AG42B Ljungman, Taktischer Schaft Teil 7

So langsam aber sicher nähert sich diese Beitragsreihe dem Ende, denn ich habe beim letzten Schießtermin – zumindest in technischer Hinsicht – mein Ziel erreicht: Der AG42B macht jetzt genau das, was er soll! Ohne sich selbst zu zerlegen 😊

Optisch ist das Gewehr natürlich noch nicht ganz fertig, denn es fehlt noch die Eloxal-Beschichtung am Schaft. Ein weiterer sehr kurzer Beitrag wird also noch folgen, der den Halbautomaten dann in seinem komplett fertigen Zustand zeigen wird.

Ich möchte dem geneigten Leser aber schon in diesem Artikel alles Weitere an die Hand geben, um seinen Ljungmann ebenfalls zum Schießen zu bringen, falls er mit einem Kauf liebäugelt oder falls er das Gewehr einfach mal wieder vom Staub befreien möchte. Einige der nachfolgenden Tipps sind natürlich auch anderweitig im Internet zu finden, da will ich mich gar nicht mit fremden Federn schmücken. Allerdings kann ich hier und da noch einige Details beisteuern oder Lösungswege aufzeigen.

Freischwingender Lauf und Laufgewicht

Der AG42B Ljungmann hat eigentlich keinen freischwingenden Lauf, das ergibt sich erst durch die Umbettung in meinen eigens dafür konstruierten Schaft. Ich habe das Gewehr vor dem Umbau nie ausgiebig erprobt und kann daher auch nicht sagen, ob es mit meiner nachfolgenden Laborierung ähnlich gute Streukreise ohne Laufgewicht und dafür mit originalem Schaft erzielt hätte. Wer sich an ein ähnliches Projekt wagen möchte, dem sei jedenfalls dieses Laufgewicht wärmstens empfohlen, sofern er das System aus dem Holzschaft ausbettet. In logischer Konsequenz sollte man dann aber auch die untenstehende Laborierung übernehmen. Im Gegensatz zu den vorherigen Bildern in vergangenen Beiträgen ist die unten abgebildete Zeichnung zum Laufgewicht leicht modifiziert worden: Die Bohrung D=5mm/Tiefe 5mm zum Festziehen mittels Schneideisenhalter ist einer gefrästen Schlüsselweite mit SW19 gewichen. Außerdem ist das Gewinde M12x1 nun mit 13,7mm um 1,5mm länger geworden, da das Laufgewicht künftig mit einem Crush-Washer auf dem Lauf befestigt wird. Wem der Begriff nicht geläufig ist: Es handelt sich dabei um eine etwas dickere, speziell geformte Unterlegscheibe zwischen Lauf und Laufgewicht, die sich beim Anziehen des Laufgewichts auf dem Gewinde verformt. Das Laufgewicht bleibt auf dem Gewinde dadurch etwas vorgespannt, sodass es sich nicht mehr ohne Weiteres von selbst lösen kann. Ich habe mir dazu von Brownells folgende Artikel bestellt, bzw. nachbestellt:

Artikel Nr.  452000271 (passt auf jeden Fall)

JP Enterprises ½“x28 .750OD

Artikel Nr.  452000273 (muss ich ausprobieren)

JP Enterprises 5/8“x24 .750OD

Laborierung

Achtung:

Für das Long-Range-Schießen weiche ich von der Ladeempfehlung von Vihtavuori ab! Ich sehe das als unproblematisch an und erläutere das in diesem Beitrag nochmals genauer.

  • Hülse: Lapua Match, Kailber 6,5×55 Schwedenmauser
  • Zündhütchen: CCI 200
  • Pulver: N150
  • Menge: 37,5gr.
  • Geschoss: Lapua Scenar GB458 HPBT, 139gr.
  • OAL: 76,5mm
  • Crimp: keiner

Ähnlich gute Streukreise konnte ich bei der o.g. Laborierung mit nur 36,9gr. N150 erzielen. Da ich das Gewehr aber auch auf sehr weite Distanzen schießen möchte, wähle ich natürlich 37,5gr. N150.

Fabrikneue Verschlussfedern

Ich habe in den letzten Beiträgen mit Schäden an meinem Gewehr zu kämpfen gehabt, die durch den repetierenden Verschlussträger bei Verwendung der obigen Laborierung entstanden sind. Verschlussfedern aus Arsenalbeständen sind immer noch erhältlich und bauen den Energieimpuls des Verschlussträgers am besten ab – für das „Projekt Ljungmann“ haben sie sich als der Schlüssel zum Erfolg herausgestellt! Bei Verwendung der obigen Laborierung sind sie dringend empfohlen, sie haben bei mir aber auch zu weiteren Komplikationen geführt…

„Firing out of battery“

So heißt es im englischsprachigen Raum und beschreibt den Umstand, dass die Patrone (ohne den Abzug zu betätigen!!!) bereits allein durch die Energie des schließenden Verschlussträgers und seines darin gelagerten Schlagbolzens ausgelöst wird. Der Schlagbolzen des AG42B ist im Gegensatz zum Verschluss z.B. eines AR15 nicht ausschließlich schwimmend gelagert, sondern wird noch durch eine kleine Feder im Inneren zurückgehalten. Diese Federkraft am Schlagbolzen wird dann im Normalfall spielend vom Schlaghammer überwunden. Tja, leider überwindet die Federkraft der neuen Verschlussfedern diese Rückhaltekraft bereits und was dann passiert, seht Ihr auf den folgenden Bildern.

Noch bevor der Verschluss komplett verriegelt, zündet der Schlagbolzen durch die Beschleunigung der (neuen) Verschlussfedern die Patrone, die zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht komplett zentrisch im Patronenlager sitzt. Der Hülsenhals verformt sich dadurch einseitig, platzt auf und ohne die erwähnte Verriegelung des Verschlusses, reißt es selbigen sofort wieder nach hinten. Bei dieser Rückwärtsbewegung wird der Patronenboden vom Auswerfer förmlich durchstoßen, einen einzigen Zündhütchenbläser hatte ich sogar auch dabei. Richtig ärgerlich aber war, dass der am Ende befindliche Sicherungsblock wieder die volle Energie des Verschlussträgers abgekriegt hat und dort abermals die Prallflächen herausgebrochen sind – das war dann mittlerweile der zweite Sicherungsblock, der repariert werden musste! Total ätzend, denn der stammte bereits aus dem Ersatzgewehr! Seit diesem Vorfall sind die harten Zündhütchen CCI 200 bei meinem Ljungmann Pflicht!

Nachtrag:

Die härteren Zündhütchen verbessern die Situation beim Verriegeln/erstmaligen Durchladen des Verschlusses wesentlich, aber es kann nach einem Schuss immer noch zu einer „Doppelung“ kommen – so bei mir geschehen. Deshalb: Wer neue Verschlussfedern einsetzt kommt nicht darum herum, auch die Feder des Schlagbolzens zu ersetzen!!! Das Ersetzen ist wirklich einfach: Verschlussabdeckung entnehmen und Verschluss aus dem Verschlussträger entnehmen. Im hinteren Bereich sieht man den Schlagbolzen, welcher durch einen gekerbten Stift gesichert ist. Der Stift wird ausgetrieben, indem man auf die nicht gekerbte Seite schlägt. Auf dem unteren Bild sieht man die neue und die (kürzere) abgenutze Feder, letztere ist über die Jahre des Gebrauchs ca. 20mm gestaucht worden.

Gefettete Hülsen

Ja, von dieser Empfehlung aus einem englischsprachigen Forum hatte ich bereits von einem Kollegen gehört, das geriet aber schnell wieder in Vergessenheit, weil ich als Wiederlader meine LW-Hülsen natürlich immer vor dem Kalibrieren fette. Bei der versuchsweisen Verwendung von Fabrikmunition ist mir dieser Umstand wieder in Erinnerung gerufen worden, denn die Hülsen wurden nicht mehr ausgeworfen, ließen sich zum Glück aber noch manuell heraus repetieren. Die getestete Fabrikmunition war übrigens PPU mit 139gr.-Geschoss und nebenbei bemerkt lief sie richtig schlecht.

Gasrückführung

Im letzten Beitrag hatte ich ein Forum verlinkt, in dem für den AG42B bei Verwendung von progressiven (also langsam abbrennenden) Pulvern eine längere Schraube der Gasabnahme empfohlen wird, um den Impuls auf den Verschlussträger zu mindern, bevor dieser auf dem Sicherungsblock aufschlägt und Schäden verursacht. Das ist meiner Meinung nach nur die halbe Wahrheit, denn ich kann das laut meinen Untersuchungen nicht ausschließlich auf progressive Pulver zurückführen. Schauen wir uns dazu kurz das Gewehr selbst und drei Berechnungen von Laborierungen mit der Software Quickload an: Wenn ich die Lage der Patrone in der Kammer abschätze, so vermesse ich noch ca. 385mm Weg, den das Projektil im Lauf bis zum Passieren der Gaskanalbohrung zurücklegt. Runden wir das der Einfachheit halber mal auf 400mm auf und gehen in die nachfolgenden Diagramme, die mir Marvin zur Verfügung gestellt hat.

Eine Laborierung mit sehr gutem Streukreis, die in einem Forum beschrieben wurde (Schussbild war dabei) und die ich mit Quickload nachbilden liess: 140gr. Nosler HPBT/34,5gr. IMR 4046/OAL 76,6mm/2813 bar. Bei einem Geschossweg von 400mm wirken noch rund 900bar auf den Verschlussträger. Das IMR 4046 ist ein US- Pulver, dass laut meinen Informationen nicht mehr importiert wird, weil es gewisse Zusätze enthält, für die es keine Freigabe mehr in der EU gibt.

Mit N140 habe ich dann versucht, den obigen Spitzendruck von ca. 2800 bar nachzubilden, siehe unten.

139gr. Lapua Scenar HPBT/34,1gr. N140/OAL 76,5mm/2795 bar

Nach einem Geschossweg von 400mm ermittle ich hier einen Restdruck im System von ca. 1000 bar.

Ähnlicher Spitzendruck mit N150, siehe unten.

139gr. Lapua Scenar HPBT/37,0gr. N150/OAL 76,5mm/2861 bar

Auch hier erkenne ich noch einen Restdruck von ca. 1000 bar nach einem Geschossweg von 400mm.

N140 besitzt eine ähnliche Abbrandgeschwindigkeit wie das IMR 4046. Beide Pulver gelten im Vergleich zum progressiven N150 eher als offensiv. Es ist zu erkennen, dass – offensiv oder progressiv – die Druckkurve bei keinem der drei Pulver nach der Druckspitze signifikanter abfällt. Wer eine verlängerte Schraube der Gasabnahme also als notwendig ansieht, kann den Umstand meiner Meinung nach nicht einfach durch Verwendung eines offensiven Pulvers umgehen.

Hinweis: Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Veränderung der Verschlussschraube an der Gasabnahme nicht notwendig ist, wenn man neue Verschlussfedern verwendet!

Für diejenigen, die auch in dieser Hinsicht weitertüfteln möchten, sind hier weitere Tipps:

Man fängt logischerweise erstmal bei einer zu langen Schraube an, die die Gasrückführung komplett unterbindet und das Gewehr vorübergehend wieder zu einem Repetierer macht. Von da aus kann man die Schraube dann versuchsweise Stück für Stück abfeilen, bis die ursprüngliche Funktion des Halbautomaten wiederhergestellt ist. Dazu lädt man für jeden Versuch nur eine einzige Patrone ins Magazin. Das Ziel ist erreicht, wenn der Verschluss aufgrund des leeren Magazins gefangen wird und keine Beschädigung am Sicherungsträger ersichtlich ist. Ich rede bewußt von Beschädigungen und nicht von Berührungen, denn bauartbedingt kann es ja durchaus normal sein, dass der Verschlussträger auf den Sicherungsträger aufschlägt. Nur bitte, ohne Schaden zu verursachen! Anders ist es z.B. beim AR15 ja auch nicht…

Das nachfolgende Bild zeigt meinen bereits reparierten Sicherungsträger. Die defekten Stellen wurden aufgeschweißt, nachgeschliffen und anschließend wieder brüniert. Der leichte Abrieb an den äußersten Ecken der Reparatur entstand während der Versuchsphase mit verschiedenen Schraubenlängen an der Gasabnahme. Ein Fortschritt des Abriebs wurde für die folgenden 40 Schuss nicht mehr beobachtet, sodass ich davon ausgehe, dass es in der jetzigen Konstellation Feder/Laborierung/Verschlussschraube zu gar keiner Berührung mehr zwischen Verschlussträger und Sicherungsträger kommt.

Wer die Verschlussschraube in einer längeren Form benötigt, kann also nachfolgende Zeichnung verwenden:

Die Schraube besitzt laut Zeichnung Überlänge und wird den Gaskanal (ich habe seinen Innendurchmesser mit D= 2mm ermittelt) komplett verschließen. Angefertigt aus einem vergüteten Edelstahl braucht sie nachträglich nicht mehr gehärtet zu werden, lässt sich dafür aber auch leider nicht brünieren.

Der Mühe Lohn

Ich habe auf dem ersten Schussbild (100m, sitzend mit Zweibein und Sandsack) noch sämtliche Versuchsbedingungen und Infos festgehalten. Es ist noch mit einem Restbestand an Munition mit 36,9gr. N150 und den weicheren Zündhütchen FA 210 entstanden, glücklicherweise ohne Schäden oder Fehlfunktionen.

Beim zweiten Schussbild sind einige schlimmer Ausreißer zu sehen, da ich den Schaft nicht richtig im Sandsack fixiert habe. Ich muss sagen der Ljungmann lässt sich nicht so leicht kontrollieren, wie mein Schwedenmauser.

Ersatzteile

Auch die sind fertig geworden! Mit ein wenig Nacharbeit habe ich gleich zwei Sicherungsträger spielfrei auf mein Gewehr eingepasst. Mit den nachgefertigten Sicherungsbolzen und einigen Ersatz-Kleinteilen aus Arsenalbeständen habe ich jetzt einen weiteren kompletten Sicherungsträger. Mal schauen, ob ich ihn nochmal irgendwann benötigen werde.

AG42B Ljungman Taktischer Schaft, Teil 4

Ich kann mich glücklich schätzen, dass mein Verein unter erhöhten Auflagen immer noch geöffnet ist und das Schießen mit Langwaffen auf Distanzen von 100m und 300m weiterhin ermöglicht. Durch die Terminvergabe per Buchungsapp ist die Zeit für meine Erprobungen zwar stets knapp, aber ich will mich nicht beschweren! Also angemeldet und ab ging es auf die 100-Bahn…

Obwohl mein Schwedenmauser mit der bisherigen Laborierung hervorragende Streukreise lieferte, habe ich für den jetzigen Halbautomaten eher im unteren Bereich angefangen zu laborieren.

Dies war die Ausgangssituation der Laborierung:

  • Hülse: Lapua Match, Kailber 6,5×55
  • Zündhütchen: Federal Ammunition FA 210
  • Pulver: N150
  • Menge: 3x,x gr.
  • Geschoss: Lapua Scenar HPBT, 139gr.
  • OAL: 76,5mm
  • Crimp: keiner

Getestet wurden schließlich Ladungen mit 34,5 / 35,0, / 35,5 und 36,0 grain.

Natürlich gibt es dazu auch einige Schussbilder, ich beschränke mich dabei aber mal auf zwei exemplarische, die meisten waren noch schlechter:

Was meinen Anspruch angeht, ist das Resultat nicht wirklich gut. Die Streukreise finde ich sogar so schlecht, dass ich sie nicht mal vermessen habe, ich schätze sie aber auf 60mm und 70mm. Von jenen, die ich nicht hochgeladen habe, mal ganz zu schweigen! Auffällig sind neben den zu großen Streukreisen teilweise ordentliche Ausreißer zur Seite (jedoch nicht auf den obigen Bildern zu sehen). Als die Schussbilder teilweise schlechter wurden, habe ich angefangen, mal sämtliche Verschraubungen zu überprüfen: Am Ende hat sich herausgestellt, dass das Zweibein locker geworden ist. Ist mir so auch noch nie passiert! Zumindest nicht mit einem Harris… ☹

Auch die Laborierung des Schwedenmausers mit 38,0 gr. N150 habe ich mit sehr wenigen Schüssen erprobt, allerdings war die Trefferlage oberhalb der Scheibe im Erdwall und so habe ich mich wieder den ursprünglichen Laborierungen zugewandt.

Als der Schießtermin vorüber war, hatte ich zwar noch keine Laborierung, mit der ans Long-Range-Schießen zu denken war, aber eines hatte die Erprobung zumindest gezeigt: Die gesamte Konstruktion des Schafts hat keinerlei Schwächen gezeigt! Alles sass noch genauso bombenfest, wie ursprünglich montiert (vom Zweibein mal abgesehen).

Wieder zu hause angekommen, habe ich mir überlegt, was man nun noch anstellen könnte, um ordentliche Streukreise hinzubekommen. Leider habe ich das Gewehr vor dem Kauf nur auf eine Entfernung von 50m über Kimme und Korn testen können, aber die Streukreise waren für die damaligen Umstände zufriedenstellend. Ich weiß bis heute nicht, ob es mit seinem gebrauchten Lauf überhaupt jemals so gut schießen wird, wie ich das gerne hätte oder was vielleicht ein geübter „Kimme-Korn-/Diopter-Schütze“ mit Originalschaft vor dem Umbau hätte „rausholen“ können. Fakt ist aber, dass der Lauf des AG42B zu stark in Schwingungen gerät und das schon bei weniger starken Ladungen mit N150-Laborierungen (im Vergleich zum Schwedenmauser). Dieser hatte damals mit dem brisanteren Pulver S065 von Lovex ja ein ähnliches Verhalten gezeigt, bis ich daran schließlich die langsameren Pulver N160 und zuletzt N150 erprobt habe. Noch langsamer wollte ich im Pulver jetzt aber nicht mehr werden. Beide Gewehre haben aber auch die Gemeinsamkeit, dass deren Lauf im originalen Holzschaft nicht freischwingend ist, sondern durch eine Abdeckung mit dem eigentlichen Basisschaft mittels Metallösen geklemmt wird. Ich habe dazu auch schon überlegt, den Lauf des AG42B nochmals irgendwo abzustützen oder zu klemmen.

Nicht verzagen, Marvin fragen!

Ja, ist wirklich so: Ich hab´ scheinbar den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen! Marvin habe ich aufgrund seiner Software Quickload angerufen und von der Erprobung des AG42B berichtet. Ich hatte mir erstmal erhofft, noch einige Tipps oder Hinweise bezüglich verschiedener Pulvermengen zu erhalten und deren möglichem Zusammenspiel mit der Anzahl der Züge und/oder der Lauflänge. Er hat mir dann auch berechnet, dass mit der Lauflänge von 620mm beim Ljungman erst ab einer Pulvermenge von 37,0 gr. der Brennschluss noch im Lauf stattfinden wird, entscheidend war aber sein Hinweis darauf, dass ich ja den Kornträger an der Laufmündung demontiert hatte! An den hatte ich überhaupt nicht mehr gedacht, denn er musste ja runter, wollte man das System aus dem Schaft ausbetten. Jedenfalls waren das insgesamt 55 Gramm Stahl, die an der Laufmündung demontiert wurden, wodurch mein „Schwingungsdämpfer“ quasi weg war. Ja, total logisch! Aber daran hatte ich jetzt auch nicht mehr gedacht, muss ich zu meiner Schande gestehen. Und dass, obwohl ich als Biker ebenfalls Lenkerendenblinker an meinem Chopper montiert habe. ☹

Für den nächsten Termin auf dem Schießstand fahre ich also mehrgleisig: Zum einen werde ich noch eine Laborierung mit 37,0 gr. und 37,5 gr. herstellen und abermals meine 38,0 gr.-Ladung mitnehmen. Außerdem werde ich den bisherigen Kronträger in zwei verschiedenen Varianten (80g und 155g) durch ein Laufgewicht ersetzen, das direkt in das originale Mündungsgewinde (M12x1) geschraubt wird (siehe Bild oben).

Bis diese neuen Fertigungsteile verfügbar sind, werde ich mit einem anderen Bauteil als Schwingungsdämpfer improvisieren, das auf dem Laufmantel verschiebbar ist und durch Madenschrauben (auf dem Bild noch nicht eingeschraubt) geklemmt werden kann.

Das Laufgewicht wurde wie gezeigt kurz vor den Bohrungen des „Mündungsdämpfers“ montiert, die resultierenden Schussbilder waren aber immer noch schlecht:

Auch das Verschieben des Laufgewichts hin zur Systemhülse hat leider nichts gebracht. Die Schussbilder wurden dadurch nur noch schlechter und das Hochladen erspare ich mir hier mal. Zum nächsten Schiesstermin waren dann glücklicherweise bereits die beiden Schwingungsdämpfer für die Montage an der Laufmündung vorhanden:

Den schwereren von beiden (155 Gramm) habe ich zuerst montiert und war am Ende echt zufrieden, sodass der leichtere Schwingungsdämpfer vorerst nicht mehr zum Einsatz kam:

Die Laborierung mit 37,5 gr. N150 hat dabei den besten Streukreis mit D=26mm und D=24mm (über Schussmitten und ohne Ausreisser) ergeben. Für einen Halbautomaten diesen Baujahrs auf 100m ein gutes Ergebnis, wie ich finde.

Weitere Untersuchungen

Ich werde in den kommenden Wochen versuchen, eine weitere Kombination aus Laborierung und Schwingungsdämpfer zu finden. Hintergrund ist eine leichte Beschädigung am Prallblock des Systems vom AG42B. Ich denke, dass das von einer der starken Laborierungen herrührt, mit denen ich geschossen habe. Falls es jene des Schwedenmausers mit 38gr. N150 war, so bin ich mit dem aktuellen Favoriten von 37,5gr. immer noch recht nahe dran. Ich sehe hier die Möglichkeit, für diese Laborierung die Pulvermenge zu reduzieren und gleichzeitig den Schwingungsdämpfer anzupassen, oder die Pulvermenge beizubehalten und die OAL der Patrone zu erhöhen. Ich werde mit Letzterem beginnen, weil das erstmal keine Nachbearbeitung des Schwingungsdämpfers oder gar ein Neuteil zur Folge hat. Mindestens ein Beitrag zu dieser Serie wird also noch folgen.

DIY Hülsenfett zum Wiederladen

Nachdem ich in den letzten Monaten meine Langwaffenpatronen fleißig heiß entladen habe, steht in logischer Konsequenz auch das Aufmunitionieren wieder auf dem Plan. Bei mir heißt das natürlich wiederladen statt kaufen. Das dazu benötigte Hülsenfett habe ich bisher von Dillon gekauft und war damit eigentlich recht zufrieden. Eigentlich, bis auf den Preis…

Die beiden zuletzt gekauften Pumpflaschen habe ich zu je 17€/230ml (zzgl. Versand) bei Egun gekauft. Macht zusammen also 34€ für 460ml Hülsenfett. Gehalten haben die beiden Flaschen schätzungsweise 2 Jahre, eine kleine Restmenge von vielleicht 50ml ist aktuell noch übrig.

Schaut man sich die Inhaltsangabe der Flasche an, so fällt diese äußerst kurz aus: Lanolin und Alkohol. Lanolin ist hierzulande auch unter dem Begriff „Wollwachs“ bekannt und ist ein natürliches Produkt, das bei der Haltung von Schafen gewonnen wird, soweit meine Recherche bei Wikipedia. Alkohol kennen die meisten auch, hier wird aber eine hohe Konzentration für eine technische Anwendung benötigt. Aus steuerlichen Gründen wird der hergestellte Alkohol dazu „vergällt“, d.h., er wird durch Zusatzstoffe für den Genuss unbrauchbar gemacht. Ansonsten wäre er in der benötigten Konzentration preislich uninteressant.

Wer das Hülsenfett von Dillon oder anderen Herstellern ebenfalls benutzt, wird wohl kaum andere oder mehr Inhaltsstoffe auf der Verpackung finden und so dürfte die eigene Herstellung dieses Hülsenfetts keine große Aktion werden und genau davon berichte ich in diesem Beitrag.

Für den Kauf der nachfolgenden Produkte habe ich mich entschieden:

  • 100g Lanolin (rein und wasserfrei) aus der Apotheke für 5€.
  • 1 Liter Isopropanol (99,9%) von Amazon für 8,90€ inkl. Versand für Prime-Kunden.

Sowohl Lanolin als auch Alkohol sind natürliche Produkte und können im Rahmen unserer Verarbeitung und späteren Anwendung als ungefährlich eingestuft werden. Von dem Verzehr des Alkohols rate ich vorsorglich mal ab…

Für das Wiederladen der Langwaffenhülsen wird eigentlich nur das Lanolin benötigt. Wäre das Auftragen des reinen Fetts auf die Hülsen nicht so umständlich, könnte auf den Alkohol auch ganz verzichtet werden, aber er dient als Trägerstoff für das darin gelöste Fett und macht das Ganze durch eine Pumpflasche erst leicht anwendbar.  Aus dem Grund lässt man die eingesprühten Hülsen auch einige Minuten ruhen, bevor man sie zum Wiederladen weiterverwendet: Der Alkohol verflüchtigt sich dank seiner hohen Konzentration recht schnell und übrig bleibt ein hauchdünner Film Lanolin auf der Oberfläche der Hülse. Bei meiner Recherche im Internet bin ich auf verschiedene Mischungsverhältnisse gestoßen: Manche Anwender empfehlen 1 (Lanolin): 8 (Alkohol), andere wiederum 1:12. Ich habe mich wegen der 0,5 Liter fassenden Vorratsflasche für das Verhältnis 1:8 entschieden. Die Flasche wird durch 50g Lanolin und 400ml Isopropanol dann fast voll. Nebenbei ergibt das 450ml Hülsenfett und man erhält einen direkten Preisvergleich zu den Produkten von Dillon (s.o.): Statt 34€ für rund einen halben Liter von Dillon, entstehen bei der DIY-Variante so lediglich Kosten von 7€. Ja, auf einen geschätzten Zeitraum von 2 Jahren sind auch 34€ wirklich erträglich, aber mir geht es auch darum, es mal selbst auszuprobieren…

Ich habe mir zwei Weithalsflaschen besorgt, in denen ich das Hülsenfett anmischen werde. Das Lanolin ist zwar noch recht fest, aber man kann es durch die große Öffnung der Flasche gut portionieren. Auch der Alkohol kann dadurch später ohne einen Trichter hinzu gegossen werden. Die Abmessung kann durch eine Haushaltswaage oder nach Augenmaß erfolgen. Ich habe die komplette Dose Fett übrigens mit einem Cuttermesser halbiert und die Halbschalen dann damit ausgekratzt. Mit einer langen Klinge kann man das Fett auch gut im Flascheninneren abschütteln und es bleibt nur wenig davon am Flaschenhals haften. Vom Alkohol wird zunächst nur die Hälfte der geplanten Gesamtmenge von 400ml dazugegeben.

Das Lanolin ist jetzt noch nicht imstande, sich vollständig in dem Alkohol zu lösen, also helfen wir mit einem heißen Wasserbad etwas nach. Ein großer Topf und ein Wasserkocher erledigen hier die Arbeit für uns. Ich habe gewartet, bis das Wasser gekocht hat und habe es dann in den Topf geschüttet. Achtet darauf, den Deckel der Flaschen zur Druckentlastung zu öffnen oder ganz herunter zu nehmen! Nach 10min Ruhezeit hat sich das Fett verflüssigt und am Boden der Weithalsflasche abgesetzt. Etwaiges Fett, dass beim Einfüllen am Flaschenhals geblieben ist, wird mit  der Zeit ebenfalls flüssig und sinkt zu Boden. Bei der rechten Flasche wurde der Inhalt bereits geschüttelt. Achtet darauf, den Wasserpegel in Eurem Wasserbad nur so hoch wie notwendig zu füllen, da die Flaschen imstande sind, umzukippen.

Anschließend den restlichen Alkohol dazu geben und nochmals durchschütteln – das Hülsenfett ist dann fertig zur Anwendung. Es ist übrigens normal, wenn sich die Bestandteile nach einer gewissen Zeit der Lagerung etwas voneinander absetzen sollten. Das passiert bei den namhaften Herstellern auch – wie gehabt vor Gebrauch einfach etwas Schütteln und die Sache ist erledigt.

Zum Schluss nochmals ein Farbvergleich zwischen Dillon Hülsenfett und dem DIY-Hülsenfett. Man erkennt eindeutig, dass mein Hülsenfett wesentlich gelblicher in der Farbe ist. Das mag am verwendeten Fett oder dem Mischungsverhältnis liegen, wie bereits erwähnt reicht das von 1:8 bis hin zu 1:12.

Wiederladen mit 3D-Druckteilen

Ich hatte mir bereits vor langer Zeit Gedanken darüber gemacht, wie man die zahlreichen Arbeitsschritte beim Wiederladen – insbesondere von Langwaffenhülsen – vereinfachen kann. Diese Ideen habe ich im lange zurückliegenden Beitrag Wiederladen – Die Suche nach Komfort bereits vorgestellt. Meine darin gezeigten Hilfsmittel haben sich seither nicht mehr geändert, sie funktionieren nach wie vor zufriedenstellend. Allerdings muss man für die Anfertigung einiger Kleinteile leider eine Standbohrmaschine und eine Drehbank besitzen, wodurch der Nutzerkreis schon stark eingeschränkt ist. Ich habe also nun endlich mal die Zeit gefunden, diese Teile für die Herstellung in einem 3D-Drucker zu modifizieren und stelle sie in diesem Beitrag zur Verfügung. Die Teile sind nach dem Ausdrucken zwar immer noch nicht gebrauchsfertig, aber mit erheblich weniger Werkzeug fertig zu stellen. Ein metrischer Gewindeschneidsatz und eine Handbohrmaschine müssen aber immer noch verfügbar sein.

Wichtig wäre vorab zu erwähnen, dass die Teile zur Verwendung mit einem Lee Perfect Powder Measure und der Pulverwaage „Eliminator“ von Dillon gedacht sind. Außerdem müssen alle heruntergeladenen 3D-Dateien in Ihrer Dateiendung vor dem Drucken von „.docx“ in „.STL“ umbenannt werden!

Um diesen Beitrag in sich schlüssig abzurunden, komme ich leider nicht umher, die Konstruktion ein zweites Mal zu beschreiben. Ich versuche, mich kurz zu fassen:

Dillon Eliminator

 

Ich habe die Pulverwaage an meinem Sitzplatz in Augenhöhe auf eine kleine Plattform montiert. Den Pulverfüller „Lee Perfect Powder Measure“ habe ich mittels einer kleinen Konsole so montiert, dass dessen Pulver direkt in das Schälchen der Eliminator hineinfallen kann. Zum Bestimmen einer geeigneten Position sollte das neue Fallrohr Version 7 bereits montiert sein. Es ersetzt das alte Fallrohr mit seiner Prallhülse aus dem ersten Beitrag.

 

Lee Perferct Powder Measure 1
bisheriges Fallrohr

Fallrohr_V7

 

Das Fallrohr allein bringt schon einen Vorteil in Sachen Handling und Zeitersparnis, noch besser wird es mit dem Powder-Trickler, der das Pulver direkt in das Schälchen der Pulverwaage zuführen kann. Hierzu habe ich eine Version erstellt, die beim Ausdrucken Material spart. Das Zuführrohr sollte nicht gedruckt werden, greift hierzu besser zu einem Metallröhrchen aus dem Baumarkt oder so (Außendurchmesser 5-6mm reicht aus). Die quer liegende Bohrung besitzt einen Durchmesser von 3,9mm und kann leicht auf den Durchmesser des später verwendeten Metallröhrchens aufgebohrt werden. Vergesst nicht, dem Metallrohr später noch eine V-Kerbe zu verpassen – siehe Zeichnung – und das eine Ende mit Klebstoff, Gummi etc. zu verschließen. Die axial liegende Bohrung im Standfuss des Powder Tricklers besitzt einen Durchmesser von 5mm. Hier könnt Ihr noch auf D=5,2mm aufbohren und zur Befestigung ein Gewinde M6 hineinschneiden. Für den Trickler wird außerdem noch das Antriebsrad benötigt. Es besitzt eine umlaufende Ringnut mit Breite 3mm, damit mittels O-Ring oder einer geeigneten Schnur ein Antrieb erfolgen kann. Die axiale Bohrung besitzt 4,1mm Durchmesser und muss ebenfalls auf den Durchmesser des späteren Metallrohrs aufgebohrt werden. Zu Sicherung des Antriebsrads befindet sich noch eine Querbohrung mit D=2mm im vorderen Absatz. Hier ist auf D=2,5mm aufzubohren und eine Gewinde M3 reinzuschneiden. Mittels Madenschraube kann das Antriebsrad dann auf dem Metallrohr fixiert werden. Damit das Pulver überhaupt durch das Rohr rieseln kann, muss der Trickler leicht schräg aufgestellt werden. Legt ihm vor der Befestigung des Standfußes einfach einseitig etwas mit einer Höhe von 1 bis 1,5mm Höhe unter.

Powder Trickler
bisheriger Powder Trickler

 

 

Powder Trickler - Rohr

Powder Trickler – Basis_3D-Druck

Powder Trickler – Deckel

Antriebsrad_m. Ringnut u. Kernloch f. M3

 

Kommen wir zum manuellen Antrieb. Wenn man den Powder Trickler nahe der Pulverwaage und somit ebenfalls auf Augenhöhe aufgestellt hat, will man ihn nun auch bequem von einer Tischplatte aus bedienen. Dazu benötigten man noch einen manuellen Antrieb. So wie auf dem Bild unten kann er aussehen, muss er aber natürlich nicht. Es bietet sich an, die weiteren Antriebsräder ebenfalls zu drucken. Lediglich bei der aufnehmenden Alustrebe würde ich auch weiterhin Metall verwenden. Das hat den Vorteil, dass Ihr darin eine glatte Bohrung fertigen könnt und sich der Kunststoffzapfen darin eine lange Zeit ohne Probleme drehen wird (bei meinem Prototypen ist eine beschichtete Gleitbuchse eingepresst). Etwas zusätzliches Fett hat aber noch nie geschadet…

Für den manuellen Antrieb muss das oben verlinkte Antriebsrad mit Ringnut also ein weiteres Mal gedruckt werden. Es wird axial diesmal auf einen Durchmesser von D=8mm aufgebohrt und mit dem Zapfen des Hand-Antriebsrads verpresst oder verklebt oder bei Bedarf abermals mit Madenschraube gesichert – kommt ganz auf die Fertigungstoleranz Eures Druckers an.

 

Powder Trickler Antrieb

Handantriebsrad

 

Handantriebsrad

 

Wo auch immer ihr nun das zweite Antriebsrad in Kombination mit dem Handantriebsrad montiert habt, es gilt nun, beide Antriebsräder mit einem O-Ring (Schnurdurchmesser 3mm) oder einer anderen geeigneten Schnur zu verbinden. Ich würde den O-Ring bevorzugen, weil er durch sein Gummi schon sehr guten Grip gewährleistet und man die Schnur nicht mehr zu einem Ring verknoten muss. Je nach baulicher Lage sollte der O-Ring einen Durchmesser von 160-200mm haben. Achtung, im Baumarkt bekommt Ihr sowas jedenfalls nicht mehr…

Hier nochmal die Gesamtansicht mit den alten Teilen aus Metall.

 

Wiederladestation

Gasdruck beim Wiederladen

Nach den Kommentaren eines aufmerksamen Lesers aus Teil 3 zu den Ladedaten für Schwedenmauser, möchte ich in diesem Beitrag anhand meiner bevorzugten Laborierung für den Schweden nochmal näher auf das Thema des zulässigen Gasdrucks beim Wiederladen eingehen. Diese Thematik betrifft eigentlich jede Patrone, die wiedergeladen wird. Ich bin vor einiger Zeit zu Recht darauf hingewiesen worden, dass meine bevorzugte Laborierung die maximale Ladeempfehlung von Vihtavuori bereits überschreitet. Mithilfe von Marvin und der Software „Quickload“ möchte ich also in diesem Beitrag einige Ergebnisse präsentieren und erläutern. Da ich nicht weiß, ob es lizenzrechtlich gestattet ist, Screenshots der Software von den kompletten Berechnungen zu veröffentlichen, beschränke ich mich hier auf die Beschreibung der Ergebnisse und ein kleines Diagramm. Der Schwerpunkt liegt mit diesem Beitrag auf den berechneten Gasdrücken und nicht mehr auf der Präzision oder der Mündungsgeschwindigkeit wie in den vergangenen Beiträgen.

Der Vorsicht halber möchte ich auch nochmals darauf hinweisen, dass es sich nachfolgend um theoretisch berechnete Werte durch eine Software handelt. Einen besseren Aufschluss über die im System herrschenden Gasdrücke ergibt wohl erst eine Messreihe aus Patronen, die man zur Ermittlung des Gasdrucks an ein Beschussamt einsendet. Ich möchte das mit meiner bevorzugten Laborierung auch noch tun und werde das Ergebnis veröffentlichen, sobald es vorliegt.

Ungeachtet des Ergebnisses gilt für alle nachfolgenden Ladedaten weiterhin folgender Warnhinweis:

Für die Richtigkeit der Ladedaten wird keine Garantie übernommen! Wiederlader handeln auf eigenes Risiko!

 

Ausgangssituation

So, warum mache ich so´n Quatsch eigentlich, dass ich Patronen mit höherem Gasdruck herstelle? Das Gewehr hat ja bereits mit anderen (weicheren) Laborierungen sehr gut geschossen. Ganz einfach: Ich wollte für das Long-Range-Schiessen eine Patrone mit höherer V0 haben, aus diesem Grund habe ich die Ladeempfehlung verlassen. Den maximal zulässigen Ladedruck eines Schwedenmausers habe ich mit 3800 bar recherchiert. Man muss sich nicht viel Mühe geben, Wikipedia kann da z.B. schnell Auskunft geben, ist aber sicherlich nur eine Quelle von vielen. Auch Quickload hat übrigens den Grenzwert von 3800 bar für diese Patrone. Als Maschinebau-Ingenieur ist mir bewusst, dass die Vorhersage eines Bauteilversagens nicht nur in Bezug auf die Höhe der eingeleiteten Kraft (i.V.m. Querschnittsprofil und Werkstoff), sondern auch in Bezug der Anzahl der Lastwechsel zu beurteilen ist (Stichwort Materialermüdung). Auch andere Faktoren spielen eine Rolle, aber das sind Details, die hier den Rahmen sprengen würden. Da ich noch nicht davon gehört habe, dass man aus Gewehren nur eine bestimmte Anzahl von Schüssen abgeben darf, gehe ich also erstmal davon aus, dass der Literaturwert von 3800 bar jener Maximaldruck ist, bei dem die Dauerfestigkeit des Werkstoffes noch gewährleistet ist.

Zur Erinnerung, dies sind meine bevorzugten Ladedaten:

  • Hülse: Lapua Match, Kailber 6,5×55 Swedish Mauser
  • Zündhütchen: Federal Ammunition FA 210
  • Pulver: Vihtavuori N150
  • Menge: 38,0 gr.
  • Geschoss: Lapua Scenar HPBT, 139gr. (GB458)
  • OAL: 76,5mm
  • Crimp: keiner
  • V0 (nach Quickload): 783 m/s
  • V0 (gemessen): 803 m/s
  • Max. Gasdruck (nach Quickload): 3069 bar
  • Max. zulässiger Gasdruck: 3800 bar

Damit bin ich noch etwas mehr als 700 bar vom maximal zulässigen Gasdruck entfernt. Klingt erstmal ausreichend, Schwankungen in der Produktion des NC-Pulvers oder in der Herstellung der Patrone können aber gefährlich werden, das sollte man einfach wissen.

 

Das sagt Vihtavuori

Ich verlinke hier mal die Ladeempfehlungen des Pulverherstellers. Beachtet bitte, dass es auch modernere Gewehre im klassischen „Schwedenkaliber“ gibt, die einen höheren zulässigen Gasdruck haben und meist unter 6,5×55 SE oder 6,5×55 SKAN geführt werden. Mein Gewehr besitzt zwar einen modernen Lauf von Schulz und Larsen aus dem Jahre 2010, allerdings ist meine Systemhülse noch die des klassischen Schwedenmauses mit einer Prägung der Fabrik „Carl Gustavs“. Da die Systemhülse letztendlich über den Verschluss sämtliche Kräfte aufnimmt, bleibe ich mal bescheiden und lege weiterhin einen zulässigen Maximaldruck von 3800 bar zugrunde.

Vihtavuori: 6,5×55 Swedish Mauser

Vihtavuori: 6,5×55 SE / 6,5×55 SKAN

Die Ladedaten 6,5×55 SE oder 6,5×55 SKAN sind hier nur der Vollständigkeit halber verlinkt und spielen bei der weiteren Betrachtung keine Rolle!

Bezogen auf das Geschoss Lapua Scenar GB458, ist die Maximalempfehlung von Vihtavuori folgende (von den fettgedruckten Werte weiche ich ab, s.o.):

  • Hülse: 6,5×55, Hersteller unbekannt
  • Zündhütchen: Hersteller unbekannt
  • Pulver: Vihtavuori N150
  • Menge: 35,2 gr.
  • Geschoss: Lapua Scenar HPBT, 139gr.
  • OAL: 78,0mm
  • Crimp: unbekannt
  • V0 (nach Vihtavuori): 761 m/s
  • V0 (nach Quickload): 742 m/s
  • Max. Gasdruck (nach Quickload): 2456 bar
  • Max. zulässiger Gasdruck: 3800 bar

Vihtavuori ist damit 1350 bar vom Maximaldruck entfernt. Ein theoretisch recht komfortabler Abstand. Ich gehe mal davon aus, dass keine Ladeempfehlungen veröffentlicht werden, die irgendwelche Klagen gegen den Pulverhersteller nach sich ziehen könnten.

 

Das sagt Vihtavuori aber auch

Schaut man sich die Ladeempfehlungen aus dem ersten Link etwas genauer an, so fällt eine auf, bei der beim 139gr.-Norma-Geschoss ganze 39,4 gr. N150 (maximal) erlaubt sind. OK, kann ja sein, dass sich Geschosse in Ihrer Geometrie äußerlich unterscheiden und gewisse Parameter der Patrone angepasst werden müssen. Aber entscheidend für ein gesundes Weiterschießen sollte ja immer noch der Gasdruck sein. Schauen wir uns die Daten mal mit Quickload an:

  • Hülse: 6,5×55, Hersteller unbekannt
  • Zündhütchen: Hersteller unbekannt
  • Pulver: Vihtavuori N150
  • Menge: 39,4 gr.
  • Geschoss: Norma HP, 139gr., (Mit Artikel 66517 aus der Datenbank von Quickload bezeichnet)
  • OAL: 78,0mm
  • Crimp: unbekannt
  • V0 (nach Vihtavuori): 779 m/s
  • V0 (nach Quickload): 807 m/s
  • Max. Gasdruck (nach Quickload): 3214 bar
  • Max. zulässiger Gasdruck: 3800 bar

Jetzt sind es sogar nur noch knapp 600 bar zum Maximaldruck.

Sind die Parameter für die Berechnungen mit Quickload alle richtig gewählt, so ist doch schon auffällig, dass es solche Unterschiede in den maximalen Ladeempfehlungen gibt. Für jemanden, der kein Quickload besitzt, erschließen sich diese Unterschiede im Gasdruck überhaupt nicht! Ist das jetzt ein Indiz dafür, dass man Gasdrücke  nahe 3800 bar nicht fürchten muss? Die Antwort folgt weiter unten…

 

Aussichten

Spielen wir mal ein wenig mit den Parametern der Software. Behalten wir dabei immer im Hinterkopf, dass den Ergebnissen nur Rechenalgorithmen zugrunde liegen und die Wirklichkeit anders aussehen kann.

  • „Meine Laborierung“, jedoch nur 37,0 gr. N150 (statt 38,0 gr.):

–> V0 sinkt auf 783m/s, Pmax sinkt von 3069 bar auf 2861 bar.

  • „Meine Laborierung“, jedoch OAL von 78,0mm (statt 76,5mm):

–>V0 sinkt auf 772m/s, Pmax sinkt von 3069 bar auf 2986 bar.

Möchte man den Gasdruck senken, hat es also den größeren Effekt, die Pulvermenge zu reduzieren, statt die Patronenlänge zu erhöhen. Nicht wirklich verwunderlich… Der umgekehrte Effekt tritt erst wieder ein, wenn man das Geschoss bis an die Züge setzt.

Irgendwann will man natürlich zu dem Punkt kommen, an dem man tatsächlich beurteilen kann, ob man sich mit einer Laborierung sicher fühlen kann, oder nicht. Nehmen wir dabei Quickload zu Hilfe und seine Grenzwertbereiche für Gasdrücke, die je nach Gefahrenpotenzial farblich hinterlegt sind (hier bezogen auf den Schweden mit 3800 bar Maximaldruck).

 

Diagramm
Exemplarisches Diagramm

 

  • Ohne Markierung/Weiss: bis 2800 bar

–> Warnmeldung: keine

  • Gelb markierter Bereich: 2800 bar – 3200 bar

–> Warnmeldung: keine

  • Lila markierter Bereich: 3200 bar – 3800 bar

–> Warnmeldung: „WARNUNG: Nahe am höchstzulässigen Gasdruck. Toleranzen können gefährliche Drücke verursachen!“

  • Rot markierter Bereich: >3800 bar

–> Warnmeldung: Hierzu liegt mir keine Info vor, soweit habe ich es nicht kommen lassen.

 

Beschussamt Mellrichstadt

Ich habe kurzerhand mal beim Beschussamt Mellrichstadt angerufen und das Glück gehabt, einen freundlichen Mitarbeiter zu sprechen, der sich für mich Zeit genommen hat. Meine wichtigste Frage wurde mir wie folgt beantwortet: Der Gasdruck nach CIP kann als dauerfest angesehen werden. Allerdings wurde mir auch empfohlen, einen Abstand von ca. 10 Prozent zum maximalen Gasdruck zu wahren, denn eine Materialermüdung kann immer im Bereich des Möglichen sein.

 

Mein Fazit

Ich habe mich im Rahmen dieses Beitrags nochmal eingehender mit den Ladedaten befasst, werde aber an meiner Laborierung für den Schweden aus folgenden Gründen festhalten:

  • Alle bisher ca. 600 abgeschossenen Patronenhülsen ließen sich problemlos herausrepetieren.
  • Kein einziges Zündhütchen war derart platt, dass der abgesetzte Ring an der Zündglocke bereits verdeckt war.
  • Vollkalibrieren von abgeschossenen Hülsen bedurfte nie eines erhöhten Kraftaufwands. Die Schleifspuren des Vollkalibrierens waren im Bereich des Hülsenbodens stets minimal, im Bereich des Hülsenhalses naturgemäß deutlich.
  • Alleiniges Halskalibrieren bereits abgeschossener Hülsen mit Anfertigung von Patronendummies ergab keine Probleme beim Laden/Repetieren des Verschlusses – somit keine Hinweise auf „Ausbauchen“ der Hülsen aufgrund erhöhten Gasdrucks.
  • Maximal zulässiger Gasdruck wird um 700 bar (entspricht 18% Differenz zum Maximalwert) unterschritten.
  • Keine Warnhinweise durch Software Quickload.

 

Das war nun ein recht trockener Beitrag zum Thema Wiederladen. Ich halte nicht aus Trotz an meiner Laborierung fest, sondern tue das nach sorgfältiger Auswertung aller Informationen, die ich bekommen konnte. Ich will mit diesem Beitrag auch niemanden dazu animieren, die Ladeempfehlungen der Hersteller generell zu überschreiten, für die meisten Sportschützen ist das auf den disziplinenkonformen Distanzen auch gar nicht notwendig. Sollte ich jemandem mit Long-Range-Ambitionen nützliche Anregungen geliefert haben, so freut mich das. Die letzte beobachtete Reichweite meines Schwedenmausers mit meinen o.g. Ladedaten beträgt übrigens 1350m. Weitere Kommentare oder Anregungen zu diesem Beitrag sind herzlich willkommen!