Benelli M4 Super 90, desert

Benelli M4 Super 90 desert 1

Eine schicke Flinte war so ziemlich das Letzte auf meiner Wunschliste, was mir noch fehlte. Ausprobieren durfte ich diverse Modelle von Remington und Benelli auf dem Sicherheitslehrgang des BMDP, wobei sich für mich wieder mal bestätigt hat, dass ich mit herkömmlichen Schäften und Griffen nicht zu recht komme, es musste also wieder etwas mit Pistolengriff her. Meine Wahl fiel auf die M4 Super 90 von Benelli, sie sieht in schwarz mit ihrem Teleskopschaft schon richtig klasse aus, aber ich war (oder bin) halt immer noch auf so ´nem Individualtrip und musste sie deshalb unbedingt in der Farbe desert haben. In dieser Variante ist sie jedoch nur mit einem Festschaft erhältlich – schade! Dachte ich damals, bis mir ein Schützenkollege (mit M4 und Teleskopschaft) versicherte, dass der fest stehende Schaft für dynamische Flintendisziplinen besser geeignet ist, da er für den Nachladezyklus viel handlicher ist. Jetzt ist er nun mal dran und er gefällt mir besser, als zuvor gedacht. Aber so oder so – mit genügend Übung kann man ohnehin jedes Werkzeug meistern!

Zusammenbau, Wartung und Pflege

Die Flinte kam in Einzelteilen und musste erst mal zusammengesetzt werden, war unkomplizierter als gedacht: Verschlussbaugruppe in das Schaftgehäuse einführen, Nachladehebel in die Verschlussbaugruppe einstecken und Verschluss nach hinten ziehen, bis dieser arretiert. Den Lauf mit seinem Führungsring auf das Röhrenmagazin auffädeln und nach unten zur Schaftbaugruppe schieben. Kurz vor dem Einrasten des Laufs werden die Halbschalen für den Handschutz noch eingesetzt und mit dem Lauf ganz nach unten geschoben, bis alles einrastet. Danach wird auf das Röhrenmagazin der Abschlussstopfen aufgeschraubt – er fungiert als Klemmmutter für die Laufbaugruppe, Choke reinschrauben und der Spass kann losgehen!

Die Demontage funktioniert in umgekehrter Reihenfolge, nur eines gibt es bei der Entnahme des Verschlusses zu beachten: Verschluss mit dem Fanghebel ganz nach hinten ziehen, bis er einrastet und der Abzug gespannt wird. Jetzt die Abzugssicherung und danach den Verschlussfangknopf betätigen, der Verschluss fährt jetzt wieder nach vorne. Den Verschlusshebel durch leichtes Drehen und gleichzeitiges Ziehen entfernen und dann die Verschlussbaugruppe nach vorne aus der Schaftbaugruppe entnehmen. Der Verschluss selbst ist leicht zu demontieren.

Die Reinigung erfolgt bei mir durch einen Putzstock mit Messingbürste, wobei ich einen kleinen Stoffrest auf die Messingbürste wickle, diesen öle und dann nur einmalig durchschiebe. Nach 5- bis 6-facher Prozedur ist der Lauf dann wieder spiegelblank, sogar nach 100 abgeschossenen Slugs.

Ansonsten öle ich noch alle Bauteile die irgendwelche Führungs- oder Gleiteigenschaften besitzen, dazu benutze ich FP-10 von Shooters Choice. Einzig die Gasgestänge beidseitig des Laufs sollten nicht geölt werden, das steht auch extra in der Bedienungsanleitung. Die Flinte scheint mir wegen ihrer einfachen Bauart nicht sonderlich anspruchsvoll zu sein, sie muss also sicherlich nicht so intensiv geputzt werden, wie eine Büchse.

 

Erste Eindrücke

Mein erster Eindruck von der Flinte war durchweg positiv, insbesondere hat mich der weiche und saubere Mechanismus´ des Drehkopfverschlusses beeindruckt, er läuft sehr sauber ohne zu hakeln mit kaum Reibungswiderstand. Die Verschlussbaugruppe selbst läuft ebenfalls gut geführt im Schaftgehäuse. Die Patronenkammer ist entweder verchromt oder vernickelt, der Lauf ist auf jeden Fall verchromt – was will man mehr?

Mit im Lieferumfang enthalten sind übrigens ein Universalchoke und der zugehörige Schlüssel, sowie ein kleines Fläschchen Öl (ich finde es zu dünnflüssig und nutze es jetzt zum Reinigen). Die Ghost-Ring-Visierung ist gewöhnungsbedürftig, weil die Visierlinie sehr lang ist, ich habe mit ihr aber schon gute Erfolge erzielen können. Für die Montage von Zieloptiken befindet sich auf 12 Uhr an der Waffe eine Picatinny-Schiene von ca. 150mm länge.

Es gibt bisher nur einige wenige Punkte, die mir an der M4 nicht gefallen: Das sind hier und da etwas unsauber lackierte Stellen, an denen es aussieht, als ob nicht genug Farbe aufgetragen wurde (rund um den Kornträger und an der Laufmündung z.B.). Auch der schwarze Griff passt meiner Meinung nach nicht ganz ins Bild der Tarnlackierung, deshalb habe ich ihn auch mit auf sich selbst haftendem Tarnband von ASMC umwickelt. Ich habe das Zeug vorher noch nicht benutzt und es zuerst komplett unterschätzt. Für eine gute optische Abdeckung benötigt man eine doppelte Lage, das Tarnband lässt sich nach dem Andrücken auch mit größter Reibkraft durch die Hand nicht mehr ablösen oder verrutschen! Schade finde ich auch die im Vergleich zur schwarzen M4 Super 90 begrenzte Magazinkapazität. Dies kommt dadurch, dass die Waffe in 3-Farben-desert auch in einer CQB-Variante mit nur 37cm kurzem Lauf zu haben ist und in der hier zu sehenden „langen“ Variante mit 47cm langem Lauf trotzdem noch irgendwie die Möglichkeit zur Klemmung des selben gewährleistet sein muss. Daher auch die Dummy-Magazinverlängerung in Tarnfarbe. Als letztes wäre der Preis noch erwähnenswert: Mit bis zu 2200 Euro ist die Flinte kein Schnäppchen, bekommt man doch für die Hälfte oder sogar weniger auch schon brauchbare Flinten.

 

Im Einsatz

Im Vergleich zu meinem AR-15 von Hera Arms ist die M4 schön leicht (ok, im Vergleich zu meinem AR ist alles leicht…). Verschlusshebel und Sicherungsknopf lassen sich gut bedienen, bzw. sind sehr leicht erreichbar. Was mich besonders beim Nachladen freut, ist der nicht zu stark gefederte Ladelöffel. Dieser ist zudem so ausgeführt, dass er keine scharfen Kanten besitzt. Mit einem Ladelöffel hatte ich wegen seiner starken Feder beim Sicherheitslehrgang bereits zu kämpfen, kann mich aber nicht mehr an das Modell erinnern, bei dem das der Fall war. Nach 20-25 Schuss in Folge wird der Lauf auch schon merklich heiss, das merkt man genau dann recht schnell, wenn man die Flinte bei dynamischen Disziplinen zum Nachladen umdreht – hier kann ein Handschuh aber leicht für Abhilfe sorgen. Das Nachladen an sich geht gut, weil die Magazinfeder nicht allzu lang ausfällt und sie daher nicht so stark komprimiert wird – logisch bei weniger Magazinkapazität. Für das schnelle Nachladen in den Anfängen kann ich übrigens einen Besuch in Tierfachmärkten empfehlen: Ich habe mir hierzu einen „Leckerlibeutel“ der Marke „Hunter“ gekauft. Der Beutel fasst ca. 30 Slugs und lässt sich mit seinem breiten und sehr stabilen Metallclip leicht und sicher in den Gürtel einhängen oder mit seinen ebenfalls vorhandenen beiden Gürtelschlaufen bei Bedarf noch sicherer auf den Gürtel auffädeln. Die Kordel zum Verschließen benötigt man jetzt nicht gerade, aber unschlagbar ist der verstärkte Rand des Beutels der verhindert, dass er wieder zufällt und man umständlich nach den Patronen graben muss.

Wer dynamische Disziplinen mit der M4 schießen will, punktet mit zunehmender Erfahrung auch eher durch Schnelligkeit beim Nachladen, als durch perfekte Trefferlage. Deshalb wird der Leckerlibeutel anfangs auch eher eine Übergangslösung sein und später wahrscheinlich einem IPSC-Gürtel oder einer entsprechenden Weste weichen. Mit 12-15 Euro Investition für den Beutel ist das auch zu verschmerzen.

Ein kurzer Hinweis noch zur Visierung: Benutzt man die Ghost-Ring-Visierung, so liegt die Wange des Schützen in einer bequemen Haltung an der Schaftbacke an. Bei Verwendung eines Reflexvisiers ist das nicht mehr der Fall, zumindest nicht beim EOTech 512: Die Wange des Schützen liegt frei, unbequem wird´s dadurch aber nicht.

 

Munition und Schussbild (1)

Bisher sind knapp 170 Schuss Brenneke KO Slugs (28,4 gr.) im Kaliber 12/67,5 ohne jegliche Ladehemmung abgeschossen worden. Mit dieser Munition kann man das Röhrenmagazin mit 5 Patronen füllen, eine Patrone liegt natürlich zusätzlich im Patronenlager. Der Rückstoss ist bisweilen heftig und war bisher nur wenige Male schmerzhaft – lag vielleicht aber auch an einer schlechten Haltung von mir. Das folgende Schussbild ergab sich bei aufgelegter Waffe auf eine Distanz von 50m mit einem EOTech 512. Der kaliberbereinigte Streukreis beträgt 92mm. Der Reinigungsaufwand war nach 100 Schuss übrigens bemerkenswert gering!

Benelli M4 Super 90 desert Schussbild 1

 

Munition und Schussbild (2)

Hier ist noch ein Schussbild mit 5 Schuss Brenneke Slugs aus einer Entfernung von 15m mit offener Visierung und stehendem Anschlag (linke obere Ecke auf der Scheibe). Diesen Streukreis habe ich nicht vermessen, schätze ihn kaliberbereinigt aber auf ca. 45mm.

Benelli M4 Super 90 desert Schussbild 2

 

Munition und Schussbild (3)

Ich wollte jedenfalls wissen, ob´s auf einer Distanz von 50m noch besser geht und habe eine Packung Slugs von Geco gekauft, natürlich mit gleichem Geschossgewicht von 28,4 gr. und dem Kaliber 12/67,5. Das Ergebnis auf 50m war schlechter als zuvor mit der Munition von Brenneke. (1. Bild). Also habe ich das Ergebnis anschließend nochmal mit Slugs von Brenneke verifizieren wollen – mit noch schlechterem Ergebnis! (2.Bild).

 

Hm, da liefere ich auf jeden Fall noch was nach, das kann so nicht stehen bleiben!

NACHTRAG:

Die Streukreise sind glücklicherweise wieder so eng wie am Anfang, es hat mich aber einiges an Munition gekostet, herauszufinden, dass die Waffe sehr empfindlich ist, wenn man sie lediglich auflegt und nicht weiter festhält. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass der Rückstoss so gross ist, dass die Flinte einfach hochschlägt, wenn Sie nur am Pistolengriff umfasst wird. Die besten Sterukreise erhalte ich, wenn die Waffe klassisch noch am Vorderschaft gehalten wird – so, wie es eigentlich sein soll. Die M4 einhändig abzufeuern bedarf übrigens einiges an Kraft um die Waffe im Ziel zu halten.

Zubehör

Künftig wird noch ein Mündungsfeuerdämpfer von Benelli an die Flinte montiert. Diesen habe ich bisher in zwei verschiedenen Ausführungen gesehen: Zum Aufschrauben mit einem Choke-Adapter und zum Klemmen an den Lauf. Letzterer erschien mir etwas klobig, des halb habe ich die Variante zum Aufschrauben bestellt. Der MFD kommt in schwarz und wird wahrscheinlich noch in entsprechender Farbe lackiert.

NACHTRAG:

Vor dem Kauf konnte ich den MFD eines Kollegen entleihen und einige Wochen testen. Das Teil sieht richtig geil an der Flinte aus, bringt aber leider gar nichts! Der Rückstoss verändert sich überhaupt nicht, wer das Teil für über 200 Euro kaufen will, sollte wissen, dass es rein kosmetischer Natur ist…

Für mein übrig gebliebenes EOTech 512 habe ich nun endlich auch wieder eine Verwendung gefunden. Ich habe es nach der Lackierung in FDE kurzerhand nochmal mit Textilklebeband von ASMC beklebt. Für einen wirklich festen Sitz empfehle ich die Verwendung der Klemmschraube mit Innensechskant und nicht die Rändelschraube.

Der Spassfaktor darf natürlich auch nicht zu kurz kommen, deshalb habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, auch an diese Waffe eine Kamerahalterung zu montieren. Nach einigem Stöbern habe ich von der Firma Seben den Picatinny-Adapter RSM03 für zöllige Rohre gefunden, der sich mit leichter Nacharbeit perfekt am Magazinrohr festklemmen lässt. Dazu ist einseitig nur etwas Material bis knapp an die Schraubenköpfe abzuschleifen oder abzufeilen. Anschließend lässt sich die bereits vorgestellte Kamerahalterung für Picatinny-Schienen problemlos daran montieren. Herausgekommen ist ein Selfie-Stick der besonderen Art:

 

Am meisten Spass hat das nachfolgende Video mit nach vorn gerichteter Kamera gemacht. Beschossen wurde das erste Ziel von links aus 40m Entfernung, dann das zweite von links aus 20m und schließlich eine Tontaube an der zweiten Latte von rechts und drei weitere im Sandbunker gemeinsam auf 10m. Man beachte die Scheibe der Seilzuganlage ab 1:33.

 

Wer für dynamische Disziplinen gerne das Nachladen trainieren möchte, findet hier eine kurze Anleitung zur Herstellung von Pufferpatronen im Kaliber 12.

3 Kommentare zu „Benelli M4 Super 90, desert

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