AR-15 -Montage auf Dreibein-Stativ

AR-15 Hera Arms Dreibein-Stativ 01

Die Idee, eine Langwaffe auf ein Dreibein-Stativ zu montieren, stammt ursprünglich von Tim. Damals habe ich noch behauptet, dass die Umsetzung schnell zu bewerkstelligen wäre, habe das Projekt dann aber aus den Augen verloren, weil ich keine Notwendigkeit mehr darin gesehen habe. Schließlich schießt eine Langwaffe auch sehr gut von einem Zweibein aus. Ein weiterer Grund die Sache nicht anzugehen, war mein damaliges Dreibein mit einem Wert von unter 20 Euro – das wäre unter der Last einer Langwaffe mit Sicherheit zusammengeklappt! Ein Umdenken ergab sich bei mir erst nach dem Kauf eines massiven Stativs mit zugehörigem Getrieberegler – ab dann fand ich die Idee, auch in anderen Anschlagsarten (auch im Gelände) präzise schießen zu können, doch gleich viel interessanter !

In meinem Fall handelt es sich dabei um das Stativ MT190XPro3 von Manfrotto, sowie den Getrieberegler Junior MA 410 vom gleichen Hersteller mit einer Tragkraft von ca. 5kg (siehe Artikel zum Zeiss Diascope mit Leica CRF 1600-B). Mein AR-15 von Hera Arms liegt noch unterhalb dieses Limits, die Savage 10 BA liegt mit einem Gesamtgewicht von knapp 7,5 kg jedoch schon um einiges darüber. Egal – das muss das Zeug trotzdem abkönnen! Mal abgesehen davon, lässt sich das Stativ von Manfrotto durch die variable Beinstellung auch extrem tief justieren, wodurch ein Schießen im liegenden Anschlag auch wieder möglich sein sollte.

Das Konzept für die Gewehrauflage des AR-15 von Hera Arms stand eigentlich schon, bis mir kurz vor Anfertigung der Teile noch eine wesentliche Vereinfachung der Konstruktion eingefallen ist, mit der man mit nur einem einzigen Kaufteil und dessen Nacharbeit zum Ziel kommt. Ausschlaggebend war die Tatsache, dass mein Handguard ja eigentlich eine Quadrail aufweist und ich anstelle einer Befestigung auf der 3- und 9-Uhr-Schiene ganz einfach die 6-Uhr-Schiene benutzen kann. Doch die Arbeit war nicht umsonst, das alte Konzept wende ich dann einfach bei meiner Savage 10 BA an. Wer keine 6-Uhr-Schiene besitzen sollte, muss also auf den Folgebeitrag warten und dann ggf. Anpassungen vornehmen. Sollten auch keine Schienen auf 3- und 9-Uhr vorhanden sein, dann wird´s vielleicht mal Zeit für einen neuen Schaft…

 

Der Nachbau:

Erste Grundlage muss ein stabiles Dreibein sein, da gibt es viele verschiedene auf dem Markt. Auf meines habe ich einen Getrieberegler geschraubt, weil ursprünglich das Spektiv damit bedient werden sollte. Das heißt in diesem Fall für mich, dass ich mit dem Gewehr im Anschlag nun – zumindest theoretisch – keine Bewegungen mehr ausführen kann. Andererseits sollte ich mit diesem Getrieberegler dann aber das Gewehr ziemlich genau ins Ziel justieren und sogar loslassen können, ohne den Zielpunkt zu verlieren – natürlich auch nur theoretisch, denn hier kommt es auch auf das Spiel im Getrieberegler und dessen Selbsthemmung an. Es wird sich also noch zeigen, ob diese Kombination Sinn macht oder ob ein Fluidkopf vielleicht doch besser geeignet ist.

Aus Gründen der Bequemlichkeit habe ich mir zum Getrieberegler kurzerhand noch eine weitere Schnellwechselplatte gekauft. Vorteil dabei: Je eine Schraube 3/8“-16 UNC und ¼“-20 UNC sind im Lieferumfang enthalten. Zum 3/8“-Gewinde besitze ich zwar den passenden Gewindebohrer, aber da die Schäfte der Schrauben sowieso abgedreht sind, tun es auch herkömmliche Schrauben M5.

Das einzige Kaufteil, das man nun benötigt, ist eine Picatinny-Schiene, genauer gesagt ein Pictinny-Riser. Solche mit einer Erhöhung von 25-30mm haben eine recht massive Basis, die wir uns zu Nutze machen. Zusätzlich hat der Riser eine große Rändelmutter, die sich erstens bequem und zweitens auch noch ohne weiteres Werkzeug festziehen läßt.

Wer genau den gleichen Artikel wie auf den Bildern kaufen möchte, kann diesen z.B. unter folgendem Link bestellen:

Picatinny-Riser

 

Riserlänge:

Die Waffe wird zunächst mal mit dem größten bei Euch verfügbaren Magazin bestückt und so auf das Dreibein aufgelegt, dass ein Magazinwechsel noch möglich ist. Wer auf der 6-Uhr-Schiene keine Anbauteile besitzt, hat Glück gehabt und muss den Riser nicht in der Länge kürzen. Bei mir ist da noch der AFG II von Magpul. Er sitzt so nah am Magazinschacht, dass eine der beiden Riser-Klemmungen auf jeden Fall der Säge zum Opfer fallen wird. Den entsprechenden Querstift habe ich vor dem Zuschnitt einfach schonmal ausgepresst. Jedenfalls sollte man mit aufgelegtem Gewehr schonmal prüfen, ob die Schiene nicht doch gekürzt werden sollte, oder ob eine mittige Lage auf dem Stativkopf markiert werden muss.

Picatinny-Riser 03

 

Riserhöhe:

Die beiden senkrechten Stege, die das obere Picatinny-Profil tragen, müssen nun mitsamt dessen abgeschnitten oder besser abgefräst werden. Bei mir ist das nicht bis auf die Oberfläche der Basis geschehen, weil ich dann wahrscheinlich die seitliche Klemmschiene nicht mehr hätte montieren können (ein kleiner Höhenunterschied muss schon sein). Auf den Bildern blieb eine Steghöhe von ca. 1mm stehen, es sollten aber besser 3-5mm sein.

Picatinny-Riser 04

 

Weitere Modifikation:

Da ich in meinem Fall durch den Wegfall einer Klemmung eine ungenügende Befestigung befürchtet habe, wurde kurzerhand noch ein weiteres Durchgangsloch in den Riser gefräst (wegen fehlendem Material auf der Unterseite wird nicht gebohrt, der Bohrer würde verlaufen). Der lose Querstift wird einfach wieder in das neue Loch eingepresst. Damit eine Passgenauigkeit mit der Quadrail wieder gewährleistet ist, kann das gemäss Spezifikation nur im Abstand von Vielfachen von 10mm geschehen (siehe auch „Picatinny-Schiene“ bei Wikipedia). Hierzu habe ich mit einem Höhenreißer die X- und Y-Koordinaten des ersten Stifts ermittelt, die Bohrung/Fräsung für den zweiten Stift entstand dann in einem Abstand von 50mm. Mit einem Bohrungsdurchmesser von 6,0mm und einem Kopfdurchmesser des Stiftes von 6,1mm war die Klemmkraft aber leider nicht ausreichend. Beim Festschrauben hat sich der Stift glatt selbst durch die Bohrung gezogen! Hier bin ich dann mal kurz ins Schwitzen gekommen…

Picatinny-Riser 05

Die Lösung des Problems sah folgendermaßen aus: Der Kopf des Stiftes muss durch kräftige Hammerschläge so deformiert werden, dass sich im oberen Bereich an der Kante der Außendurchmesser vergrößert. Zur Sicherheit habe ich noch mehrere kräftige Körnungen in der Kopfmitte platziert, rückwirkend betrachtet hat das aber keinen Effekt gehabt. Der Stift muss während dieser groben Arbeiten abgestützt werden, damit er nicht verbiegt! Ich habe dazu einfach beide Muttern aufgefädelt und auf dieses Konstrukt geschlagen.

Picatinny-Riser 06

 

Anschließend habe ich das Klemmprofil des Risers im Bereich der neuen Bohrung mit Durchschlag und Hammer auch noch deformiert. Das muss vorsichtig geschehen, denn das Profil soll ja anschließend noch ans Gewehr passen. Der Stift liess sich nach dieser Spezialbehandlung dann nur noch mit einem Hammer einschlagen – Ziel erreicht!

Gewindebohrungen:

Der Riser sollte nun an der Unterseite der Waffe angeklemmt und mit der abgefrästen Fläche auf die Schnellwechselplatte aufgelegt werden. Abhängig von deren Befestigungsmöglichkeiten könnt Ihr nun die Gewindebohrungen im Riser festlegen. Damit sich die Konstruktion während des Einsatzes nicht verdrehen kann, empfehle ich, mindestens zwei Gewinde zu schneiden. Bei mir sind es zwei Gewinde M5.

Der provisorische Zusammenbau hat ergeben, dass zum bequemen Anziehen der Risermuttern doch noch etwas Platz fehlt, weil sie die Schnellwechselplatte berühren. Ich habe aus diesem Grund eine schmale Aluplatte (t=5mm) untergelegt. Wer die Stege des Risers nicht so stark abfräst (wie erwähnt, besser 3-5mm stehen lassen), benötigt diese Platte nicht. Es hat sich hier auch schon gezeigt, dass der Getriebekopf Spiel aufweist und man das Gewehr doch noch ein klein wenig justieren kann, wenn man es im Anschlag hat. Fluch oder Segen, das wird sich noch herausstellen…

Hat man alles beisammen, sollten alle Teile nochmal lackiert werden, bevor der Zusammenbau mit der Schnellwechselplatte stattfindet.

Im Einsatz:

Auf dem Schiessstand werde ich zwei Arten des Schießens ausprobieren. Zuerst wird das System auf einen Zielpunkt ausgerichtet und dann sich selbst überlassen. Der Abzug wird betätigt, ohne dass der Schütze das Gewehr im Anschlag hat. Was dabei herauskommt, wird die „Eigenpräzision“ des Dreibeins sein. Ich hab da auch keine allzu großen Erwartungen…

Auf der 100m-Bahn habe ich alles aufgebaut und ein Magazin mit 10 Schuss geladen. Nach dem ersten Schuss habe ich die Idee, dass AR ohne Anschlag zu schießen auch schon wieder aufgegeben: Das mündungsnahe Bein des Stativs hat durch den Rückstoss ein wenig abgehoben und danach war das Ziel natürlich nicht mehr im Fadenkreuz – obwohl die Waffe im Schwerpunkt gelagert ist! Für die restlichen neun Schüsse habe ich das AR dann in den Anschlag genommen, mit der anderen Hand das Stativ stabilisiert und zügig geschossen (ca. 30 Sekunden). Das entstandene Schussbild der 1+9 Schüsse seht Ihr hier:

AR-15 Hera Arms Dreibein-Stativ 11

 

Mir ging es vorrangig darum, die Handhabbarkeit des Systems zu testen. Wer sich Zeit nimmt, bekommt mit Sicherheit die gleichen engen Streukreise hin, wie sie im ersten und auch im zweiten Artikel zum AR zu sehen sind. Durch das bereits oben erwähnte Spiel im Getriebekopf konnte ich im Anschlag auf eine Distanz von 100m übrigens noch jedes Ziel auf der Kurzwaffenscheibe anvisieren.

Ich hab mich nochmal auf die Schießbahn begeben und auf 50m nachfolgendes Schussbild geschossen. Diesmal habe ich mir für die 10 Schüsse auch Zeit gelassen.

 

AR-15 Hera Arms Dreibein-Stativ 24

 

Mein Fazit:

Die Konstruktion ist durchaus brauchbar, sie ist in der hier beschriebenen Zusammenstellung aber nur für das Schießen auf statische Ziele geeignet. Wer flexibler sein möchte, sollte für die Umsetzung besser einen Fluidkopf auf dem Stativ verwenden.

Die Vorrichtung wird wohl eher für Schützen interessant sein, die sich auch im Gelände bewegen/platzieren, wie z.B. Jäger. Da ich keiner bin, schlägt meine Stunde dann auf dem Truppenübungsplatz.

Sitzender/Kniender Anschlag

Liegender Anschlag:

Stehender Anschlag:

AR-15 Hera Arms Dreibein-Stativ 25

 

Eigenbau Setzstempel für Matrizensatz 9mm Luger, Dillon XL650

Dillon XL 650 Setzstempel 9mm

Als ich mit dem Wiederladen anfing, habe ich meine XL 650 zusammen mit allem Zubehör für das Wiederladen von Patronen im Kaliber 9mm Luger geordert. Für viele Sportschützen ist das eine Patrone, für die sich das Wiederladen zeitlich und finanziell nicht lohnt, aber dass muss jeder für sich entscheiden.

Den obigen Setzstempel habe ich jedenfalls anfertigen lassen, weil ich beim Setzen von Hollow-Point-Geschossen unzufrieden mit der sich ergebenden Ausrichtung und der nicht konstanten Setztiefe war. Es handelte sich dabei um HP-Geschosse von H&N, ob es bei anderen Fabrikaten ähnlich ist, habe ich bisher nicht ausprobiert.

Das Problem war, dass sich die Spitze des HP-Geschosses weder mit der einen Seite des Dillon-Setzstempels für Rundkopf-Geschosse, noch mit jener mit flachem Boden richtig zentrieren liess, da letztere mittig eine Bohrung aufweist und sich dadurch zu wenig Auflagefläche für das HP-Geschoss ergab.

Der Setzstempel nach nachfolgender Zeichnung hat diese mittig liegende Bohrung jedenfalls nicht und war somit die Lösung meines Problems.

 

Seating Die 9x19mm SWC

 

 

Vielleicht kann Euch die Zeichnung noch dazu dienen, weitere Setzstempel zu entwickeln oder anzupassen.

 

 

Hera Arms The 15th, Teil 2

Nachdem ich mein AR-15 von Hera Arms nun schon ca. 10 Monate besitze, möchte ich mit diesem Artikel einfach mal ein kurzes Update geben. Schließlich besteht an Teil 1 des Artikels zum Review immer noch reges Interesse.

Hera Arms The 15th 2.1

Mittlerweile wurden aus dem Halbautomaten 1522 Schuss abgefeuert und ich habe mir beim letzten Training vorgenommen, die Präzision der Waffe mal zu überprüfen. Klar, dass sowas immer auch von der Tagesform und kontinuierlichem Training abhängt – aber seht selbst.

Das nachfolgende Schussbild von 10 Schüssen entstand wie zuvor auch im sitzenden Anschlag auf 100m mit Zweibein, Sandsack am Hinterschaft, sowie dem vergleichsweise günstigen ZF 3-12×44 Compact von UTG. Diesmal war allerdings der Matchabzug Hiperfire 24C eingebaut. Bei der Munition handelt es sich immer noch um die gleichen Ladedaten wie in Teil 1 mit 55gr.-Geschossen.

Schussbild Hera Arms 100m 2.1

Bei der Scheibe handelt es sich übrigens wieder um eine BDS-Kurzwaffenscheibe, mit einem Durchmesser der Mouche von 25mm und einem Durchmesser der „10“ von 50mm. Betrachtet man die 7 Einschüsse im linken Bereich, liegen diese sehr eng zusammen, an der 5er-Gruppe links unten gibt es schon mal gar nichts zu meckern. Tja, und dann gibt es da noch die drei Einschüsse auf der rechten Seite… Die gehen ganz klar auf mein Konto, scheinbar habe ich es nicht geschafft, zehn Mal immer wieder gleich durch das ZF zu schauen. Zeit zum Schießen hatte ich ja eigentlich genug. Jedenfalls gibt es aufgrund des Schussbildes für mich keinen Grund zur Besorgnis und so bin ich zur 300m-Bahn gegangen.

 

Hier habe ich zur Munition mit 68gr.-Geschossen (abermals die alten Ladedaten wie im ersten Artikel) gewechselt und folgendes Ergebnis im liegenden Anschlag auf einer Distanz von 300m geschossen:

Schussbild Hera Arms 300m 2.2

Die Mouche besitzt bei dieser elektronischen Anlage einen Durchmesser von 50mm und die „10“ einen von 100mm. Das Schussbild finde ich sogar besser, als im ersten Teil des Artikels.

 

Über eine Schwachstelle am Gewehr möchte ich noch berichten: Zum Reinigen entferne ich nur den hinteren Pin, klappe das Gewehr etwas zusammen und lasse es dann auf Zweibein und Hinterschaft stehen. Der Staubschutzdeckel klappt beim Herausnehmen des Verschlusses allerdings etwas mehr als 180° nach unten, was dazu führt, dass beim Schließen von Upper und Lower der Staubschutzdeckel im Weg ist. Ist man also unvorsichtig, fliegt der Deckel kurzerhand weg, weil dessen Kunststoffpin abschert. So bei mir geschehen. Den Pin gibt es leider nur in Kombination mit einem neuen Deckel. Wenn ich mich recht erinnere, sind dafür 15 Euro fällig – ärgerlich. Ich habe mir mit einem neuen Pin aus Edelstahl ausgeholfen, zur Installation muss aber der Handguard abgenommen werden. Mit den drei Klemmschrauben und den beiden Madenschrauben kein wirklich großer Akt. Probleme gab es aber beim Einschieben des Edelstahlpins, weil Stahl ja wesentlich unflexibler als Kunststoff ist. Im Falle eines Schadens rate ich also eher zum Kauf des Originalteils, das spart zumindest mal Nerven. Vorsorglich könnte man außen am Gewehr oder dem Staubschutzdeckel auch einen Abstandshalter (Filz, Kunststofflinse für Schranktüren etc.) anbringen.

Hera Arms The 15th Pin

Nachfolgend noch einige aktuelle Bilder der Waffe, jetzt auch mit Hiperfire 24C und Magpul BAD Lever.

Long Range Shooting: Vorbereitungen

Long Range Shooting - Vorbereitungen 10

Nächste Woche ist es wieder soweit: Besuch eines Long Range-Events und Schießen auf Distanzen jenseits von 1000m! Bei der Zusage zum Event bin ich wegen der Jahreszeit eigentlich von „Artic Warfare“ ausgegangen, aber bei der derzeitigen Wetterlage sieht es so aus, als ob der Kelch nochmal an mir vorüber geht. Trotzdem will ich vorbereitet sein und nehme ein paar Dinge mit, die ich hier vorstellen möchte.

Ich bin mir sicher, dass jeder seine Ausrüstung in Schuss hält, aber was man wirklich nicht beeinflussen kann, ist das Wetter. Das wird beim anstehenden Besuch Mitte November auch eine wesentliche Rolle spielen, denn ich rechne in dieser Gegend Deutschlands mit Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt, zumindest in den frühen Morgenstunden.

Wer wie ich also dazu bereit ist, eine lange Autofahrt in Kauf zu nehmen, um mal etwas Außergewöhnliches zu erleben, der will nicht, dass der Spass auch noch im Regen untergeht. Deshalb berichte ich hier von meiner „Trockenübung“ zu hause. Dabei will ich insbesondere auf die sekundäre Ausrüstung eingehen, die ich mir dafür zugelegt habe. Ob sich der ganze Aufwand gelohnt und was er letztendlich gebracht hat, darüber werde ich nach dem Event nochmal ausführlich berichten.

Wer lieber etwas über die primäre (schießsportliche) Ausrüstung auf den Bildern erfahren möchte, kann unter den folgenden Links mehr zu den Themen

Savage Arms 10 BA,

Hera Arms The 15th,

Zeiss Spektiv Diascope 85 mit Leica Laser-Entfernungsmesser CRF 1600-B oder

Digiscope-Adapter zum Zeiss-Spektiv

erfahren.

Beginnen wir mit dem Zelt: Der Markt an Zelten ist gross, da kann man schon einige Zeit mit der Suche nach dem geeigneten verbringen. Meine Kriterien waren folgende: Genügend Platz für Schütze und Spotter inklusive deren Ausrüstung, kleines Packmass und günstiger Preis. Vor allem letzteres, denn das Zelt sollte eine Notlösung sein, ich will ja nicht zum Dauercamper auf dem Event werden (obwohl… eigentlich doch!). Dass ich für günstiges Geld damit rechnen muss, Abstriche zu machen, war von Vornherein klar, es sollte ja auch nur Regen abhalten – im schlimmsten Fall Dauerregen von ca. 6 Stunden. Da das klassische Scharfschützenteam nun mal aus zwei Mann besteht, habe ich ein Iglu Dreimann-Zelt bei ASMC gekauft, schließlich soll man sich in dem Zelt auch noch bewegen können. Das Packmass ist mit ca. 60cm x Durchm. 20cm und 2,4 kg Gewicht nicht übertrieben gross und der Preis hält sich mit knapp 35 Euro stark in Grenzen.

Da der Zeltboden nicht unbedingt der stärkste ist, empfehle ich hier unbedingt noch eine PE-Folie aus dem Baumarkt oder BW-Zeltplanen als Unterlage, damit kleine Unebenheiten nicht gleich zu Löchern führen.

Probeliegen im Zelt hat dann ergeben, dass der Schütze durchaus doch noch nass werden kann, weil vor dem Zelt eben kein Regenschutz vorhanden ist – Ihr könnt das beim Kauf Eures Zeltes ja besser machen als ich. Aus einer früheren Bestellung bei ASMC habe ich aber glücklicherweise noch zwei Poncho-Liner, die man aufknöpfen und als Tarp / Zeltplane benutzen kann. Da sie rundherum nicht nur mit Ösen, sondern auch mit Kordeln versehen sind, habe ich einen davon als zusätzlichen Regenschutz kurzerhand über das Zelt geworfen und mit den dortigen Stangenschlaufen verknotet. Vorne ist er noch mit drei Teleskop-Zeltstangen und etwas Schnur abgespannt. Den zweiten Poncho werde ich bei Regen dann seitlich des ersten anknüpfen und bis auf den Boden abspannen, so ist der Schütze dann auch seitlich vor Regen geschützt.

Für den Liegekomfort des Schützen muss eine Kombination aus simpler Isomatte und darüber liegend eine Bundeswehr-Isomatte herhalten, der Spotter hat es da schon besser: Aus einer Lagerräumung habe ich selbstklebende Matten zur Schalldämmung bekommen, die ich ganz einfach zu einem Würfel zusammengeklebt habe. Auf dem Teil lässt es sich prima sitzen und durch die vielen Poren dürfte das Kissen auch ziemlich isolierend wirken.

Elektronischer Windmesser

Kurz vor dem Event habe ich noch eine wichtige Lieferung bekommen: Meinen Windmesser von Kaindl, den „Windmaster2“ oder auch „Windtronic2“, wie es auf dem Gerät selbst steht. Den gab es inklusive Tasche für 56 Euro bei Amazon.

Kaindl Windmaster2 01

Die Bewertungen waren größtenteils positiv, überzeugend war für mich aber eine Rezession, in der jemand die geringe Abweichung zu einem Laborgerät festgestellt hat. Weitere Vorteile sehe ich darin, dass man den Windmesser nicht in den Wind drehen muss und dass er ein Stativgewinde am unteren Ende besitzt. Wie man sehen kann, habe ich das Stativ meines Billig-Spektivs (Marke Auriol, ca. 30 Euro, nur zum Pistolenschießen) verwendet, um den Windmesser im Gelände zu platzieren.

Kaindl Windmaster2 02

Befestigt habe ich ihn mit der übrig gebliebenen kleinen Stativschraube meines Zeiss-Spektivs. Der Windmaster2 hat ein großes, gut sichtbares Display und zeigt neben dem Momentanwert auch den bisherigen Durchschnittswert, sowie den Maximalwert der Windgeschwindigkeit an. Der Anwender kann dabei zwischen den Einheiten Kilometer pro Stunde, Knoten, Meter pro Sekunde und Meilen pro Stunde wählen.Außerdem befindet sich im linken Bereich des Displays eine Balken-Skala, die die Windstärke noch in Beaufort anzeigt. Man merkt schon, dieses Gerät eignet sich für eine ganze Reihe von Sportarten.

Von Nachteil ist es, dass die Windrichtung nicht angezeigt wird. Da kann man sich aber mit einer improvisierten Windfahne selbst helfen (siehe unten). Die teuren Produkte von Kestrel habe ich mir nicht kaufen wollen. Ich halte diese für nicht unbedingt genauer und die vielen Zusatzfunktionen, wie z.B. hinterlegte ballistische Tabellen, interessieren mich wenig, da ich ja eine Drop Chart erstelle.

Eigenbau Windfahne

Wenn man im Zelt liegen sollte, bedeutet das erstens, dass es regnet und zweitens, dass man die Windfahne am Gefechtsstand nicht mehr sehen wird. Also wird etwas benötigt, das der Spotter beim Schießen vor der Nase hat. Da er sowieso den Wind ermittelt, liegt es nahe, dass die improvisierte Windfahne wieder eine Kombination mit dem Windmesser ergibt. Sie wird später ganz einfach oben auf den Windmesser aufgeklebt.

Verwendet habe ich ein Stück Bremsleitungsrohr von ca. 50mm Länge, an dessen einer Seite ich ein Gewinde M4 hineingeschnitten habe. Dort wird dann eine Rändelschraube M4 oder etwas Vergleichbares mit großer Auflagefläche hinein geschraubt.

Eigenbau Windfahne 01

Mit der Lochzange habe ich dann einen passenden Stopfen aus einer 3mm Gummimatte gestanzt, den ich mit einer Nadel und etwas gelbem Faden durchstoßen habe.

Eigenbau Windfahne 02

Jetzt muss nur noch der Gummistopfen in das andere Ende des Bremsleitungsrohres gepresst werden und das Teil ist fertig.

Eigenbau Windfahne 03

Viele Wege führen hier übrigens nach Rom, man verwendet einfach das, was im Haushalt so rumliegt…

Für das unmittelbare Wohlbefinden sollte im November auf ausreichend warme und/oder mehrschichtige Kleidung geachtet werden, denn großartige Bewegungen sind beim Schießen nun mal nicht drin und man läuft Gefahr, schnell auszukühlen. Wer ab und an auch mal im Herbst oder Winter Wandern geht, dürfte in dieser Hinsicht aber sowieso gut ausgerüstet sein.

Es kann losgehen!

 

ERA-TAC Blockmontage T2063-0020

ERA-TAC Blockmontage 13

Dieser Artikel befasst sich mit der Installation einer ERA-TAC Blockmontage mit einstellbarer Vorneigung auf meiner Savage, Typ 10 BA. Wie bereits in meinem zurück liegenden Artikel zur Savage angekündigt, wurde die Modifikation notwendig, weil ich auf Distanzen von 800m schon am Ende des Verstellbereichs meines Zielfernrohrs angelangt war. Normalerweise ist die Montage eines Zubehörteils jetzt auch keine große Kunst, aber scheinbar habe ich noch nicht mal einen normalen Repetierer: Die Firma Recknagel hat mich nämlich schon im Vorfeld darauf hingewiesen, dass Savage Arms speziell bei meinem Modell abweichende Nutabstände auf der Picatinny-Schiene gefertigt hat. Es ist mir ein absolutes Rätsel, weshalb man sich so etwas erlaubt, denn nicht umsonst gibt es einen militärischen Standard und den kann man sogar bei Wikipedia nachlesen – um ein Geheimnis handelt es sich also nicht gerade.

Dieser Erfahrungsbericht richtet sich also eher an Besitzer einer Savage 10 BA.

Da es bei der vorhergehenden Verwendung meiner beiden Montageringe überhaupt keine Probleme gab, vermute ich, dass die Nutbreite also korrekt gefräst wurde und lediglich der Abstand zwischen den Nutflanken um einige Zehntel größer ist, als normal. Oder anders gesagt: Die stehen gebliebenen „Zinnen“ sind etwas breiter, als sie sein sollen. Sowas fällt aber erst dann auf, wenn man eine ZF-Aufnahme „aus einem Stück“ hat. Bezogen auf die Länge der neuen Blockmontage hat das für mich eine unerwünschte „Materialzugabe“ von genau 1mm gemacht – was liegt da näher, als zwei „Zinnen“ um je 0,5mm runter zu feilen? Die Schiene abzumontieren und auf die Fräse zu spannen wäre auch nicht gerade schneller gegangen: Hier wäre die meiste Zeit wohl für das Ausrichten, Spannen und Einmessen drauf gegangen.

Einen Hinweis möchte ich vorab noch geben: Ich habe die Lage meines Zielfernrohrs vor der Demontage zu einem Fixpunkt vermessen, damit ich später wieder die gleiche bequeme Position hinter dem Gewehr einnehmen kann wie bisher auch. In meinem Fall waren dass 90,5mm von der Okularkappe bis zur Stirnseite der Picatinny-Schiene. Die neue Blockmontage liegt mit einer Höhe von 20mm auch 7,3mm höher als die alten Montageringe (Höhe 12,7mm), das lässt sich aber leicht mit der verstellbaren Schaftbacke wieder ausgleichen. Blöd ist nur, dass ich zum Reinige des Laufs die Schaftbacke nun immer wesentlich herunter drehen muss.

Zuerst mal habe ich das Gewehr großzügig abgeklebt, damit keine Späne in die Systemhülse oder deren Zwischenräume gelangen können – der Verschluss sollte nicht entnommen werden, sondern ganz einfach verschlossen bleiben.

 

Die „Picatinny-Zinnen“, die es zu bearbeiten galt, habe ich mit einem Messschieber angerissen, anschließend habe ich auch oberhalb der Schiene abgeklebt. So setzt man auch nicht versehentlich an der falschen Stelle zum Feilen an.

ERA-TAC Blockmontage 03

Das Wunschmass beider „Zinnen“ habe ich regelmäßig mit dem Messschieber geprüft, die entstehenden Späne habe ich mit einem Pinsel entfernt – der lag zufällig in der Nähe. Nach dem Feilen ging die Blockmontage spielfrei in die Nuten, die beiden seitlichen Muttern wurden dann mit einem Maulschlüssel SW 11 angezogen.

 

Beim vorläufigen Befestigen des ZFs habe ich eine Fühlerlehre benutzt, um den Zwischenraum der Klemmschalen bei jeder Schraube gleich zu halten. So ´ne Wissenschaft muss man natürlich nicht draus machen, aber wenn man die Ausrüstung schon mal griffbereit hat… Ansonsten wird sicherlich auch ein gesundes Augenmass ausreichen.

ERA-TAC Blockmontage 07

Mit dem Ausrichten des ZFs habe ich mir hingegen echt schwer getan. Den Okularabstand zum gewählten Fixpunkt konnte ich noch leicht einstellen, aber das Fadenkreuz waagrecht zu bekommen hat per Augenmass lange gedauert. Auch hier habe ich am Ende wieder die Fühlerlehre genutzt, um an der geraden Fläche an der ZF-Unterseite den Abstand zur Blockmontage zu vermessen. Zusätzlich habe ich die komplette Systemhülse von hinten angepeilt und die horizontale Lage der Verstelltürme kontrolliert.

 

Als letztes wird die Vorneigung eingestellt, dazu sind die beiden seitlich angebrachten Torx-Schrauben zu lösen. Anschließend kann mit dem Kulissenstein an der Verstellung die gewünschte Vorneigung eingestellt werden. Ich habe zunächst 50 MOA gewählt, zusätzlich zu den 20 MOA, die meine Schiene schon haben soll – ehrlich gesagt habe ich letztere aber noch nicht bemerkt. Zuletzt werden die Schrauben natürlich wieder gekontert – das Gewehr kann jetzt neu eingeschossen werden.

 

Nachtrag:

Mittlerweile steht fest, dass das Modell 10 BA (.308 Win.) keine Picatinny-Schiene mit Vorneigung beistzt. Diese Vorneigung ist dem Modell 110 BA (.338 Lap. Mag.) vorbehalten, welche 20 MOA aufweist.

ERA-TAC Blockmontage 12

 

Bei der Blockmontage handelt es sich übrigens um die Artikelnummer T2063-0020 die für einen ZF-Durchmesser von 30mm ausgelegt ist, eine Bauhöhe von 20mm (zum Vergleich: ehemals 12,7mm mit HM-Ringen) und Muttern zur Klemmung hat. Im Lieferumfang enthalten waren zwei Torx-Schlüssel, von denen einer zu klein war, dafür ist der andere dann aber beim Öffnen der Konterschraube für die Vorneigung an einem Zahn abgebrochen 🙂

Ein Hoch auf die eigenen Werkzeuge, wenn man sie hat …

ERA-TAC Blockmontage 05

Alles in allem macht die Blockmontage aber einen sehr guten Eindruck! Die Verarbeitung ist sehr sauber und die Technik überzeugt – ich kann das Teil auf jeden Fall weiter empfehlen. Wer sein Glas nicht häufiger auch auf andere Gewehre baut, kann wie ich auf die Schnellspanner verzichten und so noch ein wenig Geld sparen.

Die Blockmontage habe ich über www.spartac.de für 360 Euro zzgl. Versandkosten bezogen (Anfrage notwendig, da Artikel nicht im Online-Shop vorhanden). Aktuelle Preise sind dort bitte auch anzufragen.

Und hier sind die ersten Ergebnisse und Eindrücke auf der 100m- und 300m-Bahn:

Für alle Fälle wollte ich das Gewehr auch auf 100m schießen können, die zuerst gewählte Vorneigung von 50 MOA hat sich dann aber als zu gross herausgestellt, da ich im unteren Verstellbereich des ZFs auf 100m nicht mehr in die Mitte der Scheibe gekommen bin. So wurde die Blockmontage also auf 40 MOA gestellt, womit sich jetzt ca. 500 mögliche Klicks nach oben ergeben (das sind umgerechnet knapp 62 MOA, die das ZF jetzt verstellt werden kann).

Zum Vergleich:

Mit der vorherigen Montage waren nur 281 Klicks (ca. 35 MOA) nach oben möglich, den Verstellbereich habe ich damit fast verdoppelt. Beachtet man, dass das Geschoss auf der Flugbahn immer tiefer abfällt und das Verhältnis von Schussweite und Geschossabfall keineswegs linear ist, dann schätze ich, dass die gewonnen zusätzlichen 27 MOA noch für Distanzen bis höchstens 1200m ausreichend sind. Etwas mehr könnte man wohl noch rausholen, wenn man anfängt, die Pulverladung zu erhöhen um dem Geschoss eine gestrecktere Flugbahn zu ermöglichen. Ich werde auf jeden Fall berichten !

 

Nachtrag Mai 2019:

Im Jahr 2018 ist es mir gelungen mit den eingestellten -40 MOA Vorneigung Treffer auf eine Entfernung von 1126m zu erzielen. Die Ladedaten der zugehörigen Munition könnt Ihr hier oder im Bereich Downloads nachlesen.