Magazinkompatibilität Savage/Ruger/Accuracy Int.

Accurate Mag - Ruger .308 1In diesem Beitrag geht es um die Kompatibilität des 10-Schuss-Magazins von Accurate Mag im Kaliber .308 Win. und der Verwendung einer günstigeren Alternative. Wie bereits in meinem Beitrag „Battlefield USA“ zu lesen war, habe ich mir in den Staaten Magazine für meine Savage 10 BA gekauft, weil sie hier in Deutschland nur schwer erhältlich oder sehr teuer sind. Das Magazin links im Bild ist das besagte von Accurate Mag aus Stahlblech.

Es passt definitiv auch in Tim´s neuen Schaft von Accuracy International, den AI AX AICS für die Remington 700 (in seinem Beitrag sieht man sein Gewehr ausschließlich mit einem 5-Schuss-Magazin). Gleichermaßen passt es aber auch in das Ruger Gunsite Scout Rifle. Und jetzt wird die Sache spannend: Für das Gunsite Scout Rifle gibt es nämlich noch ein 10-schüssiges Polymermagazin, das im Vergleich zum Stahlmagazin von Accurate Mag (140-160 Euro) mit ca. 40-50 Euro nur knapp ein Drittel kostet. Obwohl ich mir nicht sicher war, ob dieses Polymermagazin auch ohne Weiteres in die Savage 10 BA passt, habe ich es aus den Staaten mitgebracht. Zu hause angekommen, hatte ich dann Gewissheit: Es passt nicht.

Zumindest nicht ohne Nacharbeit und diese möchte ich im Folgenden beschreiben. Dazu benötigt man einen Messschieber, eine Flach- und eine Halbrundfeile, ein Cuttermesser zum Entgraten, etwas 400er Schleifpapier und etwas Poliervlies.

Werkzeugsatz

 

Hier nochmal zum Vergleich beide Magazine im eingesteckten Zustand: Accurate Mag und das zunächst noch unbearbeitete Polymermagazin.

Wir fangen einfach an und zerlegen zuerst das Magazin. Ein Blick ins Innere zeigt, dass die Wandung ausreichend stark ist und man die beiden gekennzeichnet Wulste ohne Probleme wegschleifen kann.

Nacharbeit Ruger Magazin 1

Sobald diese weg sind, kann das Magazin leichter in den Schacht eingeführt werden und verkantet nicht mehr. Laut nachfolgenden Bildern feilt man dann die beiden Stege um 7,5mm herunter (die Magazinlippen werden davon nicht beeinträchtigt), sodass ein Absatz im Abstand von 51mm von der linken Körperkante entsteht. In einem Abstand von 65mm feilt man dann eine Fase zur rechten Körperkante hin, bis diese eine Länge von 86mm aufweist (ohne Magazinboden).

Nacharbeit Ruger Magazin 2

 

Als Letztes benutzt man eine Halbrundfeile, um wie beim Originalmagazin eine Hohlkehle in der Stirnseite zu erhalten. Der tiefste Punkt dieser Hohlkehle ist von der unteren Körperkante 82mm entfernt. Dieser Schritt ist notwendig, weil das Gewehr im Inneren des Magazinschachts auch eine entsprechende Geometrie aufweist.

Nacharbeit Ruger Magazin 3

 

 

Es ist zudem notwendig, mit der Halbrundfeile auch die beiden seitlichen Wandungen des Magazins auf der Innenseite etwas abzufeilen, sodass von oben betrachtet, der Radius in die beiden Wandungen ausläuft.

Nacharbeit Ruger Magazin 7

 

Und hier das Resultat der Nacharbeit im Vergleich zum Accurate Mag aus Stahlblech:

 

Nachtrag:

Oh je, das Magazin hat im gestrigen Einsatz leider versagt! Nachdem die Patronen geladen waren, ist das Magazin leider nicht mehr im Schacht eingerastet. Zudem gab es Zuführstörungen vom Magazin in die Patronenkammer: Der Patronenboden ist in Richtung Magazinboden etwas abgekippt, sodass der Zuführwinkel für die Geschossspitze zu steil wurde und sich der Verschluss nicht schließen liess. Weiter habe ich das Phänomen erstmal nicht untersucht, weil ich ja in erster Linie zum Schießen in den Verein gekommen bin. Ich habe keine Ahnung, ob das Magazin noch zu retten ist, aber mit 36 Dollar hielt sich das Lehrgeld auch in Grenzen, wenn es das jetzt gewesen sein sollte.

Battlefield USA

Battlefield Las Vegas 18

Mein zweiwöchiger Urlaub an der Westküste der USA ist nun leider zu Ende und über die Erlebnisse will ich in diesem Beitrag berichten. Doch keine Angst, ich beschränke mich dabei schön brav auf das Thema des Blogs: Waffen und Gerät. Und davon gibt es in den Vereinigten Staaten mehr als genug! Nebenbei bemerkt habe ich dort wirklich Urlaub gemacht, die Besuche in den Gun Stores waren relativ kurz, auch wenn sie zahlreich erscheinen mögen.

Schon vor den Besuchen von Gun Stores konnte ich mit der B-17 Flying Fortress schweres Gerät im Einsatz sehen. Sie überflog die Queen Mary, die in Long Beach vor Anker liegt und mit einigen Anbauten von Land her kurzerhand zu einem Hotelschiff umfunktioniert wurde.

B-17

Weiterhin wurde vor diversen Einkaufszentren von Veteranen oder von Leuten mit der (meiner Meinung nach) richtigen Einstellung für Kriegsversehrte oder deren Familien gesammelt. Ich wünschte mir, dass diese Solidarität auch in der deutschen Bevölkerung herrschen würde! Leider muss man an dieser Stelle aber auch sagen, dass sowohl die deutsche, als auch die amerikanische Regierung erheblich mehr für ihre Versehrten tun könnte. Mit oder ohne Geldspende, man erhielt eine stilisierte Mohnblume als Andenken, das Symbol für gefallene Soldaten.

In Memoriam

Zwei davon lagen fortan als Zeichen unserer Solidarität gut sichtbar auf dem Armaturenbrett unseres Mietwagens. Leider konnte ich den Beamten für Parkraumüberwachung in Venice Beach damit nicht erweichen, von der Erstellung eines Parktickets abzusehen: 93 Dollar – die spinnen wohl!!! Officer Angus hatte danach seinen Spitznamen bei mir weg, Ihr könnt ihn sicherlich erraten. Natürlich hab´ ich ihm das nicht ins Gesicht gesagt, auch das ist unschwer zu erraten…

 

Kommen wir zurück zum Wesentlichen: Knarren.

 

Turner´s Outdoorsman

https://www.turners.com/

Mein erster Besuch galt Turner´s Outdoorsman in Long Beach. Hier wollte ich mal schauen, ob es nicht die in Deutschland vergriffenen 10-Schuss-Magazine für meine Savage 10 BA gibt. Leider Fehlanzeige, aber nach einem freundlichen Gespräch und einigen Telefonaten des Verkäufers mit einer anderen Filiale, konnten gleich zwei davon in Signal Hill ausfindig gemacht werden. Nichts wie hin, das Zeug abholen – ein vielleicht für die 10 BA passendes und erheblich günstigeres Magazin, sowie ein Holster für meine 1911er nahm ich auch gleich mit. Die Geschäfte in Long Beach und Signal Hill waren übrigens gut sortiert und auch gut besucht. Turner´s bietet neben Waffen und Munition auch ein erhebliches Sortiment rund um das Fischen und Jagen. Gefühlt würde ich Turner´s mit Frankonia bei uns vergleichen, mit einigen wesentlichen Unterschieden: 1. Es ist ausreichend Personal da. 2. Man geht ans Telefon, wenn´s klingelt und 3. es gibt da nicht so viele komische grüne Klamotten.

Turner´s Outdoorsman

 

Battlefield Las Vegas

http://www.battlefieldvegas.com/

Die Einfahrt auf das Areal suggeriert schon, dass man den zivilen Sektor hinter sich lässt, weil man erst mal auf eine Sandsackbarriere zufährt, die einem Checkpoint ähnelt. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich kapiert habe, dass das eigentlich überhaupt kein Gun Store, sondern eine ausgewachsene Shooting-Range ist. Das schwere Gerät im Außenbereich habe ich zunächst für eine teure ausgemusterte Show gehalten, bis ich die zerquetschten Autowracks auf dem Hof gesehen habe. Ich war so voller Ehrfurcht, dass ich überhaupt nicht mehr daran gedacht habe, auch vom Innenbereich Fotos zu machen. Wirklich viel zu sehen gab es dort eigentlich auch nicht, weil ich erst gar nicht bis auf die Shooting Range vorgedrungen bin: Am Verkaufstresen habe ich mal einen Blick auf diverse Preise geworfen und fast 400 Dollar für das Schießen mit einem MG war mir dann ehrlich gesagt doch zu viel. Im für alle Besucher zugänglichen Areal gab es neben einer Vielzahl von Patches auch einige Artikel, die eher im Bereich Merchandise und Fun angesiedelt sind. Bemerkenswert war hier der lebensgroße Gummi-Oberkörper eines typischen Islamisten, den man als Zielscheibe mit auf die Range nehmen konnte. Battlefield Las Vegas war übrigens die einzige mir bekannte Shooting Range, bei der man sich mit Panzern, der M-134 Minigun oder sogar mit Granatwerfern wie dem M-79 austoben konnte. Auf die Frage nach Zubehör für Waffen bin ich dann zur Zweigstelle „Lock n Load“ verwiesen worden, die nicht weit entfernt lag.

Hatte ich bisher noch nicht erwähnt: Autos in der Größe eines X5, Q7 oder noch ´n Ticken größer sind in Amerika wirklich keine Seltenheit, an das Bild musste sich mein Auge erst mal etwas gewöhnen. Aber einige Exemplare waren derart groß, dass man aus dem Staunen nicht mehr heraus gekommen ist. Siehe auch das nächste Fahrzeug, das uns auf dem Weg zu „Lock n Load“ überholt hat. An einer Ampel konnte ich noch einige Schnappschüsse machen, das Kennzeichen passt natürlich wie die Faust auf´s Auge:

http://discountfirearmsusa.com/

 

Lock n Load

Die Webseite ist aus Europa leider nicht erreichbar, hier die alternative Seite auf Facebook:

https://www.facebook.com/Lock-N-Load-Tactical-129416650402766/

Das Geschäft bot neben einer reichlichen Auswahl an Kurzwaffen natürlich auch einige Langwaffen und vor allem Zubehör für selbige. Das Angebot an Magpul-Artikeln war hier schlicht überwältigend. Auffallend war, dass alles, was irgendwie mit Glock oder Sig Sauer zu tun hatte, einen deftigen Preis aufwies. Das zeigt aber auch, dass die Amis auf diese Waffen abfahren, denn auch hiervon gab es reichlich Artikel. Rückblickend hätte ich hier noch den einen oder anderen Artikel mehr mit nach Deutschland nehmen sollen, die neue Railabdeckung für mein AR-15 kann mir aber keiner mehr nehmen:

Lock N Load

Am nächsten Tag wurden zwei weitere Geschäfte besucht, von denen das erste auch einen ansehnlichen Shop aufwies:

 

Gun Garage

http://www.gungarage.com/

Hier wurde die Kamera auch im Innenbereich gezückt, beim Fotografieren habe ich mich aber auf den hinteren Teil des Geschäfts konzentriert, denn da war die Shooting Range zu finden. Eine Atmosphäre zum Wohlfühlen mit vielen hübschen Mitarbeiterinnen und Heavy Metal-Musik. Eher wenig Zubehör für Waffen, dafür aber reichlich Rucksäcke, Taschen und Funktionskleidung.

 

The Range 702

http://www.therange702.com/

Auf dem Rückweg zum Hotel habe ich noch “The Range“ besucht, hier habe ich mich aber nur sehr kurz aufgehalten. Schießen wollte ich nicht und der Verkaufsbereich war so übersichtlich, dass ich mir schon nach kurzer Zeit wie ein Fremdkörper vorkam.

The Range 702 1

 

Die nächste Zeit war dann wieder etwas Sightseeing angesagt. Unser erster Versuch, den Nationalpark im Grand Canyon zu erreichen, ist aber leider an der Vollsperrung des Highway 64 gescheitert. Grund dafür war eine Schießerei mit der Polizei. Aufgrund des Ausmaßes des Staus war davon auszugehen, dass die Schießerei kein gutes Ende genommen hat…

 

N. P. Guns

http://www.npguns.com/

Die weitere Reise hat uns durch Bullhead geführt, wo ich N. P. Guns besucht habe. Das Geschäft war eher klein, jedoch habe ich hier eine sehr freundliche Unterhaltung mit einer Angestellten geführt. Zu kaufen fand ich für mich hier leider nichts, aber zwei außergewöhnliche Handguards für das AR-15 durfte ich fotografieren: Der erste Handguard trifft mit einem eher freundlichen und blumigen Muster nicht unbedingt meinen Geschmack, aber allein der Fertigungsaufwand erhält meinen höchsten Respekt! Nicht weniger aufwändig war der zweite, eher patriotische Handguard, der den Stars and Stripes nachempfunden wurde. Was auf dem Bild leider nicht so gut rüberkommt, ist der Schriftzug „We, the people…“, die ersten drei Wörter der amerikanischen „Bill of Rights“. Mit jeweils etwas über 300 Dollar für die Handguards sind beide aber absolut erschwingliche Eyecatcher – geil!

 

Bass Pro Outdoorworld

http://www.basspro.com/

Einige Outlet-Malls später (meine Frau durfte auch nicht zu kurz kommen) war ich dann mal wieder an der Reihe. Schon vom Highway aus konnte man „Outdoorworld“ erkennen. Auf dem Gelände angekommen, hat man dann sehr schnell kapiert, dass hier nicht gekleckert wird. Stand man noch staunend vor dem  – ja was ist es eigentlich? Das Wort „Geschäft“ wird dem eigentlich nicht mehr gerecht, also nennen wir es mal „Tempel“ – fiel der Blick sogleich auf das zugehörige stattliche Fisch-Restaurant. Die Absicht war für mich offensichtlich, die Strategie zielt ganz klar darauf ab, den Besucher eine sehr lange Zeit in den eigenen Räumlichkeiten zu binden. Ob er nun Geld für Waffen und Outdoor-Artikel oder für´s Essen ausgibt, spielt dabei keine Rolle. Aus dieser Sicht bin ich selbst schon ziemlich amerikanisch ( Her mit der Green-Card!) :-).

Sehr geil fand ich übrigens den Schnappschuss, der mir vor dem Betreten des Tempels gelungen ist: Er sagt so viel über (einen Teil des) American Way of Life aus!

Bass Pro Shop 3

Drinnen ist mir dann die Kinnlade runtergefallen. Ich erinnere mich gerade an meine Kindheitstage, als ich im Hertie durch die Spielwarenabteilung gelaufen bin – und die war noch übersichtlich! Lassen wir die Bilder für sich sprechen…

 

Crosshairs USA

http://crosshairsusa.net/

Die Artikel dieser Seite sind leider nur aus den USA heraus aufrufbar, mit einem mitgebrachten Tablet oder Smartphone ist das aber kein Problem. Die Hauptseite kann man aber noch anschauen.

Als ich am Vorabend die Internetseite durchforstet habe, bin ich auf einige sehr nette Artikel gestoßen, die Auswahl daran ist übrigens sehr groß! Obwohl ich gar keine Anhängerkupplung an meinem SUV habe, hätte ich mir dort gerne eine Abdeckung dafür in Form einer M-18 Claymore gekauft. Front toward enemy. Leider sind meine Erwartungen an das Geschäft am nächsten Tag enttäuscht worden, denn es war eher klein und die darin angebotenen Artikel auch nicht so zahlreich. Das Geschäft wird wohl eher im Online-Bereich gemacht, wobei die Shops auch als eine Art Abholstation fungieren können. Nichtsdestotrotz habe ich in diesem Laden eines der längsten und angenehmsten Gespräche führen können, wobei ich Antworten auf einige brennende Fragen erhalten habe:

Wie kann es sein, dass es Geschäfte wie in Las Vegas gibt, die Kriegswaffen besitzen dürfen? Dahinter steckt die sogenannte Klasse 3-Lizenz. Sofern man deren Anforderungen erfüllt und man sich diese nicht zuletzt auch finanziell leisten kann, ermöglicht sie dann den Kauf von z.b. Panzern, Mörsern, Haubitzen, vollautomatischen Schusswaffen, Flammenwerfern und natürlich Granaten. Nicht zu fassen! Ebenfalls nicht zu fassen war der kurze Zeitraum, in dem es Amerikanern möglich ist, eine Waffe zu kaufen: Oftmals nur ein Tag für die Überprüfung. Sofern eine Online-Überprüfung möglich ist, kann dies teilweise schon in nur 20 Minuten erledigt sein! Und wir Trottel von Sportschützen warten 12 Monate bis zur Bescheinigung des Vereins, nur um dann festzustellen, dass das BKA weitere drei Monate für eine „Überprüfung“ benötigt. Aber die Mitarbeiter bei Crosshairs waren zur Abwechslung auch mal neidisch auf uns: Deutsche Waffen des zweiten Weltkriegs stehen bei den Amerikanern hoch im Kurs. Während wir einen ungeschossenen Karabiner 98 aus Lizenzfertigung und Depotbeständen schon für knappe 500 Euro kaufen können, kostet ein solches Gewehr in Amerika rund das zehnfache. Grund dafür ist eine notwendige und teure Importlizenz, die sich der Inhaber natürlich wieder vergolden lässt. Die Replikas der MP40 und des Sturmgewehrs 44 im Kaliber .22 lfB. von German Sport Guns waren übrigens wohlbekannt.

 

Walmart

http://www.walmart.com/

Ja, richtig gelesen – Walmart! Sofern es sich nicht ausschließlich um einen Lebensmittelmarkt (grünes statt blaues Logo) handelt, kann man hier ebenfalls eine Auswahl an Outdoor-Artikeln finden. Waffen werden hier nicht verkauft, dafür allerdings Munition und das eine oder andere Zubehör für Waffen. Sehr interessant fand ich das (wahrscheinlich Lego-kompatible) Spielzeug von „Call of Duty“ und „Halo“. Überaus begeistert war ich vom Patriotismus, den Walmart anlässlich der bevorstehenden Memorial-Days gezeigt hat: Aus Getränken wurden kurzerhand die Stars and Stripes mit einer salutierenden Person oder aus Bierflaschen und Fässern ein Panzer aufgebaut. Man stelle sich diese Form des Patriotismus´ mal in einem deutschen Geschäft vor!!! Unglaublich, was für ein Shitstorm aus der grünen und roten Ecke über einen herein brechen würde!!! Ich bin in dieser Hinsicht ehrlich gesagt neidisch auf das amerikanische Volk. Dort gibt es sicherlich auch dringende Probleme, die angegangen werden müssen, aber die Liebe zum Vaterland ist ungebrochen. Ganz im Gegenteil zu uns, das deutsche Volk hat sich meiner Meinung nach zu einem duckmäuserischen Einheitsbrei entwickelt, das froh ist, wenn es im individuellen Lebensbereich mal gerade nicht von der teilweise dämlichen Politik tangiert wird. Und die öffentlichen Medien verbreiten weiterhin fröhlich das Bild von Friede, Freude und Eierkuchen. Wir sollten alle mal einen Blick nach Frankreich werfen, wo die Straßen in erster Linie dazu da sind, um zu demonstrieren. Und wenn es mal gerade nichts zu demonstrieren gibt, dürfen dort gnädigerweise Autos fahren. Den Mund aufzumachen gelingt uns ja leider fast nur noch am Stammtisch…

 

 

 

 

Kompensator für Bull-Barrell Matchlauf

AR-15 Hera Arms Kompensator 3

Hier ist ein kurzer Bericht zu meiner jüngsten Spielerei: Ein Laufgewicht zum Klemmen an einen Bull-Barrel Matchlauf. Ein Mündungsfeuerdämpfer ist es per Definition ja eigentlich nicht, denn dieser soll ja das Hochschlagen der Waffe beim Schuss durch vorhandene Querbohrungen oben und seitlich verhindern. Wer mag, kann das Laufgewicht daher auch als SD-Attrappe bezeichnen. Wie dem auch sei, beide Objekte sind in Deutschland frei erhältlich und bedürfen keiner Genehmigung zum Erwerb oder der Anbringung.

Mit nachfolgender Zeichnung kann das Teil hergestellt werden. Die Bohrung der Klemmnabe habe ich im Durchmesser 0,1mm größer als der vermessene Laufdurchmesser festgelegt (hinzu kommt dann noch die Toleranz von +0,1mm, die ja nicht ausgeschöpft werden muss). Die Schrauben sollten nicht unbedingt aus Edelstahl sein, sondern eine Härte von min. 8.8 aufweisen. Brünierte Schrauben mit flachem Kopf nach DIN 6912 wären für meine Begriffe das Optimum.

Klemmhülse LS100

Im montierten Zustand sieht das Ganze dann so aus:

Nachfolgend noch einige Schussgruppen auf 50m, die in dieser Reihenfolge entstanden sind:

1: Ohne Laufgewicht, Haltepunkt Schusspflaster

2: Mit Laufgewicht, Haltepunkt Schusspflaster, Klemmschlitz zeigt nach 3 Uhr

3: Ohne Laufgewicht, Haltepunkt Schusspflaster

4: Mit Laufgewicht, Haltepunkt Schusspflaster, Klemmschlitz zeigt nach 12 Uhr

Schussbild AR-15 Hera Arms Kompensator

Als erstes fällt auf, dass sich bei Montage des Laufgewichts die Trefferlage um ca. 25-30mm nach rechts unten verlagert. Hätte ich jetzt ehrlich gesagt nicht erwartet, aber irgendwas muss der Lauf ja machen, wenn man ihn schwingungstechnisch verändert. Die Lage der Schussgruppe bei montiertem Gewicht scheint mir auch nicht wirklich von der Ausrichtung des Klemmschlitzes abzuhängen – aber es will ja alles ordentlich untersucht werden. Während ich noch so darüber nachdenke, ob die Treffpunktverlagerung jetzt schlecht ist, fällt mir folgendes dazu ein: Wer sagt eigentlich, dass mein Lauf ohne die zusätzlich Masse perfekt schießt? Schwer zu beurteilen, denn ich habe mein ZF ja längst nach der ursprünglichen Trefferlage ausgerichtet und beurteile jetzt natürlich von diesem Standpunkt aus.

Auf den beiden nachfolgenden Videos wollte ich dokumentieren, ob sich das Mündungsfeuer verändert – mir ist aber keine Besonderheit aufgefallen.

 

Mein Fazit:

Augenscheinlich hat sich das Schussbild ja nicht verschlechtert, denn Schussgruppe Nr. 4 spricht für sich. Ansonsten macht die Konstruktion nicht viel Sinn, außer, man wollte schon immer eine SD-Attrappe haben – denn dafür kann das Ding herhalten. Wer mehr über das auf den Bildern zu sehende AR-15 wissen möchte, kann hier weiterlesen.

 

Beschusstest an 4mm Stahlplatte

Beschusstest

Die Entstehung des obigen Bildes war eher ungeplant, aber da es nun schonmal da ist, nutze ich es mal als Lückenfüller bis zum nächsten Beitrag. Beschossen wurde eine Stahplatte von 4mm Dicke, die Ausbeulungen zu 1 & 3 betragen auf der Rückseite der Platte ca. 6-8 mm Höhe.

  1. Kaliber 9mm Luger, 25m, unbekanntes Rundkopf-Geschoss, wahrscheinlich 124 gr.
  2. Kaliber .45 ACP, 25m, Semi-Wadcutter-Geschoss aus Bleilegierung, 200 gr.
  3. Kaliber .357 Mag., 25m, H&N Kegelstumpfgeschoss (TC) aus Blei, 158 gr.
  4. Kaliber .223 Rem., 25m, Hornady Vollmantel-Boattail-Geschoss, 55 gr. Ziemlich markant finde ich hier den Wulst am Rand, der der Flugrichtung des Projektils entgegen gerichtet ist.

 

 

 

Adaption Lee Pulverfüller an Dillon XL 650

Wie in einem anderen Artikel bereits erwähnt, begann das Wiederladen für mich mit dem Kaliber 9mm Luger, mangels Waffe in diesem Kaliber fristet genau dieses Zubehör aber ein eher karges Dasein. Dann und wann bekomme ich zwar Leihwaffen in 9mm in die Finger, aber das hat bisher nicht ausgereicht, mir NOCH einen Pulverfüller von Dillon zu kaufen. Die Dinger sind ja auch nicht gerade günstig.

Da ich zudem zu bequem bin, die Dillon Pulverfüller umzubauen und auf neue Kaliber zu justieren, beschreibe ich hier also einen Versuch, den eher günstigen Lee Perfect Powder Measure auf die Mehrstationenpresse XL 650 von Dillon zu adaptieren. Dass hier das gesparte Geld einer Mehrarbeit gegenübersteht, liegt natürlich auf der Hand. Mehr Handgriffe bedeuten außerdem auch, dass mehr Konzentration bei der Arbeit notwendig ist.

Den meisten Gewinn aus diesem Artikel erhält also derjenige, der Zugang zu einer Drehbank hat und sich einen Lee Pulverfüller günstig besorgen kann oder noch besser irgendwie einen übrig hat. Mal abgesehen von den Dreharbeiten kommt man selbst bei Neuanschaffung des Lee Pulverfüllers und der Dillon Einschraubmatrize auf lediglich 50% der Kosten eines Pulverfüllers von Dillon. Für mich war dann auch noch der Reiz da, es technisch umsetzen zu können.

Hier ist die Anleitung:

Zunächst muss eine Dillon Einschraubmatrize gekauft werden, sie kostet so um die 15 Euro. Von meinem Conversion Kit hatte ich noch den Pulverfülltrichter Typ F übrig, dieser muss noch modifiziert werden. Ohne den originalen Pulverfüller von Dillon kann sich dieser nämlich in der Einschraubmatrize frei bewegen, das bringt für das Antrichtern der Hülse aber leider gar nichts. Deshalb wird nahe dem Absatz zum polierten Teil ein Einstich für eine Sicherungsscheibe DIN 6799 – 9 gefertigt, wenn das passende Werkzeug vorhanden ist. Bei mir war das leider nicht der Fall, sodass die Ringnut einfach doppelt so breit angefertigt wurde, natürlich sollte man dann auch zwei Sicherungsscheiben einlegen.

Aus reiner Vorsicht wurde am anderen Ende durch Nachsetzen mit einem Senker die schmale Ringfläche etwas verkleinert, sodass eine scharfe Kante entsteht, an der keine Pulverkörner hängen bleiben sollen. Wenn der Pulvertrichter nun von oben in die Einschraubmatrize gesteckt wird, sorgen die Sicherungsscheiben DIN 6799 – 9 dafür, dass dieser nach wenigen Millimetern nicht weiter hoch gedrückt werden kann und die von unten nachdrückende Hülse angetrichtert wird.

Sofern alle anderen Matrizen korrekt ausgerichtet sind, sollte die Einschraubtiefe an der Station zum Trichtern/Pulverfüllen jetzt so justiert werden, dass die Hülse wie gewünscht angetrichtert wird. Das Resultat sieht bei mir so aus:

Als nächstes wird das Bauteil „Trichteraufnahme“ laut nachfolgender Zeichnung angefertigt. Alternativ kann das Teil auch aus der Zeichnung „Indikatoraufnahme“ aus dem Artikel „Optischer Powder Check“ nachgearbeitet werden – das war bei mir der Fall.
Trichteraufnahme

Nachfolgend also links die Indikatoraufnahme“ und rechts die „Trichteraufnahme“.

Die Trichteraufnahme wird über das Gewinde des Lee Pulverfüllers geschoben (Achtung: Presssitz! Bei Bedarf können die Gewindeflanken noch leicht angeschliffen und/oder Klebstoff zur Fixierung verwendet werden) und das Ganze wird dann auf die Einschraubmatrize gesteckt, wo es an der oberen Ringfläche mit Sekundenkleber fixiert wird. Die Einschraubmatritze mit Trichter muss vorher justiert werden, da ein Verdrehen mit dem aufgeklebten Pulverfüller kaum mehr möglich ist.

Sofern alle Stationen auf das Kaliber justiert sind, kann jetzt das Wiederladen beginnen. Im oberen Totpunkt der Presse wird ab sofort halt nochmal kurz der Pulverfüller von Lee betätigt.