Remington 700 wird ein Bullpup: Teil 3 – Planung

Schießsportliche Disziplinen meiner Verbände, die das Schießen mit „beliebigen“ Schäften, also solchen, die nicht notwendigerweise käuflich zu erwerben sind, zulassen, haben hohe Gewichtsgrenzen für die jeweiligen Waffen von bis zu 10 kg.

Da ich mich für den Lauf mit 28″ Länge und 1,2″ durchgehendem Durchmesser entschieden habe, bringt allein dieser, mit der Systemhülse und dem Verschluss, ca. 4,5 kg auf die Waage. Mit der bereits gefertigten Mündungsbremse sind es gute 5 kg. Das IOR ZF mit Montageringen bringt auch noch einmal ca. 1 kg zusätzlich.

Bei der Planung des Schaftes hat dessen Gewicht keine vordergründige Rolle gespielt, wesentlich war der Aufbau aus einfachen geometrischen Formen, die sich gut / einfach mit Schrauben verbinden und einfach bearbeiten lassen. Nach ersten Schätzungen wird das Gewicht ziemlich genau auf die 10 kg hinauslaufen, eventuell sind auch noch „Erleichterungen“ notwendig.

Daraus ergab sich das SketchUp Modell V7, wie in Teil 1 schon gezeigt. Dazu einige Details:

Die Mündungsbremse wird auf den Lauf geklemmt, da bei der Bestellung an ein Mündungsgewinde nicht gedacht wurde. Durch den Laufdurchmesser von 1,2″ / 30,48 mm wurde eine umlaufende Klemmung mit einem geschlitzten Ende an der Mündungsbremse geplant, das die Mündung umfasst und am Außendurchmesser eine Kegel-Form aufweist. Eine Hülse mit passendem Innenkegel wird mit einem M45x2 Gewinde auf die Mündungsbremse geschraubt, festgezogen und klemmt damit die Bremse auf den Lauf.

Der größte Durchmesser beträgt ca. 50 mm an der Hülse auf Höhe des Gewindes. Weitere Details zur Bremse in Teil 4 der Serie.

Der barrelblock besteht aus einem inneren Kunststoff-Block, der den Lauf umschließt und einem Aluminium-Block, der Lauf und Kunststoff-Block mittels Schrauben klemmt, die Verbindung zum Rest des Schafts herstellt und die Schiene zur Aufnahme des Zielfernrohrs tragen wird.

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Mit der Zweiteilung des Aufbaus können Fertigungsschwierigkeiten umgangen und eine Element zur Schwingungsdämpfung zwischen barreled action und Schaft eingebaut werden.

Die „Systemhülse“ gliedert sich ebenfalls in zwei Teile, die innere und die äußere Hülse. Die innere Hülse wird auf der Systemhülse der barreled action geführt und erlaubt die Verlagerung des Kammerstängels an das vordere Ende der Systemhülse. Die innere Hülse wird entsprechend ausgespart, um Magazin, Abzug und Auswurffenster nutzen zu können, sowohl in offener wie auch geschlossener Verschlussstellung mit dem 90° Öffnungswinkel des 2-Warzen-Verschlusses der Remington 700.

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Die äußere Hülse umschließt die innere Hülse und ist mit dem Schaft verbunden. zwischen innerer und äußerer Hülse gibt es keinen Kontakt, das System kann also frei schwingen. Auch hier gibt es entsprechende Aussparungen für Magazin, Abzug und Auswurffenster sowie den Kammerstängel.

Der Rahmen ist das Rückgrat des Schafts. Er verbindet Vorderschaft und Schaftkappe, nimmt den Griff und das Magazin auf und beinhaltet den Abzugsmechanismus zur Ansteuerung des Timney Abzugs.

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Der Rahmen ist für äußere Hülse, Magazin und Abzug ausgespart. An seiner Unterseite ist ein durchgehender Schlitz gefräst. Dieser nimmt eine Platte auf, auf / an dem Griff, Abzugsmechanismus und Magazinhalter befestigt werden. Der Vorderschaft besteht aus einem Aluminium-Profil (I-Typ Nut 5 80 x 40 mm), das noch herum lag (in verschiedenen Modellversionen auch schon verarbeitet worden).

Die Planung ist relativ grob und dient zuvorderst der Materialplanung. Auf Basis der Planung entstand die Materialliste mit Platten, Rohren und Stäben, vorwiegend aus Aluminium 7075-T6 und 6060. Die Mündungsbremse besteht aus C45 Werkzeugstahl und der innere Kunststoffblock aus Polyamid 6.

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Remington 700 wird ein Bullpup: Teil 2 – Überlegungen zum Konzept

Bullpup-Gewehre, also solche, deren System/Magazin hinter dem Griff/Abzug sitzt, faszinieren mich schon lange. Die Idee einer kurzen Gesamtlänge, bei gleichzeitig verhältnismäßig langem Lauf, spricht dabei für sich.

Natürlich bringt das System auch Nachteile mit sich, vor allem was die Benutzbarkeit durch Rechts- und Linkshändern angeht bzw. der Wechsel zwischen dem Schießen mit starker und schwacher Hand. Für halbautomatische Gewehre (FAMAS, SA-80, Steyr AUG, IWI Tavor, Desert Tech MDR, Kel-Tec RDB und RFB usw.) stellt sich in diesem Zusammenhang natürlich besonders die Frage des Hülsenauswurfs. Dabei gibt es zum Teil hervorragende Ingenieurs-technische Lösungen.

Leider sind diese, abgesehen vom Steyr AUG Z Sport, für Sportschützen in Deutschland keine Option. Vor einiger Zeit hatte ich allerdings die Gelegenheit, das Kel-Tec RFB eines Jägers mit Schalldämpfer und Unterschall-Munition auf 300m zu schiessen, einfach traumhaft. Abgesehen vom Geschossabfall natürlich!

Während der Konzeptentwicklung für die Remington 700 als Bullpup habe ich mich intensiv mit bestehenden Bullpup-Repetierbüchsen beschäftigt. Wenn diese nicht mit solch heftigen Preisschildern versehen wären, hätte ich wahrscheinlich einfach ein solches gekauft. Allerdings war das nicht im Budget. Aus dieser Phase ergaben sich sowohl ein Pflichtenheft für das Gewehr als auch Hürden, die es durch die Konstruktion zu meistern galt.

Pflichtenheft & Hürden:

  1. Gesamtlänge nicht größer als 42″ / 106 cm (Damit es in den Peli 1720 passt)
  2. max. mögliche Lauflänge
  3. Magazin
  4. vernünftiger Abzug
  5. gute Ergonomie (LOP / Abstand Magazin & Griff)
  6. Der Kammerstängel sitzt bei (als solche entwickelten) Bullpup-Repetierern direkt hinter den Verriegelungswarzen, für einen möglichst ergonomischen / „normalen“ Repetierweg.
  7. Der ausgewählte Lauf (siehe Teil1) wiegt 3,9 kg und soll nicht ausschließlich am kurzen Systemgewinde aufgehängt werden.

Lösungen:

  • Bei vollständig zurückgezogenem Verschluss ergibt sich mit dem 28″ / 71cm Lauf eine Gesamtlänge von knapp 100cm.
  • Ein Airsoft HK417 Magazin wird zu einem einreihigen 10er Magazin umgebaut.
  • der Remington Abzug wird durch einen Timney Tactical ersetzt. Dieser besitzt ein sehr einfach demontierbares Abzugszüngel und kann daher, aufgrund fast halbierter Bauhöhe, einfacher im Schaft versteckt und besser angesteuert werden.
    Timney_Tactical_trigger
    Copyright © 2018 Timney Triggers

     

  • Die Festlegungen in Bezug auf Abstände / Ergonomie wurden auf Basis eines Vergleichs verschiedenster Bullpup-Gewehre und der entsprechenden LOPs und Magazinabstände getroffen.
Modell length of pull [mm] Abstand Magazin-Griff [mm]
DSR-precision DSR 1 421 44
desert tech SRS A1 395 37
Bor (Polen) 476 68
Walther WA-2000 340
Steyr AUG 400 64
FAMAS 384 62
VHS-2 (Kroatien) 414 65
IWI Tavor 406 78
Kel-Tec RDB 370 58
SA-80 / L85 414 61
Festlegung 400 60
  • Durch den Büchsenmacher wurde der vorhandene Kammerstängel abgefräst und im verbliebenen Stummel ein Gewinde M6 eingebracht. Mit diesem wird eine System-umgreifende Hülse mit dem Verschluss verbunden und an dieser, auf Höhe des vorderen Endes der Systemhülse, der neue Kammerstängel angebracht.
  • Da ähnlich lange und schwere Läufe oft bei F-Class, Benchrest bzw. Rail-Guns zum Einsatz kommen, habe ich mich mit den dort typischen Methoden zur Befestigung des Laufes / Systems bzw. der Bettung im Schaft beschäftigt. Hier wird oftmals auf massiv schwere und große Systemhülsen, welche die Remington Hülse im Vergleich eindeutig nicht ist, zurückgegriffen. Da dies keine Option war, bliebt noch die eines Barrel-Blocks. Dieser kommt vor allem bei Rail Guns zum Einsatz und umschließt den Lauf ab der Systemhülse für eine Länge von typischerweise 6″ / 150mm. Der Block ist geteilt oder geschlitzt und klemmt den Lauf in einer runden Bohrung oder V-Aussparung ein. Oftmals ist zwischen Lauf und Block noch eine Kunststoff-Hülse eingebaut.
    Mit der Verwendung des Barrel-Block können hier gleich mehrere Probleme gelöst werden: das Gewinde in der Systemhülse wird entlastet, die Montage / Konstruktion der umgreifenden Hülse wird einfacher, die ZF-Montageschiene kann in passendem Abstand zur Schulteranlage montiert werden und die frei schwingende Länge des Laufes wird nahezu auf das, aus dem Houston Warehouse überlieferte, Optimum von 21 3/4″ reduziert.

Mehr zur Detailplanung in Teil 3.

Remington 700 wird ein Bullpup: Teil 1 – Einführung

In Vorbereitung auf den ersten Blog-Beitrag zum Umbau meiner Remington 700, habe ich meine Sketchup-Entwürfe für den Gewehrschaft aus den letzten Jahren wieder aus der Versenkung geholt. Von V2 bis V7 waren verschiedenste Typen dabei. Letztlich ist es der Bullpup Entwurf V7 geworden. V1 ist über die Jahre verloren gegangen.

V2 aus 12/16, traditionelle Bauweise mit dem Originallauf, Klappschaft inspiriert von American Rifle Company M2 chassis / rifle (scheinbar über den Prototypen nicht hinaus gekommen) und Vorderschaft in Anlehnung an RPA Rangemaster Precision Arms ULTRA

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V3 aus 12/16, jetzt schon mit Bullpup, Hinterschaft ähnlich dem Schwedenmauser-Schaft, seinerseits inspiriert von eliseo tube-guns

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V4 aus 02/17, H-Profil als Grundträger für den Schaft

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V5 aus 07/17, nach wie vor kurzer Lauf, Grundrahmen aus massivem Alu-Block (grün) und durch seitlich eingesetzte Platten vergrößertes Alu-Profil als Mantel um System und Lauf, Griff inspiriert durch MPA EVG (was wären wir ohne 3-stellige Kurzzeichen) den es leider nicht für Linkshänder gibt

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V6 aus 09/17, erstmals mit barrel block (mehr dazu in Teil 2 / Teil 3)

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V7 aus 03/18, barrel block, langer Lauf, Mündungsbremse, runder „System“-Hülse, MPA-EVG-Stil Griff

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Die Remington startete ihr Leben als 700 Police LTR Linkshand, also mit H-S Precision Schaft mit Alu-Bettung und geflutetem 20″ / 51cm Lauf. Oben drauf montiert ist ein rumänisches IOR 4-28×50, das man auch schon in anderen Beiträgen im Blog gesehen hat. Das Gewehr schoss gut und konnte mit selbstgeladener Munition (750m/s V0 mit 168gr Nosler BTHP) auch bis auf 1000m vernünftig eingesetzt werden (hier getestet).

Hier sollte aber nach dem Umbau noch mehr drin sein und der vorhandene Lauf eignete sich, durch seine konische Laufkontur, nicht für die favorisierte Befestigungsmethode der barreled action im Schaft. Also musste ein neuer Lauf her und die Waffenschmiede Kühn wurde mit dem Einbau eines neuen Laufes von Lothar Walther beauftragt.

Daten des neuen Laufs:

Kaliber: .308 Winchester, Patronenlager nach go / no-go Patrone

Länge: 28″ / 71cm

Kontur: #3300 straight bull, 30,5mm Durchmesser

Spezialgewehrlaufstahl, brüniert

Nach 6 Monaten, davon 4 Monaten Lieferzeit, war der Lauf eingebaut und beschossen und die eigentliche Arbeit konnte beginnen.

Eigenbau Mündungsbremse

Mündungsfeuerdämpfer Schwedenmauser 01

Zu Beginn der Arbeiten am „Projekt Schwedenmauser“ stand ja das Ausschäften und Vermessen des Systems für die Konstruktionsarbeiten im Vordergrund. In diesem Zuge sind natürlich auch gleich alle nicht benötigten Anbauteile vom Gewehr demontiert worden und zum Vorschein kam eine Nacharbeit an der Laufmündung (der Durchmesser wurde leicht abgedreht) zur Aufnahme eines Kornträgers. Die Arbeit war ordentlich gemacht, allerdings offenbarte sich eine metallisch blanke Stelle, die nachträglich leider auch nicht mehr brüniert wurde.

Schwedenmauser M63_13

Schön anzusehen war das jetzt nicht unbedingt und so habe ich mir das zum Anlass genommen, mich auch mal an der Konstruktion einer Mündungsbremse zu versuchen. Diese Arbeit möchte ich hiermit nun vorstellen und Anregungen für eigene Varianten geben. Meine Gedanken und Entscheidungen zur Wahl von Werkstoff und Geometrien will ich hier teilen, wobei ich betonen muss, dass meine Kenntnisse der Außenballistik oder gar Aerodynamik Basiswissen sind. Ich habe ebenfalls keine Lektüre gehabt, die diese Thematik näher beschrieben hat, wohl aber einige Mündungsbremsen als Anschauungsmaterial von anderen Gewehren.

 

Klemmen oder Anschrauben?

Tja, die Wahl fiel wirklich leicht: Als Sportschütze ohne Bearbeitungserlaubnis von Schusswaffen kommt es leider nicht in Frage, an der Laufmündung ein Gewinde nachzuschneiden – selbst wenn die Möglichkeit besteht. Und so musste eben ein Teil zum Klemmen konstruiert werden.

 

Werkstoff

Der erste Blick galt meiner Savage 10 BA. Dieses Gewehr hat ja ab Werk bereits eine Mündungsbremse, von der ich mal annehmen darf, dass sie von Leuten konstruiert wurde, die das häufiger machen als z.B. ich. Was liegt da also näher, als sich da gleich etwas abzuschauen? Das Teil an der Savage 10 BA ist eindeutig aus Stahl, unschwer zu erkennen. Das Abkupfern hab ich dann aber eher für die Geometrie beherzigt, denn beim Werkstoff wollte ich dem ohnehin schon langen Lauf meines Schwedenmausers nicht noch mehr Masse zumuten. So habe ich mich für 7075 Aluminium entschieden. Zu Beginne hatte ich Sorgen, dass die Pulvergase das Material mit der Zeit abtragen, es werden ja immer noch kleinste Partikel beim Schuss mit herausgeschleudert. Nach ca. 1200 Schuss die mittlerweile durch sind, ist davon aber keine Spur zu erkennen.

 

Symmetrie

Auch wenn ich das als Basiswissen voraussetze, sei es hier der Ordnung halber nochmal erwähnt: Wenn der Kompensator dem Hochschlagen der Waffe entgegen wirken soll, dann sollten zwei Dinge beachtet werden:

  1. Er sollte zu einer senkrechten Achse sysmmetrisch ausgeführt werden sein, damit die Gase gleichmäßig nach links und rechts abgeführt werden können.
  2. Um dem Hochschlagen entgegen zu wirken, sollte er zu einer waagrechten Achse asymmetrisch sein. Es muss also möglich sein, die Pulvergase nach oben abführen zu können, damit dieser Impuls dem Hochschlagen der Waffe entgegen wirkt, diese also gewissermaßen wieder zu Boden gedrückt wird.

Dabei ist es unerheblich, ob die Symmetrie nach links und rechts nun durch waagrechte Kanäle oder durch schräge (V-förmige) Kanäle erreicht wird. In Summe werden sich die vektoriellen Größen immer gegenseitig aufheben. Um dem Projektil nicht unbeabsichtigt einen Impuls in die eine oder andere Richtung zu verpassen, sollte die Anfertigung mit den entsprechenden Maschinen erfolgen, nur so ist die größtmögliche Genauigkeit/Symmetrie zu erzielen.

Mündungsfeuerdämpfer Schwedenmauser 02

Senkrechte Teilung in Laufrichtung: Symmetrie nach links und rechts

 

Mündungsfeuerdämpfer Schwedenmauser 04

Waagrechte Teilung in Laufrichtung: Keine Symmetrie, die „Kammern“ sind nach oben hin offen

 

Geometrie

Die für mich wichtigste Frage war: Wie groß soll der Bohrungsdurchmesser für das Projektil werden?

Nicht verzagen, Savage fragen: Für das Kaliber .308 Win. ist der Durchmesser des Projektils ja mit 7,62mm bekannt. Der Bohrungsdurchmesser am Kompensator der 10 BA ist mit 9mm vermessen worden. Das macht 1,18 mal den Projektildurchmesser. Übertragen auf das Kaliber 6,5×55 wäre dies ein Bohrungsdurchmesser von 6,5mm*1,18=7,7mm. Da ich vorsichtig war, sind es aber auch hier wieder 9mm geworden. Die Expansion der Pulvergase erfolgt sowieso unweigerlich beim Verlassen der Mündung. Ob der Gasstrahl nun noch einige Millisekunden länger kanalisiert wird oder nicht, war für mich eher nicht so wichtig. Früher oder später erreicht er sowieso die Kammern, durch die er abgeleitet wird.

Wie viele Kammern sind eigentlich notwendig und welchen Winkel sollten diese zueinander haben? Und welche Gesamtlänge sollte gewählt werden? Hier sind andere eigene Gewehre oder das Internet recht hilfreich. Suchbegriff eingeben und mal schauen, was andere so machen. Zu lange Mündungsbremsen sehen irgendwann lächerlich aus. Mal ganz zu schweigen davon, dass der Fertigungsaufwand für eine zentrische Bohrung immer höher wird und eine Kollision mit dem Projektil unbedingt vermieden werden sollte. Auch ich habe mich an bestehenden Konstruktionen orientiert und Gesamtlänge, Kammeranzahl und Kammerwinkel abgeschaut. Die nachfolgende Zeichnung ist dabei heraus gekommen:

MFD_V4

Ich habe dabei eine Klemmnabe mit nur einseitiger Verschraubung gewählt. Der Fertigungsaufwand dürfte hier etwas höher sein als bei einem einzigen waagrechten Schlitz mit beidseitiger Klemmung links und rechts. Bei der abgedrehten Länge an meinem Lauf des Schwedenmausers war es ein Experiment, ob diese Klemmlänge ausreicht, dem entstehenden Gasdruck zu widerstehen. Glücklicherweise habe ich alles richtig gemacht, der Kompensator sitzt seit jeher bombenfest auf dem Lauf, verdreht sich nicht und wandert auch nicht nach vorne. Maßgeblich dafür ist aber auch die Wahl des Durchmessers der Klemmnabe mit seiner Toleranz. Für gewöhnlich wähle ich +0,2mm im Durchmesser als Nennmass mit +0,05mm als Toleranz (Gemessener Laufdurchmesser 15,4mm ergibt Nennmass 15,6mm mit +0,05mm Toleranz).

Achtung bei der Wahl der Klemmschraube: Da ich diese Schraube richtig fest anziehe, empfehle ich eine Mindestfestigkeit von 8.8, herkömmliche Schrauben aus Edelstahl kommen für mich somit nicht mehr in Frage, da sie zu weich sind.

 

Mein Fazit:

Im Einsatz hat sich der Kompensator bisher sehr gut bewährt. Dabei bin ich schon schnell zufrieden zu stellen: Er ist mir bisher schlichtweg noch nicht um die Ohren geflogen! Das Kaliber 6,5×55 Schwede ist für seinen recht gutmütigen Rückstoss bekannt, ein Kompensator ist bei einem solchen Kaliber ehrlich gesagt nicht wirklich notwendig. Aber Experimentierfreude und der Wunsch nach etwas mehr martialischem Aussehen standen hier im Vordergrund und allein deshalb war es schon ein Erfolg. In technischer Hinsicht befinden sich die Schmauchspuren genau an den Stellen, an denen ich sie erwartet habe, denn ich hatte ja bereits einen Kompensator aus Serienproduktion als Vorlage und Anschauungsmaterial. Verglichen mit diesem findet die Ableitung der Pulvergase also tatsächlich so statt, wie es gewünscht war. Bei genauem Hinsehen, ist das auf den Bildern sogar zu erkennen.

Mündungsfeuerdämpfer Schwedenmauser 03

Wiederladen von Hülsen – Wie oft?

Das Wiederladen ermöglicht nicht nur, die auf seine Waffe perfekt abgestimmte Munition herzustellen, es erlaubt auch – eine gewisse Basis-Investition vorausgesetzt – auf längere Sicht Geld zu sparen. Die Einzelkomponenten einer Patrone sind nunmal günstiger zu haben und für denjenigen, der ihren Stundenlohn nicht auch noch in die Herstellung von Munition mit einrechnen, geht die Rechnung am Ende auf.

Wer hat sich da nicht schonmal die Frage gestellt, wie oft eine Hülse wiedergeladen werden kann? Und wie merkt man eigentlich, dass die Hülse besser entsorgt werden sollte? Ich kann leider auch keine endgültige Antwort auf diese Frage geben, allerdings eine einfache Methode vorstellen, die das ggf. rechtzeitig erkennen lässt.

 

Kurzwaffen:

Erstmal ist es sinnvoll, die abgefeuerten Hülsen in einem Tumbler zu reinigen, das gilt auch für Hülsen von Langwaffen. Der Waffe ist es herzlich egal, ob die Hülse hübsch glänzt oder nicht und von innen wird sie auch nie wieder so schön aussehen, wie beim Kauf. Grobe Verschmutzungen sollten hier schon mit Rücksicht auf das Patronenlager beseitigt werden. Bei meinem AR-15 habe ich es irgendwie geschafft, einen kleinen Partikel vom Hülsenhals in das Patronenlager einzubringen. Das Ergebnis war eine klassische Spreng-Platinierung und das Resultat sieht man nun auf den ausgeworfenen Hülsen. Der Effekt baut sich leider nur langsam ab und je nach Material des Schmutzpartikels vielleicht sogar überhaupt nicht mehr.

Jedenfalls halte ich das bei meinen Kurzwaffen-Hülsen einfach: Hülsen reinigen und ungesehen verladen. Ich habe jetzt schon einige Male bemerkt, dass sich bereits gerissene Hülsen beim Setzen des Projektils wie eine knarrende Tür anhören. Es ist natürlich zu wenig, sich hier nur auf sein Gehör zu verlassen, deshalb gibt es bei mir eine 100%-Kontrolle der Kurzwaffenpatronen. Dazu gehört bei mir auch, die Setztiefe des Zündhütchens mit dem Finger zu ertasten (nur Überstand ja/nein). Das mache ich stets am Ende in einem Vorgang mit der fertigen Patrone. NIO-Patronen werden dann kurzerhand aussortiert, wenn mir irgendetwas am Hülsenrand nicht gefallen sollte. So vermeide ich, die Hülse 2x in die Hand zu nehmen. Meine KW-Hülsen habe ich bisher ca. 10x wiedergeladen und ich mache das so lange, bis sie den Geist aufgeben.

 

Langwaffen:

Die Hülsen von LW reißen meines Wissens nach tendenziell eher nicht am Hülsenmund und nur bei den LW-Patronen mache ich mir die Mühe festzuhalten, wie oft eine Patrone bereits geladen wurde. Da in einer LW-Patrone natürlich erheblich mehr Pulver ist, sollte die Kontrolle auch sorgfältiger ausfallen – nur leider sieht man das häufig auch erst, wenn´s zu spät ist.

Vorsorglich kann man also mit einem Winkelschleifer mal stichprobenartig ein oder zwei Hülsen opfern und am Hülsenboden abschleifen – wie man sieht, habe ich sie dazu in einen Schraubstock gespannt. Ich habe das mit den Kalibern .223 Rem. und .308 Win. gemacht, beide Hülsen wurden 8x abgefeuert. Man sollte die Schleifkanten sorgfältig entgraten, damit kein falscher Eindruck entsteht. Danach kann man die Hülsenwand über dem Hülsenboden dahingehend untersuchen, ob sich eine Ausdünnung des Materials ergeben hat. Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass beide Hülsen noch ganz gut aussehen, insbesondere der Hülse .223 Rem. ist anzusehen, dass die Wandstärke in Richtung Hülsenboden zunimmt.

Hülsen Wiederladen 223
Lapua Match .223 Rem.

 

Hülsen Wiederladen 308
Lapua Match .308 Win.

Bei der Beurteilung sollte beachtet werden, dass hier die Passgenauigkeit des Patronenlagers und die Qaulität der Hülse ebenfalls eine Rolle spielen. Patronenlager, die eher am Ende der Toleranz angesiedelt sind, erlauben es der Hülse eher, sich zu weiten und zu längen. Durch gute Hülsenqualität kann hier natürlich wieder entgegen gewirkt werden, von einer guten Zylinderform mal ganz zu schweigen, da bin ich von S&B mal sehr enttäuscht worden. Alle meine bisher 8x geladenen Hülsen wurden genau 1x wieder auf Länge getrimmt. Wenn das Trimmen bisher schon häufiger notwendig war, liegt auf der Hand, dass das Material ja von irgenwo her stammen muss. Hier sollten die Kontrollintervalle dann vielleicht häufiger erfolgen. Ich werde die nächsten Hülsen jedenfalls erst wieder nach 12-13x Abfeuern untersuchen.