MDT Magazin .338LM für PSG Walküre

Nach langer pandemiebedingter Pause konnte ich mit einem meiner Schützenkollegen endlich wieder zu einem Long-Range Event fahren. Wir haben dort erstmalig seine PSG Walküre im Kaliber .338 Lapua Magnum auf Distanzen bis einschließlich 1100m geschossen (das Einschießen auf 100m hat vorher natürlich im Verein stattgefunden). Ziel war es, für die Walküre in Kombination mit der gewählten Munition (zunächst fiel die Wahl noch auf Fabrikmunition) die entsprechenden Klickwerte zu ermitteln. Ich habe die Gelegenheit genutzt, um auch neue Klickwerte für mein AR-15 von Hera Arms zu ermitteln. Nach dem Einbau des etwas kürzeren Matchlaufs SPB200 mit 16,75“ und notwendiger neuer Laborierung war hier sicherlich mit neuen Klickwerten zu rechnen. Die Ergebnisse können unter „Downloads“ nachgelesen werden.

Der eigentliche Inhalt dieses Beitrags ist aber die Modifikation zweier Magazine von MDT für die PSG Walküre. Diese wurden von meinem Kollegen zusätzlich zum mitgelieferten AICS-Magazin nachgekauft und haben im vorderen oberen Bereich leider keine Rastnase gehabt. Es mag sein, dass das für andere Gewehre völlig ausreichend ist, aber eben bei der Walküre nicht: Schaut man von unten in den Magazinschacht der Walküre, so sieht man im vorderen Bereich eine in den Kunststoff eingebettete Metallkante, die eben diese Rastnase des AICS-Magazins aufnehmen, bzw. arretieren kann. Ich habe mich bereit erklärt, die beiden Magazine zu modifizieren und berichte hier kurz über die einzelnen Schritte.

AICS-Magazin für .338 Lapua Magnum

Oben ist das im Lieferumfang enthaltene AICS-Magazin zu sehen. Die Rastnase, die es nachzubilden gilt, ist beim Prägevorgang entstanden. Meines Wissens ist der Schaft der Walküre ebenfalls von MDT, weshalb dann die hauseigenen Magazine in .338LM diese Rastnase nicht aufweisen, wird ein Rätsel bleiben. Vielleicht eine Fehlproduktion?

Blechdimensionen

Ohne Flex, Schweißgerät und einen Feilensatz geht es leider nicht. Zu Beginn benötigt man ein Stück Metallblech mit den Dimensionen 1,5x7x12mm – ein kleines Plättchen eben. Die eigentlich benötigte Dicke des Metallplättchens beträgt ca. 1,2 bis 1,3mm, aber das als Halbzeug zu bekommen, gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen – dann lieber später kurz die Flex oder die Feile angesetzt. Der Werkstoff ist fast egal, allerdings habe ich bewusst kein Edelstahl ausgewählt.

Schweißvorbereitungen

Was man auf den Bildern nicht mehr sieht, sind die Schweißvorbereitungen an dem Metallplätchen: Einfach relativ mittig und ohne besondere Symmetrie oder Sinn für Schönheit werden erstmal zwei Löcher D=3,5 bis D=4,0 in das Blech gebohrt, entgraten der Bohrlöcher ist aber trotzdem angesagt. Das Blech wird dann mittig auf die Stirnseite des MDT-Magazins gelegt und zeigt, in welchem Bereich man vor dem Punktschweißen die Brünierung des Magazins wegschleifen sollte. Das Blech wird zum Punktschweißen dann mit seiner langen Kante an der oberen geraden Kante (die wird später eingeschliffen) des Magazins angelegt. Vor dem Schweißvorgang habe ich noch das Magazininnere entfernt: Drückt dazu den Zuführer nach unten und lasst ihn im hinteren Bereich (am Patronenboden) stark nach unten abkippen. Der vordere Bereich kann dann hinter die vorderen Magazinlippen geschoben und durch die entstehende Lücke nach schräg oben/vorne herausgezogen werden.

NAchbearbeitung

Ist das Metallplätchen erstmal angeschweißt, gilt es, dessen Kanten einzuschleifen: Am oberen Ende hin zur Metallkante des Magazins muss das Plättchen sehr dünn auslaufen. Das ganze Plättchen sollte auch so abgeschliffen werden, dass von seiner ursprünglichen Dicke wie oben geschrieben noch ca. 1,2mm bis 1,3mm übrig bleiben.

MDT-Magazin für .338 Lapua Magnum

Achtung: Die am Magazin nach unten stehende (im oberen Bild nach recht gerichtete) Kante sollte scharfkantig bleiben, denn hier rastet später die in den Magazinschacht eingebettete Metallkante am Gewehr ein.

Die seitlichen Kanten habe ich so gut es geht abgerundet. Fast alle Schleifarbeiten habe ich mit einer Flex und einer Fächerschleifscheibe durchgeführt, nur für feine Entgratungen (oder Begradigungen von Kanten) habe ich die Feile verwendet.

Achtung: Das Magazin muss stirnseitig noch im oberen Bereich eine Auskehlung erhalten, damit die vormals gerade Kante nicht von unten an den Verschluss stößt, bevor das Magazin die Chance hat, einzurasten. In diesem Bereich läuft das angeschweißte Metallplättchen auch sehr dünn aus, das obige Bild zeigt das sehr gut.

Erst wenn das geschehen ist, sollte das Magazin probehalber ins Gewehr gesteckt werden, um die Passgenauigkeit zu prüfen. Man läuft sonst schnell Gefahr, irrtümlich an der scharfen Unterkante des Metallplätchens Material abschleifen zu wollen, denn es fehlt spürbar nicht mehr viel, bis das Magazin komplett dort einrastet, wo es eigentlich soll.

Der letzte Schritt ist das Brünieren der blanken Metallflächen, wobei ich hier bemerkt habe, dass später nicht alle Flächen perfekt geworden sind – je nach Legierung des Schweißdrahts kann es auch damit zusammenhängen.

Taktischer Schaft für Schwedenmauser, Teil 1

Haenel RS 9_1

 

Für den letzten zweitägigen Besuch eines Truppenübungsplatzes habe ich mir vorgenommen, meine Savage 10 BA  – ggf. mit der dafür neuen Laborierung 200 gr. HPBT – auf eine Distanz von 1000m zu schießen und eine Drop-Chart für mein AR-15 von Hera Arms zu erstellen.

Erstes hat leider nicht wirklich geklappt, dafür habe ich die Munition leider zu zaghaft laboriert, letzteres lief dafür umso besser. Jedenfalls hat sich gegen Ende des Events für mich noch die Gelegenheit ergeben, auch einige Waffen von Schützenkollegen auszuprobieren. Das hat für mich einige überraschende Erkenntnisse gebracht und somit den Grundstein für mein nächstes – und bisher aufwändigstes – Projekt gelegt: Den M63 Long Range Sniper im Kaliber 6,5×55 Schwede.

Über den Fortschritt werde ich in den nächsten Wochen, vielleicht sogar Monaten, weiter berichten.

Ausschlag gebend war ein Vergleich zwischen Haenel RS9 im Kaliber .338 Lapua Magnum (dem neuen Scharfschützengewehr der Bundeswehr), einem alten Schwedenmauser von 1912 im Zubehörschaft (Hogue, glaube ich) und einer Tikka T3, ebenfalls im Kaliber 6,5×55 Schwede, jedoch mit nur 60cm langem Lauf.

Anvisiert wurde mit allen Gewehren ein Ziel in 1200m Entfernung bei ca. 2m/s Seitenwind aus ca. 9 Uhr. Die ersten Schüsse wurden aus dem Haenel RS9 abgefeuert, der Besitzer hatte das ZF bereits korrekt eingestellt. Haltepunkt war ca. 0,8m links vom Ziel. Auf den ordentlichen Rückstoss folgte wie erwartet ein Treffer.

 

Wechsel zum Schwedenmauser: Hier wurde die Systemhülse vom Besitzer in einen neuen Schaft gebettet (leider kein Pistolengriff) und ein Zielfernrohr mit seitlicher Montage verwendet. Bei gleichen Windverhältnissen hat sich schnell heraus gestellt, dass der Haltepunkt lediglich ca. 0,3m links vom Ziel sein musste. Auf den Rückstoss, vergleichbar mit dem Kaliber .308 Win., folgte bei recht gestreckter Flugbahn des Geschosses dann der Treffer.

Was zum…?

Echt jetzt?

Das hatte ich nicht erwartet und hat mich schon ein wenig sprachlos gemacht: Dieses Gewehr ist Long-Range tauglich? Nicht zu fassen! Tja, aber das kommt davon, wenn man sich nicht richtig mit den Dingen befasst und leichtfertig abtut. Die Unempfindlichkeit gegen Wind bzw. Seitenwind ist einfach bemerkenswert, das kann man natürlich nicht erfahren, wenn man das Gewehr nur auf Entfernungen von 100-300m und dann ggf. noch disziplinen-konform mit Diopter, einsetzt.

Laut Besitzer des Schwedenmausers war das Gewehr eine reine Low-Budget-Sache: Für weniger als 500 Euro wurde das Gewehr selbst, ein neuer Schaft und ein günstiges ZF gekauft. Schwierig würde es mit dem Treffen angeblich erst ab einer Distanz von ca. 1600m werden!

 

Bliebe da noch die Tikka T3, der ich wegen des kurzen Laufs von nur 60cm eigentlich nicht zugetraut habe, auch auf 1200m  zu treffen, aber auch hier wurde ich eines Besseren belehrt. Der alte Haltepunkt konnte sogar beibehalten werden.

Was das Kaliber 6,5×55 Schwede zu leisten vermag, hat mich an diesem Tag schwer beeindruckt! Und so habe ich in den darauf folgenden Tagen angefangen, nach für mich passenden Schäften mit Pistolengriff zu suchen, um mir ebenfalls ein günstiges Long-Range-Gewehr zusammenzustellen – doch leider ohne Erfolg. Hätte ich auf den Pistolengriff verzichten wollen, wäre da schon was zu finden, allerdings leider nichts mit taktischem Aussehen. Alternativ hätte man sich ebenfalls eine Tikka T3 in 6,5×55 Schwede kaufen können, dann wäre die Sache mit einem Schlag erledigt gewesen, genau so, wie dann auch ca. 1300-1400 Euro (ohne ZF) weg gewesen wären.

Ein Schützenkollege, dem ich davon erzählt habe und der mit seiner kürzlich gekauften Remington 700 in .308 Win. nicht 100%ig zufrieden war, war da eher kurzentschlossen und hat schließlich vorgeschlagen, ganz einfach selbst einen Schaft zu entwickeln. Ausschlag gebend dafür war, dass der Kollege mir glaubhaft versichert hat, dass eine Systembettung nun auch kein Hexenwerk sei. Hinzu kommt, dass die auf dem Markt für den Schwedenmauser verfügbaren Zubehörschäfte weder einen Pistolengriff, noch ein taktisches Aussehen haben. Die Idee war somit geboren und so haben wir uns auf die Suche nach zwei Schwedenmausern gemacht…

 

Hier geht es zum zweiten Teil der Serie…