Christensen Arms CR-10

Christensen Arms CR-10 01

 

Vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit, ein AR-10 (Kaliber .308 Win.) von Christensen Arms schießen zu dürfen. Laut Besitzer ist es in Deutschland recht selten zu finden, weil die Herstellerfirma kaum Exemplare hierher ausliefert. Ich hab´ die Gelegenheit daher gleich genutzt und noch einige Bilder gemacht. Dazu habe ich noch einen Artikel aus dem DWJ erhalten, der jeweils AR-10 und AR-15 aus dem Hause Christensen Arms beschreibt (dort CR-10 und CR-15 genannt). Ich wollte mich daher in diesem Beitrag kurz halten und hier das entsprechende PDF zur Verfügung stellen, DWJ hat mir aber leider keine Freigabe zur Veröffentlichung deren Artikel erteilt und daran halte ich mich lieber. Wer sich für den DWJ-Artikel interessiert, findet ihn in der Ausgabe 05/2015.

 

Zu einigen wenigen Punkten will ich aber doch noch etwas schreiben: Das AR-10 ist dank seiner Karbonteile bemerkenswert leicht, der Rückstoss ist aber vergleichsweise härter als z.B. bei meiner Savage 10 BA. Das rührt wohl daher, dass dem System weniger Masse als Dämpfung zur Verfügung steht, der Mündungsfeuerdämpfer (übrigens aus Titan) kann das nicht komplett kompensieren. Dass die Karbonteile eine Gewichtsersparnis bringen, liegt auf der Hand. Der Lauf ist hingegen – laut Aussage des Besitzers – nur mit Karbon ummantelt, weil dieser dadurch eine gute Wärmeabfuhr erfahren soll. Das AR kommt ab Werk schon mit einem Matchabzug, an dem es absolut nichts auszusetzen gibt: Er ist leichtgängig ohne Kratzen und Haken bis zum Druckpunkt und bricht sauber nach Überwinden des Abzugsgewichts. Letzteres ist mir leider nicht bekannt, ich schätze es aber im Bereich um die 1600 g. ein. Jedenfalls gibt es keinerlei Notwendigkeit, hieran noch etwas zu ändern.

Sehr erwähnenswert ist noch die auf den Bildern zu sehende  Zieloptik, es handelt sich dabei um ein Vortex Razor HD Gen. II 1-6×24. Mir persönlich sind solche schwächer vergrößernden Optiken einfach zu wenig, aber neben dem wirklich guten Bild hat mich besonders die Tatsache beeindruckt, dass das Aluminiumgehäuse am Objektiv sehr dünn ausgefallen ist. Schaut man hier durch das ZF, dann ist die Möglichkeit, das Gefechtsfeld weiter zu beobachten nahezu hervorragend!!! Ich hatte tatsächlich den Eindruck, durch eine Art Monokel zu blicken – die Aluminiumfassung der Austrittslinse wurde fast nicht wahrgenommen, so dünn ist sie. Am Glas selbst gibt es dazu noch einen (optional montierbaren) Klemmring mit einer abstehenden Nocke, die eine bequeme Verstellung der Vergrößerung mit nur einem Finger ermöglicht.

Nach der ersten Gelegenheit, das CR-10 auf 50m zu schießen, ergab sich für mich einige Wochen später eine weitere, es auch auf Distanzen von 100m und 300m zu schießen. Hierfür hat der Besitzer das Vortex Razor HD Gen. II 1-6×24 gegen ein Vortex Razor HD Gen. II 4,5-27×56 getauscht, man gönnt sich ja sonst nichts…

Für diese Distanzen war das für mein Empfinden eine gute Entscheidung. Die Güte der Zieloptik war und ist einfach sehr gut und das Absehen war angenehm, weil nur wenig vom Sichtfeld verdeckt wurde und nicht zu viel Informationsflut darin enthalten war. Zum Einschießen des ZFs wurden vorsorglich nochmal alle Schrauben angezogen, hierbei ist mir dann aber aufgefallen, dass man das bei einer Picatinny-Rail aus Karbon schon mit Bedacht tun muss!

Gekauft wurde das CR-10 bei Arms 24 zu einem Preis von 4000 Euro (ohne Zubehör).

 

 

Hera Arms The 15th SRB 16,75″

Hera Arms The 15th SRB 03

 

Mein AR-15 mit 18“-Upper von Hera Arms hat mir bisher treue Dienste geleistet, sehr gute Schussgrupen auf 100m, gute Schussgruppen auf 300m geliefert und darüber hinaus in der bisherigen Konfiguration auch noch reproduzierbar Treffer auf Schussweiten bis einschließlich 700m ermöglicht. Aber ein wenig Abwechslung kann ja bekanntlich nicht schaden und wegen der durchweg positiven Erfahrungen, die ich bisher mit meinem AR-15 von Hera Arms gemacht habe, wurde nun noch ein zusätzliches Upper bei diesem Hersteller geordert. Ausschlag gebend war das hohe Gewicht des 18“-Uppers mit Bull-Barrel, das im knienden und stehenden Anschlag nicht leicht zu beherrschen war. So sollte es diesmal eine wahre Leichtversion werden, die später vielleicht sogar für dynamische Disziplinen herhalten sollte.

Neue Konfiguration

Die eine oder andere Hürde auf dem Weg zum neuen Upper galt es aber noch zu nehmen: Da war zum einen die Auswahl des Laufes, Hera hat ja deren viele im Programm. Die kurzen Läufe sind ja hierzulande den Jägern vorbehalten, einen längeren in 18“ habe ich bereits selbst und noch längere Varianten wären am Ziel – auf Fertigkeit zu trainieren oder dynamisch zu schießen – wieder vorbei geschossen. 16,75“ also: Diesmal war ich konsequent und habe das leichteste verfügbare Laufprofil gewählt, den SPB Gen.1. Passend dazu wollte ich einen Mündungsfeuerdämpfer, damit die Standnachbarn auch gleich was davon haben, die Wahl fiel auf den Hera CC. Leichtbau wurde bei der Wahl des Handschutzes auch wieder beherzigt und so sollte es der IRS-Keymod-Vorderschaft sein. Bei der Auswahl dessen Länge hat mich Hera Arms direkt beraten und mir mitgeteilt, dass der 12“-Handschutz gerade noch den Gasblock abdecken wird. Da ich mich nicht damit anfreunden konnte, dass dieser i.V.m. einem 9“-Handschutz (dann keine Keymod-Version mehr) noch vorne heraus schauen würde, legte ich die Länge dann auf 12“ fest. Am Ende der telefonischen Beratung war klar, dass ich mit den gewählten Komponenten das Upper des SRB´s mit einstellbarem Gasblock getroffen habe – die Hera Artikelnummer wurde notiert und mein Waffenhändler Spartac umgehend wegen einer Bestellung informiert.

Hera bietet das SRB auf seinen Katalogseiten übrigens so an:

Hera Arms Katalog 2016 SRB

 

Die Antwort meines Händlers war aber etwas ernüchternd: Die gewünschte Farbe FDE wird von Hera Arms nur noch für Komplettsysteme angeboten! In schwarz wäre die Konfiguration somit kein Problem gewesen. Na toll! Das Projekt habe ich schon platzen sehen – was will ich zum Teufel mit einem schwarzen Upper auf einem Lower in FDE? Und nochmal ´ne Komplettwaffe beantragen? Nee, kein Bock auf den Papierkrieg…

Mir hat´s jedenfalls keine Ruhe gelassen und so habe ich nochmals persönlich bei der Waffenschmiede angerufen. Während Hera Arms mir gegenüber die Verkaufsstrategie aber nochmal bekräftigte, hat sich am Ende des Gesprächs dann doch heraus gestellt, dass noch genau ein 12“ IRS-Keymod-Vorderschaft und noch genau ein HUS-Gehäuse in FDE auf Lager sind – Schwein gehabt, genau die Teile, die ich brauche!!! Die Firma hat sich schließlich bereit erklärt, für mich das Lager zu räumen und so bin ich wohl an das letzte einzelne Upper in der Farbe FDE gekommen. Die vorausgesagte Lieferzeit von ca. 20 Wochen hat zwar nochmal etwas weh getan, aber immerhin ging es weiter, wie ich es mir vorgestellt habe.

Die Wartezeit wurde genutzt, um für das noch vorhandene Zielfernrohr UTG SWAT 3-12×44 etwas höhere Montageringe (22mm) zu besorgen und diese zu lackieren. 8 Wochen später dann die erfreuliche Nachricht: Die Lieferung zum Händler wurde angekündigt und einige Tage später hatte ich dann das neue Upper zu hause. Das Gewicht war deutlich geringer als das des bisherigen Uppers, eine wahre Freude!

Die Komponenten meines Uppers sind:

  • HUS-Gehäuse in FDE
  • 12“ IRS Keymod-Vorderschaft in FDE
  • 16,75“-Lauf, Typ SPB Gen. I
  • Mündungsfeuerdämpfer Hera CC
  • Duralloy Bolt Carrier Group
  • VLTOR BMC Gunfighter Ladehebel „Large“
  • 2 Sets Montageschienen für IRS-Keymod-Vorderschaft in FDE

Preis für die obige Konfiguration inkl. Versand: 1740 Euro – aktuelle Preise sind bitte bei Spartac anzufragen!

Weiteres Zubehör:

Einstellen des AGS-Gasblocks

Nach der Montage des alten ZFs ging es dann sogleich auf den Schießstand, um den Lauf glatt zu schießen und den stufenlos regulierbaren AGS-Gasblock einzustellen. Ein solcher Gasblock hat den Vorteil, dass der Schütze die Menge des rückgeführten Gases auf den Verschlussträger auf ein notwendiges Minimum herunter regulieren kann. Nicht nur bei Wiederladern kann die Waffe so optimal auf die Patrone abgestimmt werden.

 

Hera Arms The 15th SRB AGS Gasblock

 

Für das Einstellen geht man folgendermaßen vor: In der Stirnseite des AGS-Gasblocks befindet sich im oberen Bereich parallel zum Lauf eine kleine Konter-Madenschraube, die mit Hilfe eines 2er Inbusschlüssels komplett herausgedreht wird. Um sie zu finden, schaut ihr von vorne – bestenfalls bei entladenem Gewehr – direkt auf den Gasblock. Dahinter befindet sich koaxial die eigentliche Einstellschraube, für die der gleiche Inbusschlüssel benutzt wird. Das Hineindrehen dieser Einstellschraube bewirkt, dass die Gaszufuhr auf den Verschlussträger gedrosselt wird. Dreht man sie ganz hinein, wird das semi-automatische Nachladen komplett unterbunden. Ab ca. zwei Umdrehungen aus der komplett hinein gedrehten Position heraus, beginnt das System wieder selbsttätig nachzuladen – die Arbeit ist aber keineswegs schon getan: Für die korrekte Einstellung des Gasblocks sollte ein mit stets nur einer Patrone geladenes Magazin zugeführt werden. Die Einstellschraube wird dann nach jedem Schuss mit etwa einer viertel Umdrehung so lange nachjustiert, bis der Verschluss sicher in seiner hintersten Stellung gefangen wird. Hat man diese Einstellung gefunden, sollte die Schraube dann noch einen Ticken weiter gedreht werden, um zu verhindern, dass das System versehentlich grenzwertig eingestellt wird. Anschließend ist die Konter-Madenschraube wieder hinein zu drehen und der Vorgang ist abgeschlossen.

Enges Patronenlager

An dieser Stelle hätte ich gerne das ZF eingeschossen und einige Schussbilder präsentiert, aber ich musste mich noch weiter in Geduld üben. Schuld daran war die Wahl meines Matrizensatzes für meine Mehrstationenpresse XL650 von Dillon. Diesen hätte ich besser in der für Selbstladegewehre empfohlenen Version „Small Base“ gekauft. Eine solche Matrizenversion kalibriert die Hülsen im unteren Toleranzbereich nach SAAMI (weil fast durchweg amerikanische Hersteller), wobei die Schulter etwas zurück gesetzt und deren naher Hülsendurchmesser enger kalibriert wird, damit eine stets einwandfreie Funktion in halbautomatischen Gewehren gewährleistet ist. Das war bei mir und dem neuen Upper leider auffallend oft nicht der Fall und zwar nur in Situationen, in denen der Verschluss mit neuer Patrone wieder nach vorne schnellte. Hier kam es häufig dazu, dass der Verschluss ganz knapp seine vordere Endposition nicht erreichte und eine Schussabgabe dadurch nicht möglich war. Mit Fabrikmunition gab es hingegen überhaupt keine Probleme!

Das war eigentlich ziemlich blauäugig von mir, diesen AR-Matrizensatz nicht zu kaufen aber die mittlerweile knapp 2500 wiedergeladenen Patronen, die problemlos vom 18“-Upper akzeptiert wurden, haben auch nie einen Anlass gegeben, daran etwas zu ändern.

Aufschluss über die Ursache der Fehlladungen lieferte eine mit Edding bemalte Patrone, die nach dem Fehlladen und mühsamen Entladen im 16“-Upper deutliche Kratzspuren im Bereich der Hülsenschulter aufwies. Die Lösung war klar: Der AR-Matrizensatz musste her!

Matrizensatz .223 Rem, Small Base

Vier Tage später hatte ich dann den Matrizensatz, ich habe mich für die Artikelnummer 11107 von RCBS entschieden. Dieser Satz besteht aus einer Vollkalibriermatrize mit Ausstosser für Zündhütchen und einer dazu passenden Tapercrimp-Matrize mit integriertem Geschosssetzer. Letztere hab´ ich in der Kombi so noch nicht gesehen – geil! Fertig geladene Patronen haben aber trotzdem noch für Zuführstörungen gesorgt und ein manuelles Entladen war ohne Schläge auf die Kolbenplatte immer noch nicht möglich. Was für ´ne Enttäuschung…

Ein Anruf bei Hera Arms hat mir leider auch nicht weiter geholfen, obwohl man sich dort wirklich lange mit mir unterhalten und alle Möglichkeiten ausgelotet hat. Schließlich hätte es noch eine Oberflächengüte des Patronenlagers im oberen Toleranzbereich sein können. Wir sind so verblieben, dass ich einfach mal 100-150 Schuss durchbringe und dann schaue, ob sich das System eingelaufen hat. Falls nicht, würde man – für mich kostenlos – für Transport und Nacharbeit aufkommen. Was will man als Kunde mehr? Ich hab´ mich zumindest sehr gut betreut gefühlt!

Aber es sollte ganz anders kommen. Ich hatte vorher schon mal im Internet gestöbert und eine Sache aufgeschnappt, die mein letzter Strohhalm sein sollte: In einem Forum wurde berichtet, dass es manchmal notwendig ist, den Hülsenhalter nachzuarbeiten, weil die Hülse gar nicht mit der vollen Länge in die Kalibriermatrize eintauchen kann. Mehr als die Matrize im oberen Totpunkt der Presse bis auf den Hülsenhalter zu schrauben, geht ja auch erst mal nicht. Soll die Hülse weiter hinein, so bleibt nur noch die Möglichkeit, den Hülsenhalter an der oberen Fläche abzudrehen. Für Ein-Stationenpressen machbar, für die Dillon XL650 schon etwas aufwändig. Statt also an allen 5 Stationen meiner Hülsenaufnahmeplatte tiefer zu fräsen, wurde stattdessen die untere Fläche der Vollkalibriermatrize um 3/10mm abgedreht. Seitdem werden die Hülsenschultern zuverlässig zurück gesetzt und mit einem Durchmesser von 8,95mm brauchbar kalibriert! Das manuelle Entladen geht seitdem butterweich und Zuführstörungen sind seitdem auch nicht mehr aufgetreten. Kleine Ursache, große Wirkung.

SRB 16,75″

Zurück zur Knarre. Endlich…

Die Komponenten des Lowers habe ich ja im ersten Artikel zur Komplettwaffe eingehend beschrieben. Wesentlicher Unterschied zwischen altem und neuem Upper ist hingegen das Gewicht, das im geänderten Lauf und Vorderschaft begründet ist. Die Gewichtsreduktion vom 18“-Upper mit 4,2 kg (inkl. allen Anbauteilen) zu neuem Upper mit 2,6 kg (inkl. allen Anbauteilen) ist deutlich spürbar und verleiht im knienden und stehenden Anschlag einen großen Vorteil (Gesamtgewicht: 5,5 kg zu 3,9 kg, jeweils ohne Magazin). Den Nachteil der fehlenden Massedämpfung gleicht der stufenlos einstellbare AGS-Gasblock gut aus, den Rückstossimpuls habe ich zu keiner Zeit als unangenehm, geschweige denn größer als beim 18“-Upper empfunden.

Der Kompensator arbeitet übrigens sehr effektiv, Schall- und Gasdruck zu beiden Seiten hin sind nicht unerheblich und an einer Wand stehend auf Dauer sogar unangenehm.

 

 

Nach 136 Schuss ist der Bolt Carrier mit AGS Gasblock wesentlich weniger verdreckt, als ohne:

Hera Arms hat in Sachen gewichtsoptimiertem Lauf zudem ganze Arbeit geleistet und erfreut den Käufer mit der Aussicht auf solche Schussbilder:

Geschossen wurden diese 10-Schuss-Gruppen auf eine Distanz von 100m sitzend aufgelegt mit Sandsack am Hinterschaft und Zielfernrohr SWAT Compact 3-12×44 von UTG. Die Ladedaten wurden für das neue Upper nicht verändert:

Achtung, es wird keine Garantie für die Richtigkeit der Ladedaten übernommen !

Wiederlader handeln auf eigenes Risiko !

  • Hülse: Lapua Match, Kailber .223 Rem
  • Zündhütchen: Federal Ammunition FA 205
  • Pulver: LOVEX S060
  • Menge: 23,5 gr.
  • Geschoss: Hornady #2267, 55gr.
  • OAL: 56,6mm
  • Crimp: Taper-Crimp, ca. 1mm ab Hülsenmund

 

 

 

Neue Ladedaten .308 Win. (200gr. HPBT)

Savage 10 BA 8

Rechtzeitig vor meinem nächsten Longrange-Shooting-Event habe ich es noch zum Händler meines Vertrauens geschafft und einige Komponenten für eine 200gr.-Laborierung im Kaliber .308 Win. gekauft, deren Entstehung ich kurz vorstellen möchte. Da es demnächst auf dem Truppenübungsplatz gilt, mit meiner Savage 10 BA endlich die 1000m-Marke zu knacken, wollte ich ein schwereres Geschoss als bisher verwenden, um die Empfindlichkeit gegenüber Seitenwind zu verringern. Dem Wind entsprechend – wie bisher – einfach weiter vorhalten geht natürlich auch, allerdings bedingt Seitenwind auch eine Höhenstreuung der Geschosse und ich hoffe so einfach schneller meine Klickwerte für die Drop-Chart ermitteln zu können.

Ausgesucht habe ich mir für die neue Patrone das Sierra-Matchgeschoss #2230, 200gr.  HPBT. Das von mir bevorzugte Pulver ist ja bekanntlich Lovex S060, die Ladedaten vom Hersteller (Explosia) wurden also erst mal zu Rate gezogen. Anschließend bin ich von der Ladeempfehlung etwas abgewichen und habe mit Hilfe eines Schützenkollegen und seiner Software „Quickload“ verschiedene Ladungen berechnet, diese sind:

Achtung, es wird keine Garantie für die Richtigkeit der Ladedaten übernommen!

Wiederlader handeln auf eigenes Risiko!

1.

  • Hülse: Hornady Match, Kailber .308 Win
  • Zündhütchen: Federal Ammunition FA 210
  • Pulver: LOVEX S060
  • Menge: 36,0 gr.
  • Geschoss: Sierra Matchking  HPBT #2230, 200gr.
  • OAL: 70,0mm
  • Crimp: keiner
  • V0: 708 m/s (berechnet)
  • Pmax: 3400 bar (berechnet)
  • Ladevolumen ca. 90%

 

2.

  • Hülse: Hornady Match, Kailber .308 Win
  • Zündhütchen: Federal Ammunition FA 210
  • Pulver: LOVEX S060
  • Menge: 36,5 gr.
  • Geschoss: Sierra Matchking  HPBT #2230, 200gr.
  • OAL: 70,0mm
  • Crimp: keiner
  • V0: 716 m/s (berechnet)
  • Pmax: 3534 bar (berechnet)

3.

  • Hülse: Hornady Match, Kailber .308 Win
  • Zündhütchen: Federal Ammunition FA 210
  • Pulver: LOVEX S060
  • Menge: 37,0 gr.
  • Geschoss: Sierra Matchking  HPBT #2230, 200gr.
  • OAL: 70,0mm
  • Crimp: keiner
  • V0: 724 m/s (berechnet)
  • Pmax: 3669 bar (berechnet)

Ich empfehle, eine Pulvermenge von 38,5 gr. (V0 748 m/s, Pmax 4105 bar) nicht zu überschreiten.

Zum Vergleich meine Standardlaborierung:

  • Hülse: Lapua Match, Kailber .308 Win
  • Zündhütchen: Federal Ammunition FA 210
  • Pulver: LOVEX S060
  • Menge: 39,3 gr.
  • Geschoss: Sierra Matchking  HPBT #2200, 168gr.
  • OAL: 71,7mm
  • Crimp: keiner
  • V0: 772 m/s (berechnet)
  • Pmax: 3219 bar (berechnet)

 

Die Schiessbahn war in diesem Fall eine Indoor-Halle, geschossen wurden jeweils 5er-Gruppen sitzend aufgelegt auf eine Entfernung von 100m mit Zweibein und Sandsack am Hinterschaft. Hilfreich beim Auswerten war dabei eine Durchmesser-Schablone aus Studienzeiten, ein Messschieber tut es aber auch, diesen sollte eigentlich jeder Wiederlader haben.

.308 Win. 200gr. BTHP 10

Erwähnenswert wäre noch, dass die Schussgruppen unabhängig von der Laborierung mit der Zeit enger geworden sind, ich bin wohl etwas zur Ruhe gekommen. Glücklicherweise habe ich mit zunehmender Pulvermenge zunächst immer nur auf das linke Schusspflaster angehalten. Im zweiten Durchgang war dann jeweils das rechte dran und man kann bei jeder einzelnen Pulvermenge eine Verbesserung erkennen – ansonsten wäre die 36,0-Grain-Laborierung wohl gleich wegen der anfänglichen Aufregung rausgefallen. Da ich noch keine Klickwerte für 100m und 200gr.-Geschosse hatte, liegen die ersten Schussgruppen auch noch unterhalb des Pflasters.

36,0 Grain

Streukreis 36mm (19mm) und 18mm

 

36,5 Grain

Streukreis 27mm und 17mm

 

37,0 Grain

Streukreis 22mm und 19mm

 

Meine Wahl fiel schließlich auf die Laborierung mit 37,0 Grain Pulver. Im Vergleich zur Laborierung mit 36,5 Grain (und dem engsten Streukreis) hat sie zwar einen etwas größeren Streukreis, diesem Umstand messe ich jetzt aber nicht allzu viel Bedeutung bei. Ausschlag gebend für die Wahl war ein gleich guter Streukreis bei höherer Mündungsgeschwindigkeit. Künftig wird diese Laborierung dann auch wieder in eine Hülse von Lapua geladen. In einem anderen Beitrag hatte ich bereits erwähnt, dass meine 168gr.-Standardlaborierung bei 1200m wieder die Schallgrenze erreicht. Da das 200gr.-Geschoss die Mündung im Vergleich schon mit weniger Geschwindigkeit verlässt, wird sich noch zeigen, ob die verringerte Seitenwindempfindlichkeit der einzige Vorteil ist und dass Geschoss möglicherweise nur noch schlapp auf 1000m ankommt (oder vielleicht gar nicht). Ich werde noch berichten, wie sich die Patrone auf lange Distanzen bewährt hat.

 

Nachtrag:

Mittlerweile bin ich vom Truppenübungsplatz zurück und kann sagen, dass die 168-Grain-Laborierung gerade so für Distanzen bis 1000m ausreicht. Sicherlich würde das Geschoss noch weiter fliegen, aber ab dieser Distanz ist der sog. „Bullet-Trace“ leider nur noch schlecht zu erkennen. Das bedeutet aber im Umkehrschluss auch, dass das Geschoss bei dieser Entfernung scheinbar in den Unterschallbereich kommt. Die theoretisch berechneten Werte sagen das zwar erst für eine Distanz von 1200m voraus aber ok, sie sind halt eben doch nur berechnet.

Nur auf den ersten Blick ist es überraschend, dass die 200-Grain-Laborierung aber bis zu einer Entfernung von 740m mithalten kann und zuverlässige Klickwerte für´s ZF liefert. Bei Betrachtung der obigen Ladedaten sieht man aber, dass die 168-Grain-Laborierung nicht gerade stark geladen ist und dadurch ihre Grenze für wiederholgenaue Entfernungen selbst setzt. Rückblickend betrachtet bot der Einsatz der schweren Geschosse keinen merklichen Vorteil, was die Empfindlichkeit gegen Seitenwind angeht. Ich werde sie aus diesem Grund für das Long-Range-Schießen verwerfen.

Wer sich für die aktuelle Drop-Chart interessiert, findet sie im Bereich Downloads.

Paintjob Zielfernrohr

Tac Vector Optics Paintjob 01

Da die meisten Zielfernrohre in der Farbe schwarz hergestellt werden, ist es bei außergewöhnlichen Waffenfarben manchmal stimmig, wenn das ZF dann zum Erscheinungsbild des Gewehrs passt. Aus diesem Grund beschreibe ich hier meine Arbeitsschritte zum Lackieren des bereits vorgestellten Zielfernrohrs Tac Vector Optics 3-18×50. Wie zuvor erwähnt, findet sich das Glas eher im unteren Preissegment wieder, bei hochpreisigen Zieloptiken habe dann auch ich so viel Ehrfurcht, dass eine Lackierung besser unterlassen wird. Es würde den Wiederverkaufswert zudem natürlich verringern, insbesondere, wenn etwas schiefgeht.

Alternativ wäre es aber auch möglich, eine Zieloptik zunächst mit Gewebeband (erhältlich z.B. bei ASMC) abzukleben und erst dann zu Lackieren. Das ist nicht gerade weniger Aufwand, denn man muss das gesamte Objekt bekleben, nicht nur an den Stellen, an denen man nicht lackieren möchte. Aber vielleicht gibt einem diese „zweite Haut“ ja die Sicherheit, sich auch mal am Lackieren einer Optik zu versuchen. Ich jedenfalls habe die Erfahrung gemacht, dass der von mir benutzte Wasser-basierende Lack problemlos wieder mit Spiritus abgewaschen werden kann. Andere, aggressivere Flüssigkeiten würde ich nicht nehmen, weil ich Angst hätte, dass sie die Oberflächen der Linsen angreifen könnten.

Für das Abkleben des ZFs sollten ca. 2 Stunden Arbeit eingeplant werden, als Arbeitswerkzeuge empfehle ich folgende Materialien:

  • Elektrisches Isolierband (es saugt sich nicht mit Farbe voll und ist gut lösbar)
  • Panzerband (für´s Grobe)
  • Neue und unbenutzte Klinge vom Teppichmesser
  • De-Make-up-Pads und / oder Patches
  • Wattestäbchen und Spiritus (zum Reinigen, falls etwas schief geht)
  • Halterung oder Aufhängung jedweder Art für das ZF
  • Gummihandschuh(e)

 

Zuerst sollte man sich überlegen, auf welche Skalen oder Markierungen man am Glas ggf. verzichten kann und auf welche nicht. Möglicherweise sind bestimmte Teile ja auch demontierbar, in diesem Fall waren es die drei Verstelltürme. Da sie sowieso am meisten beansprucht werden, würde hier die Farbe am ehesten leiden, zudem finde ich einige schwarze Akzente an der Zieloptik angebracht – aus diesen Gründen bleiben sie unlackiert. Vor der Demontage sollte man – wenn nötig – gewisse Türme in eine Rastposition bringen, damit sie später wieder korrekt montiert werden können. Das war in meinem Fall nur für den Parallaxeturm notwendig, die beiden anderen Türme kann man sowieso nullen und die darunter liegende Graduierung sollte ohnehin nicht lackiert werden. Überlackierte Punktmarkierungen werden nach dem Paintjob einfach mit einem feinen wasserbeständigen Filzschreiber wieder „nachgezeichnet“.

Mit dem Okular geht es los, zwischen der Dioptrienverstellung und dem Okulartubus wollte ich keine Farbe haben und am Verstellring der Dioptrien hätte wegen des Gummis auch sowieso keine Farbe gehalten. Mit einem Streifen Isolierband, welcher der Länge nach nochmal halbiert wurde, kann man dann ringförmig abkleben (wer mehrere Rollen Isolierband zuhause hat, sollte sich jetzt schon mal  eine zur Seite legen, mit der später dann das Objektiv versiegelt wird).

Der Streifen Isolierband muss dabei nicht sauber halbiert werden. Die gerade Kante wird in Richtung Gummiring geklebt und ergibt einen sauberen Abschluss, die geschnittene Kante ragt einfach unter den Okulartubus. In den Spalt wird nie einer genauer hinein schauen und außerdem wird die schmale stirnseitige Kante des Okulartubus´ mitlackiert – die sieht man hingegen sofort.

Auf das Okularglas habe ich dann Reinigungspatches gelegt und mit Panzerband gut zugeklebt. Die Patches verhindern, dass Klebstoff vom Panzerband am Glas haftet, Farbe sollte hier auch nicht mehr durchdringen können.

Weiter geht es mit den Verstelltürmen: Nach der Demontage kamen darunter die gefetteten Lagerungen zum Vorschein. Hier habe ich am Sockel dann vorsichtig mit Wattestäbchen und Spiritus das Fett entfernt, damit dort das Isolierband einigermaßen haften kann (die Graduierungen sollten nicht mit lackiert werden, damit man noch zuverlässig Nullpunkt und Klickverstellung ablesen kann). Das war wegen mangelnder Haftung zuerst ein bischen problematisch, hat letztendlich dann aber doch noch geklappt.

Vom Objektiv habe ich erst mal den Gewindering abgeschraubt und ihn am Gewinde mit Panzerband abgeklebt. Das breite Band habe ich dann fächerförmig eingeschnitten, damit ich es auf eine stabile Unterlage kleben kann.

 

Tac Vector Optics Paintjob 12
?

Für den nächste Schritt habe ich mir die größte Rolle Isolierband, Panzerband und ein 45er Reinigungspatch zurecht gelegt, es kam dann aber doch etwas anders: Der Durchmesser des Objektivs war etwas größer als die Rolle Isolierband und mangels Malerkrepp, das ich darum wickeln wollte (zur Vergrößerung des Durchmessers, die Rolle Isolierband war zu klein), ist es dann doch selbstklebendes Filzband geworden. Das 45er-Patch noch auf die Rolle zu kleben, war mir auch zu kompliziert, so ist es ein De-Make-up-Pad geworden. Dank des dicken Filzrands konnte der Objektivstopfen nun sehr gut abdichten und halten.

Nach dem Einschießen des Glases habe ich es nicht mehr von der Leupold-Montage herunter genommen. Normalerweise arbeite ich etwas genauer, aber ich war mir sicher, die Kombination für meine Waffe nun gefunden zu haben und so erlaube ich mir diese kleine Schummelei, beides gemeinsam zu lackieren. Da man die Muttern und damit auch die Klemmschiene nicht abnehmen kann, habe ich mit Abstandshaltern aus Papier und etwas Panzerband für Abstand und Abdeckung gesorgt. Die Muttern sollen in diesem Fall schwarz bleiben, dies setzt einen schönen Akzent und die Farbe würde beim Anziehen sowieso abgehen.

Die nächsten Bilder zeigen meine improvisierte Lackierkabine und viel wichtiger noch meine Haltevorrichtung für das ZF. Hierzu habe ich folgende Lackierstrategie gewählt: Am Okulartubus erfolgt die Klemmung zum Lackieren, deshalb wir dieser erst im zweiten Schritt lackiert. Für die Klemmung habe ich ihn vollflächig mit Isolierband beklebt, da sich dieses leicht ablösen lässt, ohne Spuren zu hinterlassen. Anschließend ist noch eine Schicht Stoff darum gekommen und damit der Spass auch sicher hält, wurde das alles noch mit einer Lage Panzerband gesichert. Jetzt erst habe ich mich getraut, das ZF vorsichtig in den Schraubstock zu spannen.

Die Lackierung

Beim Lackieren gibt es für mich nur eine goldene Regel: Geduld – und zwar bei jedem Arbeitsschritt! Das fängt schon beim ausreichend langen Schütteln der Spraydose an. Es ist ferner darauf zu achten, dass nicht zu viel Farbe auf einmal aufgetragen wird und dass mehrere Schichten Farbe die Chance erhalten, auch anzutrocknen. Schließlich sollte das lackierte ZF ca. eine Woche in Ruhe trocknen, bevor es wieder zum Einsatz kommt.

 

Nacharbeit:

Die Abklebungen wurden bereits nach drei Tagen entfernt und es hat sich herausgestellt, dass hier und da doch ein wenig Farbe durchgedrungen ist.  Das ZF habe ich daraufhin weitere vier Tage trocknen lassen, bevor ich weitergearbeitet habe. Die überflüssige Farbe wird auf komplizierten aber trotzdem leicht zugänglichen Geometrien wie der Kontermutter einfach mit Spiritus und einem Wattepad abgewaschen. Auf Geometrien wie dem Verstellturm kann auch mit Wattestäbchen gearbeitet werden, hier ist dann aber darauf zu achten, dass selbiges nicht zu sehr in Spiritus getränkt ist, es könnte sonst auf den ZF-Tubus herunterfließen und viel Arbeit zu Nichte machen. Auf einfachen, jedoch schwer zugänglichen Geometrien, wie der Verstellung für die Vergrößerung, habe ich die Farbe einfach vorsichtig mit einer scharfen Klinge abgekratzt. Der Einsatz eines Wattepads oder –stäbchens war mir hier wegen der benachbarten lackierten Flächen zu gefährlich.

 

Und hier ist das Ergebnis:

Das ZF habe ich nach exakt einer Woche wieder auf das Gewehr montiert, beim Hantieren habe ich aber schon gemerkt, dass besser noch eine Woche zum Trocknen vergehen sollte.

Tac Vector Optics Paintjob 23

 

 

Zielfernrohr Tac Vector Optics 3-18×50

Tac Vector Optics 3-18x50 01

In diesem Beitrag wird wiederum ein Zielfernrohr getestet – nur diesmal ist es zur Abwechslung wieder mein eigenes. Bisher war ich mit dem Zielfernrohr 3-12×44 SWAT von UTG recht zufrieden. Dass es im Kaliber .223 Rem. schussfest ist, sollte nach ca. 2000 Schuss mittlerweile auch bewiesen sein. Da ich mir von Hera Arms aber ein neues Upper in 16,75“ Länge bestellt habe, muss nun zwangsläufig auch eine neue Optik her. Die zukünftige  Strategie war also schnell gefunden: Das neue Upper wird leicht und soll es mit (altem) ZF auch bleiben, hiermit soll fortan vorwiegend im Knien und Stehen geschossen werden. Das alte Upper hingegen wird nur noch zum liegenden Schießen verwendet, hierfür sollte ein neues Glas beschafft werden, das jetzt auch etwas größer ausfallen durfte: Das Tac Vector Optics 3-18×50 mit ¼-MOA-Klickverstellung und 30mm-Mittelrohr zu einem Preis von 170 Euro inkl. Versand ist es schließlich geworden.

Schon wieder so´n günstiges Glas wie das von UTG?

Ja!

Mal ein Gedanke nebenbei: Ich beobachte viele Schützen, die neben Ihren recht teuren Waffen bisweilen Zieloptiken kaufen, die der eigentlichen Waffe preislich kaum nachstehen. Wer das Geld übrig hat, kann sich glücklich schätzen. Ob ich es übrig habe, lasse ich an dieser Stelle offen, es würde ohnehin nichts zur Sache beitragen. Aber eines ist für mich sicher: Ich will es einfach nicht ausgeben! Zu einer guten Präzision trägt der Schütze natürlich viel selbst bei, vorausgesetzt, dass seine Waffe leistungsfähig ist und damit eine solide Basis darstellt. Dazu gehört meiner Meinung nach aber vor allem ein hervorragender Lauf und die Tatsache, dass das Zielfernrohr absolut fest auf der Waffe montiert ist. Ob dieses Zielfernrohr nun erst- oder zweitklassig ist, das spielt meiner Ansicht nach keine Rolle. Beurteilt man das ZF nach seinem Preis, würde es eher schlecht wegkommen. Und wenn wir ehrlich sind, tun wir das doch irgendwie auf den ersten Blick, oder? Ist ja auch nicht verwunderlich, wenn wir in einschlägigen Fachzeitschriften stets von den tollsten hochpreisigen Gläsern renommierter Hersteller lesen. Eines wie das, über das ich hier schreibe, würde man in solchen Zeitschriften doch höchstens auf den letzten Inseratsseiten finden. Einen kompletten Artikel wird es der Redaktion wohl eher nicht wert sein.

Und warum kauft der Kerl überhaupt ein solch günstiges Glas? Na, weil ich von meiner Meinung überzeugt bin und weil es mir 170 Euro wert waren, es schließlich auszuprobieren.

Zum ZF habe ich außerdem noch eine Blockmontage von Leupold ergattern können, ironischerweise lag deren damaliger Kaufpreis sogar noch über dem des ZFs von Tac Vector Optics – Tim hat sie mir aber noch für einen guten Preis überlassen …

Erste Eindrücke

Ja, ich war skeptisch beim Auspacken und bin es eine ganze Weile auch geblieben. Äußerlich betrachtet hat das Glas mit seiner Mono-Tube einen robusten Eindruck gemacht, es gab keine mechanischen Bearbeitungsspuren, das Finish der Oberfläche mit Eloxal war tadellos. Die außen aufgedruckten Artikelmerkmale und –bezeichnungen waren hingegen nicht immer sauber aufgedruckt, bei einem Glas höherer Qualität wäre das wahrscheinlich nicht passiert. Beim ersten Durchsehen war ich erfreut über das klare Bild und das sehr fein gehaltene Absehen.

Zubehör

Direkt am Objektiv befindet sich ein schmaler abschraubbarer Ring, an seiner Stelle kann der mitgelieferte Killflash installiert werden. Es sind zwei Flip-Caps mit dabei und zwei Montageringe mit Torx-Werkzeug sowie ein Reinigungstuch liegen ebenfalls bei. Irgendwie ein Rundum-Sorglos-Paket, wie beim Zielfernrohr von UTG.

Montage

Vor dem Einsatz steht natürlich die Montage an, hier entstehen unter Umständen erst mal weitere Kosten: Dass die Montageringe gleich mitgeliefert werden ist klasse, jedoch ist das Glas damit nicht montierbar, wenn die Waffe eine durchgehende und gerade Picatinny-Schiene wie bei meinem AR besitzt. Richtig ärgerlich, wenn man mit seinem neuen Spielzeug gleich loslegen will, denn das Objektiv berührt die Oberseite der Schiene. Hier helfen nur noch Montagen mit einer Höhe von 21-22mm weiter (die beiliegenden haben eine von ca. 15mm). Besitzer eines Repetiergewehrs mit einer teilweisen Picatinny-Schiene, die z.B. auf der Laufhülse montiert ist, sind hingegen besser dran. Durch eine vorhandene Höhendifferenz zwischen Schiene und Laufhülse gibt es hier wieder genügend Platz für das Objektiv. Die Befestigung der Montageringe an der Picatinny-Schiene erfolgt übrigens über Sechskantmuttern – für mich immer ein Garant dafür, dass man das Glas auch wirklich fixiert bekommt, von Rändelmuttern kann ich nur abraten.

Im Einsatz

Die Verstellmöglichkeiten für die Dioptrien am Okular und die Vergrößerung am Tubus waren beide relativ schwergängig. Beide Einstellmöglichkeiten werden dann aber doch eher selten benutzt. Die Höhen- und Seitenverstelltürme auf 12- und 3-Uhr können genullt werden und deren Klickverstellung passt zur Graduierung, die sich auf dem Zylindermantel befindet. D.h., auch nach großer Verstellung rasten die Türme auf einem Teilstrich ein und nicht etwa daneben. Am Rastpunkt besitzen die Höhen- und Seitenverstelltürme allerdings eine gewisse Flexibilität, so kann man sie am Rastpunkt einen wirklich winzigen Bereich in beide Richtungen drehen, bevor sie am nächsten Punkten einrasten.

Der Parallaxeturm auf der 9-Uhr-Position ist hingegen leichtgängig und besitzt Einstellungen für die Distanzen 10, 15, 25, 30, 50, 100 und 300 Yards, sowie unendlich. Das Absehen ist fein gehalten, befindet sich in der zweiten Bildebene (wird also nicht mit vergrößert/verkleinert) und wirkt glücklicherweise nicht Überladen an Informationsflut. Auf 100m konnte ich die Einschüsse im Kaliber .223 Rem. bei 18-facher Vergrößerung noch wirklich sehr gut erkennen, allgemein hat das Glas ein sehr gutes Bild erzeugt. Man darf auch etwas erwarten, wenn der Hersteller/Importeur mit Schott-Gläsern aus Deutschland und einer Lichttransmission von 90% wirbt.

Die nachfolgenden Schussbilder (alle hinten aufgelegt mit Zweibein) zeigen, dass ein Glas auch günstig sein darf:

Das erste Schussbild zeigt 10 Schuss durch mich auf 100m, das zweite ca. 20-25 Schuss durch einen erfahrenen Schützenkollegen auf 100m. Es wurde bei Übergabe nichts am ZF verstellt, die Treffpunktverlagerung ist dem Schützen zuzuschreiben. Das dritte Schussbild (wiederum 10 Schuss) entstand in einer Halle auf einer Distanz von 50m. Hier ist deutlich zu erkennen, dass das Projektil im Bereich von 50-100m noch am Steigen ist.

Vergleich beider Absehen des Tac Vector Optics 3-18×50 (links) und des kürzlich vorgestellten IOR 4-28×50 (rechts). Eine gewisse Ähnlichkeit ist schon da.

Fazit und Vergleich mit dem ZF von UTG

Der Lieferumgang ist groß und im Vergleich zum UTG mit Killflash und Reinigungstuch sogar leicht umfangreicher. Der Umstand mit den Montageringen ist blöd, nach diesem Review weiss man aber zumindest, worauf man achten sollte. Der Verstellbereich der Vergrößerung ist mit 18-fach natürlich größer als mit 12-fach beim UTG, ein direkter Vergleich wäre hier unfair. Auch beim ZF von UTG findet man die erwähnte Flexibilität rund um den Rastpunkt der Klickverstellung, aber beim UTG passt nach einer gewissen Umdrehung die Graduierung leider nicht mehr zum Rastpunkt.

Alles in allem ist das Bild beim Tac Vector Optics zudem aber bedeutend besser: Das Objektiv ist größer und kann dadurch natürlich mehr Licht sammeln, das Mittelrohr ist in beiden Fällen mit 30mm Durchmesser gleich, die Verwendung der Schott-Gläser in Verbindung mit dem filigranen Absehen und der besseren Lichttransmission macht das Tac Vector Optics aber zum klaren Favoriten: Kaufempfehlung!!! Und zwar noch deutlich vor dem UTG!

Kommen wir abschließend noch zu den Nachteilen des ZFs: Hier vermisse ich Klemmringe für die Höhen- und Seitenverstelltürme, jenes von UTG hat welche. Die Flip-Caps haben außerdem einen dermaßen hohen Öffnungswiderstand, dass man sie bei Gebrauch von Okular und Objektiv abziehen würde – sie sind schlichtweg unbrauchbar! Die Verstellung der Vergrößerung ist wegen der Schwergängigkeit etwas umständlich, bestünde die Gefahr einer versehentlichen Verstellung,  könnte man das im Zweifelsfall aber auch wieder positiv auslegen. Auf jeden Fall punktet hier das ZF von UTG mit einer Art Nocke am Verstellring, die die Handhabung vereinfacht – beim Tac Vector Optics sucht man diese vergebens. Zuletzt sei noch bemängelt, dass der Verstellbereich der Dioptrien ruhig auf dem Okular hätte aufgedruckt sein können, ich kenne den Verstellbereich aktuell immer noch nicht. Der günstige Preis muss sich meiner Meinung nach schließlich auch irgendwo wiederfinden, dass tut es möglicherweise bei der Qualitätskontrolle. Bei meinem ersten Glas war leider das Absehen relativ zu den Türmen um einige Grad geneigt montiert. Die Reklamation beim Verkäufer verlief hingegen überraschend einfach: Nach Erhalt meiner Mail wurde sofort (!!!) ein weiteres Glas verschickt, das zwei Tage später inklusive Retourenschein für das erste ZF auch bei mir eintraf – vorbildlicher Kundenservice!

Erhältlich sind die Produkte von Tac Vetcor Optics hierzulande über folgenden Importeur: https://www.profis.shop

Nachtrag Okt. 2018:

Ich habe mir endlich mal neue Schutzkappen von Butler Creek für das ZF gekauft, folgende Artikel passen:

Objektiv: Art. # 30400, Durchmesser 57,2mm

Okular: Art. # M20190, Durchmesser 43,9mm

Nachtrag Okt. 2019:

Sehr schade, aber mir ist das Everest im Juni 2019 auf einem Longrange-Event ohne weiteres Zutun von mir selbst leider kaputt gegangen. Diesmal war es die Parallaxe, die es nicht mehr erlaubt hat, das Sichtfeld scharf zu stellen, bzw. die eine Schärfe-/Unschärfeverstellung im Schuss verursacht hat – nach insgesamt ca. 2000 Schuss im Kaliber .223 Rem. Der Service des Importeurs ist immer noch vorbildlich, ich habe umgehend ein neues ZF erhalten, auf das ich natürlich wiederum 5 Jahre Garantie erhalten habe (zumindest gehe ich davon aus). Aber nachdem ich mittlerweile die vierte Umtauschaktion hinter mir habe (verschiedene Modelle von Tac Vector Optics, hauptsächlich Paragon und Everest) und von zwei Umtauschaktionen von Marvin weiss, kehre ich dieser Marke nun endgültig den Rücken. Die Leistung des ZFs mitsamt seinem Zubehör ist für den Preis wirklich gut, aber die Haltbarkeit lässt zu wünschen übrig und die macht bezüglich Qualität eben auch etwas aus. Meine eingangs vertretene Meinung, dass man auch mit preiswerten Gläsern schießen kann, sei hiermit also revidiert – Asche auf mein Haupt…

Mittlerweile habe ich mir bei Heinz Henke für das 18-Zoll -AR-15 ein neues Sightron S-TAC 4-20×50 mit MOA-2-absehen gekauft.

Neben dem Typ „S-III 8-32×56 Long Range Target“, die ich bereits auf meinem Schweden und meiner Savage 10 BA montiert habe, bleibe ich der Marke auch weiterhin treu, denn sie garantiert wirklich gute Qualität zu annehmbaren Preisen.

Nachtrag Dez. 2020:

Im Dezember 2020 ist nun sogar mein viertes Sightron für mein neues Projekt AG42B dazu gekommen: abermals ein SIII 8-32×56, diesmal aber das Modell Tactical mit MOA-2-Absehen. Eine Verbesserung ist mir gleich aufgefallen: Die „Nullung“ des Turms geschieht jetzt nicht mehr anhand von drei kleinen Madenschrauben ringsum am Verstellturm, sondern durch eine einizige zentrale, zur Turmachse koaxiale Senkschraube. Alukappen gibt es bei diesem Modell für die beiden Türme dann nicht mehr.