Taktischer Schaft für Schwedenmauser, Teil 3

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Der provisorischen Systembettung aus Kunststoff habe ich ziemlich entgegen gefiebert, umso erstaunter war ich, als ich dann das komplett fertige Bauteil aus Alu erhalten habe. Für den Maschinenbediener war es letztendlich keine große Sache mehr, den Arbeitsablauf des kompletten Teils in die Maschine zu programmieren. Ein Kunststoffteil mit nur den absolut notwendigsten Geometrien wäre für ihn schlichtweg unnütze Mehrarbeit gewesen – schön, wenn er sich seiner Sache sicher ist! Auch für mich.

 

Was bis kurz vor meiner zweiwöchigen Dienstreise leider nicht mehr angefertigt werden konnte, waren die neuen Systemschrauben und kleinere Teile zur Betätigung des Magazins. Dessen Mechanismus zur Arretierung und Lösung hätte ich gerne noch mit getestet, leider muss das nochmal etwas verschoben werden. Was die Systemschrauben angeht, so konnte ich später mithilfe der alten Schrauben und einigen Muttern M8, die ich als Distanzmaterial benutzt habe, Systemhülse und Aluteil provisorisch verschrauben.

Als ich die Systemhülse des M-63 erstmals in das Aluteil legen wollte, hat diese aber leider nicht reingepasst!

Nach einiger Zeit hat sich heraus gestellt, dass der Grund dafür banal war: Das Gehäuse des Matchabzuges hatte ich mit 10mm Breite vermessen, ein Schacht mit 11mm Breite sollte nun auch die letzte CNC-Maschine dieser Erde hinbekommen. So war es auch, aber mir sind leider die beiden kleinen Madenschrauben zu beiden Seiten des Abzugsgehäuses durch die Lappen gegangen, die den Triggerstop gekontert haben: Gesamtbreite 11,4mm! Das Abschleifen der Madenschrauben auf Sandpapier war schnell erledigt und schließlich ging die Systemhülse des M-63 in die Bettung rein.

 

Der Kammerstengel lag im geschlossenen Zustand knapp oberhalb der neuen Bettung, beim Öffnen des Verschlusses gab es nirgendwo Kollision und das spitze Schraubenende unterhalb des Verschlussfangs auf der linken Seite saß auch perfekt in der Seitenwand – wunderbar!

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Anschließend wurde es spannend, denn ich habe ein volles Magazin in den neuen Schacht eingeführt. Da ich mein eisernes Prinzip, im eigenen Haus keine Waffe zu laden, bereits zuvor schon einmal gebrochen habe, fiel es mir diesmal auch gar nicht mehr schwer. Ja, ich weiss, das nächste Mal gehe ich dafür zum Nachbarn rüber, der freut sich bestimmt…

Das Magazin ging saugend in den Schacht rein, ganz ohne weitere Anbauteile hat es schon Halt gefunden.

 

Das Magazin stammt von einer Tikka T3 im Kaliber .30-06 und ist lang genug, das Kaliber 6,5×55 Schwede aufzunehmen. Leider gehen nur 5 Schuss rein und noch bedauernswerter ist, dass die Blattfeder innerhalb des Magazins die Patronenmulde nicht auf der kompletten Länge unterstützt. So können z.B. die ersten drei Patronen nach unten verkanten, wenn man die obere am Projektil in das Magazin herunter drückt. Das kommt im normalen Betrieb natürlich nicht vor, ist aber schon auffällig. Hier hätte ich mir gewünscht, dass die Magazinfeder etwas stärker ausgefallen wäre.

Die Patronen werden hingegen leider nicht immer zuverlässig zugeführt. Es passiert manchmal, dass die jeweils zweite im Magazin befindliche Patrone beim Nachladevorgang leicht mit nach vorne gezogen wird und mit der Spitze unterhalb der Laderampe des M-63 endet. Das Resultat ist eine klassische Ladehemmung beim zweiten Schuss. Beim Studium der Ladedaten ist die Patrone meiner favorisierten Laborierung aber später 80mm lang und geht damit noch gerade so in das Magazin rein. Klar, dass sich dann später keine Patrone mehr mit seiner Spitze im Magazin nach vorne bewegen kann, wenn die oberste Patrone geladen wird und beim Repetieren gegen die zweite im Magazin befindliche reibt.

Zurück von der Dienstreise warteten auch schon einige neue Teile auf mich:

Der Mechanismus zum Arretieren und Lösen des Magazins wurde montiert und zudem erhielt ich einige Aufnahmeteile für die neue Picatinny-Schiene. Letztere wurde nachgearbeitet und zentriert sich über eine Passung in Längsrichtung in allen drei Halterungen. Alle Halterungen sind wiederum in die entsprechenden seitlichen Ausschnitte im Basisschaft eingepasst. Die beim Schuss entstehenden Kräfte dürfen eben nicht unterschätzt werden, ein einfaches Zusammenschrauben  kann es hier nicht sein, es liegen also alle Flächen an allen Seiten aneinander an. So wollte ich sicher stellen, dass sich im Betrieb kein Setzverhalten ergibt, das dazu führt, dass das ZF nochmal nachjustiert werden muss. Da beim Büchsenmacher bereits das Umbiegen des Kammerstengels beauftragt wurde, habe ich kurzerhand das ZF meiner Savage 10 BA inklusive ERA-TAC-Montage auf das neue System montiert. Damit lässt sich dann besser beurteilen, ob der Kammerstengel nun kollisionsfrei zu bedienen ist.

 

In Sachen Hinterschaft sind ebenfalls einige Teile fertig geworden. Zu sehen ist hier die höhen- und neigungsverstellbare Endplatte mit Klemmstange, Bagriderkufe und PRS-Schaftkappe von Magpul.

 

Zuletzt noch der Zweibein-Adapter inkl. Riemenbügelöse und Zweibein für die Montage an die Unterseite des Vorderschafts:

 

Es bleibt nach wie vor spannend. Sobald alles passgenau zusammengeschraubt werden kann, ist erstmal ein Probeschießen angesagt. Verläuft das zufrieden stellend, dann wird wieder alles demontiert und die Teile können zum Eloxieren und Brünieren. Lange wird es bestimmt nicht mehr dauern…

 

Hier geht es zum vierten Teil der Serie…

Taktischer Schaft für Schwedenmauser, Teil 1

Haenel RS 9_1

 

Für den letzten zweitägigen Besuch eines Truppenübungsplatzes habe ich mir vorgenommen, meine Savage 10 BA  – ggf. mit der dafür neuen Laborierung 200 gr. HPBT – auf eine Distanz von 1000m zu schießen und eine Drop-Chart für mein AR-15 von Hera Arms zu erstellen.

Erstes hat leider nicht wirklich geklappt, dafür habe ich die Munition leider zu zaghaft laboriert, letzteres lief dafür umso besser. Jedenfalls hat sich gegen Ende des Events für mich noch die Gelegenheit ergeben, auch einige Waffen von Schützenkollegen auszuprobieren. Das hat für mich einige überraschende Erkenntnisse gebracht und somit den Grundstein für mein nächstes – und bisher aufwändigstes – Projekt gelegt: Den M63 Long Range Sniper im Kaliber 6,5×55 Schwede.

Über den Fortschritt werde ich in den nächsten Wochen, vielleicht sogar Monaten, weiter berichten.

Ausschlag gebend war ein Vergleich zwischen Haenel RS9 im Kaliber .338 Lapua Magnum (dem neuen Scharfschützengewehr der Bundeswehr), einem alten Schwedenmauser von 1912 im Zubehörschaft (Hogue, glaube ich) und einer Tikka T3, ebenfalls im Kaliber 6,5×55 Schwede, jedoch mit nur 60cm langem Lauf.

Anvisiert wurde mit allen Gewehren ein Ziel in 1200m Entfernung bei ca. 2m/s Seitenwind aus ca. 9 Uhr. Die ersten Schüsse wurden aus dem Haenel RS9 abgefeuert, der Besitzer hatte das ZF bereits korrekt eingestellt. Haltepunkt war ca. 0,8m links vom Ziel. Auf den ordentlichen Rückstoss folgte wie erwartet ein Treffer.

 

Wechsel zum Schwedenmauser: Hier wurde die Systemhülse vom Besitzer in einen neuen Schaft gebettet (leider kein Pistolengriff) und ein Zielfernrohr mit seitlicher Montage verwendet. Bei gleichen Windverhältnissen hat sich schnell heraus gestellt, dass der Haltepunkt lediglich ca. 0,3m links vom Ziel sein musste. Auf den Rückstoss, vergleichbar mit dem Kaliber .308 Win., folgte bei recht gestreckter Flugbahn des Geschosses dann der Treffer.

Was zum…?

Echt jetzt?

Das hatte ich nicht erwartet und hat mich schon ein wenig sprachlos gemacht: Dieses Gewehr ist Long-Range tauglich? Nicht zu fassen! Tja, aber das kommt davon, wenn man sich nicht richtig mit den Dingen befasst und leichtfertig abtut. Die Unempfindlichkeit gegen Wind bzw. Seitenwind ist einfach bemerkenswert, das kann man natürlich nicht erfahren, wenn man das Gewehr nur auf Entfernungen von 100-300m und dann ggf. noch disziplinen-konform mit Diopter, einsetzt.

Laut Besitzer des Schwedenmausers war das Gewehr eine reine Low-Budget-Sache: Für weniger als 500 Euro wurde das Gewehr selbst, ein neuer Schaft und ein günstiges ZF gekauft. Schwierig würde es mit dem Treffen angeblich erst ab einer Distanz von ca. 1600m werden!

 

Bliebe da noch die Tikka T3, der ich wegen des kurzen Laufs von nur 60cm eigentlich nicht zugetraut habe, auch auf 1200m  zu treffen, aber auch hier wurde ich eines Besseren belehrt. Der alte Haltepunkt konnte sogar beibehalten werden.

Was das Kaliber 6,5×55 Schwede zu leisten vermag, hat mich an diesem Tag schwer beeindruckt! Und so habe ich in den darauf folgenden Tagen angefangen, nach für mich passenden Schäften mit Pistolengriff zu suchen, um mir ebenfalls ein günstiges Long-Range-Gewehr zusammenzustellen – doch leider ohne Erfolg. Hätte ich auf den Pistolengriff verzichten wollen, wäre da schon was zu finden, allerdings leider nichts mit taktischem Aussehen. Alternativ hätte man sich ebenfalls eine Tikka T3 in 6,5×55 Schwede kaufen können, dann wäre die Sache mit einem Schlag erledigt gewesen, genau so, wie dann auch ca. 1300-1400 Euro (ohne ZF) weg gewesen wären.

Ein Schützenkollege, dem ich davon erzählt habe und der mit seiner kürzlich gekauften Remington 700 in .308 Win. nicht 100%ig zufrieden war, war da eher kurzentschlossen und hat schließlich vorgeschlagen, ganz einfach selbst einen Schaft zu entwickeln. Ausschlag gebend dafür war, dass der Kollege mir glaubhaft versichert hat, dass eine Systembettung nun auch kein Hexenwerk sei. Hinzu kommt, dass die auf dem Markt für den Schwedenmauser verfügbaren Zubehörschäfte weder einen Pistolengriff, noch ein taktisches Aussehen haben. Die Idee war somit geboren und so haben wir uns auf die Suche nach zwei Schwedenmausern gemacht…

 

Hier geht es zum zweiten Teil der Serie…

 

Neue Ladedaten .308 Win. (200gr. HPBT)

Savage 10 BA 8

Rechtzeitig vor meinem nächsten Longrange-Shooting-Event habe ich es noch zum Händler meines Vertrauens geschafft und einige Komponenten für eine 200gr.-Laborierung im Kaliber .308 Win. gekauft, deren Entstehung ich kurz vorstellen möchte. Da es demnächst auf dem Truppenübungsplatz gilt, mit meiner Savage 10 BA endlich die 1000m-Marke zu knacken, wollte ich ein schwereres Geschoss als bisher verwenden, um die Empfindlichkeit gegenüber Seitenwind zu verringern. Dem Wind entsprechend – wie bisher – einfach weiter vorhalten geht natürlich auch, allerdings bedingt Seitenwind auch eine Höhenstreuung der Geschosse und ich hoffe so einfach schneller meine Klickwerte für die Drop-Chart ermitteln zu können.

Ausgesucht habe ich mir für die neue Patrone das Sierra-Matchgeschoss #2230, 200gr.  HPBT. Das von mir bevorzugte Pulver ist ja bekanntlich Lovex S060, die Ladedaten vom Hersteller (Explosia) wurden also erst mal zu Rate gezogen. Anschließend bin ich von der Ladeempfehlung etwas abgewichen und habe mit Hilfe eines Schützenkollegen und seiner Software „Quickload“ verschiedene Ladungen berechnet, diese sind:

Achtung, es wird keine Garantie für die Richtigkeit der Ladedaten übernommen!

Wiederlader handeln auf eigenes Risiko!

1.

  • Hülse: Hornady Match, Kailber .308 Win
  • Zündhütchen: Federal Ammunition FA 210
  • Pulver: LOVEX S060
  • Menge: 36,0 gr.
  • Geschoss: Sierra Matchking  HPBT #2230, 200gr.
  • OAL: 70,0mm
  • Crimp: keiner
  • V0: 708 m/s (berechnet)
  • Pmax: 3400 bar (berechnet)
  • Ladevolumen ca. 90%

 

2.

  • Hülse: Hornady Match, Kailber .308 Win
  • Zündhütchen: Federal Ammunition FA 210
  • Pulver: LOVEX S060
  • Menge: 36,5 gr.
  • Geschoss: Sierra Matchking  HPBT #2230, 200gr.
  • OAL: 70,0mm
  • Crimp: keiner
  • V0: 716 m/s (berechnet)
  • Pmax: 3534 bar (berechnet)

3.

  • Hülse: Hornady Match, Kailber .308 Win
  • Zündhütchen: Federal Ammunition FA 210
  • Pulver: LOVEX S060
  • Menge: 37,0 gr.
  • Geschoss: Sierra Matchking  HPBT #2230, 200gr.
  • OAL: 70,0mm
  • Crimp: keiner
  • V0: 724 m/s (berechnet)
  • Pmax: 3669 bar (berechnet)

Ich empfehle, eine Pulvermenge von 38,5 gr. (V0 748 m/s, Pmax 4105 bar) nicht zu überschreiten.

Zum Vergleich meine Standardlaborierung:

  • Hülse: Lapua Match, Kailber .308 Win
  • Zündhütchen: Federal Ammunition FA 210
  • Pulver: LOVEX S060
  • Menge: 39,3 gr.
  • Geschoss: Sierra Matchking  HPBT #2200, 168gr.
  • OAL: 71,7mm
  • Crimp: keiner
  • V0: 772 m/s (berechnet)
  • Pmax: 3219 bar (berechnet)

 

Die Schiessbahn war in diesem Fall eine Indoor-Halle, geschossen wurden jeweils 5er-Gruppen sitzend aufgelegt auf eine Entfernung von 100m mit Zweibein und Sandsack am Hinterschaft. Hilfreich beim Auswerten war dabei eine Durchmesser-Schablone aus Studienzeiten, ein Messschieber tut es aber auch, diesen sollte eigentlich jeder Wiederlader haben.

.308 Win. 200gr. BTHP 10

Erwähnenswert wäre noch, dass die Schussgruppen unabhängig von der Laborierung mit der Zeit enger geworden sind, ich bin wohl etwas zur Ruhe gekommen. Glücklicherweise habe ich mit zunehmender Pulvermenge zunächst immer nur auf das linke Schusspflaster angehalten. Im zweiten Durchgang war dann jeweils das rechte dran und man kann bei jeder einzelnen Pulvermenge eine Verbesserung erkennen – ansonsten wäre die 36,0-Grain-Laborierung wohl gleich wegen der anfänglichen Aufregung rausgefallen. Da ich noch keine Klickwerte für 100m und 200gr.-Geschosse hatte, liegen die ersten Schussgruppen auch noch unterhalb des Pflasters.

36,0 Grain

Streukreis 36mm (19mm) und 18mm

 

36,5 Grain

Streukreis 27mm und 17mm

 

37,0 Grain

Streukreis 22mm und 19mm

 

Meine Wahl fiel schließlich auf die Laborierung mit 37,0 Grain Pulver. Im Vergleich zur Laborierung mit 36,5 Grain (und dem engsten Streukreis) hat sie zwar einen etwas größeren Streukreis, diesem Umstand messe ich jetzt aber nicht allzu viel Bedeutung bei. Ausschlag gebend für die Wahl war ein gleich guter Streukreis bei höherer Mündungsgeschwindigkeit. Künftig wird diese Laborierung dann auch wieder in eine Hülse von Lapua geladen. In einem anderen Beitrag hatte ich bereits erwähnt, dass meine 168gr.-Standardlaborierung bei 1200m wieder die Schallgrenze erreicht. Da das 200gr.-Geschoss die Mündung im Vergleich schon mit weniger Geschwindigkeit verlässt, wird sich noch zeigen, ob die verringerte Seitenwindempfindlichkeit der einzige Vorteil ist und dass Geschoss möglicherweise nur noch schlapp auf 1000m ankommt (oder vielleicht gar nicht). Ich werde noch berichten, wie sich die Patrone auf lange Distanzen bewährt hat.

 

Nachtrag:

Mittlerweile bin ich vom Truppenübungsplatz zurück und kann sagen, dass die 168-Grain-Laborierung gerade so für Distanzen bis 1000m ausreicht. Sicherlich würde das Geschoss noch weiter fliegen, aber ab dieser Distanz ist der sog. „Bullet-Trace“ leider nur noch schlecht zu erkennen. Das bedeutet aber im Umkehrschluss auch, dass das Geschoss bei dieser Entfernung scheinbar in den Unterschallbereich kommt. Die theoretisch berechneten Werte sagen das zwar erst für eine Distanz von 1200m voraus aber ok, sie sind halt eben doch nur berechnet.

Nur auf den ersten Blick ist es überraschend, dass die 200-Grain-Laborierung aber bis zu einer Entfernung von 740m mithalten kann und zuverlässige Klickwerte für´s ZF liefert. Bei Betrachtung der obigen Ladedaten sieht man aber, dass die 168-Grain-Laborierung nicht gerade stark geladen ist und dadurch ihre Grenze für wiederholgenaue Entfernungen selbst setzt. Rückblickend betrachtet bot der Einsatz der schweren Geschosse keinen merklichen Vorteil, was die Empfindlichkeit gegen Seitenwind angeht. Ich werde sie aus diesem Grund für das Long-Range-Schießen verwerfen.

Wer sich für die aktuelle Drop-Chart interessiert, findet sie im Bereich Downloads.