Tikka T3x Tac A1 – Kurzbericht

Während der weiteren Erprobung meines Schwedenmausers auf einer Distanz von 300m bot sich mir die Gelegenheit, die Tikka T3x Tac A1 mit 20“-Lauf im Kaliber 6,5mm Creedmore zu schießen. Ausgerüstet war es mit dem neuen Zielfernrohr Kahles 525i. Ein Schützenkollege hat es mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt und hier sind meine kurzen Eindrücke:

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Für einen Kaufpreis von 2300 Euro hat die T3x Tac A1 natürlich alle Annehmlichkeiten, die ein modernes Präzisionsgewehr heutzutage hat. Dazu gehören höhen- und längenverstellbare Schaftkappe (letzteres durch zwei mitgelieferte „Spacer“, siehe Bild), eine höhenverstellbare Schaftbacke, einen Klappschaft und natürlich einen Vorderschaft, an dem mittels M-Lok-System allerhand Zubehör montiert werden kann. Eine Mündungsbremse darf natürlich auch nicht fehlen, die ist übrigens recht wirksam!

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Was mir bei dem Gewehr besonders positiv aufgefallen ist, ist der tolle Abzug, den die Tikka bereits ab Werk besitzt. Der Druckpunkt wurde nach nur geringem Weg erreicht und konnte leicht überwunden werden. Ein sehr gutes Abzugsgefühl, daran gab es nichts auszusetzen. Vielleicht wurde anhand der Bilder bereits bemerkt, dass das Gewehr in einer Konfiguration für Linksschützen bestellt wurde. Mich freut es immer, wenn ein Hersteller auch solche Varianten im Angebot hat! Als Rechtsschütze habe ich den Kammerstengel dann auch mit der linken Hand bedienen müssen und hier ist mir erst mal aufgefallen, wie leichtgängig und gut geführt der Verschluss zu bedienen ist – saubere Arbeit, Tikka! Im Übrigen benötigt man kaum Kraft, um die leeren Hülsen richtig weit auszuwerfen – für Wiederlader ist hier Fingerspitzengefühl angesagt…

Die Präzision war auf 100m einfach hervorragend. Hier zwei 5-Schuss-Gruppen, die vom Besitzer sitzend aufgelegt mit Zweibein und Sandsack geschossen wurden. Verwendet wurde dazu übrigens Hornady-Fabrikmunition vom Typ „ELD Match“ mit einem Geschossgewicht von 140gr.

 

 

Mein Ergebnis auf 100m sah ähnlich aus, davon habe ich aber leider kein Bild zur Verfügung.

Weitere Ergebnisse auf eine Entfernung von 300m liegend aufgelegt mit Zweibein und Sandsack. Die „10“ besitzt einen Durchmesser von 100m, die Mouche einen von 50mm.

Vom Besitzer (es wurde absichtlich tiefer angehalten):

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Von meiner Wenigkeit (Haltepunkt Mitte-Mitte):

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Das hervorragende und mit 2700 Euro leider auch recht teure Zielfernrohr 525i von Kahles leistet sicherlich einen wesentlichen Beitrag zu den tollen Schussgruppen. An dem ZF hat mich besonders das filigrane und auch vielseitige Absehen beeindruckt, es bietet dem Schützen eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Waffe durch die zahlreichen Anhaltspunkte optimal auszurichten. Montiert war es auf einer Blockmontage von Era-Tac mit -20 MOA Vorneigung.

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Wer mehr über die Tikka T3x Tac A1 lesen möchte, dem empfehle ich diesen verlinkten Artikel von all4shooters.de.

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Rettet den Schweden! Teil 4 – Bettung Nr. 2 ist tot. Es lebe Bettung Nr. 3!

Nachdem in Teil 3 der Schwedenmauser zum zweiten Mal mit Epoxydharz gebettet wurde, zeigt sich auf dem Schießstand, dass das System nach Entfernung des barrel blocks immer noch schief im Schaft sitzt. Scheinbar kam es zu einer Verspannung des Laufes, die vorher nicht festgestellt wurde und auch nicht korrigierbar ist, ohne wieder neu zu betten. Zwar wurde schon im letzten Teil vom letzten Rettungsversuch geschrieben, hier folgt dennoch der Allerletzte.

Also wurde unverrichteter Dinge wieder abgefahren vom Schießstand und direkt an der Fräsmaschine das Harz wieder ausgefräst.

Für Bettung Nummer 3 wird ein neuer Ansatz gewählt:

  1. Das barrel block Unterteil wird nicht nah am System, sondern so weit vorne im Vorderschaft wie möglich eingesetzt und der Lauf entsprechend dort eingelegt.
  2. Es wird nicht mehr vollflächig gebettet sondern nur noch an den Systemschrauben.
    Das dafür mit mehr Epoxydharz als bisher.
  3. Vordere und hintere Systemschraube werden in 2 Schritten mit 24h Abstand gebettet. Beginnend mit der vorderen Schraube, wird der Lauf mit barrel block und hinterer Systemschraube (eingesetzt und handwarm angezogen) ausgerichtet. Im zweiten Schritt wird dann der hintere Abschnitt gebettet, während barrel block eingesetzt ist und die vordere Systemschraube ordentlich angezogen ist.

Das Bild zeigt Schwedenmauser im Schaft bei der Bettung der vorderen Systemschraube. Der barrel block sitzt am vorderen Ende des Schafts, die hintere Systemschraube ist eingeschraubt.

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Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

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Zumindest im relevanten Bereich. Der Rest des Schaftes ist durch wiederholtes Betten und Ausfräsen ziemlich verschandelt.

Schlussendlich folgt die Bettung der hinteren Systemschraube, hier noch im nassen Zustand kurz nach dem Einsetzen.

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Die Bettung härtet aus, wird gesäubert und dann das System eingesetzt. Passt saugend und gut rein, so weit so gut. Beim Anziehen der Systemschrauben zeigt sich aber wieder das alte Problem: der Verschluss geht nicht ohne Kraftaufwand (bzw. mit wesentlich mehr Kraftaufwand im Vergleich zu außerhalb des Schaftes) zu. Damit ist auf den ersten Blick erst mal nichts gewonnen und die Motivation entsprechend niedrig.

Für das Probeschießen wird noch ein bisschen getüftelt und folgender Ansatz gewählt: die durch den Griff / Abzugsbügel überdeckte, hintere Systemschraube wird mit gut 7 Nm angezogen, die Vordere mit 3 Nm. Der Kraftaufwand für das Schließen des Systems hält sich dadurch in akzeptablen Grenzen. Bei Bedarf kann die zugängliche, vordere Schraube noch angezogen / gelockert werden. Der barrel block wird nicht eingesetzt.

Die Ergebnisse auf dem Schießstand zeigen eine klare Verbesserung zu vorher, allerdings sind die Gruppen immer noch zu groß. Da auch ich Lovex S065 in der 6,5×55 verwende, über diese Kombination wurde im Blog ja schon ausführlich berichtet, wird kurzerhand die neue Laborierung des Kollegen mit Vihtavuori Pulver ausprobiert. Es zeigt sich auch dadurch keine solche Verbesserung, die zufriedenstellt.

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Dillon XL 650, Lagergeführte Steuerkulisse

Ihr merkt schon, das Thema 3D-Drucken ist immer noch hoch im Kurs…

Ich habe das Netz mal nach Datenbanken für 3D-Drucker-Dateien durchforstet und allerhand Bauteile für die Dillon XL 650 gefunden. Unter anderem auch das Teil, um das es sich in diesem Beitrag hier handelt. Die Vorschau sah vielversprechend aus: Eine Halterung für ein Rillenkugellager, an der die Steuerkulisse des Drehtellers schließlich abrollt. Denn wer kennt es nicht, dass bei KW-Patronen durch das Einrasten der Hülsenhalteplatte das Pulver oftmals aus der noch offenen Hülse wieder rausfliegt? Tja und genau da wollte ich ursprünglich ansetzen, denn die Konstruktion sah sehr nach einem künftig ruhigeren Lauf der Hülsenhalteplatte aus…

Es handelt sich ausnahmsweise mal um ein Teil, das ich nicht selbst konstruiert habe. Heruntergeladen von einer amerikanischen Seite, konnte ich also schonmal davon ausgehen, dass die sechseckige Tasche für eine imperiale Mutter dimensioniert sein müsste. Letztlich hat eine metrische Sechskantmutter M6 dann mit einigem Kraftaufwand doch hineingepasst. Zuvor muss aber das Durchgangsloch für eine entsprechende Schraube M6 etwas aufgebohrt werden, ich habe mich für einen Durchmesser von 6,5mm entschieden.

 

 

 

 

 

 

Auf der später abgewandten Seite wird dann ein kleines Rillenkugellager vom Typ 626 montiert. In diesem Fall ist es eines vom Typ 626-2Z (oder auch -ZZ). Das Nachsetzzeichen dieses Typs Rillenkugellager gibt also einen Hinweis darauf, dass es mit Deckscheiben versehen ist. Diese Deckscheiben sind nicht berührend und können nur vor grober Verschmutzung schützen. Ein Rillenkugellager 626-2RS würde ebenfalls gehen, dieses wäre aber mit Dichtscheiben versehen. Es hat zwar einen erheblich besseren Schutz gegen Verschmutzung, die Dichtlippen sind aber berührend, was man am Rollwiederstand wieder spüren würde. Was mir zur Montage des Lagers gefehlt hat, ist ein kleiner kreisrunder Absatz auf dem Druckteil, damit beim Anziehen der Schraube auch wirklich nur der Innenring des Lagers geklemmt wird. Hier habe ich mit einer Unterlegscheibe für Schrauben M6 etwas improvisiert und das gleiche Ergebnis erzielt.

 

 

 

 

 

 

Achtung, beim Anschrauben des Lagers kann leider keine beliebige Schraube verwendet werden:

Herkömmliche „Inbus“-Schrauben, also DIN 912-M6x25 (neu ISO 4726-M6x25) stoßen mit Ihrem Kopf leider an den hinteren Absatz der Steuerkulisse an. Dieser Absatz wird nur leicht verbogen, das muss aber nicht sein.

Der Kopf einer Sechskantschraube nach DIN 934 (neu ISO 4032) stößt leider immer noch leicht an, perfekt wäre eine Linsenkopfschraube mit Innensechskant nach DIN 7380-M6x25.

 

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Hat man alles beisammen, sieht die Presse und deren Bewegung nach der Montage so aus.

 

 

 

 

 

 

Und jetzt kommt´s: Die Aktion nützt gegen das Rütteln überhaupt nichts! Haha! Tja, dumm gelaufen…

Immerhin funktioniert´s das muss man dem Erfinder schon lassen. Ich hab´ mich anschließend natürlich auch gefragt, wofür ich jetzt meine Zeit verschwendet habe und kann dem Ganzen dann doch noch ein wenig abgewinnen: Da die Steuerkulisse aus Kunststoff ja sonst an dem brünierten Stahlkeil reiben würde, wird hier meiner Meinung nach einfach einem Verschleiß vorgebeugt.

Schauen wir uns den Stahlkeil mal genauer an, kann an diesem Teil von Verschleiß eigentlich keine Rede sein: Nach ca. 9.000 geladenen Patronen ist gerade mal etwas Brünierung abgerieben.

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Bei der Steuerkulisse könnte das schon anders aussehen, sie ist aus dem weicheren Material und ist zumindest schonmal Bestandteil des Ersatzteil-Kits. Ein erster Hinweis darauf, dass dieses Bauteil vielleicht nicht ewig halten wird. Aber fährt man mit dem Finger an der Lauffläche entlang, will hier auch nicht so recht einleuchten, dass der Umbau jetzt wirklich nötig war: Ich kann nach vier Jahren Gebrauch noch nicht mal eine Abnutzung ertasten!

Meine Meinung zu dem Teil: Absolut unnötig! Wenn überhaupt,  ein wenig Fett verwenden und das Thema „Verschleiß“ ist endgültig erledigt.

Wer sich das Bauteil dennoch herunterladen möchte, findet es hier.

Zurück zum Rütteln, das Thema existiert ja leider noch. Das Rütteln tritt also an der Hülsenhalteplatte auf – das hab ich jetzt auch geschnallt – und dreht man diese um, wird auch klar, was den Ruck verursacht: Es ist die federgelagerte Kugel, die in die Bohrung der Platte einrastet.

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Man könnte nun sehr aufwendig Ein-Und Auslauf an den Bohrungen so gestalten, dass es einen möglichst sachten Übergang gibt. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Federkraft an der Kugel zu minimieren. In einigen Foren wird darüber berichtet, dass das Kürzen der Feder um eine halbe oder ganze Windung bisweilen schon das Problem lösen kann. Aber auch dazu gibt es wieder konträre Wortmeldungen, dass das Problem trotz kürzerer Feder immer noch besteht. Ich habe für mich entschieden, das Ruckeln erstmal weiterhin hin zu nehmen. Immerhin kann man beim Setzen des Geschosses ja auch schon die Bewegung des Revolvers an der entgegen kommenden Hülse abbremsen. Auch das ist nicht unbedingt neu und liest sich in Forenbeiträgen auch immer wieder mal. Es ist blöd, aber das Thema Ruckeln bleibt für mich erstmal ungelöst…

Rettet den Schweden! Teil 3 – Neue Bettung

Nach dem sehr aufschlussreichen Probeschiessen des Schwedenmauser mit barrel block in Teil 2 der Serie und dem Entschluss zur erneuten Bettung des System mit Epoxyd-Harz hier nun ein kleiner Zusammenschrieb des Bettungsvorgangs vor dem darauffolgenden, nächsten Probeschießen mit Epoxyd-Harz-Bettung und barrel block.

Für die Bettung wird Loctite EA 3471 verwendet. Das ist ein 2-Komponenten Epoxyd-Harz, das laut Produktmarketing:

„[…] ein metallähnliches Aussehen erzielt und maschinelle Bearbeitung, Bohren, Gewindeschneiden oder Feilen ermöglicht.“

Das hört sich gut an, hält auch was es verspricht und ist darüber hinaus mit Stahlpulver gefüllt. 2x 250g (Komponente A und B) kosten aber auch ca. 50€. Für die Bettung werden ca. 50g angerührt und, nach Vorbereitung von barreled action und Schaft, im Schaft verteilt.

Zur Vorbereitung wird der Abzug von der Systemhülse demontiert, der Verschluss eingesetzt, geschlossen und über den Sicherungsflügel verriegelt. Magazinschacht und sonstige Öffnungen an der Unterseite werden mit Modellierungsmasse verschlossen um eine Fixierung der barreled action im Schaft nach der Aushärtung des Harzes aufgrund von Eindringen in Hinterschneidungen etc. zu verhindern.

Anschließend wird ein Trennmittel (Wachs in Lösungsmittel gelöst) auf die Hülse mehrschichtig aufgetragen um ein Anhaften des Harzes zu verhindern. Die gewachsten Bereiche sind im folgenden Bild gut an der matteren, helleren Oberfläche zu erkennen. Besonders gut an der Laufwurzel zwischen Systemhülse und barrel block.

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Am Schaft werden, höchst-professionell mit Paketband, die Oberflächen des Schafts rund um die Öffnung für die Systemhülse abgeklebt und auch hier Löcher, wie etwa die Bohrungen für die Systemschrauben oder ZF-Brücken-Schrauben, mit der Modellierungsmasse verschlossen.

Anschließend wird das Harz großzügig im Schaft verteilt, die barreled action eingesetzt und mittels barrel block positioniert und zentriert. Die Lage der Gewindebohrungen in der Systemhülse und der korrespondierenden Bohrungen im Schaft wurde zuvor abgeglichen und der barrel block entsprechend am Lauf geklemmt. Dieser wird mit 2 Schrauben im Vorderschaft verschraubt.

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24h später werden die Schrauben wieder gelöst, die Hülse mit wenig Gewalt und viel Angstschweiss aus dem Schaft entfernt und bei näherer Betrachtung der Hülse kurz durchgeatmet. Nur minimale Anhaftungen von Harz an der Hülse, die Wachsschicht wurde flächendeckend und in ausreichender Dicke aufgebracht.

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Das Harz härtet noch eine Weile vollständig aus, anschließend werden Überstände im Magazin- und Abzugsschacht entfernt, die Löcher für die Systemschrauben durchbohrt und sauber angesenkt sowie die Modellierungsmasse aus Schaft und Systemhülse entfernt und letztere mit Lösungsmittel vom Wachs befreit.

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Die Qualität der Bettung lässt sicher etwas zu wünschen übrig, Geld würde ich dafür auch nicht bezahlen. Im vorliegenden Fall eines verzweifelten, letzten Rettungsversuchs lasse ich mir das aber mal durchgehen.

Nach der Aufbereitung und Reinigung wird die barreled action wieder im Schaft montiert. Das funktioniert tadellos und lässt hoffen. Der Rest des Schafts wird ebenfalls montiert und dann geht’s in Teil 4 auch schon weiter mit dem Einschießen mit Epoxyd-Harz Bettung und barrel block.

Schaftverlängerung für HK G3

Vor einiger Zeit kam ein Schützenkollege auf mich zu, der nach einer Schaftverlängerung für sein G3 von Heckler & Koch gesucht hat. Gab es diese Schaftverlängerungen früher angeblich noch sehr häufig, sind sie heute scheinbar rar und teuer geworden. Ich kann das zwar mangels G3 nicht wirklich beurteilen, aber ich habe zugesagt, mich darum zu kümmern.

Dieser Bericht ist also für all´ jene, die sich eine solche Schaftverlängerung ebenfalls herstellen wollen und nicht zuletzt auch können.

Was die Lösungsfindung für mich erheblich vereinfacht hat, war die Tatsache, dass ich von besagtem Kollgen eine Menge Ersatzteile erhalten habe, an denen ich Mass nehmen konnte und dass die Teile die Prozedur auch nicht unbedingt unbeschadet überstehen mussten.

Für diejenigen, die kein G3 besitzen, eine kurze Erläuterung: Das G3 lässt sich ohne Werkzeug in seine wesentlichen Baugruppen zerlegen. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Bolzen, die man dafür entnehmen muss und welche man in die im Schaft eingelassenen Hülsen stecken kann, damit sie im Feld nicht verloren gehen (gemeint sind die zwei Löcher im Schaft auf dem linken Bild). Diese Hülsen gehen quer durch den Schaft und die beiden Klammern der Schaftkappe rasten an selbigen ein, sobald man die Schaftkappe aufsetzt. Nach Betrachtung von Schaft und originaler Schaftkappe war klar, dass ich das Gewehr des Kollegen nur dann im originalen Zustand belassen kann, wenn ich mindestens eine Schaftkappe unwiederbringlich bearbeiten darf. Ich wollte also versuchen, die Klammern der Schaftkappe zu entfernen, um sie an der Verlängerung wieder anzubringen.

Dies sind die Arbeitsschritte:

Zunächst wird die Schaftkappe erstmal sauber abgeklebt, weil sie anschließend in den Schraubstock gespannt wird. Die Klammern habe ich dann mit einem Bleistift aufgespreizt und anschließend mit einem 6mm dicken Aluklötzchen am äußersten Rand dauerhaft blockiert (durch die Reflektion auf dem zweiten Bild schwer zu erkennen). Jetzt kann der Niet in der Mitte der Klammer auch ohne Probleme aufgebohrt werden, der Durchmesser des Bohrers muss dafür exakt 4,2mm sein! Der Niet verabschiedet sich bei diesem Bohrerdurchmesser gerade so und falls man den darunter liegenden Nutenstein etwas anbohrt ist das alles andere als tragisch: Beide Nutensteine erhalten später ein Gewinde M5 und der Kernlochdurchmesser dafür ist zufällig 4,2mm. Alle Einzelteile wurden anschließend sorgfältig vermessen, auf dieser Basis wurde dann die eigentliche Verlängerung konstruiert.

Das ist sie geworden:

Verlängerung Schaftkappe HK G3

Sobald das Teil nach Zeichnung angefertigt wurde, kann es schonmal probehalber in den Schaft des G3 eingesetzt werden. Ich habe dabei sehr schnell gemerkt, dass die Schaftöffnung keineswegs gerade Kanten hatte. Etwas Nacharbeit mit einer Feile wird wohl notwendig sein, andernfalls könnte sich ein klitzekleiner Spalt zwischen Schaft und Verlängerung ergeben.

Weiter gehts…

Die Originale Schaftkappe besitzt auf der Innenseite zwei kreisrunde Vertiefungen. Ich kann nur vermuten, dass sie etwas mit dem Fertigungsprozess zu tun haben, aber diese wollte ich mir zu nutze machen, um später die Verlängerung mit der Schaftkappe zu verschrauben. Es lag also nahe, zwei Gewindeeinsätze dort einzubringen. Der erste Versuch mit zwei Einsätzen M6 ging leider schief, die Löcher mit Durchmesser 10mm haben den Einsatz mit Außendurchmesser 10,5mm leider nicht zuverlässig halten können. Das Ausfüllen mit Epoxidharz hat die Sache leider auch nicht verbessert, nach einer Woche war das Harz immer noch weich.

Ein totaler Reinfall – also raus mit dem Zeugs und den nächstgrößeren Gewindeinsatz reingeschnitten. Diesmal M8 mit einem Außendurchmesser von 12mm. Die beiden Löcher in der Schaftkappe sind dazu vorsichtig auf einen Durchmesser von 11mm aufzubohren. Die Kraft zum Eindrehen des Einsatzes sollte dabei nicht unterschätzt werden, anfangs geht es noch leicht! Wer mag, kann die Schaftkappe dazu ja wieder in den Schraubstock einspannen. Auf den nachfolgenden Bilder seht Ihr, dass zum Reinschrauben am Ende ein ordentlicher Knebel notwendig war. Den Einsatz habe ich auf eine Inbus-Schraube M8 aufgesetzt, weil man diesen mit dem entsprechenden Sechskant für die Inbus-Schraube dann sehr gut reindrehen kann. Setzt am besten noch eine Mutter M8 zwischen Schraubenkopf und Gewindeeinsatz, so löst sich der Schraubenkopf perfekt, wenn man zum Rausdrehen der Schraube am Ende ruckartig in die andere Richtung dreht.

Im nächsten Schritt werden die Nutensteine aus der Schaftkappe auf einen Durchmesser von 4,2mm aufgebohrt und anschließend je ein Gewinde M5 hinein geschnitten. Die beiden Klammern werden auf einen Druchmesser von 5,5mm aufgebohrt und das ist gar nicht so einfach! Durch die Wölbung der Klammer hat der normale Bohrer mit seinem Schneidwinkel von 118° leider so gut wie keine Möglichkeit, Material wegzunehmen. Hier hilft es, wenn sehr vorsichtig stufenweise aufgebohrt wird, oder aber ein Zentrierbohrer – wie auf dem Bild zu sehen – verwendet wird. Egal was man macht, der Bohrer wird heiß laufen…

Habt Ihr nun alle Teile beisammen, kann es an den Zusammenbau gehen. Wundert Euch nicht über die eine Innenseite der Verlängerung: Ich habe es tatsächlich fertig gebracht, beide Taschen für die Klammern um 90° gedreht zu konstruieren. Oberpeinlich…

Das Bauteil war glücklicherweise noch zu retten, die Taschen wurden nachträglich nochmal mit korrekter Lage in das Teil gefräst, wodurch sich dann die beiden Kreuze ergaben. Der Rest ist schnell erklärt: Baut alles wie auf den Bildern ersichtlich zusammen. Ihr benötigt dafür noch zwei Schrauben M5x20 (beliebige Ausführung) zur Fixierung der Nutensteine mitsamt Klammern, dazuzwei Unterlegscheiben DIN 125 – A-5,3 und zwei Schrauben DIN 912-M8x25 (ISO 4762-M8x25) um die Schaftverlängerung mit den Gewindeeinsätzen der originalen Schaftkappe zu verbinden. Ich empfehle als Werkstoff für Schrauben und U-Scheiben Edelstahl.

Die verlängerte Schaftkappe kann nun in den Schaft des G3 gesteckt werden. Wer die Innenflächen der Klammern zuvor mit etwas Fett behandelt, wird es später beim Lösen der Verlängerung wohl etwas leichter haben – falls das nochmal notwendig sein sollte.

Und so sieht das Konstrukt fertig montiert am Schaft aus. Bei genauer Betrachtung erkennt man den eingangs erwähnten sehr kleinen Spalt zwischen Schaftende und Verlängerung. Schleift man den dünnen Rand des Schafts gerade ab, verschwindet der Spalt auf jeden Fall. Da der Schaft zu einem G3 der Polizeitruppe gehört, wurde diese Rarität vor dem Eingriff verschont. Mit dem Schaft auf dem Bild zu Beginn des Beitrags konnte ich dafür etwas weniger zimperlich umgehen.

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