Dillon XL 650: Zündhütchen-Stopper

Wer kennt sie nicht, die rausfliegenden, nicht verpressten Zündhütchen?

Selbst wenn sie nicht an Ihrem Umfang abrollen, sondern einfach nur auf der glatten Seite herunter rutschen, haben die Zündhütchen bisweilen so viel Schwung, dass sie am Ende der Rampe einfach über den Rand fliegen. Ok, oft passiert das nicht aber nerven tut es trotzdem!

Mithilfe eines 3D-Druckers kann aber für Abhilfe gesorgt werden. Die Konstruktion des Bauteils und Konvertierung in ein Schichtmodell im STL-Format habe ich bereits übernommen. Das Bauteil ist zwar nicht das erste, das ich habe drucken lassen (diverse Custom Rail-Panels für Picatinny-Schienen habe ich bereits vorgestellt), aber es ist das erste Modell, das ich zum Download bereit stelle. Dabei ist es wahrlich nichts Besonderes, eben nur ein kleiner, einfacher Helfer…

Wer sich das Teil drucken (lassen) will, sollte zunächst mal die Breite der Rampe an seiner Dillon XL 650 vermessen, siehe Bild:

Dillon XL 650 ZH-Stopper 02

Ihr werdet feststellen, dass die Rampe nicht überall gleich breit ist, das ist der Fertigungstechnik geschuldet, da es sich um ein Spritzgussteil handelt und den Seiten eine Formschräge hinzugefügt wurde. Das ermöglicht später das bessere Lösen/Ausstoßen des fertigen Teils aus seiner Spritzgussform. So dürfte die Rampe im oberen Bereich direkt zwischen den Pfeilspitzen eine Breite von  ca. 16,6mm aufweisen, zumindest war das bei mir der Fall. Der Stopper, den ich konstruiert habe, lässt sich auf diesen Rand aufsetzen, wobei er mit minimaler Kraft aufgeschoben wird.

Der innen abgesetzte Rand, bzw. die offene Tasche besitzt dabei eine Breite von lediglich 16,5mm. Dieses Untermaß soll bewirken, dass eine minimale Klemmwirkung beim Aufschieben erreicht wird, sodass das Bauteil durch Erschütterungen nicht gleich wieder herunter fällt.

Dillon XL 650 ZH-Stopper 03

Für diejenigen, die das Mass von 16,6mm nicht bestätigen können, stelle ich eine zweite Datei zur Verfügung, welche eine Taschenbreite von nur 16,4mm besitzt.

Achtung:

Zur Nutzung der beiden nachfolgenden Dateien müssen sie nach dem Download umbenannt werden. Ändert dazu die Dateiendung von „.doc“ einfach zu „.STL“, ladet die Datei dann in den Speicher Eures 3D-Druckers und es kann losgehen.

ZH-Stopper 16,5mm, Dillon XL 650

ZH-Stopper 16,4mm, Dillon XL 650

 

Aufgesetzt sieht der Stopper dann so aus:

Dillon XL 650 ZH-Stopper 04

 

Ladedaten Schwedenmauser M/63, Teil 2

Endlich fertig!

Diesen Artikel wollte ich eigentlich schon vor Wochen, wenn nicht Monaten geschrieben haben. Jetzt, da er online ist, bedeutet das aber auch gleichzeitig, dass der Schwedenmauser endlich so schießt, wie ich mir das vorgestellt habe! War nochmal richtig spannend in den letzten beiden Wochen, denn ich wollte rechtzeitig vor dem nächsten Longe-Range-Event fertig werden. Tja, den Kampf habe ich dank gebrochener Klemmung an beiden Montageringen (zu fest an der Pica-Schiene angezogen) und dank eines Defekts am Zielfernrohr leider verloren… Die Schussbilder von diesem Tag erspare ich Euch mal.

Das ZF wurde kurzerhand ersetzt, auf dem Schwedenmauser ist nun -wie bei meiner Savage 10BA auch – Altbewährtes montiert: Ein Sightron S-III 8-32×56 – nur diesmal mit 1/4-MOA-Klickverstellung.

Zurück auf der 100m-Bahn ging es dann ans Einschießen mit nachfolgenden Ergebnissen. Alle Schussbilder zeigen 5-Schuss-Gruppen, sitzend mit Zweibein und Sandsack am Hinterschaft. Die Laborierungen gibt es gleich dazu. Schlechtere Ergebnisse von anderen Laborierungen zeige ich hier nicht mehr, davon gab es im ersten Teil des Beitrags bereits genug.

Achtung, für die Richtigkeit der Ladedaten wird keine Garantie übernommen! Wiederlader handeln auf eigenes Risiko!

Ladedaten Schwedenmauser 15
  • Hülse: Lapua Match, Kailber 6,5×55 Swedish Mauser
  • Zündhütchen: Federal Ammunition FA 210
  • Pulver: Vihtavuori N160
  • Menge: 39,0 gr.
  • Geschoss: Lapua Scenar HPBT, 139gr.
  • OAL: 76,5mm
  • Crimp: keiner
Ladedaten Schwedenmauser 16
  • Hülse: Lapua Match, Kailber 6,5×55 Swedish Mauser
  • Zündhütchen: Federal Ammunition FA 210
  • Pulver: Vihtavuori N160
  • Menge: 38,0 gr.
  • Geschoss: Lapua Scenar HPBT, 139gr.
  • OAL: 76,5mm
  • Crimp: keiner

Die Laborierung mit 39,0 gr. N160 liefert auch auf 300m sehr gute Ergebnisse. Geschossen wurde liegend aufgelegt mit Zweibein und Sandsack am Hinterschaft.

Hier geht es zum dritten und letzten Teil der Serie Ladedaten Schwedenmauser…

Ladedaten Schwedenmauser M/63, Teil 1

Die Entwicklung eines taktischen Schafts für den Schwedenmauser hat lange Zeit in Anspruch genommen und ein gelungener Abschluss dazu wäre sicherlich ein tolles Schussbild mit einer Ladeempfehlung gewesen. Kleine Streukreise hatte ich anfangs tatsächlich, allerdings hat sich das Schussbild mit der Zeit zusehends verschlechtert, sodass ich diesem Umstand erstmal auf den Grund gehen musste…

Das hat mich leider geschlagene 6 Wochen auf Trab gehalten und während ich diese Zeilen hier schreibe, drängt sich mir der Gedanke auf, dass ich es auch erheblich leichter hätte haben können. Ich musste mal wieder mein eigenes Süppchen kochen und habe mich bei der Wahl des Pulvers an den Hersteller Lovex geklammert, mit dem ich für meine Savage 10 BA und meine Hera Arms The 15th bereits sehr gute Ergebnisse erzielen konnte. Letztlich braucht man nur in diversen Foren nachzulesen, welche Ladedaten andere Sportschützen so veröffentlichen und Lovex ist da nicht so häufig vertreten, das S065 schonmal gar nicht.

Achtung, für die Richtigkeit der Ladedaten im Verlauf dieses Artikels wird keine Garantie   übernommen! Wiederlader handeln auf eigenes Risiko!

Ausgangssituation

Stolz wie Oskar habe ich mit meiner ersten oder zweiten Laborierung sogar eine Vereinsmeisterschaft der DSU mit ca. 20 Teilnehmern gewonnen, die Wettkampfentfernung betrug 100m. Vom Ergebnis habe ich leider kein Bild gemacht, allerdings kann das nachfolgende Bild stellvertretend einen Eindruck der damaligen Präzision vermitteln:

Ladedaten Schwedenmauser 01

Mein Schwedenmauser M/63 hat übrigens einen 27″ langen Lauf von Schulz und Larsen. Die damalige Laborierung war folgende:

  • Hülse: Lapua Match, Kailber 6,5×55 Swedish Mauser
  • Zündhütchen: Federal Ammunition FA 210
  • Pulver: LOVEX S065
  • Menge: 40,0 gr.
  • Geschoss: Nosler  HPBT Custom Competition, 140gr.
  • OAL: 79,3mm
  • Crimp: keiner

Der Ausreißer unterhalb der Gruppe hat mich damals noch nicht stutzig gemacht, das sollte sich aber bald ändern. Mit der Zeit hat sich das Schussbild derart verschlechtert, dass ich mir ernsthaft Sorgen gemacht habe, ob es nicht vielleicht an dem neu entwickelten Schaft liegen könnte. Hinweisen von Kollegen, dass die Systemschrauben vielleicht zu stark angezogen sein könnten, bin ich ebenfalls nachgegangen – so entstanden diverse Schussgruppen auch mit unterschiedlichen Anzugsmomenten der Systemschrauben. Gleichermaßen habe ich mir Gedanken darüber gemacht, dass der Lauf im originalen Schwedenmauser ja nicht freischwingend ist. So habe ich zusätzlich versucht, die Laufschwingung mittles untergelegter Klötzchen zu beeinflussen.

Und so sahen die Schussbilder mit allen erdenklichen veränderbaren Parametern aus, allesamt nicht zufrieden stellend:

Ladedaten Schwedenmauser 02
Ladedaten Schwedenmauser 03
Ladedaten Schwedenmauser 04

Neues Pulver

Wie gesagt, ich habe mich viel zu lange daran festgehalten, den Schwedenmauser mit S065 von Lovex wieder auf Präzision zu bringen, dabei gibt es eine Vielzahl von Empfehlungen mit den langsameren Pulvern N150 und N160. Bei Rückblickender Betrachtung ist das natürlich logisch: Wird ein rasantes Pulver verwendet, wird der Lauf beim Abbrennen gleich zu Beginn des Projektildurchlaufs heftig erschüttert. Das Projektil verlässt dann die Mündung, wenn der Lauf u.U. noch maximal in Bewegung ist. Das für den Sportschützen eher unbrauchbare Resultat ist oben ersichtlich.

Durch die Verwendung des eher langsamen N150 oder sogar N160 ergibt sich eine Beschleunigung des Projektils, die über einen vergleichsweise längeren Zeitraum erfolgt und somit weniger Erschütterungen/Schwingungen im Lauf erzeugt. Die nachfolgenden Bilder zeigen Schussgruppen mit verschiedenen Laborierungen und Setztiefen. Ich hoffe, die Schrift ist einigermaßen leserlich, ich musste mich für die Kennzeichnung weit aus dem Stand hinaus lehnen. Allen Laborierungen gemeinsam ist übrigens die Hülse Lapua Match 6,5×55, das Zündhütchen FA 210M und das neu gewählte Geschoss Lapua Scenar HPBT 139 gr.

Mein vorläufiges Fazit:

Bis auf zwei Schussbilder (Nr. 1 ohne Kennzeichnung und Nr.3) haben alle Laborierungen mit N150 immer noch einen Ausreißer. Jetzt sind Nr. 1 und 3 aber auch genau jene Schussgruppen mit nur vier Einschüssen, statt fünf. Ich lass´ mich von diesen kleinen Streukreisen aber erstmal nicht beindrucken, denn die Tendenz zum Ausreißer ist ja an den anderen Schussgruppen ersichtlich. Das noch langsamere Pulver N160 hat bei den Schussbildern Nr. 6, 7 und 8 zwar um wenige Millimeter größere Streukreise, aber insgesamt die geringere Streuung und für mich somit mehr Verlässlichkeit. Dies ändert sich erst mit den Schussbildern Nr. 9 und 10 (letzteres ohne Kennzeichnung) wenn zwei Grain mehr Pulver in der Hülse geladen sind. Vielleicht ist damit also wieder eine Schwelle überschritten und das langsamere Pulver verliert seinen Vorteil, weil der Abbrand aufgrund der Menge wieder ähnlich heftig wie beim N150 ausfällt. Das Schussbild Nr. 7´ist übrigens durch Nachsetzen von zwei Schüssen entstanden, deren Patronen versehentlich kürzer ausgefallen sind. Die Tatsache, dass das Gewehr auch mit sehr warmem/heißem Lauf noch gute Streukreise wie bei Schussbild Nr. 7 produziert, war sehr beruhigend.

Ich werde die Laborierung mit 38,0 gr. N160 und den Setztiefen 76,5mm und 78,0mm weiter verwenden und versuchen, diese bei bestmöglicher Präzision durch leichte Veränderungen in der Pulvermenge und/oder der Gesamtlänge auf Geschwindigkeit zu trimmen. Schließlich will ich die Munition auch auf langen Distanzen bis max. 1200m noch verwenden. Sobald hierzu Ergebnisse vorliegen, folgt ein zweiter Teil.

Hier geht es zum zweiten Teil der Serie Ladedaten Schwedenmauser…

Kompensator für Benelli M4

Die Benelli M4 in desert camo besitze ich bereits seit ca. 2 Jahren, einen Beitrag über diese halbautomatische Schrotflinte hatte ich bereits früher verfasst, er kann hier nochmals nachgelesen werden. Meine M4 wurde vergleichsweise wenig geschossen  – es dürften mittlerweile so ca. 1000 Schuss durchgegangen sein und ich hatte nebenbei bemerkt erst eine einzige Zuführstörung. Meine dafür bevorzugte Munition ist der Slug von Brenneke mit der Bezeichnung KO CleanSpeed Plus im Kaliber 12/67,5 – die Waffe läuft damit einfach tadellos. Die etwas kürzeren und im Rückstoss leicht geminderten KO CleanSpeed Short im Kaliber 12/60 wurden aber ebenfalls ohne Probleme von der Waffe verschossen, der Selbstladevorgang unterlag dabei keiner Störung. Die Aussage muss aber in Relation zu den lediglich knapp 15 Schuss CleanSpeed Short gesehen werden, die damit bisher abgefeuert wurden.

Benelli hat seit meinem Kauf der M4 in desert camo noch eine Reihe anderer Modelle in verschiedenen Farbvarianten auf den Markt gebracht. Wer seine Flinte also nicht im klassischen matt-schwarz haben möchte, bekommt sie aktuell z.B. auch in einem schönen bronzefarbenen Ton oder in der Version „H20“ in einer titangrauen Beschichtung. Jene in desert camo ist meines Wissens nach in Deutschland leider nicht mehr lieferbar, selbst wenn so mancher Online-Shop sie noch im Programm haben sollte. Die klassische schwarze Flinte ist natürlich nach wie vor auch erhältlich.

Diese Flinte habe ich in letzter Zeit wieder öfter mit auf die Range genommen und festgestellt, dass sie bisher kaum modifiziert wurde – das sollte sich ändern, denn mich hat mal wieder die Lust am Erfinden und Ausprobieren gepackt. Mit dem darauf  montierten Reflexvisier EOTech 512 war ich schon länger nicht mehr zufrieden und so flog es kurzerhand runter, aber das nur am Rande. Die Erfahrung, die ich mit dem Design und Bau des Kompensator für den Schwedenmauser gesammelt habe, hat mich darin bestärkt, dass ich mich auch mal an einem MFD für eine Flinte versuchen könnte.  Die nachfolgend zu sehende Variante ist dabei entstanden und sie fällt mit einer Gesamtlänge von 85mm standesgemäß groß – wenn nicht gar protzig – aus. Entlüftungskanäle nach oben hin sind reichlich vorhanden und es ist mir sogar gelungen, mit dem Farbton „hellbronze“ eine Farbvariante zu erhalten, die einigermaßen zu den restlichen Farbtönen der Flinte passt. Eine schwarze Variante durfte dabei natürlich nicht fehlen.

 

Kompensator Benelli M4 brown_11Kompensator Benelli M4 black_10

 

 

 

Einen einzigen kleinen Haken hat die Montage des MFDs: Um ihn zu montieren, muss die Schraubkappe des Röhrenmagazins auf ca. 6mm Länge um ca. 1,5mm abgefeilt werden. Ich war bereit, diese kleine Nacharbeit zu machen und siehe da, die Schraubkappe ist aus Kunststoff! Es hat also mit 2-3x probieren keine 10 Minuten gedauert, diese Arbeit zu erledigen (ich habe die 1,5mm auf einer Länge von ca. 10mm abgefeilt, das war gar nicht notwendig). Zuvor musste die Kappe nur festgezogen und auf Ihrer „12-Uhr-Position“ gekennzeichnet werden. Schon jetzt ist von der Nacharbeit so gut wie nichts zu sehen (unter der Beschichtung ist der Kunststoff schwarz) und wer eine schwarze Benelli M4 sein eigen nennt, der kommt sogar noch besser weg, weil schwarz auf schwarz nun mal nicht auffällt.

 

Kompensator Benelli M4_13

 

Und so ging es dann auf die Range, um den Kompensator zu testen. Luft anhalten beim ersten Schuss und – alles gut gegangen! Insgesamt wurden ca. 70 Testschüsse abgegeben. Ich hatte den Eindruck, als ob es durch den Kompensator eine Treffpunktverlagerung nach oben gab, die sich ab ca. 20m Entfernung auf der Scheibe bemerkbar gemacht hat. Falls dem tatsächlich so ist, erlaubt die Visierung ja wieder eine Korrektur dieses Umstands, das werde ich beim nächsten Mal noch einmal genauer untersuchen. Der Rückstoss der Flinte ist ja jetzt nicht gerade sanft und schnelle Serien zur Untersuchung, ob man dabei die Waffe stabiler im Anschlag halten kann, habe ich erst mal nicht geschossen. Ein Schützenkollege, der ebenfalls eine Benelli M4 besitzt, hat diesen Teil der Erprobung übernommen und war so zufrieden, dass er noch auf dem Schiessstand ein Exemplar bei mir bestellt hat.

Dazu ist ein kurzes Video entstanden:

 

 

 

Der auf der Flinte montierte Kompensator ist übrigens in einem Braunton gehalten. In schwarz eloxiert ergibt sich ein perfektes samtig mattes schwarz, das auf den oberen Bildern (immer ohne Flinte) zu sehen ist. Bei Bildern mit Schattenbildung wurde mit Blitz fotografiert, das ist bei den nachfolgenden Bildern durchweg der Fall.

 

 

Benelli bietet für die M4 ebenfalls einen Kompensator an, den ich leihweise auch mal an meiner Flinte hatte. Er wird zusammen mit einem Choke-Adapter geliefert, bei dessen Montage dann außerhalb des Flintenlaufs ein Gewindeüberstand von ca. 15mm entsteht, auf den dann der eigentliche Kompensator geschraubt wird. Dieser ist zylindrisch und sieht ebenfalls sehr gut aus. Sein Manko ist meiner Meinung nach aber, dass er rundherum Bohrungen besitzt, die die Gase in alle Richtungen – also auch nach unten – gleichmäßig ablenken. Wer im Physikunterricht nur einigermaßen aufgepasst hat, wird gleich erkennen, dass sich durch diesen gleichmäßigen Impuls in alle Richtungen das Hochschlagen der Waffe aber gar nicht mindern lässt. Von diesem Punkt aus betrachtet ist der Kompensator von Benelli – mit einem Kaufpreis von ca. 200 Euro – leider weniger zu empfehlen. Allerdings besitzt dieser zur Längsachse winklig angeordnete Bohrungskanäle. Durch diese Anordnung kann dann zumindest wieder der Rückstoß gemindert werden.

Hier ist der Link zur Homepage von Benelli, auf der man den Kompensator (auf der Webseite unten links) findet.

https://www.benelli.it/en/products/semiautomatic-shotguns/m4/m4-telescopic-stock

 

Berichte zu weitere Kompensatoren finden sich hier:

Benelli M3

Beretta 1301 Tactical

Remington 870

Eigenbau Mündungsbremse

Mündungsfeuerdämpfer Schwedenmauser 01

Zu Beginn der Arbeiten am „Projekt Schwedenmauser“ stand ja das Ausschäften und Vermessen des Systems für die Konstruktionsarbeiten im Vordergrund. In diesem Zuge sind natürlich auch gleich alle nicht benötigten Anbauteile vom Gewehr demontiert worden und zum Vorschein kam eine Nacharbeit an der Laufmündung (der Durchmesser wurde leicht abgedreht) zur Aufnahme eines Kornträgers. Die Arbeit war ordentlich gemacht, allerdings offenbarte sich eine metallisch blanke Stelle, die nachträglich leider auch nicht mehr brüniert wurde.

Schwedenmauser M63_13

Schön anzusehen war das jetzt nicht unbedingt und so habe ich mir das zum Anlass genommen, mich auch mal an der Konstruktion einer Mündungsbremse zu versuchen. Diese Arbeit möchte ich hiermit nun vorstellen und Anregungen für eigene Varianten geben. Meine Gedanken und Entscheidungen zur Wahl von Werkstoff und Geometrien will ich hier teilen, wobei ich betonen muss, dass meine Kenntnisse der Außenballistik oder gar Aerodynamik Basiswissen sind. Ich habe ebenfalls keine Lektüre gehabt, die diese Thematik näher beschrieben hat, wohl aber einige Mündungsbremsen als Anschauungsmaterial von anderen Gewehren.

 

Klemmen oder Anschrauben?

Tja, die Wahl fiel wirklich leicht: Als Sportschütze ohne Bearbeitungserlaubnis von Schusswaffen kommt es leider nicht in Frage, an der Laufmündung ein Gewinde nachzuschneiden – selbst wenn die Möglichkeit besteht. Und so musste eben ein Teil zum Klemmen konstruiert werden.

 

Werkstoff

Der erste Blick galt meiner Savage 10 BA. Dieses Gewehr hat ja ab Werk bereits eine Mündungsbremse, von der ich mal annehmen darf, dass sie von Leuten konstruiert wurde, die das häufiger machen als z.B. ich. Was liegt da also näher, als sich da gleich etwas abzuschauen? Das Teil an der Savage 10 BA ist eindeutig aus Stahl, unschwer zu erkennen. Das Abkupfern hab ich dann aber eher für die Geometrie beherzigt, denn beim Werkstoff wollte ich dem ohnehin schon langen Lauf meines Schwedenmausers nicht noch mehr Masse zumuten. So habe ich mich für 7075 Aluminium entschieden. Zu Beginne hatte ich Sorgen, dass die Pulvergase das Material mit der Zeit abtragen, es werden ja immer noch kleinste Partikel beim Schuss mit herausgeschleudert. Nach ca. 1200 Schuss die mittlerweile durch sind, ist davon aber keine Spur zu erkennen.

 

Symmetrie

Auch wenn ich das als Basiswissen voraussetze, sei es hier der Ordnung halber nochmal erwähnt: Wenn der Kompensator dem Hochschlagen der Waffe entgegen wirken soll, dann sollten zwei Dinge beachtet werden:

  1. Er sollte zu einer senkrechten Achse sysmmetrisch ausgeführt werden sein, damit die Gase gleichmäßig nach links und rechts abgeführt werden können.
  2. Um dem Hochschlagen entgegen zu wirken, sollte er zu einer waagrechten Achse asymmetrisch sein. Es muss also möglich sein, die Pulvergase nach oben abführen zu können, damit dieser Impuls dem Hochschlagen der Waffe entgegen wirkt, diese also gewissermaßen wieder zu Boden gedrückt wird.

Dabei ist es unerheblich, ob die Symmetrie nach links und rechts nun durch waagrechte Kanäle oder durch schräge (V-förmige) Kanäle erreicht wird. In Summe werden sich die vektoriellen Größen immer gegenseitig aufheben. Um dem Projektil nicht unbeabsichtigt einen Impuls in die eine oder andere Richtung zu verpassen, sollte die Anfertigung mit den entsprechenden Maschinen erfolgen, nur so ist die größtmögliche Genauigkeit/Symmetrie zu erzielen.

Mündungsfeuerdämpfer Schwedenmauser 02

Senkrechte Teilung in Laufrichtung: Symmetrie nach links und rechts

 

Mündungsfeuerdämpfer Schwedenmauser 04

Waagrechte Teilung in Laufrichtung: Keine Symmetrie, die „Kammern“ sind nach oben hin offen

 

Geometrie

Die für mich wichtigste Frage war: Wie groß soll der Bohrungsdurchmesser für das Projektil werden?

Nicht verzagen, Savage fragen: Für das Kaliber .308 Win. ist der Durchmesser des Projektils ja mit 7,62mm bekannt. Der Bohrungsdurchmesser am Kompensator der 10 BA ist mit 9mm vermessen worden. Das macht 1,18 mal den Projektildurchmesser. Übertragen auf das Kaliber 6,5×55 wäre dies ein Bohrungsdurchmesser von 6,5mm*1,18=7,7mm. Da ich vorsichtig war, sind es aber auch hier wieder 9mm geworden. Die Expansion der Pulvergase erfolgt sowieso unweigerlich beim Verlassen der Mündung. Ob der Gasstrahl nun noch einige Millisekunden länger kanalisiert wird oder nicht, war für mich eher nicht so wichtig. Früher oder später erreicht er sowieso die Kammern, durch die er abgeleitet wird.

Wie viele Kammern sind eigentlich notwendig und welchen Winkel sollten diese zueinander haben? Und welche Gesamtlänge sollte gewählt werden? Hier sind andere eigene Gewehre oder das Internet recht hilfreich. Suchbegriff eingeben und mal schauen, was andere so machen. Zu lange Mündungsbremsen sehen irgendwann lächerlich aus. Mal ganz zu schweigen davon, dass der Fertigungsaufwand für eine zentrische Bohrung immer höher wird und eine Kollision mit dem Projektil unbedingt vermieden werden sollte. Auch ich habe mich an bestehenden Konstruktionen orientiert und Gesamtlänge, Kammeranzahl und Kammerwinkel abgeschaut. Die nachfolgende Zeichnung ist dabei heraus gekommen:

MFD_V4

Ich habe dabei eine Klemmnabe mit nur einseitiger Verschraubung gewählt. Der Fertigungsaufwand dürfte hier etwas höher sein als bei einem einzigen waagrechten Schlitz mit beidseitiger Klemmung links und rechts. Bei der abgedrehten Länge an meinem Lauf des Schwedenmausers war es ein Experiment, ob diese Klemmlänge ausreicht, dem entstehenden Gasdruck zu widerstehen. Glücklicherweise habe ich alles richtig gemacht, der Kompensator sitzt seit jeher bombenfest auf dem Lauf, verdreht sich nicht und wandert auch nicht nach vorne. Maßgeblich dafür ist aber auch die Wahl des Durchmessers der Klemmnabe mit seiner Toleranz. Für gewöhnlich wähle ich +0,2mm im Durchmesser als Nennmass mit +0,05mm als Toleranz (Gemessener Laufdurchmesser 15,4mm ergibt Nennmass 15,6mm mit +0,05mm Toleranz).

Achtung bei der Wahl der Klemmschraube: Da ich diese Schraube richtig fest anziehe, empfehle ich eine Mindestfestigkeit von 8.8, herkömmliche Schrauben aus Edelstahl kommen für mich somit nicht mehr in Frage, da sie zu weich sind.

 

Mein Fazit:

Im Einsatz hat sich der Kompensator bisher sehr gut bewährt. Dabei bin ich schon schnell zufrieden zu stellen: Er ist mir bisher schlichtweg noch nicht um die Ohren geflogen! Das Kaliber 6,5×55 Schwede ist für seinen recht gutmütigen Rückstoss bekannt, ein Kompensator ist bei einem solchen Kaliber ehrlich gesagt nicht wirklich notwendig. Aber Experimentierfreude und der Wunsch nach etwas mehr martialischem Aussehen standen hier im Vordergrund und allein deshalb war es schon ein Erfolg. In technischer Hinsicht befinden sich die Schmauchspuren genau an den Stellen, an denen ich sie erwartet habe, denn ich hatte ja bereits einen Kompensator aus Serienproduktion als Vorlage und Anschauungsmaterial. Verglichen mit diesem findet die Ableitung der Pulvergase also tatsächlich so statt, wie es gewünscht war. Bei genauem Hinsehen, ist das auf den Bildern sogar zu erkennen.

Mündungsfeuerdämpfer Schwedenmauser 03