehr ohne Weiteres von selbst lösen kann. Ich habe mir dazu von Brownells folgende Artikel bestellt, bzw. nachbestellt:

Artikel Nr.  452000271 (passt auf jeden Fall)

JP Enterprises ½“x28 .750OD

Artikel Nr.  452000273 (muss ich ausprobieren)

JP Enterprises 5/8“x24 .750OD

Laborierung

Achtung:

Für das Long-Range-Schießen weiche ich von der Ladeempfehlung von Vihtavuori ab! Ich sehe das als unproblematisch an und erläutere das in diesem Beitrag nochmals genauer.

  • Hülse: Lapua Match, Kailber 6,5×55 Schwedenmauser
  • Zündhütchen: CCI 200
  • Pulver: N150
  • Menge: 37,5gr.
  • Geschoss: Lapua Scenar GB458 HPBT, 139gr.
  • OAL: 76,5mm
  • Crimp: keiner

Ähnlich gute Streukreise konnte ich bei der o.g. Laborierung mit nur 36,9gr. N150 erzielen. Da ich das Gewehr aber auch auf sehr weite Distanzen schießen möchte, wähle ich natürlich 37,5gr. N150.

Fabrikneue Verschlussfedern

Ich habe in den letzten Beiträgen mit Schäden an meinem Gewehr zu kämpfen gehabt, die durch den repetierenden Verschlussträger bei Verwendung der obigen Laborierung entstanden sind. Verschlussfedern aus Arsenalbeständen sind immer noch erhältlich und bauen den Energieimpuls des Verschlussträgers am besten ab – für das „Projekt Ljungmann“ haben sie sich als der Schlüssel zum Erfolg herausgestellt! Bei Verwendung der obigen Laborierung sind sie dringend empfohlen, sie haben bei mir aber auch zu weiteren Komplikationen geführt…

„Firing out of battery“

So heißt es im englischsprachigen Raum und beschreibt den Umstand, dass die Patrone (ohne den Abzug zu betätigen!!!) bereits allein durch die Energie des schließenden Verschlussträgers und seines darin gelagerten Schlagbolzens ausgelöst wird. Der Schlagbolzen des AG42B ist im Gegensatz zum Verschluss z.B. eines AR15 nicht ausschließlich schwimmend gelagert, sondern wird noch durch eine kleine Feder im Inneren zurückgehalten. Diese Federkraft am Schlagbolzen wird dann im Normalfall spielend vom Schlaghammer überwunden. Tja, leider überwindet die Federkraft der neuen Verschlussfedern diese Rückhaltekraft bereits und was dann passiert, seht Ihr auf den folgenden Bildern.

Noch bevor der Verschluss komplett verriegelt, zündet der Schlagbolzen durch die Beschleunigung der (neuen) Verschlussfedern die Patrone, die zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht komplett zentrisch im Patronenlager sitzt. Der Hülsenhals verformt sich dadurch einseitig, platzt auf und ohne die erwähnte Verriegelung des Verschlusses, reißt es selbigen sofort wieder nach hinten. Bei dieser Rückwärtsbewegung wird der Patronenboden vom Auswerfer förmlich durchstoßen, einen einzigen Zündhütchenbläser hatte ich sogar auch dabei. Richtig ärgerlich aber war, dass der am Ende befindliche Sicherungsblock wieder die volle Energie des Verschlussträgers abgekriegt hat und dort abermals die Prallflächen herausgebrochen sind – das war dann mittlerweile der zweite Sicherungsblock, der repariert werden musste! Total ätzend, denn der stammte bereits aus dem Ersatzgewehr! Seit diesem Vorfall sind die harten Zündhütchen CCI 200 bei meinem Ljungmann Pflicht!

Nachtrag:

Die härteren Zündhütchen verbessern die Situation beim Verriegeln/erstmaligen Durchladen des Verschlusses wesentlich, aber es kann nach einem Schuss immer noch zu einer „Doppelung“ kommen – so bei mir geschehen. Deshalb: Wer neue Verschlussfedern einsetzt kommt nicht darum herum, auch die Feder des Schlagbolzens zu ersetzen!!! Das Ersetzen ist wirklich einfach: Verschlussabdeckung entnehmen und Verschluss aus dem Verschlussträger entnehmen. Im hinteren Bereich sieht man den Schlagbolzen, welcher durch einen gekerbten Stift gesichert ist. Der Stift wird ausgetrieben, indem man auf die nicht gekerbte Seite schlägt. Auf dem unteren Bild sieht man die neue und die (kürzere) abgenutze Feder, letztere ist über die Jahre des Gebrauchs ca. 20mm gestaucht worden.

Gefettete Hülsen

Ja, von dieser Empfehlung aus einem englischsprachigen Forum hatte ich bereits von einem Kollegen gehört, das geriet aber schnell wieder in Vergessenheit, weil ich als Wiederlader meine LW-Hülsen natürlich immer vor dem Kalibrieren fette. Bei der versuchsweisen Verwendung von Fabrikmunition ist mir dieser Umstand wieder in Erinnerung gerufen worden, denn die Hülsen wurden nicht mehr ausgeworfen, ließen sich zum Glück aber noch manuell heraus repetieren. Die getestete Fabrikmunition war übrigens PPU mit 139gr.-Geschoss und nebenbei bemerkt lief sie richtig schlecht.

Gasrückführung

Im letzten Beitrag hatte ich ein Forum verlinkt, in dem für den AG42B bei Verwendung von progressiven (also langsam abbrennenden) Pulvern eine längere Schraube der Gasabnahme empfohlen wird, um den Impuls auf den Verschlussträger zu mindern, bevor dieser auf dem Sicherungsblock aufschlägt und Schäden verursacht. Das ist meiner Meinung nach nur die halbe Wahrheit, denn ich kann das laut meinen Untersuchungen nicht ausschließlich auf progressive Pulver zurückführen. Schauen wir uns dazu kurz das Gewehr selbst und drei Berechnungen von Laborierungen mit der Software Quickload an: Wenn ich die Lage der Patrone in der Kammer abschätze, so vermesse ich noch ca. 385mm Weg, den das Projektil im Lauf bis zum Passieren der Gaskanalbohrung zurücklegt. Runden wir das der Einfachheit halber mal auf 400mm auf und gehen in die nachfolgenden Diagramme, die mir Marvin zur Verfügung gestellt hat.

Eine Laborierung mit sehr gutem Streukreis, die in einem Forum beschrieben wurde (Schussbild war dabei) und die ich mit Quickload nachbilden liess: 140gr. Nosler HPBT/34,5gr. IMR 4046/OAL 76,6mm/2813 bar. Bei einem Geschossweg von 400mm wirken noch rund 900bar auf den Verschlussträger. Das IMR 4046 ist ein US- Pulver, dass laut meinen Informationen nicht mehr importiert wird, weil es gewisse Zusätze enthält, für die es keine Freigabe mehr in der EU gibt.

Mit N140 habe ich dann versucht, den obigen Spitzendruck von ca. 2800 bar nachzubilden, siehe unten.

139gr. Lapua Scenar HPBT/34,1gr. N140/OAL 76,5mm/2795 bar

Nach einem Geschossweg von 400mm ermittle ich hier einen Restdruck im System von ca. 1000 bar.

Ähnlicher Spitzendruck mit N150, siehe unten.

139gr. Lapua Scenar HPBT/37,0gr. N150/OAL 76,5mm/2861 bar

Auch hier erkenne ich noch einen Restdruck von ca. 1000 bar nach einem Geschossweg von 400mm.

N140 besitzt eine ähnliche Abbrandgeschwindigkeit wie das IMR 4046. Beide Pulver gelten im Vergleich zum progressiven N150 eher als offensiv. Es ist zu erkennen, dass – offensiv oder progressiv – die Druckkurve bei keinem der drei Pulver nach der Druckspitze signifikanter abfällt. Wer eine verlängerte Schraube der Gasabnahme also als notwendig ansieht, kann den Umstand meiner Meinung nach nicht einfach durch Verwendung eines offensiven Pulvers umgehen.

Hinweis: Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Veränderung der Verschlussschraube an der Gasabnahme nicht notwendig ist, wenn man neue Verschlussfedern verwendet!

Für diejenigen, die auch in dieser Hinsicht weitertüfteln möchten, sind hier weitere Tipps:

Man fängt logischerweise erstmal bei einer zu langen Schraube an, die die Gasrückführung komplett unterbindet und das Gewehr vorübergehend wieder zu einem Repetierer macht. Von da aus kann man die Schraube dann versuchsweise Stück für Stück abfeilen, bis die ursprüngliche Funktion des Halbautomaten wiederhergestellt ist. Dazu lädt man für jeden Versuch nur eine einzige Patrone ins Magazin. Das Ziel ist erreicht, wenn der Verschluss aufgrund des leeren Magazins gefangen wird und keine Beschädigung am Sicherungsträger ersichtlich ist. Ich rede bewußt von Beschädigungen und nicht von Berührungen, denn bauartbedingt kann es ja durchaus normal sein, dass der Verschlussträger auf den Sicherungsträger aufschlägt. Nur bitte, ohne Schaden zu verursachen! Anders ist es z.B. beim AR15 ja auch nicht…

Das nachfolgende Bild zeigt meinen bereits reparierten Sicherungsträger. Die defekten Stellen wurden aufgeschweißt, nachgeschliffen und anschließend wieder brüniert. Der leichte Abrieb an den äußersten Ecken der Reparatur entstand während der Versuchsphase mit verschiedenen Schraubenlängen an der Gasabnahme. Ein Fortschritt des Abriebs wurde für die folgenden 40 Schuss nicht mehr beobachtet, sodass ich davon ausgehe, dass es in der jetzigen Konstellation Feder/Laborierung/Verschlussschraube zu gar keiner Berührung mehr zwischen Verschlussträger und Sicherungsträger kommt.

Wer die Verschlussschraube in einer längeren Form benötigt, kann also nachfolgende Zeichnung verwenden:

Die Schraube besitzt laut Zeichnung Überlänge und wird den Gaskanal (ich habe seinen Innendurchmesser mit D= 2mm ermittelt) komplett verschließen. Angefertigt aus einem vergüteten Edelstahl braucht sie nachträglich nicht mehr gehärtet zu werden, lässt sich dafür aber auch leider nicht brünieren.

Der Mühe Lohn

Ich habe auf dem ersten Schussbild (100m, sitzend mit Zweibein und Sandsack) noch sämtliche Versuchsbedingungen und Infos festgehalten. Es ist noch mit einem Restbestand an Munition mit 36,9gr. N150 und den weicheren Zündhütchen FA 210 entstanden, glücklicherweise ohne Schäden oder Fehlfunktionen.

Beim zweiten Schussbild sind einige schlimmer Ausreißer zu sehen, da ich den Schaft nicht richtig im Sandsack fixiert habe. Ich muss sagen der Ljungmann lässt sich nicht so leicht kontrollieren, wie mein Schwedenmauser.

Ersatzteile

Auch die sind fertig geworden! Mit ein wenig Nacharbeit habe ich gleich zwei Sicherungsträger spielfrei auf mein Gewehr eingepasst. Mit den nachgefertigten Sicherungsbolzen und einigen Ersatz-Kleinteilen aus Arsenalbeständen habe ich jetzt einen weiteren kompletten Sicherungsträger. Mal schauen, ob ich ihn nochmal irgendwann benötigen werde.

AG42B Ljungman, Taktischer Schaft Teil 6

Herr Broszat, dieser Artikel ist Ihnen gewidmet!

Sie hatten im letzten Beitrag dieser Serie einen Kommentar hinterlassen und erwähnt, dass die Verschlussfeder des Gewehrs möglicherweise in ihrer Federrate nachgelassen hat – und Sie hatten Recht! An dieser Stelle also nochmals vielen Dank für Ihren Hinweis! Ich habe diese Möglichkeit gar nicht in Erwägung gezogen, glücklicherweise war es mir aber ein Leichtes, das nachzuprüfen. Ich musste dazu erst gar nicht die Produkte von Gutekunst studieren, sondern habe zwei Verschlussfedern aus meinem mittlerweile ganz ansehnlichen Ersatzteilvorrat verwendet. Wenn ich mir also die tadellose Lackierung dieser Federn ohne jegliche Spuren von Schmauch oder Schmutz so anschaue, kann es sich dabei eigentlich nur um unbenutzte Arsenalware handeln.

Ein Hoch auf die Messtechnik…

… so man sie hat! Wieder einmal bringt mich mein Beruf in Sachen Hobby in riesigen Schritten weiter: Ich habe aus meiner Firma kurzerhand mal eines unserer Kalibriergeräte inklusive Sensor bis 20kN Kraft ausgeliehen.

Den Sensor habe ich einmal mit den beiden alten und natürlich auch mit den beiden neuen Federn in das Verschlussstück eingelegt. Um eine gute Krafteinwirkung zu gewährleisten – möglichst unter Ausschluss von Querkräften – habe ich mit einer Stecknuss meines Ratschekastens noch etwas improvisiert. Der Versuchsaufbau ist simpel, siehe nächstes Bild.

Folgt man also der Gleichung F=c*x (Neu: F=R*x) zur Berechnung der Federkraft, kann bei bekannter Auslenkung „x“ und gemessener Kraft „F“ die Federrate „c“ (Neu: „R“) berechnet werden. Sie ist jener Federkennwert, der die „Härte“ der Feder beschreibt. Mir reicht ein qualitativer Vergleich, so vernachlässige ich also die Betrachtung der Auslenkung „x“ und die Berechnung der tatsächlichen Federrate (aber nur, weil die Auslenkung „x“ in beiden Versuchen identisch ist!). Ich schaue mir also nur die gemessenen Kräfte an und stelle fest, dass es mit 36N für das alte Federpaar zu 51N beim neuen Federpaar erhebliche Unterschiede gibt! Mit anderen Worten: Das alte Federpaar hat nur noch 70% der Federsteifigkeit im Vergleich zu den beiden neuwertigen Federn. Da die Gleichung eine lineare Variable (nämlich die Auslenkung „x“) hat, ist es auch völlig egal, wie sehr ich die Federpaare im Versuch vorgespannt hätte, die obige Aussage bleibt gleich – wie gesagt, solange die Auslenkung für beide Versuche ebenfalls gleich gross ist.

Es ist also durchaus möglich, dass diese Info schon alles war, was mir zu meinem Glück gefehlt hat!!! Rückblickend betrachtet kommt die Erkenntnis, dass ich sehr viel Energie in alternative Lösungsansätze gesteckt habe:

  • Neue Laborierung mit 36,9 gr. N150 und Zusatzgewichte für den bereits vorhandenen Schwingungsdämpfer
  • Neukonstruktion einer modifizierten Schraube für die Gasabnahme
  • Kauf eines weiteren AG42B Ljungman. Ja, verrückt – ich weiß!
  • Konstruktion von Sicherungsträger und Sicherungsbolzen für eine Nachfertigung

Zu letztgenanntem Punkt übrigens noch ein wenig mehr Information: Ich habe in unserem Werkstofflabor freundlicherweise Unterstützung bei der Materialbestimmung des Sicherungsblocks erhalten. Keine Ahnung, wie das Bestimmungsverfahren nun genau heißt (irgendeine Spektroskopie), aber das Ergebnis zählt:

Es wird vermutet, dass es sich aufgrund der Zusammensetzung um einen Einsatzstahl ähnlich 13NiCr6 handelt. Bei der Gelegenheit wurden auch noch drei Härtemessungen durchgeführt, die folgende Ergebnisse nach Vickers (HV10) lieferten: 680HV, 690HV und 693HV. Da bin ich mit dem von mir ausgesuchten Stahl 42CrMo4V für die Nachfertigung dieser Teile immer noch ganz gut unterwegs. Außerdem hilft die Bestimmung der Zusammensetzung, die zum Aufschweißen beste Elektrode auszusuchen, denn das beschädigte Teil gebe ich auf keinen Fall auf!

Dem neu gekauften AG42B habe ich jetzt dessen Sicherungsblock entnommen und in mein Gewehr eingebaut, nicht ohne die dortigen Prallflächen vorher mit Edding zu markieren. Demnächst geht es wieder auf den Schiessstand. Sollte sich also herausstellen, dass die Kollision durch die neuen Federn jetzt gänzlich vermieden wird, wechsle ich nochmal zur härteren Laborierung mit 37,5gr. N150. Zeigt sich auch dann die Eddingschicht unberührt, ist das Ziel erreicht. Ich werde auf jeden Fall weiter berichten!

AG42B Ljungman Taktischer Schaft, Teil 5

Wie bereits im letzten Beitrag zum AG42B erwähnt, gab es bei der Erprobung einer geeigneten Laborierung einen kleinen Schaden am Sicherungsträger des Systems. Nichts, was das Schießen mit dem Gewehr jetzt unwiderruflich beendet hätte, aber auffallend genug, um nicht auch noch in alter Manier weiterzumachen und mit der Zeit gravierendere Schäden zu verursachen.

Schadensanalyse

Ich habe bemerkt, dass sich der Sicherungsflügel des Sicherungsträgers nur noch sehr schwer bis in die Mittelstellung schwenken lässt. Das ist notwendig, um ihn anschließend für die Laufreinigung etc. entnehmen zu können. An ein Umstellen ganz nach rechts in die Position „Gesichert“ war schon mal gar nicht zu denken. Eine Entnahme ist mir dann doch gelungen und hat eine Beschädigung auf seinen außen liegenden Prallflächen gezeigt (die abgeplatzte Ecke habe ich anschließend im Abzugsgehäuse wiedergefunden).

OK, die Sache war klar, der Verschlussträger ist mit zu viel Energie wieder zurückgekommen, das kann ja nur von einer zu harten Ladung gekommen sein. Die härteste Ladung, die je verladen wurde, waren 38,0 Grain N150 bei einer OAL von 76,50mm. Blöd nur, dass die besten Streukreise gerade mit 37,5 Grain N150 erzielt wurden und somit leider sehr nah dran liegen! Somit kann ich aktuell nicht beurteilen, mit welcher Laborierung dieser Schaden denn tatsächlich entstanden ist. Zum Vergleich: 37,0 Grain Pulver bringen schon wieder Streukreise, die für mich nicht zufiedenstellend sind, bei denen ich aber erstmal weniger Bedenken hätte.

Reparatur

Da die beschädigte Prallfläche aber nichts mit dem Mechanismus des Sicherungsflügels zu tun hat, war hier nachfolgend noch eine Demontage aller inneren Kleinteile des Sicherungsblocks notwendig. Der Sicherungsbolzen war sehr leicht verbogen und wurde auf der Drehbank nochmals nachgedreht (auf dem Bild Nr. 2 in der unteren Galerie erkennbar). Reingesteckt in den Sicherungsträger liess sich dieser aber immer noch nicht drehen. Nach einiger Zeit der weiteren Untersuchung war klar, dass sich durch den Aufprall ein Grat an der Innenseite der Bohrung (direkt an der Austrittskante) gebildet haben muss, der die Drehbewegung fortan verhindert hat. Nachbohren mit einem Bohrer D=7,3mm half leider auch nicht, erst die Nacharbeit mit einer Reibahle hat das gewünschte Ergebnis gebracht. Die Reibahle hat gegenüber dem Bohrer den Vorteil, dass sie auch im axialen Vorschub schon stirnseitig Material abtragen kann (nicht vollflächig, sondern nur am Rand) und sich von einer „Unwucht“ in der Bohrung auch nicht wegdrücken lässt. Nach dem Zusammenbau war das Gewehr dann wieder schussbereit.

Hier eine kurze Anleitung zum Zusammenbau:

  • Bild 2: Der Sicherungsbolzen sollte nur in der gezeigten Position (Sicherungsflügel steht links) entnommen werden. Eine Druckfeder und ein kleines rundes Druckstück fallen dann heraus.
  • Ohne Bild: Druckfeder durch Querbohrung einsetzen.
  • Bild 1: Druckstück (Nr. 1) durch Querbohrung einsetzen.
  • Bild 2: Sicherungsbolzen nur in der gezeigten Position einsetzen.
  • Bild 3: Sicherungsbolzen einschieben, Druckfeder ist angedeutet, Druckstück (Nr.1) ist markiert.
  • Bild 4: Druckstück durch Querbohrung gegen die Federkraft eindrücken (z.B. mit Schraubendreher etc.) und Sicherungsbolzen weiter bis zum gefühlten Anschlag hochschieben. Das Druckstück liegt jetzt an der Kante des großen Bolzendurchmessers an, der kleine Zapfen für den Sicherungsflügel ist von oben sichtbar.
  • Bild 5: Sicherungsbolzen durch sanften Schlag auf die Unterseite weiter eintreiben, jedoch nur soweit, wie auf dem Bild ersichtlich. Das klappt nur, wenn der Bolzen wie in Bild 2 eingelegt ist, weil sich nur dort die einzige Fase befindet, an der das Druckstück vorbeigleiten kann.
  • Bild 6: Sicherungsflügel mit Anschlag links einlegen und Sicherungsbolzen ganz hochschieben.
  • Bild 7: Nur Funktionsprüfung, die Stellung des Sicherungsflügels ist für die weitere Montage nicht mehr wichtig.
  • Bild 8: Abgeschrägten Führungsbolzen einlegen und mit Madenschraube (M5x0,5) sichern.

Künftige Strategie

So, was hab´ ich jetzt – außer Erfahrung – eigentlich gewonnen? Ich hab´ jetzt ein Gewehr, dass sich Dank seiner Eigenschaften mit der jetzigen Munition über einen langen Zeitraum wohl selbst zerlegen wird, weil es nur mit dieser stark geladenen Munition gute Streukreise liefert und wofür es aufgrund seines Baujahres und seiner Seltenheit kaum noch Ersatzteile auf dem Markt gibt. Wohl oder übel habe ich den Entschluss gefasst, die beschädigten Bauteile durch eine Nachfertigung zu ersetzen. Sicherungsträger als auch Sicherungsbolzen wurden sorgfältig vermessen und anschließend ins CAD übertragen, sowie Zeichnungen erstellt. Linkes Bild unten: Die hintere Prallfläche des Sicherungsträgers ist bereits rechteckig, die vordere habe ich abgerundet belassen. Danach habe ich mir das Zusammenspiel der Teile angesehen, um einige Verbesserungen einfließen zu lassen.

Spiel minimieren

Der Sicherungsträger hat gefühlt nach allen Seiten hin Spiel! Da wäre zum einen der Lagerzapfen des Sicherungsträgers, der in seiner Bohrung schon Spiel hat. Der Lehrdorn auf dem Bild (D=15,05mm) geht gerade so nicht rein.

Deutlich erkennbar auch an der fehlenden Brünierung hinten oben und vorne unten: Durch eine Kippbewegung des kompletten Sicherungsträgers durch den aufschlagenden Verschlussträger, verursacht das den Abrieb am besagten Lagerzapfen des Sicherungsträgers (in der obigen Galerie zu erkennen).

Durch ein Spiel von min. 0,2mm zur Führungsschiene kann man den Sicherungsträger zudem hin und her drehen, auch das will abgestellt werden.

Prallfläche optimieren

Jetzt komme ich zum eigentlichen Schadensbild: Ich will künftig verhindern, dass nochmal abgeplatzte Ecken entstehen und könnte die Prallfläche des Sicherungsträgers optimieren, dabei habe ich mehrere Möglichkeiten:

  • Das lichte Maß von 28,15mm zwischen den Schienen optimal ausnutzen und die Breite der hinteren Prallfläche von 27,50mm auf 28,00mm erhöhen. Die Bauteilbelastung würde durch den erhöhten Materialquerschnitt sinken.
  • Beide Prallflächen sind vom Querschnitt her rund gefräst oder gedreht, je nach damaliger Fertigungsstrategie für das gesamte Bauteil. Zumindest jene Flächen nahe der Führungsschienen können rechteckig gefräst werden, was den Querschnitt nochmals geringfügig erhöhen würde.
  • Das komplette Bauteil wird aus Vergütungsstahl hergestellt, derzeit schwebt mir 42CrMo4V (1.7225) vor, er sollte ausreichend hart und schlagzäh sein.
  • Schaut man sich die Mechanik des Verschlussträgers und der berührenden Flächen an, stelle ich mir die Frage, warum ich überhaupt die hintere Prallfläche optimieren soll, wenn sie im besten Fall vielleicht gar nicht in Kontakt sein muss? Immerhin prallen zwei wirklich dünne Stege auf diese Fläche auf, da wundert es nicht, wenn es zu Spannnungsspitzen in den Ecken kommt.

Ehrlich gesagt bin ich sogar ein wenig überrascht, dass nicht einer der Stege seinen Geist aufgegeben hat. Eine Alternative wäre also, diese hintere Prallfläche einige Zehntel Millimeter nach hinten zu versetzen, sodass künftige Rückstoßkräfte nur noch in die vordere Prallfläche eingeleitet werden. Schaue ich mir die fehlende Brünierung an genau dieser Stelle an, ist das ja sowieso schon der Fall. Ein Blick ins Innere des Verschlussträgers lässt mich aber zweifeln: Verschluss und Verschlussträger lassen sich ca. 2mm gegeneinander verschieben. Würde ich im hinteren Bereich des Gewehrs verhindern, dass die beiden dünnen Stege (gelbe Pfeile im oberen Bild) aufprallen, würde die eingeleitete Energie über die nachfolgend gekennzeichneten Flächen eingeleitet werden.

Sie sind erheblich größer, als die Kontaktflächen an den Stegen, aber ob ich mir damit einen Gefallen tue, weiss ich erst, wenn es zu spät ist.

Alternative Laborierung

Die wenigsten meiner Blogbeiträge entstehen an nur einem Tag und nachdem ich buchstäblich eine Nacht darüber geschlafen habe, ist mein Entschluss gefallen, besser kein Risiko einzugehen und einfach weiter an meiner Laborierung zu arbeiten. Der Sicherungsträger wird auf jeden Fall nachgefertigt, aber ich werde mich künftig darauf konzentrieren, den Aufprall an sich zu vermeiden, statt zu sehr in den Mechanismus des Gewehrs einzugreifen und Kollisionen dort zu verursachen, wo sie ursprünglich nicht vorgesehen waren.

Das heißt im Klartext: Weniger oder sogar ein anderes (N160?) Pulver in die Patrone laden und die Ladeleiter mit verschiedenen Laufgewichten abermals erproben, bis die Streukreise wieder gut sind. Das bisherige Laufgewicht werde ich jedenfalls stufenweise mit zwei weiteren Klemmringen von je 80 Gramm erhöhen und diesmal mit einer Laborierungen um die 36,5gr. starten. Der Ladedruck dürfte dann bei (geschätzten) 2650-2700 bar liegen. Zum Vergleich: Mit der 38,0gr.-Laborierung lag dieser bei 3069bar (mit Quickload berechnet).

Nicht verzagen, Georg fragen!

Nein, keine Angst, das wird jetzt kein Running-Gag, der sich durch meine Beiträge zieht! Ich will damit nur andeuten, dass der Austausch mit anderen Schützenkollegen für mich Gold wert ist, weil sich dadurch manchmal Möglichkeiten eröffnen, auf die man selbst einfach nicht kommt. Während der Arbeit an diesem Beitrag habe ich zuätzlich einen Besuch bei diesem Schützenkollegen geplant, der ebenfalls AG42B-Besitzer ist. Das war für mich insofern wichtig, als dass ich die Bauteile seines Gewehrs genauer unter die Lupe nehmen konnte, denn erstens ist dieses Gewehr unglaublich wenig geschossen worden und zweitens hat es meist Surplus-Munition „gesehen“ – in seltenen Fällen auch Fabrikmunition. Wie man sieht, haben sich auch in diesem Gewehr die einschlägigen Flächen berührt, allerdings weit weniger heftig, als das bei mir der Fall war. Die Abdrücke im Sicherungsblock konnte man mit dem Fingernagel ertasten und sind geschätzt nur 0,1mm tief.

Viel wichtiger war die Information, die mir Georg im nachträglichen Telefonat noch mitgeteilt hat: Er ist im Internet auf ein Forum gestoßen, in dem eindeutig davor gewarnt wurde, den Ljungman mit progressiven Pulvern zu schießen. Klasse, genau das, was ich gemacht habe und die Quittung habe ich ja auch prompt bekommen…

Aber es ging noch weiter: Um die hohen Gasdrücke wieder in den Griff zu bekommen, wurde im Forum darüber berichtet, einfach die Schraube am Gasabnahmeblock zu verändern. Diese soll gegen eine längere Schraube ausgetauscht werden, die ins Innere des Blocks hineinragt („Pipans gaskanal“) und dadurch an der direkt rechtwinklig abgehenden Kanalbohrung („Gasrör“) den Eintrittsquerschnitt verkleinert, siehe Bild. Fluidtechnisch quasi eine (Drossel-)Blende.

Dadurch kommt weniger Impuls auf den Verschluss, der infolge dessen auch nicht mehr mit der ursprünglichen Energie auf dem Sicherungsträger aufschlägt – falls er ihn aufgrund der dann vorgespannten Verschlussfeder überhaupt noch erreicht! Die gewählte Laborierung mit 37,5gr. N150 könnte ich dadurch möglicherweise unverändert beibehalten. In dem Forum wurde auch noch eine zweite Methode beschrieben, die allerdings die Demontage des Gasrohres bedingt und die Modifikation einer Gewindebuchse nach sich zieht, die direkt vor dem Verschlussträger sitzt. Diese Gewindebuchse könnte man nachfertigen und deren Bohrung so verkleinern, dass dadurch auch wieder eine Drosselung entsteht. Der Aufwand hierfür zieht aber die Demontage von weit mehr Teilen nach sich, er war mir einfach zu hoch.

Wer den Beitrag im besagten Forum nachlesen möchte, kann das hier tun:

Swedish AG42b Ljungman (Youngman) (gunloads.com)

Die Sache mit der geänderten Schraube an der Gasabnahme gehe ich auf jeden Fall an, der nächste Beitrag wird dann von dessen Herstellung und Erprobung handeln.