Gasdruck beim Wiederladen

Nach den Kommentaren eines aufmerksamen Lesers aus Teil 3 zu den Ladedaten für Schwedenmauser, möchte ich in diesem Beitrag anhand meiner bevorzugten Laborierung für den Schweden nochmal näher auf das Thema des zulässigen Gasdrucks beim Wiederladen eingehen. Diese Thematik betrifft eigentlich jede Patrone, die wiedergeladen wird. Ich bin vor einiger Zeit zu Recht darauf hingewiesen worden, dass meine bevorzugte Laborierung die maximale Ladeempfehlung von Vihtavuori bereits überschreitet. Mithilfe von Marvin und der Software „Quickload“ möchte ich also in diesem Beitrag einige Ergebnisse präsentieren und erläutern. Da ich nicht weiß, ob es lizenzrechtlich gestattet ist, Screenshots der Software von den kompletten Berechnungen zu veröffentlichen, beschränke ich mich hier auf die Beschreibung der Ergebnisse und ein kleines Diagramm. Der Schwerpunkt liegt mit diesem Beitrag auf den berechneten Gasdrücken und nicht mehr auf der Präzision oder der Mündungsgeschwindigkeit wie in den vergangenen Beiträgen.

Der Vorsicht halber möchte ich auch nochmals darauf hinweisen, dass es sich nachfolgend um theoretisch berechnete Werte durch eine Software handelt. Einen besseren Aufschluss über die im System herrschenden Gasdrücke ergibt wohl erst eine Messreihe aus Patronen, die man zur Ermittlung des Gasdrucks an ein Beschussamt einsendet. Ich möchte das mit meiner bevorzugten Laborierung auch noch tun und werde das Ergebnis veröffentlichen, sobald es vorliegt.

Ungeachtet des Ergebnisses gilt für alle nachfolgenden Ladedaten weiterhin folgender Warnhinweis:

Für die Richtigkeit der Ladedaten wird keine Garantie übernommen! Wiederlader handeln auf eigenes Risiko!

 

Ausgangssituation

So, warum mache ich so´n Quatsch eigentlich, dass ich Patronen mit höherem Gasdruck herstelle? Das Gewehr hat ja bereits mit anderen (weicheren) Laborierungen sehr gut geschossen. Ganz einfach: Ich wollte für das Long-Range-Schiessen eine Patrone mit höherer V0 haben, aus diesem Grund habe ich die Ladeempfehlung verlassen. Den maximal zulässigen Ladedruck eines Schwedenmausers habe ich mit 3800 bar recherchiert. Man muss sich nicht viel Mühe geben, Wikipedia kann da z.B. schnell Auskunft geben, ist aber sicherlich nur eine Quelle von vielen. Auch Quickload hat übrigens den Grenzwert von 3800 bar für diese Patrone. Als Maschinebau-Ingenieur ist mir bewusst, dass die Vorhersage eines Bauteilversagens nicht nur in Bezug auf die Höhe der eingeleiteten Kraft (i.V.m. Querschnittsprofil und Werkstoff), sondern auch in Bezug der Anzahl der Lastwechsel zu beurteilen ist (Stichwort Materialermüdung). Auch andere Faktoren spielen eine Rolle, aber das sind Details, die hier den Rahmen sprengen würden. Da ich noch nicht davon gehört habe, dass man aus Gewehren nur eine bestimmte Anzahl von Schüssen abgeben darf, gehe ich also erstmal davon aus, dass der Literaturwert von 3800 bar jener Maximaldruck ist, bei dem die Dauerfestigkeit des Werkstoffes noch gewährleistet ist.

Zur Erinnerung, dies sind meine bevorzugten Ladedaten:

  • Hülse: Lapua Match, Kailber 6,5×55 Swedish Mauser
  • Zündhütchen: Federal Ammunition FA 210
  • Pulver: Vihtavuori N150
  • Menge: 38,0 gr.
  • Geschoss: Lapua Scenar HPBT, 139gr. (GB458)
  • OAL: 76,5mm
  • Crimp: keiner
  • V0 (nach Quickload): 783 m/s
  • V0 (gemessen): 803 m/s
  • Max. Gasdruck (nach Quickload): 3069 bar
  • Max. zulässiger Gasdruck: 3800 bar

Damit bin ich noch etwas mehr als 700 bar vom maximal zulässigen Gasdruck entfernt. Klingt erstmal ausreichend, Schwankungen in der Produktion des NC-Pulvers oder in der Herstellung der Patrone können aber gefährlich werden, das sollte man einfach wissen.

 

Das sagt Vihtavuori

Ich verlinke hier mal die Ladeempfehlungen des Pulverherstellers. Beachtet bitte, dass es auch modernere Gewehre im klassischen „Schwedenkaliber“ gibt, die einen höheren zulässigen Gasdruck haben und meist unter 6,5×55 SE oder 6,5×55 SKAN geführt werden. Mein Gewehr besitzt zwar einen modernen Lauf von Schulz und Larsen aus dem Jahre 2010, allerdings ist meine Systemhülse noch die des klassischen Schwedenmauses mit einer Prägung der Fabrik „Carl Gustavs“. Da die Systemhülse letztendlich über den Verschluss sämtliche Kräfte aufnimmt, bleibe ich mal bescheiden und lege weiterhin einen zulässigen Maximaldruck von 3800 bar zugrunde.

Vihtavuori: 6,5×55 Swedish Mauser

Vihtavuori: 6,5×55 SE / 6,5×55 SKAN

Die Ladedaten 6,5×55 SE oder 6,5×55 SKAN sind hier nur der Vollständigkeit halber verlinkt und spielen bei der weiteren Betrachtung keine Rolle!

Bezogen auf das Geschoss Lapua Scenar GB458, ist die Maximalempfehlung von Vihtavuori folgende (von den fettgedruckten Werte weiche ich ab, s.o.):

  • Hülse: 6,5×55, Hersteller unbekannt
  • Zündhütchen: Hersteller unbekannt
  • Pulver: Vihtavuori N150
  • Menge: 35,2 gr.
  • Geschoss: Lapua Scenar HPBT, 139gr.
  • OAL: 78,0mm
  • Crimp: unbekannt
  • V0 (nach Vihtavuori): 761 m/s
  • V0 (nach Quickload): 742 m/s
  • Max. Gasdruck (nach Quickload): 2456 bar
  • Max. zulässiger Gasdruck: 3800 bar

Vihtavuori ist damit 1350 bar vom Maximaldruck entfernt. Ein theoretisch recht komfortabler Abstand. Ich gehe mal davon aus, dass keine Ladeempfehlungen veröffentlicht werden, die irgendwelche Klagen gegen den Pulverhersteller nach sich ziehen könnten.

 

Das sagt Vihtavuori aber auch

Schaut man sich die Ladeempfehlungen aus dem ersten Link etwas genauer an, so fällt eine auf, bei der beim 139gr.-Norma-Geschoss ganze 39,4 gr. N150 (maximal) erlaubt sind. OK, kann ja sein, dass sich Geschosse in Ihrer Geometrie äußerlich unterscheiden und gewisse Parameter der Patrone angepasst werden müssen. Aber entscheidend für ein gesundes Weiterschießen sollte ja immer noch der Gasdruck sein. Schauen wir uns die Daten mal mit Quickload an:

  • Hülse: 6,5×55, Hersteller unbekannt
  • Zündhütchen: Hersteller unbekannt
  • Pulver: Vihtavuori N150
  • Menge: 39,4 gr.
  • Geschoss: Norma HP, 139gr., (Mit Artikel 66517 aus der Datenbank von Quickload bezeichnet)
  • OAL: 78,0mm
  • Crimp: unbekannt
  • V0 (nach Vihtavuori): 779 m/s
  • V0 (nach Quickload): 807 m/s
  • Max. Gasdruck (nach Quickload): 3214 bar
  • Max. zulässiger Gasdruck: 3800 bar

Jetzt sind es sogar nur noch knapp 600 bar zum Maximaldruck.

Sind die Parameter für die Berechnungen mit Quickload alle richtig gewählt, so ist doch schon auffällig, dass es solche Unterschiede in den maximalen Ladeempfehlungen gibt. Für jemanden, der kein Quickload besitzt, erschließen sich diese Unterschiede im Gasdruck überhaupt nicht! Ist das jetzt ein Indiz dafür, dass man Gasdrücke  nahe 3800 bar nicht fürchten muss? Die Antwort folgt weiter unten…

 

Aussichten

Spielen wir mal ein wenig mit den Parametern der Software. Behalten wir dabei immer im Hinterkopf, dass den Ergebnissen nur Rechenalgorithmen zugrunde liegen und die Wirklichkeit anders aussehen kann.

  • „Meine Laborierung“, jedoch nur 37,0 gr. N150 (statt 38,0 gr.):

–> V0 sinkt auf 783m/s, Pmax sinkt von 3069 bar auf 2861 bar.

  • „Meine Laborierung“, jedoch OAL von 78,0mm (statt 76,5mm):

–>V0 sinkt auf 772m/s, Pmax sinkt von 3069 bar auf 2986 bar.

Möchte man den Gasdruck senken, hat es also den größeren Effekt, die Pulvermenge zu reduzieren, statt die Patronenlänge zu erhöhen. Nicht wirklich verwunderlich… Der umgekehrte Effekt tritt erst wieder ein, wenn man das Geschoss bis an die Züge setzt.

Irgendwann will man natürlich zu dem Punkt kommen, an dem man tatsächlich beurteilen kann, ob man sich mit einer Laborierung sicher fühlen kann, oder nicht. Nehmen wir dabei Quickload zu Hilfe und seine Grenzwertbereiche für Gasdrücke, die je nach Gefahrenpotenzial farblich hinterlegt sind (hier bezogen auf den Schweden mit 3800 bar Maximaldruck).

 

Diagramm
Exemplarisches Diagramm

 

  • Ohne Markierung/Weiss: bis 2800 bar

–> Warnmeldung: keine

  • Gelb markierter Bereich: 2800 bar – 3200 bar

–> Warnmeldung: keine

  • Lila markierter Bereich: 3200 bar – 3800 bar

–> Warnmeldung: „WARNUNG: Nahe am höchstzulässigen Gasdruck. Toleranzen können gefährliche Drücke verursachen!“

  • Rot markierter Bereich: >3800 bar

–> Warnmeldung: Hierzu liegt mir keine Info vor, soweit habe ich es nicht kommen lassen.

 

Beschussamt Mellrichstadt

Ich habe kurzerhand mal beim Beschussamt Mellrichstadt angerufen und das Glück gehabt, einen freundlichen Mitarbeiter zu sprechen, der sich für mich Zeit genommen hat. Meine wichtigste Frage wurde mir wie folgt beantwortet: Der Gasdruck nach CIP kann als dauerfest angesehen werden. Allerdings wurde mir auch empfohlen, einen Abstand von ca. 10 Prozent zum maximalen Gasdruck zu wahren, denn eine Materialermüdung kann immer im Bereich des Möglichen sein.

 

Mein Fazit

Ich habe mich im Rahmen dieses Beitrags nochmal eingehender mit den Ladedaten befasst, werde aber an meiner Laborierung für den Schweden aus folgenden Gründen festhalten:

  • Alle bisher ca. 600 abgeschossenen Patronenhülsen ließen sich problemlos herausrepetieren.
  • Kein einziges Zündhütchen war derart platt, dass der abgesetzte Ring an der Zündglocke bereits verdeckt war.
  • Vollkalibrieren von abgeschossenen Hülsen bedurfte nie eines erhöhten Kraftaufwands. Die Schleifspuren des Vollkalibrierens waren im Bereich des Hülsenbodens stets minimal, im Bereich des Hülsenhalses naturgemäß deutlich.
  • Alleiniges Halskalibrieren bereits abgeschossener Hülsen mit Anfertigung von Patronendummies ergab keine Probleme beim Laden/Repetieren des Verschlusses – somit keine Hinweise auf „Ausbauchen“ der Hülsen aufgrund erhöhten Gasdrucks.
  • Maximal zulässiger Gasdruck wird um 700 bar (entspricht 18% Differenz zum Maximalwert) unterschritten.
  • Keine Warnhinweise durch Software Quickload.

 

Das war nun ein recht trockener Beitrag zum Thema Wiederladen. Ich halte nicht aus Trotz an meiner Laborierung fest, sondern tue das nach sorgfältiger Auswertung aller Informationen, die ich bekommen konnte. Ich will mit diesem Beitrag auch niemanden dazu animieren, die Ladeempfehlungen der Hersteller generell zu überschreiten, für die meisten Sportschützen ist das auf den disziplinenkonformen Distanzen auch gar nicht notwendig. Sollte ich jemandem mit Long-Range-Ambitionen nützliche Anregungen geliefert haben, so freut mich das. Die letzte beobachtete Reichweite meines Schwedenmausers mit meinen o.g. Ladedaten beträgt übrigens 1350m. Weitere Kommentare oder Anregungen zu diesem Beitrag sind herzlich willkommen!

Ladedaten Schwedenmauser M/63, Teil 2

Endlich fertig!

Diesen Artikel wollte ich eigentlich schon vor Wochen, wenn nicht Monaten geschrieben haben. Jetzt, da er online ist, bedeutet das aber auch gleichzeitig, dass der Schwedenmauser endlich so schießt, wie ich mir das vorgestellt habe! War nochmal richtig spannend in den letzten beiden Wochen, denn ich wollte rechtzeitig vor dem nächsten Longe-Range-Event fertig werden. Tja, den Kampf habe ich dank gebrochener Klemmung an beiden Montageringen (zu fest an der Pica-Schiene angezogen) und dank eines Defekts am Zielfernrohr leider verloren… Die Schussbilder von diesem Tag erspare ich Euch mal.

Das ZF wurde kurzerhand ersetzt, auf dem Schwedenmauser ist nun -wie bei meiner Savage 10BA auch – Altbewährtes montiert: Ein Sightron S-III 8-32×56 – nur diesmal mit 1/4-MOA-Klickverstellung.

Zurück auf der 100m-Bahn ging es dann ans Einschießen mit nachfolgenden Ergebnissen. Alle Schussbilder zeigen 5-Schuss-Gruppen, sitzend mit Zweibein und Sandsack am Hinterschaft. Die Laborierungen gibt es gleich dazu. Schlechtere Ergebnisse von anderen Laborierungen zeige ich hier nicht mehr, davon gab es im ersten Teil des Beitrags bereits genug.

Achtung, für die Richtigkeit der Ladedaten wird keine Garantie übernommen! Wiederlader handeln auf eigenes Risiko!

Ladedaten Schwedenmauser 15
  • Hülse: Lapua Match, Kailber 6,5×55 Swedish Mauser
  • Zündhütchen: Federal Ammunition FA 210
  • Pulver: Vihtavuori N160
  • Menge: 39,0 gr.
  • Geschoss: Lapua Scenar HPBT, 139gr.
  • OAL: 76,5mm
  • Crimp: keiner
Ladedaten Schwedenmauser 16
  • Hülse: Lapua Match, Kailber 6,5×55 Swedish Mauser
  • Zündhütchen: Federal Ammunition FA 210
  • Pulver: Vihtavuori N160
  • Menge: 38,0 gr.
  • Geschoss: Lapua Scenar HPBT, 139gr.
  • OAL: 76,5mm
  • Crimp: keiner

Die Laborierung mit 39,0 gr. N160 liefert auch auf 300m sehr gute Ergebnisse. Geschossen wurde liegend aufgelegt mit Zweibein und Sandsack am Hinterschaft.

Hier geht es zum dritten und letzten Teil der Serie Ladedaten Schwedenmauser…

Ladedaten Schwedenmauser M/63, Teil 1

Die Entwicklung eines taktischen Schafts für den Schwedenmauser hat lange Zeit in Anspruch genommen und ein gelungener Abschluss dazu wäre sicherlich ein tolles Schussbild mit einer Ladeempfehlung gewesen. Kleine Streukreise hatte ich anfangs tatsächlich, allerdings hat sich das Schussbild mit der Zeit zusehends verschlechtert, sodass ich diesem Umstand erstmal auf den Grund gehen musste…

Das hat mich leider geschlagene 6 Wochen auf Trab gehalten und während ich diese Zeilen hier schreibe, drängt sich mir der Gedanke auf, dass ich es auch erheblich leichter hätte haben können. Ich musste mal wieder mein eigenes Süppchen kochen und habe mich bei der Wahl des Pulvers an den Hersteller Lovex geklammert, mit dem ich für meine Savage 10 BA und meine Hera Arms The 15th bereits sehr gute Ergebnisse erzielen konnte. Letztlich braucht man nur in diversen Foren nachzulesen, welche Ladedaten andere Sportschützen so veröffentlichen und Lovex ist da nicht so häufig vertreten, das S065 schonmal gar nicht.

Achtung, für die Richtigkeit der Ladedaten im Verlauf dieses Artikels wird keine Garantie   übernommen! Wiederlader handeln auf eigenes Risiko!

Ausgangssituation

Stolz wie Oskar habe ich mit meiner ersten oder zweiten Laborierung sogar eine Vereinsmeisterschaft der DSU mit ca. 20 Teilnehmern gewonnen, die Wettkampfentfernung betrug 100m. Vom Ergebnis habe ich leider kein Bild gemacht, allerdings kann das nachfolgende Bild stellvertretend einen Eindruck der damaligen Präzision vermitteln:

Ladedaten Schwedenmauser 01

Mein Schwedenmauser M/63 hat übrigens einen 27″ langen Lauf von Schulz und Larsen. Die damalige Laborierung war folgende:

  • Hülse: Lapua Match, Kailber 6,5×55 Swedish Mauser
  • Zündhütchen: Federal Ammunition FA 210
  • Pulver: LOVEX S065
  • Menge: 40,0 gr.
  • Geschoss: Nosler  HPBT Custom Competition, 140gr.
  • OAL: 79,3mm
  • Crimp: keiner

Der Ausreißer unterhalb der Gruppe hat mich damals noch nicht stutzig gemacht, das sollte sich aber bald ändern. Mit der Zeit hat sich das Schussbild derart verschlechtert, dass ich mir ernsthaft Sorgen gemacht habe, ob es nicht vielleicht an dem neu entwickelten Schaft liegen könnte. Hinweisen von Kollegen, dass die Systemschrauben vielleicht zu stark angezogen sein könnten, bin ich ebenfalls nachgegangen – so entstanden diverse Schussgruppen auch mit unterschiedlichen Anzugsmomenten der Systemschrauben. Gleichermaßen habe ich mir Gedanken darüber gemacht, dass der Lauf im originalen Schwedenmauser ja nicht freischwingend ist. So habe ich zusätzlich versucht, die Laufschwingung mittles untergelegter Klötzchen zu beeinflussen.

Und so sahen die Schussbilder mit allen erdenklichen veränderbaren Parametern aus, allesamt nicht zufrieden stellend:

Ladedaten Schwedenmauser 02
Ladedaten Schwedenmauser 03
Ladedaten Schwedenmauser 04

Neues Pulver

Wie gesagt, ich habe mich viel zu lange daran festgehalten, den Schwedenmauser mit S065 von Lovex wieder auf Präzision zu bringen, dabei gibt es eine Vielzahl von Empfehlungen mit den langsameren Pulvern N150 und N160. Bei Rückblickender Betrachtung ist das natürlich logisch: Wird ein rasantes Pulver verwendet, wird der Lauf beim Abbrennen gleich zu Beginn des Projektildurchlaufs heftig erschüttert. Das Projektil verlässt dann die Mündung, wenn der Lauf u.U. noch maximal in Bewegung ist. Das für den Sportschützen eher unbrauchbare Resultat ist oben ersichtlich.

Durch die Verwendung des eher langsamen N150 oder sogar N160 ergibt sich eine Beschleunigung des Projektils, die über einen vergleichsweise längeren Zeitraum erfolgt und somit weniger Erschütterungen/Schwingungen im Lauf erzeugt. Die nachfolgenden Bilder zeigen Schussgruppen mit verschiedenen Laborierungen und Setztiefen. Ich hoffe, die Schrift ist einigermaßen leserlich, ich musste mich für die Kennzeichnung weit aus dem Stand hinaus lehnen. Allen Laborierungen gemeinsam ist übrigens die Hülse Lapua Match 6,5×55, das Zündhütchen FA 210M und das neu gewählte Geschoss Lapua Scenar HPBT 139 gr.

Mein vorläufiges Fazit:

Bis auf zwei Schussbilder (Nr. 1 ohne Kennzeichnung und Nr.3) haben alle Laborierungen mit N150 immer noch einen Ausreißer. Jetzt sind Nr. 1 und 3 aber auch genau jene Schussgruppen mit nur vier Einschüssen, statt fünf. Ich lass´ mich von diesen kleinen Streukreisen aber erstmal nicht beindrucken, denn die Tendenz zum Ausreißer ist ja an den anderen Schussgruppen ersichtlich. Das noch langsamere Pulver N160 hat bei den Schussbildern Nr. 6, 7 und 8 zwar um wenige Millimeter größere Streukreise, aber insgesamt die geringere Streuung und für mich somit mehr Verlässlichkeit. Dies ändert sich erst mit den Schussbildern Nr. 9 und 10 (letzteres ohne Kennzeichnung) wenn zwei Grain mehr Pulver in der Hülse geladen sind. Vielleicht ist damit also wieder eine Schwelle überschritten und das langsamere Pulver verliert seinen Vorteil, weil der Abbrand aufgrund der Menge wieder ähnlich heftig wie beim N150 ausfällt. Das Schussbild Nr. 7´ist übrigens durch Nachsetzen von zwei Schüssen entstanden, deren Patronen versehentlich kürzer ausgefallen sind. Die Tatsache, dass das Gewehr auch mit sehr warmem/heißem Lauf noch gute Streukreise wie bei Schussbild Nr. 7 produziert, war sehr beruhigend.

Ich werde die Laborierung mit 38,0 gr. N160 und den Setztiefen 76,5mm und 78,0mm weiter verwenden und versuchen, diese bei bestmöglicher Präzision durch leichte Veränderungen in der Pulvermenge und/oder der Gesamtlänge auf Geschwindigkeit zu trimmen. Schließlich will ich die Munition auch auf langen Distanzen bis max. 1200m noch verwenden. Sobald hierzu Ergebnisse vorliegen, folgt ein zweiter Teil.

Hier geht es zum zweiten Teil der Serie Ladedaten Schwedenmauser…

Pistole 1911, Les Baer Premier II, 5″

Les Baer Premier II 1

Die Les Baer Premier II im Kaliber .45 ACP mit einer Lauflänge von 5“ war meine erste Waffe überhaupt. Sportschützen die hoch hinaus wollen, entscheiden sich häufig doch eher für die 6“-Variante wegen der längeren Visierlinie. Ich bin aber der Meinung, dass man durchaus auch eine 5“-Waffe meistern kann, denn Schießen lernt man eben nur durch schießen. Nebenbei bemerkt gefallen mir die Proportionen einer 6“ langen 1911er einfach nicht, aber das muss jeder selbst wissen.

Generell kann ich über diese Kurzwaffe nicht viel Neues schreiben, was nicht schon durch eine Vielzahl von anderen Berichten bekannt wäre. Les Baer hat einen gewissen Ruf und der liegt nach einschlägiger Meinung in der Eigenpräzision der Waffe begründet – das spiegelt sich dann aber leider auch im hohen Preis wieder. Nicht, dass andere Waffen nicht auch präzise wären, aber über die kann ich nun mal nichts sagen, mir fehlt da ganz einfach der Vergleich. Was auf jeden Fall als Mass für eine gute Eigenpräzision an einer 1911er angesehen werden kann, ist das Spiel zwischen Schlitten und Griffstück. Das kann jeder vor dem Kauf selbst überprüfen, indem er versucht, eben diese Bauteile an der Waffe gegeneinander zu verschieben und zu verdrehen (das gilt natürlich auch für den Kauf anderer Pistolen). Fabrikneue Les Baers heutiger Fertigung haben kein spürbares Spiel, davon konnte ich mich bereits selbst überzeugen. Klar, dass sich die berührenden Teile am Schlitten noch minimal abnutzen oder eine Beschichtung auch mal blank wird. Das ist aber kein Grund zur Sorge. Bei meiner Waffe handelt es sich um eine fast 20 Jahre alte Fertigung, zum Glück für mich wurde die Les Baer bis vor meinem Kauf kaum geschossen, sie war ein klassisches Erbstück. Das erwähnte Spiel an meiner Waffe ist kaum merklich und hat sich nach ca. 4000 Schuss die nun durch sind auch nicht spürbar verändert. Wer es zusätzlich doch etwas minimieren will, kann ja Fett anstatt Öl zur Schmierung des Schlittens verwenden. Doch Vorsicht vor grenzwertig laborierten Patronen, es kann im Winter zu Fehlfunktionen kommen, insbesondere bei Longslide-Modellen mit 6“ langem Lauf.

Les Baer Premier II 2

Die einzige Veränderung, die ich an der Waffe bisher vorgenommen habe, ist der Austausch der Griffschalen gegen einen Gummigriff von Hogue. Wer diesen bestellt, sollte nicht vergessen, auch die separat erhältlichen Schrauben zu kaufen.

 

Wartung und Pflege:

Vor jedem Schießen öle ich im Zustand mit offenem Verschluss den Laufmantel von außen ein, damit er es beim Gleiten durch die Mündungshülse etwas leichter hat. Wie und wo man eine Kurzwaffe ansonsten ölt, setze ich als Wissen jetzt einfach mal voraus. Das einzige Ersatzteil, das der Besitzer einer 1911er meiner Meinung nach noch auf Lager haben sollte, ist der ringförmige Gummipuffer, auf den der Schlitten beim Nachladen aufprallt. Hier empfehle ich eher hochwertige Produkte wie z.B. von Wilson, diese halten auch schon mal bis zu 3000 Schuss – bei mir jedenfalls. Das einzige, was diesem Gummipuffer wirklich weh tut, ist, die Schlittenfeder mit dem offenen Wicklungsende auf ihn drauf zu schieben. Man sollte also besser das angelegte Federende auf ihn schieben.

Zur Munition, die ich auf die Waffe abgestimmt habe, kann ich noch etwas beitragen. Hier findet sich meine Tabelle an Laborierungen wieder, die schon aus der Rubrik Downloads bekannt sein dürfte.

 

Achtung, es wird keine Garantie für die Richtigkeit der Ladedaten übernommen!

Wiederlader handeln auf eigenes Risiko!

Ladedaten .45 ACP

 

Vor dem Kauf meines AR-15 habe ich mich längere Zeit mit dem Gedanken befasst, die Les Baer in ein Triarii-System von Hera Arms einzubauen. Voraussetzung dafür ist, dass die Waffe nach Mil-Spec. gefertigt ist – und das ist die Les Baer definitiv nicht! An einem Triarii-System eines Kollegen habe ich es ausprobiert – der auf der linken Seite angebrachte Sicherungshebel ist leider im Weg. Der Durchladehebel des Triarii-Systems ist übrigens über ein Gestänge mit einem aus Stahl gefertigten Mitnehmer verbunden. Dieser Mitnehmer zieht den kompletten Schlitten der 1911 an der Mündung beim Durchladen nach hinten und hinterlässt nach einiger Zeit deutliche Spuren auf der Oberfläche der Waffe, das sollte man vor dem Kauf einfach wissen. Ansonsten kann ich das Triarii-System sehr empfehlen, es macht einigen Reiz aus, mit einer Carbine-änlichen Waffe auf dem Kurzwaffenstand zu schießen. Dank Picatinny-Schienen lassen sich sogar Zielfernrohre, Reflexvisiere oder weiteres Zubehör montieren. Die Katergorie dieser Waffe wird durch den Umbau übrigens nicht verändert, das System ist und bleibt juristisch gesehen eine Pistole!

 

Was man mit der 5“-Variante auf 25m erreichen kann, seht Ihr anhand der nachfolgenden Schussbilder.

 

 

Nachtrag:

Es hat lange gedauert, aber ich habe ein neues Höchstergebnis geschossen:

Schussbild Les Baer 25m

 

Diese Ergebnisse wurden auf 50m geschossen:

 

Anschlagschaft

Für die Waffe habe ich einen Anschlagschaft entwickelt, dessen Entwicklung ich in einer Beitragsserie beschrieben habe. Der finale Beitrag kann unter diesem Link gelesen werden.

Picatinny-Montage

Im gleichen Zuge habe ich für die Pistole eine Griffschale entwickelt, die über eine Picatinny-Montage die Anbringung einer Zieloptik oberhalb des Schlittens erlaubt. Die Picatinny-Montage ist hier verlinkt, wer den Beitrag zum Rotpunktvisier Meopta Mesight 3 lesen möchte, kann dies hier tun.