AG42B Taktischer Schaft, Teil 2

Nach dem Ausschäften habe ich ca. 1,5 Wochen gebraucht, das komplette System maßlich ins CAD zu übertragen. Insbesondere die Maße des Systemkörpers selbst waren recht kompliziert. Die Entwicklung eines neuen Magazins mit dazu passendem Magazinschaft, sowie seiner korrekten Positionsfindung unterhalb der Laderampe entfiel diesmal, weil das Komplettsystem dazu schon alle notwendigen Teile innehatte. Diese Teile habe ich natürlich auch wiederverwendet, lediglich für deren teilweise komplizierte Geometrien musste ich bei der Übertrageung ins CAD Sorgfalt walten lassen. Die zugehörigen Winkel und Übergangsradien waren nicht immer einfach zu ermitteln.

Nebenbei bemerkt sollte man bei der Handhabung mit dem Gewehr wirklich auf den vorgespannten Verschluss achten! In so gut wie jedem Youtube-Video wird vor diesem Mechanismus gewarnt und mir hat er schließlich auch einen Abend in der Notaufnahme beschert. Ich wusste zwar, was man nicht machen sollte, allerdings hat mich das nicht davor bewahrt, beim Vermessen und Hantieren unachtsamerweise hinein zu greifen und den Verschlussfang zu lösen. Wenigstens ging es schnell…

So, eine Runde Mitleid und weiter geht’s!

Ich habe mich bereits nach kurzer Zeit der Konstruktion dazu entschlossen, wesentliche Merkmale des Taktischen Schafts für den Schwedenmauser zu übernehmen. Insbesondere war das aufgrund der beim AG42B vorhanden Verschlussabdeckung notwendig, die leider recht hoch baut. Um das auch für dieses Gewehr geplante ZF am Basisschaft zu befestigen, hätte die Konstruktion aufgrund der beidseitigen „Höcker“ und der massiven Kimme (welche gleichzeitig die Führungsnut für den Ladestreifen darstellt) unnötig breit und hoch ausfallen müssen.

Um das zu umgehen, habe ich mir einen zweiten Verschlussfangdeckel nachgekauft und diesen wie folgt nachgearbeitet:

Zuerst sind die Höcker entfernt worden, indem die Nieten der Blechprägeteile aufgebohrt wurden. Der Prallschutzbügel mit Gummipuffer war am nachgekauften Teil erst gar nicht vorhanden, er wäre aber leicht zu entfernen gewesen, indem einer seiner umgebogenen Drahtbügel wieder zurückgebogen worden wäre. Dann wäre er schon aus seiner Halterung gefallen. Die besagte Halterung wurde auch wieder vernietet, sodass hier abermals die Bohrmaschine zum Einsatz kam. Die Kimme habe ich nur so weit abgeschliffen, dass der auf dem Deckel befindliche Dom nicht seine obere Abdeckplatte einbüßt.

Letztendlich sind unter den Höckern diejenigen Rillen zum Vorschein gekommen, mit dem der Verschlussfangdeckel ursprünglich mal bedient werden sollte (die Höcker waren eine der damaligen Verbesserungsmaßnahmen, soweit ich das recherchiert habe). Mir war das ebenfalls zu wenig und so habe ich im CAD-Modell ausprobiert, was nötig ist, damit man eben diesen Deckel noch betätigen und trotz allem nach hinten an der rechten ZF-Halterungen vorbei entnehmen kann – ich habe schließlich keine Lust, das Gewehr von Vorne und dazu noch mit gespanntem Verschlussdeckel zu putzen. Da wäre der nächste Krankenhausaufenthalt schon vorprogrammiert…

Die Lösung sollte schließlich ein kleines Stück Stabstahl bringen, das auf den Deckel aufgeschweißt wurde. Klar, dass das gesamte Bauteil später nochmal brüniert werden muss.

Im Hinblick auf die Präzision, die ich mir später von dem Gewehr erhoffe, plane ich, die dafür notwendigen Patronen – wie für den Schwedenmauser auch – einzeln wiederzuladen. Dass ich die Hülsen aufgrund des Auswurfmechanismus´ dazu besser auffange, versteht sich von selbst. Aus diesem Grund habe ich mir frühzeitig überlegt, wie ein Hülsenfangsack am Gewehr am besten befestigt werden kann. Für dessen Befestigung wollte ich nicht unbedingt den Alu-Schaft mit von außen sichtbaren Gewindebohrungen versehen. Aus diesem Grund habe ich ein zuvor schon konstruiertes Verbindungsteil zwischen Basisschaft und Vorderschaft so abgeändert, dass es den Hülsenfangsack aufnehmen kann.

Der Hülsenfänger wird nach Vorbild meines Eigenbaus für Picatinny-Schienen entstehen, dazu habe ich nochmals einen Fangsack von UTG beim großen Online-Versandhändler gekauft.

Das fertige CAD-Konzept sieht nach ca. 3 Wochen Arbeit schließlich folgendermaßen aus (das Magazin ist noch nicht dargestellt):

Der komplette Hinterschaft wurde vom „Schwedenmauser“ übernommen, lediglich minimalste Details sind geändert worden. Der Lauf ist abermals freischwingend und das oben verlaufende Gasabnahmerohr wird nicht mehr verdeckt. Das Monopod wird nicht angefertigt, weil es noch vom Schwedenmauser vorhanden ist. Die Reinigung des Laufs kann jetzt erfolgen, indem der Verschlussdeckel den Verschluss spannt und einrastet. Der am Ende sitzende Anschlagblock wird dann nach oben hin entnommen (noch ca. 2mm, bis er an den ZF-Tubus anschlägt), woraufhin der Verschlussdeckel mit Verschluss gänzlich nach hinten entnommen werden kann. Die Wangenauflage wird dann nach unten verstellt und der Putzstock kann verwendet werden.

AG42B Taktischer Schaft, Teil 1

Die Sammler unter Euch müssen jetzt ganz stark sein…

Seit ich das erste Mal die Leistung der Patrone 6,5×55 SE beim Longrange-Schießen erleben konnte, bin ich von diesem Kaliber überzeugt. Neben dem AG42B Ljungmann aus der Fabrik Carl Gustavs ist mir eigentlich kein anderer Halbautomat in diesem Kaliber bekannt. Nachdem ich schließlich das Projekt „Taktischer Schaft für Schwedenmauser“ erfolgreich abgeschlossen hatte, war ich auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Ganze 8 Monate war ich auf der Suche nach einem bezahlbaren Gewehr AG42B und habe es schließlich auch nur durch Zufall mithilfe eines Schützenkollegen gefunden.

Wie zuvor auch, werde ich weitere Beiträge zum Fortschritt dieses Projekts posten.

Da sich das Ausschäften für mich nicht ganz so einfach gestaltet hat, sind hierzu noch einige wenige Bilder zu den Stellen, an denen es knifflig wurde. Vielleicht hilft das dem einen oder anderen ja irgendwann mal weiter.


Das Magazin wird entnommen, der Putzstock wird durch Drehen gelöst und dann einfach herausgezogen.

Danach wird die vordere Gewehrriemenschnalle demontiert, sie wird zunächst noch unterhalb des Vorderschafts durch eine Metallfeder gehalten, kann dann aber über die Mündung abgezogen werden.

Die obere Abdeckung des Vorderschafts wir leicht nach vorne geschoben und dann nach oben abgeklappt und gänzlich entnommen.

Im vorderen Bereich wollte ich die Fixierung des Laufs am Schaftunterteil genauso entnehmen, wie zuvor die Öse für den Gewehrriemen – leider hat der Kornträger das nicht zugelassen… 😦

Ich hab erstmal fleißig an der Kornverstellung geschraubt, in der Hoffnung, etwas bewirken zu können. Fehlanzeige!

Mir ist erst nach einiger Zeit aufgefallen, dass die Mündung außen am Laufmantel eine kleine Bohrung aufweist und dieser Bereich zudem nicht die gleiche Brünierung aufweist, wie der Bereich um den Kompensator herum. Für mich war das ein Hinweis darauf, dass es sich um zwei separate Teile handelt und sich eines davon vielleicht sogar abschrauben lässt. Leider habe ich zu diesem Thema nichts bei Youtube gefunden, dort wurde nur die für das Feld notwendige Teilzerlegung gezeigt. Ich war mutig und habe schließlich einen Schneideisenhalter so angesetzt, dass eine seiner Klemmschrauben (ich musste diese verlängern und habe mit einer Senkschraube improvisiert) in diese Bohrung an der Laufmündung eindringt. Mit etwas Kraft hat sich dann das Bauteil gelöst und ich war erstmal erleichtert, denn es hat sich tatsächlich um eine eingeschraubte Kappe gehandelt.

Nachdem die „Unterlegscheibe“ mit dem Niet entnommen wurde ging es dann weiter – mit dem Drama…

Die Verdrehsicherung des Kornträgers auf dem Lauf wurde anscheinend für die Ewigkeit gemacht. Es handelt sich dabei um eine kleine Bohrung, die sowohl den Träger als auch den Lauf tangiert und in welche ein kleiner Stift eingepresst wurde. Fertigungstechnisch ist das wohl bedacht hinsichtlich des Fertigungsaufwands, aber für mich leider der Horror der Demontage! Nachdem ich mittels Kunststoffklotz und sehr kräftigen Schlägen versucht habe, den Kornträger vom Lauf zu lösen, habe ich hier letztendlich die Säge angesetzt und den Kornträger äußerst vorsichtig entfernt, ohne dem Lauf etwas anzutun. Zum Vorschein ist dann zu allem Übel ein konischer Sicherungstift gekommen, ich mag mir gar nicht ausmalen, wieviel Kraft notwendig gewesen wäre, den Kornträger vom Lauf abzuschlagen oder durch eine Abzieherkralle abzuziehen…

Letztendlich ging dann auch die Öse runter, die den Lauf am Vorderschaft fixiert hat.

Auf der Unterseite des Schafts gibt es schließlich noch drei Schaftschrauben mit geschlitztem Kopf. Die Schraubenköpfe waren jeweils von einer dünnwandigen Blechhülse umgeben, die zur Sicherung der Schrauben um deren Köpfe als Verdrehsicherung teilweise eingeschlagen/umgebogen war. Die Blechhülsen habe ich mit meinem Satz Durchschläge wieder leicht in die andere Richtung gedengelt. Die Schrauben liessen sich dann ohne großen Kraftaufwand lösen und ich konnte anschließend die Abzugsgruppe nach unten und das System nach oben aus dem Schaft entfernen.

Es folgte erstmal eine gründliche Reinigung aller Einzelteile. Als nächstes steht dann das Vermessen der Systemhülse und das Übertragen der Messwerte in CAD-Dateien an. Ich weiß zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht, ob ich das Design des taktischen Schafts vom Schwedenmauser auch auf dieses Gewehr übertrage oder ob es ein eigenständiges Design geben wird. Ich werde berichten…