Hera Arms Triarii

Motivation

Viel wurde über Anschlagschäfte geschrieben, manches wahr, einiges falsch. Jeder Waffenträger, egal ob beruflich, oder privat hat sich seine eigenen Gedanken zu dem Thema gemacht, warum also ein weiterer Bericht dazu? Wir alle kommen in unserem Alltag mit Technik in Berührung. Die meiste davon nehmen wir nicht wahr, doch hin und wieder halten wir ein Stück Technik in den Händen welches besser ist. Sicher passiert das bei technikbegeisterten Menschen öfters, und doch haben wir alle diese Momente. Was fasziniert uns daran? Was unterscheidet dieses eine Exemplar von den Anderen?

Ich persönlich denke es ist eine Mischung aus der Haptik und Funktion, aber vor allem der Gedanke dahinter. Es gibt jemanden, der es geschafft hat, diese eine Stück so zu gestalten, dass es sich wunderbar anfühlt, dass es fantastisch aussieht und dass es seine Funktion einwandfrei erfüllt. Sicher gehört zu der Entwicklung auch eine Portion Glück, aber noch mehr das immer wieder neu Denken, das neu Gestalten und das Testen, bis es am Ende zu dem wird, was es ist.

Genau das ist der Firma Hera aus Triefenstein mit dem Triarii gelungen. Diese Leistung, dieses Engagement ist der Grund, warum ich einen Text schreibe.

Hera Arms Triarii mit CZ Shadow 2
Verriegelung geschlossen

Fakten 

Der Triarii ist als Basischaftsystem ohne Anbauteile erhältlich oder als RTU mit Vordergriff, Klappschaftadapter, Buffertube und Hinterschaft. Von Hera Arms wird in der RTU-Variante der hauseigene CCS Hinterschaft in der offenen Version und der HFG mit integriertem Staufach als Vordergriff mitgeliefert. Der Klappschaftadapter SFU kann auch bei ähnlichen Systemen verwendet werden, welche die Buffertube nicht aktiv nutzen. 

Der Winkel des Hinterschafts ist einstellbar, so dass sich auch mit Helm oder Gehörschutz ein fester Anschlag einnehmen lässt.

Hinterschaft CCS

Als Schnittstelle bietet der Triarii neben der AR-15 Buffertube auf der Rückseite vier Picantinny Schienen rund um den Vorderschaft. (3 Uhr 16 Nuten, 6 Uhr 12 Nuten, 9 Uhr 5 Nuten und 12 Uhr 26 Nuten) dazu kommt eine pistolenspezifische Schnittstelle. 

Aktuell wird der Triarii für Modelle von CZ, Walther, Glock und HK angeboten. Die RTU-Variante hat im CCS Hinterschaft noch zwei QD-Ösen sowie zwei Ösen zur direkten Aufnahme eines Gurtes verbaut. 

An der Unterseite des CCS kann eine, im Lieferumfang enthalten, Picantinny Schiene angebaut werden (5 Nuten).

Der Klappschaftadapter SFU verriegelt im geschlossenen Zustand. In der geklappten Position wird er durch Federkraft gehalten.

SFU Ansicht von hinten
SFU Draufsicht

Der Triarii ist hauptsächlich aus Aluminium aufgebaut, dazu kommt Stahl in den beanspruchten Teilen (Schrauben, Verriegelungen, Federn, etc.) und hochwertiger Kunststoff an den spezifischen Pistolenaufnahmen.

Die Abmessungen betragen geklappt 9 x 18 x 48 cm und 8 x 18 x 71 – 80 cm und das ganze System wiegt als RTU ohne Waffe knapp unter 1,8 kg.

SFU geschlossen. An der Schraube kann der Winkel des Hinterschafts fixiert werden.

Handhabung

Um die Waffe in den Triarii zu bekommen, ist lediglich eine Verriegelung zu lösen. Dazu wird das sauber rastende Rad, welches sich am vorderen Ende der zwölf Uhr Schiene befindet um 90 Grad gedreht. Danach lässt sich die Verriegelung hochklappen und der Vorderschaft kann um ca. 7 cm nach vorne gezogen werde. Die Waffe wird mit dem Beavertail eingelegt und in Position geschwenkt. Der Vorderschaft wird zurück gezogen, wobei sie die Aussparungen im Vorderschaft passgenau um die Schiene der Pistole gleitet. Die Verriegelung wird nach unten geklappt und das Verriegelungsrad wieder zurück gedreht. Wenn man es zwei Mal gemacht hat, dauert der gesamte Vorgang wenige Sekunden. Anschließend kann das Magazin eingesetzt werden und die Waffe wird mit dem Durchladehebel auf der linken Seite schussbereit gemacht.

Durchladehebel

Schießstand

Pandemiebedingt hat es etwas gedauert, bis ich den Triarii das erste Mal testen konnte. Aber jetzt war es endlich so weit. Unter den interessierten bis kritischen Blicken der wenigen Anwesenden auf dem Stand wurde die Waffe in wenigen Sekunden eingelegt. 

Es gab ja im Vorfeld genügend Zeit zu üben. 

Und danach ging es los. Am Anfang mit BUIS, im Anschluss daran mit ZF und Rotpunkt. Kaum war die erste Scheu überwunden, wurde das gute Stück von Schütze zu Schütze gereicht und es gab Keinen, der sich in der Folge nicht bewundernd geäußert hat. Die Schussgruppen lagen Mal für Mal unter dem, was mit der Pistole ansonsten erreicht wurde, teilweise deutlich. Wir haben keine Präzisionstests gemacht, weil diese mit unseren Mitteln nicht aussagekräftig gewesen wären. Wir haben auch nicht aufgeschrieben, wie schnell der doch ganz ansehnliche Munitionsvorrat für den Tag aufgebraucht war. Wir haben auch nicht gemessen, wie schnell das Grinsen im Gesicht erschienen ist oder wie lange es dort blieb, aber alles das ist auch nicht wichtig weil es einfach viel zu viel Spaß gemacht hat dieses wunderbare Stück Technik zu testen. 

Was hier nicht unerwähnt bleiben sollte, ist, dass die Zielerfassung deutlich schneller und präziser erfolgt. Insbesondere wenn es Ziele auf unterschiedlichen Höhen und unterschiedlichen Abständen waren.

Hinweis für Sportschützen: Es gibt mittlerweile sowohl im DSU als auch im BDS Disziplinen, welche mit dem Triarii geschossen werden können.

Ansicht Mündung von vorne. Gut zu erkennen ist die Verbindung zwischen Durchladehebel und Pistolenschlitten.

{Hera Arms Triarii-10.jpg} – Hera Arms Triarii Mündung eingebaut

Vergleich zu Anderen

Wenn man den Triarii mit den Anschlagschäften anderer Hersteller vergleicht, dann fällt neben dem verwendeten hochwertigen Material vor allem auf, dass er keinen der Nachteile der anderen hat. Das fängt an mit der Haptik. Andere Hersteller setzten hier vermehrt auf Kunststoff. Es geht weiter mit der werkzeuglosen Montage ohne die Möglichkeit, dass man dabei Teile verliert. Der tadellosen Verarbeitung und der damit einhergehenden Sicherheit, dass das System nicht neu eingeschossen werden muss. Der Tatsache, dass es einen Handschutz gibt, der das Wort verdient (ein Hersteller montieren den vorderen Griff so, dass man leicht mit der Hand vor die Mündung kommen kann.). Keine Anbauteile an der Waffe notwendig. Und letztendlich einer gelungenen Optik. Sicher kann man hier einwänden, dass dies Geschmacksache ist und ich möchte dies auch nicht bewerten, aber wenn man rein objektiv die verschiedenen Systeme neben einander legt, dann fällt auf, dass der Triarii, vor allem in Verbindung mit der CZ, wirkt wie aus einem Guss und nicht als hätte man zwei vollkommen verschiedene Teile wahllos aneinander geschraubt.

Auch wenn man das System gegenüber Langwaffen im Pistolenkaliber vergleicht ergeben sich Vorteile für den Triarii. Er ist kompakter, gilt nicht als Waffe (belegt somit keinen zusätzlichen Platz in der WBK oder im Schrank). Fairerweise muss erwähnt werden, dass der Triarii in seiner Systempräzision natürlich auf die Grund(kurz)waffe angewiesen ist und somit im Vergleich zu einer Langwaffe in dieser Disziplin im Mittel schlechter abschneidet.

Fazit

Der Triarii ist ein Hingucker. Wer ihn auf dem Pistolenstand auspackt, wird nicht umhinkommen viele Fragen zu beantworten. 

Nein, man braucht ihn nicht, aber er macht Spaß und davon eine ganze Menge. Er steigert dem Munitionsverbrauch, doch das ist es wert. Hätte ich ihn nicht schon, würde ich ihn sofort kaufen. 

Es ist unglaublich in wie weit ein Anbauteil eine so gelungene Ergänzung zu einer vorhandenen Pistole sein kann. 

Auf der einen Seite ist er total vertraut und es kommt einem vor, als ob er schon immer da gewesen wäre, auf der anderen Seite ist es als schieße man eine andere Waffe. Und da das Auge bekanntlich mit schießt, ist es eine Freude zu sehen, wie perfekt Waffe und Anschlagschaft zusammen harmonieren. Mein CZ Shadow 2 ist super und dennoch macht der Triarii sie besser. Ich habe das System jetzt schon so oft auseinander und zusammen gebaut und doch erwische ich mich dabei, wie ich die Verriegelung mehrfach bediene, weil ich einfach immer noch fasziniert bin, wie simpel und doch geschickt Lösungen für komplexe Fragestellungen sein können.

Und um den Bogen zur Einführung zu schließen. Dem Hera Arms Triarii wohnt ein Zauber inne, welcher nur von wenigen anderen Dingen erreicht wird und vor allem von keinem anderen Anschlagschaft.

Danksagung

Vielen Dank an das Team von Hera Arms, nicht nur dafür, dass ihr so tolle Produkte entwickelt, sonder vor allem für den netten und persönlichen Kontakt. Danke Thomas.

Verriegelung offen

Mythen

Wie bei allen Dingen rangen sich auch um Anschlagschäfte besondere Mythen, ich möchte die Möglichkeit nutzen hier ein wenig aufzuräumen.

Ein Anschlagschaft ist frei verkäuflich

Ein Anschlagschaft steigert nicht die Präzision der Waffe. Durch die verbesserte Ergonomie gegenüber einer Pistole, (Schulteranschlag, die verlängerte Visierlinie und/oder die Verwendung von optischen Visieren wie Rotpunkt, Holovisier und ZF) lassen sich Schützenfehler minimieren. Durch diesen Umstand steigert sich die Präzision des Systems Schütze/Waffe.

Der Rückstoß bleibt identisch, wird aber im Schulteranschlag besser absorbiert. 

Noki2000

Neuer Autor, erster Beitrag: Rotpunkt für die CZ

Dies ist mein erster Beitrag im Blog und wird  hoffentlich nicht mein letzter sein. Von mir wird es im wesentlichen Artikel zu Bastel-Projekten rund um den Schießsport gehen.

Mit einem solchen beginnen wir heute auch gleich. Ich bin Besitzer einer CZ75 mit Standard-Wechselsystem und einem 6“-Wechselsystem mit 3-Stellungsvisier etc. pp. für PPC 1500 von Waffen Oschatz. Da ich nicht der beste Pistolenschütze bin, hat mich die Idee eines Rotpunkt auf dem 5“-Wechselsystem schon länger gereizt. Ohne die Möglichkeit, bei einem anderen Schützen mal eine Pistole mit Rotpunkt zu schießen und nicht bereit, ins Blaue hinein 300 bis 700€ für ein solches aus deutscher oder amerikanischer Fertigung auszugeben, wurde kurzerhand ein chinesisches geordert.

Zur Vorbereitung wurde die Kimme aus dem 5“-Schlitten bzw. dessen Schwalbenschwanz-Fräsung mit sanften Hammerschlägen entfernt und die Abmessungen der Kimme grob aufgenommen.

Im Gegensatz zu den hervorragenden Zeichnungen des Autorenkollegen hier im Blog, dürft ihr diese Art Vorbereitung von mir nicht immer bzw. nicht in dieser Güte erwarten. Da wird auch mal improvisiert, es ist ja auch immer eine Prototypenfertigung ;).

Aus der Restekiste wurde ein Stück Stahl mit passenden Maßen gesucht, in den Schraubstock auf der Fräsmaschine gespannt (es soll Leute geben, die das als Bohrmaschine mit Kreuztisch bezeichnen) und die Außenmaße bzw. Maximalmaße des Schwalbenschwanzes gefräst.

 

 

 

Zu dem besagten Rotpunkt wurden 2 Aufnahmen geliefert. Eine für M1913-Schienen, die andere für die Glock Schlittenfräsung der Kimme. Letztere ist schön flach und wurde derart modifiziert, dass sie in den gefrästen Schlitz auf der Oberseite des zu fertigenden Adapters für den Schwalbenschwanz passt. Die vorhandene Gewindebohrung in der Aufnahme wurde aufgebohrt um eine Schraube M3 durchzulassen und gleichzeitig gesenkt, um den Schraubenkopf verschwinden zu lassen. Die Schraube kam ebenfalls aus der Restekiste.

 

 

Das Stück Stahl mit dem gefrästen Schlitz bekam jeweils mittig (in X- und Y-Richtung) ausgerichtet ein Loch mit 2,5mm für das Gewinde M3. Danach konnte der Adapter in der korrekten Höhe mittels Sägeblatt abgetrennt werden.

 

 

Die Winkel des Schwalbenschwanzes wurden dann per Hand und Feile am Adapter gefeilt.

 

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Wie immer bei solchen Arbeiten, wurde natürlich gleich zu viel abgefeilt und eine Presspassung musste mit Abschnitten einer passenden Passscheibe wieder hergestellt werden. Gleichzeitig wurde der Adapter nach Augenmaß mittig ausgerichtet. Eine Brünierung des Adapters steht noch aus.

 

 

Die Aufnahme wurde mit der M3 Schraube montiert.

 

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Sie sitzt so niedrig wie möglich auf dem Schlitten.

 

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Fertig montiert mit dem Rotpunkt.

 

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Zum Praxistest ging es auf den 25m Mehrdistanz-Stand im Verein und auf 10m wurde, mit grob ausgerichtetem Leuchtpunkt, der Einschießvorgang gestartet. Die ersten beiden Schüsse lagen schon mal nicht schlecht in der 6 zwischen drei und vier Uhr. Nur dann kam die Katastrophe. Es zeigte sich, warum normalerweise 300-700€ fällig sind für so ein Gerät: der Leuchtpunkt war bei der Zielaufnahme für den dritten Schuss verschwunden! Ein Leuchten war aber noch zu erkennen, die Energieversorgung war also nicht das Problem.

Gefrustet wurde das Schießen eingestellt und zuhause vor dem ordnungsgemäßen Verstauen der Waffe noch einmal geschaut, ob ordnungsgemäß die Helligkeit bis zum Ausschalten reduziert worden war. Dabei zeigte sich der Leuchtpunkt wieder, als wäre nichts passiert.

Das Phänomen wird weiter beobachtet um festzustellen, ob die dreistellige Investition tatsächlich sein muss oder auch das günstige Produkt den Belastungen der Schlittenmontage gewachsen ist.