Savage Elite Precision .300 PRC, Teil 1

Ich hatte es im letzten Beitrag angedeutet: Meine Savage 110 Elite Precision im Kaliber .300 PRC ist nach nur 4 Monaten Wartezeit dann doch recht zügig geliefert worden. Vom „Unboxing“ und der „Inbetriebnahme“ will ich in diesem Beitrag berichten, weitere Beiträge folgen natürlich noch. Ich habe mit der Entscheidung, eine Waffe im Magnum-Kaliber zu kaufen, tatsächlich jahrelang gehadert und nachdem meine beiden Ljungmans und mein Motorrad nun einen neuen Besitzer haben, wurde ein Teil des Erlöses eben in diese Waffe gesteckt. Auf zu neuen Ufern!

Kurz zu meiner Kaufentscheidung:

Ausschlaggebend war der Umstand, bzw. die Entscheidung, nach langjähriger Pause wieder vermehrt Long Range-Events besuchen zu wollen, wofür ich dann endlich mal ein Magnumkaliber kaufen wollte.

Mit der Marke Savage hatte ich mit meiner 10 BA bereits sehr gute Erfahrungen gemacht und dieses Gewehr besitze ich sogar heute noch. Als Magnumkaliber kamen für mich .300 Win Mag, .338 LM und eben .300 PRC infrage. Von .338 LM bin ich recht zügig wieder abgekommen, da mir hierfür die Wiederladekomponenten zu teuer waren ( 100 Stück Lapua Hülsen habe ich zuletzt mit 400-450 € recherchiert).  Im Vergleich zur .300 Win Mag hatte ich gelesen, dass .300 PRC einen kleinen Tick mehr Präzision verspricht und außerdem hatte ich einfach Lust, mal ein moderneres Kaliber auszuprobieren. Andererseits, .300 Win Mag ist schon lange auf dem Markt etabliert und die vielen verfügbaren Wiederladekomponenten wären hingegen sicherlich wirtschaftlich gewesen.

Gekauft habe ich die Waffe übrigens bei der Firma Waffen Wagner.

Unboxing / Systembeschreibung:

Das System besitzt als Abzug den bewährten und einstellbaren Accu-Trigger, wobei die Abzugssicherung wieder im hinteren oberen Bereich der Systemhülse zu finden ist.

Die Picatinny-Schiene auf der Systemhülse ist aus Stahl und besitzt eine Vorneigung von 20 MOA.

Der Lauf ist aus Edelstahl mit mattem Finish, hat einen Drall von 1:8,5 , am System einen Durchmesser von ca. 28,3mm, ist 30“ lang und hat an der Mündungsschulter (wo die Schraubkappe demontiert ist) einen Durchmesser von 25,2mm. Das Mündungsgewinde beträgt 5/8“x24 im Durchmesser und ist 16mm lang. Die Waffe wird inklusive einem Magazin verkauft, aber leider ohne eine Mündungsbremse ausgeliefert.

Das komplette System sitzt in einem MDT-Schaft, der genaugenommen zweiteilig ist: Der Hinterschaft ist an seiner Schnittstelle zum Basisschaft mit einer Schraube verbunden (der Schaft ist bei Auslieferung bereits zusammengeschraubt).

Im vorderen Bereich gibt es etliche M-LOK-Nuten und unterhalb des Schafts auf voller Länge eine ARCA-Schiene, zudem noch etliche Bohrungen für Senkschrauben M5, sowie weitere M-LOK-Nuten. Der Vorderschaft ist so imstande, Zusatzgewichte für eine bessere Balance oder einen ausgewogeneren Rückstoß aufzunehmen.

Im hinteren Bereich des Schafts befindet sich leider kein Gelenk, um diesen abzuklappen, dafür aber eine Längen- und Höhenverstellung der Schaftkappe, sowie eine Längen- und Höhenverstellung der Schaftbacke – diese ist sogar mit Moosgummi beklebt und mit einer Aussparung zur Entnahme des Kammerstengels versehen.

Der Griff ist ebenfalls von MDT und lässt sich geschätzte 10mm längs entlang der Waffe verstellen. Er ist, verglichen mit einem Griff von Hogue, als eher dick zu bezeichnen, was aber keineswegs unkomfortabel ist. Der Magazinlösemechanismus lässt sich beidhändig bedienen.

Zubehör zur Waffe:

Wenn das Gewehr erstmal da ist, will man ja nichts weiter, als schnellstens loslegen. Im Hinblick auf eine lange Lieferzeit (ursprünglich hatte ich mit 6 Monaten gerechnet) wurde also vorab schonmal folgendes Zubehör besorgt:

  • Bei Brownells ein zum MDT-Schaft passendes Zweitmagazin mit der Bezeichnung „LA 3.850 CIP 300PRC“ und der Brownells-Artikelnummer EU2007779.
  • Eine Mündungsbremse von X-Out mit passendem Gewinde in Form eines Barrel-Tuners.

Für die Montage der Mündungsbremse habe ich das Gewehr mit Schraubzwingen auf die Tischkante gespannt (Schonbacken oder Ähnliches nicht vergessen!), sodass die Bremse frei lag und mit einem Maulschlüssel SW36 festgezogen werden konnte. Die waagrechte Ausrichtung habe ich im Anschluss mit einer auf der Bremse aufgeklebten Aluplatte geprüft (letztes Bild).

  • Weil die Mündungsbremse eine Kontermutter für einen Laufdurchmesser 30mm hat, die Schulter am Mündungsgewinde des Laufs aber wie oben erwähnt nur 25,2mm im Durchmesser aufweist, habe ich vor der Mündungsbremse noch einen Crush Washer von JP mit der Bezeichnung „5/8 x 24 .750“ (JP-Artikelnummer JPCW58B.750) auf das Mündungsgewinde geschoben. Während die Kontermutter bei einem Laufdurchmesser von 30mm die komplette Bremse auf dem Mündungsgewinde kontern kann, wird in diesem Fall dann die Bremse gegen den Crush Washer gekontert und die Kontermutter anschließend dafür genutzt, den unschönen Spalt zu verdecken. Ja, der Spalt entsteht dann natürlich an anderer Stelle an der Bremse, aber für mich wirkt das optisch etwas harmonischer.
  • Dazu habe ich eine Blockmontage von Era Tac mit verstellbarer Vorneigung mit der Artikelnummer T5072-0020 montiert. Hier hätte ich gerne eine mit Verstellung in MOA passend zum ZF gehabt, allerdings gab es bei eGun kurzzeitig ein sehr gutes Angebot zum Sofortkauf mit Verstellung in MRAD – da hab´ ich einfach zugeschlagen. Am Ende macht es sowieso keinen Unterschied, denn die Verstellung der Vorneigung ist meist einmalig und lässt sich auch problemlos umrechnen. So sind bei mir aktuell 5 MRAD eingestellt, was ca. 17 MOA entspricht, zusätzlich zur vorgeneigten Schiene von 20 MOA. Die Bauhöhe beträgt 20mm und ist damit exakt gleich wie an der Blockmontage meiner Savage 10 BA, gleiches gilt für die Aufnahme des ZFs – hier sind es 30mm und gekontert wird die Blockmontage mit Muttern SW12.
  • Das ZF ist ein Sightron S-III LR Tactical 8-32×56 mit MOA-2 absehen – eben jenes, das ich vom Projekt AG42-B noch übrig hatte.
  • In Sachen Zweibein bin ich aus Gründen der Stabilität von Harris abgekommen und habe mich für ein Fortmeier („6 Uhr“, Höhe 184mm) entschieden. Hierzu habe ich provisorisch eine Aluplatte in den Vorderschaft gelegt und daran eine kurze Picatinny-Schiene aus Aluminium befestigt. Die Picatinny-Schiene ist die kurze Variante mit 87mm Lochabstand vom Hersteller Otto Repa, erhältlich bei Begadi.
  • Zum Zeitpunkt dieses Beitrags ist es noch ein Ausblick, aber künftig wird die Aluplatte durch eine Stahlschiene ersetzt werden, die sich durch den gesamten Vorderschaft zieht und weitere 940g Gewicht zur Rückstoßdämpfung beitragen wird. Als Werkstoff habe ich E295+C gewählt.
  • Auch dieses weitere Zubehör ist aktuell in der Planung und leider noch nicht verfügbar: Eine verstellbare Bagrider-Kufe, die ich einfach mal ausprobieren will. Im linken oberen Bereich ist der Schaft-Dummy abgebildet.

Zubehör zum Wiederladen:

  • Redding Typ S dreiteiliger Matritzensatz Artikel-Nr. 78776 für .300 PRC  mit Titanium Nitride Bushing Nr. .335 (es ist das gleiche Bushing, wie für das Kaliber .308 Win.).
  • Redding Hülsenhalter Nr. 6
  • Optional: Redding Ausstoßerstifte 10er Pack, Artikel-Nr. 01060

Zubehör zum Reinigen:

Hier konnte ich wenigstens wieder die Putzstockführung, Patches und Bürsten vom Kaliber .308 nutzen. Lediglich ein neuer und längerer Putzstock Artikel-Nr. 30C44 von Dewey war wegen des längeren Laufs notwendig („Putzstock ab Kaliber .270, Länge 112cm“).

Nachteile der Waffe:

Dass ich den einen oder anderen Kompromiss eingehen muss, habe ich vorher schon gewusst, insbesondere, weil ich den MDT-Schaft bereits kannte. Keine der unten aufgeführten Punkte war aber so gravierend, dass ich ernsthaft von einem Kauf Abstand genommen hätte.

  • Ich habe es bereits erwähnt, eine Mündungsbremse wäre wirklich „nice to have“ gewesen.
  • Das Abzugsgewicht lässt sich einstellen, allerdings muss die Waffe dazu ausgeschäftet werden, schade.
  • Die Verstellung der Schaftkappe und Schaftbacke finde ich technisch billig gelöst. Es funktioniert alles, aber hochwertig finde ich die Lösung nicht. Statt anständiger Führungen gibt es hier Klemmschrauben, damit im Betrieb nichts klappert.
  • Die Aussparung an der Schaftbacke zur leichteren Entnahme des Verschlusses ist beim Magnumkaliber leider nutzlos. Beim Kaliber .300 PRC (und vermutlich auch bei anderen Magnumkalibern) ist der Verschluss derart lang, dass die Schaftbacke trotz allem nach unten verstellt werden muss.
  • Zur Entnahme des Verschlusses sind der Abzug und ein Verriegelungsmechanismus an der rechten Seite der Systemhülse gleichzeitig zu betätigen. Der Hebel für die Verriegelung kratzt leider an der Innenseite des MDT-Schafts entlang, das spürt man. Kleiner Trost: Er kratzt im Inneren und nicht sichtbaren Bereich.

Nachtrag Dez. 2025: Ich habe das mit der Taschenlampe nochmal näher untersucht und die Verriegelung kratzt nicht am Schaftinneren. Vielmehr hakt der Mechanismus in sich etwas, wenn man zusätzlich den Abzug nicht perfekt gerade betätigt.

  • Für die Länge der Waffe, insbesondere wenn noch eine Mündungsbremse dazu kommt, hätte der Schaft ruhig ein Gelenk haben können. Für diejenigen, die sich einen Klappschaftadapter nachträglich kaufen wollen: Es gibt ihn nicht einzeln für diesen Schaft!!!
  • Egal, was Ihr im Internet bei MDT auch an Varianten „Fix to Fix“ findet, es wird nicht passen. Nicht, dass es ihn nicht gibt, aber ihr könnt den Adapter ausschließlich in Verbindung mit einem zusätzlichen Hinterschaft für 700€+ kaufen. MDT, was soll das?
  • Nur zur Info: Soweit mir bekannt ist, ist der an der Waffe verbaute Hinterschaft einer vom Typ SRS-XF. Die spätere Variante SRS-XF Premier ist dazu im Vergleich deutlich abgespeckt und wird durch Spacer in seiner Länge verstellt. Warum bringt man eigentlich derart hässliche Lösungen auf den Markt?
  • Die Waffe ist mit dem auf mich eingestellten Hinterschaft inklusive Mündungsbremse satte 141cm lang, was den einen oder anderen Waffenschrank an sein Limit bringen könnte. Das ist natürlich kein richtiger Kritikpunkt, weil man ja vorher recherchieren kann, worauf man sich einlässt. Allerdings war klar, dass mir das in Sachen Transport noch vor dem ersten Schuss etwas Kopfzerbrechen bereiten würde:

Ich hab´ dann kurzerhand die günstige Lösung mit Bohrmaschine, Kreisschneider und Lötkolben gewählt, für ein Explorer Case „Long“ (380€) oder Peli Case „Air Lang“ (830€) war mir das Geld dann doch zu schade.

Im nächsten Beitrag berichte ich dann über die getesteten Laborierungen.

Benelli M4: Adapterplatte für QD-Sling

Meine Benelli M4 hole ich vergleichsweise selten aus dem Schrank und so war ich seit langer Zeit mal wieder dynamisch mit ihr schießen. Bei Abschluss des Trainings habe ich dann aber doch die Möglichkeit vermisst, eine Single-Point-Sling wie bei meinem AR-15 verwenden zu können. Da beide Gewehre farblich ähnlich sind und somit auch meine Magpul-Sling MS4 – ursprünglich für das AR beschafft – wieder farblich zur M4 passt, wollte ich probieren, einen QD-Sling-Adapter für die Flinte zu entwickeln. Das Gewehr besitzt wie ersichtlich einen feststehenden Schaft, an dessen Ende beidseitig durchaus ein Gewehrriemen eingefädelt werden kann, nur leider hat keiner meiner Gewehrriemen (HK G36 oder Magpul QD-Sling MS4) daran gepasst. Der HK G36-Riemen passt zumindest schonmal am Vorder-, aber eben leider nicht am Hinterschaft.

Zunächst mal habe ich im Internet nach einer existierenden Lösung geforscht und diese auf dem US-Markt auch gefunden. Jetzt war zumindest klar, dass die Lösung eine schmale Platte zwischen Systemgehäuse und Schaft sein wird.

Als Nächstes galt es herauszufinden, wie die Flinte dahingehend zerlegt wird, um an den entscheidenden Stellen mal Mass zu nehmen. Ein Youtube-Video hat mir schließlich den Hinweis gegeben, dass die Abzugsbaugruppe vorher entfernt werden muss, indem ihr seitlicher Pin herausgedrückt wird.

Der Hinterschaft kann dann durch Drehen abgenommen werden. Was zum Vorschein kommt, ist das gleiche Schaftgestänge wie bei der Benelli M4 mit Teleskopschaft. Das mittlere Bild zeigt den maximalen Spalt von ca. 4mm, kurz bevor sich die beiden Schaftteile lösen.

Tief im Inneren des Hinterschafts befindet sich ein kurzer Gewindedorn M8x1, der mit dem Ende des Schaftgestänges verschraubt wird: In diesem befinden sich eine Druckfeder, eine eingeschraubte Gewindebuchse M8x1 und ein Sprengring zur Sicherung, siehe nächstes Bild.

Jetzt erst war ich so weit, dass ich die Schnittstelle zwischen Systemschaft und Hinterschaft vermessen konnte, damit die dazwischen platzierte Aufnahmeplatte die richtige Außenkontur erhält, es soll ja später nichts überstehen.

Da ich das Gewinde der Schraubverbindung mit M8x1 vermessen habe, war klar, dass bei einer vollen Umdrehung des Festschafts eine Translation von 1mm gegen den Systemschaft folgen wird, (gemäß der vermessenen Gewindesteigung von 1,0). Als nächstes habe ich mir den QD-Stopfen von Magpul vorgenommen und bei herausgedrückten Kugeln den Abstand zum Anschlag vermessen: 1,5mm – dieses Mass muss die Blechdicke der Adapterplatte haben, damit der QD-Stopfen sicheren Halt findet.

Das Problem war, dass 1,5mm nun mal kein ganzzahliges Vielfaches der Gewindesteigung von 1mm ist. Theoretisch bedeutet das also, dass der später aufgeschraubte Schaft nicht mehr gerade, sondern quer stehen wird, wenn er auf die Adapterplatte trifft und das geht natürlich gar nicht!

Der erste Gedanke war also, das Blech dicker zu machen, z.B. 2mm, allerdings hätten es an der Stelle des QD-Adapters dann wieder 1,5mm sein müssen. Das Material flacher fräsen geht natürlich, erhöht aber den Fertigungsaufwand und außerdem zählt bei lediglich 4mm freier Gewindegang jeder Millimeter. Der Versuchung, das komplette Gestänge aus dem Systemschaft etwas weiter herauszuschrauben, um noch einige Gewindegänge/Einschraubtiefe zu gewinnen, habe ich glücklicherweise widerstanden. Es ist mit Schraubensicherung befestigt und hätte mit Sicherheit wieder mühsam ausgerichtet werden müssen.

Etwas Verbesserung hat gebracht, dass ich die Gewindebuchse M8x1 in Ihrer Bohrung des Hinterschaftgestänges noch ein wenig verdrehen konnte, viel war es aber nicht.

Ich bin mit diesen Umständen erstmal ins Rennen gegangen und habe einen Prototyp der Adapterplatte mit Dicke 1,5mm drucken lassen.

Ich war positiv überrascht, dass sich der Hinterschaft trotz aller gegenteiliger Theorie wieder gerade ausrichten liess und ich denke, dass dies der Flexibilität der Bauteile im Inneren des Hinterschafts geschuldet ist. Ich habe es bis heute leider nicht geschafft, dem auf den Grund zu gehen, bzw. den Gewindedorn M8x1 aus dem Hinterschaft auszubauen – es wäre sonst ein Leichtes gewesen, diesen zu verlängern. Meinen Erkenntnissen zufolge wäre der erste Schritt dazu, die Schaftkappe abzubekommen. Das habe ich bei aller Mühe aber leider nicht geschafft und wann will ja auch nichts kaputt machen.

So, die erste Hürde war genommen: Die Plattendicke stellt mit 1,5mm schonmal kein Hindernis mehr dar. Jetzt musste noch der richtige Biegewinkel für den Fortsatz des QD-Adapters gefunden werden. Der QD-Adapter ist zwar klein, wird aber von einem Drahtbügel aufgenommen, durch den auch der Riemen geschlauft wird. Die Biegung des Bleches muss also derart sein, dass die Breite des Drahtbügels unter keinen Umständen am Hinterschaft entlangkratzen kann. Mit einem Prototyp aus Kunststoff und einem Feuerzeug mit Jetflame war das in Sekunden erledigt: Der Winkel beträgt fortan 45°, siehe 3D-gedruckter Prototyp:

Die nochmalige Probe hat ergeben, dass so weit alles passt und die Adapterplatte wurde mit sehr leichten Masskorrekturen in Auftrag gegeben. Hier ein Bild von Ihr mit passendem Montageklotz. Die Adapterplatte wurde aus Blech gelasert und den Montageklotz habe ich aus einer 4mm-Platte auf ca. 23,5mm Breite zurechtgesägt, um ihn bei Montage als Verdrehsicherung in den Ausschnitt am Schaft einzulegen, siehe zweites Bild.

Nach Entnahme des Montageklotzes sieht man, dass die Blechkontur perfekt an jene des Schaftgehäuses angepasst ist (das war die oben erwähnte Masskorrektur).

Ein Bedenken blieb aber dennoch: Nämlich, dass man mit Gewehr im Anschlag (und über die Single-Point-Sling an der Schulter abgespannt) nicht doch so viel Kraft aufbaut, dass diese kleine Blechlasche letztendlich verbogen wird. Zum Glück weit gefehlt: Die 1,5mm Stahlblech halten mehr aus, als man denkt! Die QD-Lasche ist aber auch nur so kurz wie unbedingt notwendig ausgeführt, eine große Hebelwirkung wird damit erfolgreich vermieden.

So sieht die Benelli M4 nach Montage der Adapterplatte nun aus. Zur Verdeutlichung ist auf dem vierten Bild der Drahtbügel des QD-Adapters maximal verstellt und zeigt keine Berührung mit dem Hinterschaft.

Auch der HK G36-Gewehrriemen passt nun vorne und hinten an die Flinte :

Laufreinigung mit Ammoniak

Die Reinigung meiner Langwaffe ist nach jedem Gebrauch für mich ein Pflichtprogramm, das für den Lauf bei mir immer nach folgendem Schema abläuft:

Entfernung des Schmauchs mit Patches auf die ich etwas Hoppe´s No.9 gebe, bis selbige nicht mehr allzu verschmutzt wieder rauskommen (ca. 6-10 Durchgänge).

Danach Wechsel zur Messingbürste – diese ziehe ich mit Hoppe´s No. 9 benetzt ca. 20-30x hin und her. Es lösen sich dabei ordentlich Rückstände, die ich mit einem benetztem Patch (wieder Hoppe´s No.9) aufnehme – sie kommen dabei fast schwarz wieder raus. (ca. 3-4 Druchgänge für diese Kombination)

Im Anschluss daran kümmere ich mich darum, den Abrieb der Geschossmäntel – auch Tombak genannt – aus dem Laufinneren zu lösen. Hierfür gibt es eine Vielzahl von Reinigern auf dem Markt, ich verwende dazu allerdings 25%iges Ammoniak, da es günstiger ist und meiner Meinung nach die gleiche Wirkung erzielt. Dieses gebe ich auf das Patch, schiebe es langsam durch den Lauf, wende es und schiebe es dann ein zweites Mal durch. Das Ammoniak reagiert mit dem im Lauf abgelagerten Kupferanteil des Geschossmantels, was sich in einer Blaufärbung des Patches zeigt. Insgesamt können es mit Ammoniak auch schonmal 15-20 Durchgänge sein, bis sich die Färbung des Patches von einem anfänglichen tiefblau bis hin zu einem schwachen blau ändert. Die Intensität der Färbung hängt natürlich von der Schussbelastung ab. Wichtig bei der Verwendung von Ammoniak ist, dass man den Lauf nach der Anwendung wieder gründlich mit trockenen Patches reinigt und dann mit einem ölbenetzten Patch durchzieht (ich mache das zur Sicherheit immer zwei Mal), danach wird die Waffe wieder eingelagert.

Bei meinem letzten Besuch des Schießstands bin ich beim Reinigen meines Laufes mit einem Schützenkollegen zum Thema Tombakentfernung ins Gespräch gekommen. Er verwendet zur Laufreinigung den Bore Tech Eleminator, dieser kann allein durch seine Viskosität schon länger im Lauf haften bleiben und wird von ihm erst nach einer Einwirkzeit von ca. 30 Minuten wieder herausgewischt. Wie oft er diese Prozedur wiederholt, habe ich leider nicht gefragt.

Da das von mir verwendete Ammoniak in seiner Viskosität eher Wasser gleichkommt, sah ich hier keine direkte Vergleichsmöglichkeit hinsichtlich einer Einwirkzeit. Zuhause angekommen, habe ich deshalb ein Experiment gestartet, über das ich hier berichten möchte.

Ausgangsbasis war die bereits von mir auf dem Schiessstand gereinigte Waffe nach insgesamt 42 Schuss – also das volle Reinigungsprogramm, das ich bereits in der Einleitung beschrieben habe. Mir kam es jetzt darauf an, mal eine Vergleichsmöglichkeit zur Verwendung eines zähflüssigeren Tombakentferners zu haben, dessen Einwirkzeit den erwähnten 30 Minuten des Schützenkollegen entspricht. Zwar war meine Waffe nun schon gereinigt, aber die Idee war, diese lange Einwirkzeit mal nachzustellen um dann ggf. festzustellen, ob meine Methode vielleicht doch nicht so gut ist. Ich habe mich aus diesem Grund dazu entschieden, am Ammoniak festzuhalten und den Lauf einfach nochmal komplett damit zu fluten. Anhand der nachfolgend durchgezogenen Patches würde ich dann schon sehen, ob sich noch wesentliche Anteile Tombak lösen, oder nicht.

Ich hatte die Idee, meine Waffe für den Versuch ohne Verschluss und ohne Mündungsbremse kopfüber am Fitnessgerät aufzuhängen, das hat soweit auch ganz gut geklappt.

Jetzt musste der Lauf zuverlässig abgedichtet werden, dazu kann man im Internet sicherlich auch passende Gummistopfen kaufen. Ich hatte leider keine und auf eine Lieferung warten kam für mich auch nicht infrage. Nach einiger Zeit ist mir eingefallen, dass ich dafür aber eine angetrocknete Kartusche Sikaflex (ein Montagekleber für den KFZ-Bereich) habe. Aus der abgeschnittenen Scheibe habe ich mir anschließend einen Keil herausgeschnitten und diesen ein wenig angespitzt. Die Maßnahme hat erstaunlich gut gehalten, ich hab´ der Sache aber nicht ganz getraut und noch eine Edelstahlwanne für alle Fälle untergelegt.

Dass Ammoniak habe ich dann mit einer großen Spritze über die Verschlusskammer in den Lauf eingefüllt. Das, was auf dem nächsten Bild auf der Oberfläche des Ammoniaks schwimmt, dürften Reste von Öl aus der vorangegangenen Reinigung sein.

Nach einer Einwirkzeit von 30 Minuten war das in die Wanne eingelegte Papiertuch tatsächlich immer noch trocken und das Ammoniak wurde abgelassen.

Achtung:

Wird das Ammoniak aus dem Lauf in eine große Wanne abgelassen, vergrößert sich damit auch die Oberfläche, mit der das Ammoniak verdunsten kann. Hier ist Vorsicht geboten, da es zu Verletzungen der Atemwege kommen kann!

Als nächstes habe ich ein trockenes Patch (links im Bild) durchgeschoben und war erstaunt, wie wenig es blau eingefärbt war. Das zweite trockene Patch (rechts) sah auch eher danach aus, als würde noch Schmauch im Lauf sein und nicht Tombak.

Das dritte trockene Patch (rechts im Bild, links davon Patch Nr. 2 aus dem oberen Bild) sah auch wieder nach Schmauch, denn nach Tombak aus.

Das vierte Patch habe ich in alter Manier wieder mit Ammoniak benetzt und erst von der einen Seite durchgeschoben, …

… dann nochmals gewendet und von seiner anderen Seite durch den Lauf geschoben.

Ich hatte den Eindruck, dass die Blaufärbung der Patches so ziemlich dem entsprach, wie ich es bereits bei der ersten Reinigung direkt auf dem Schiessstand gesehen habe. Man muss hier noch bedenken, dass die Spitze meines Putzstocks aus Messing besteht, dessen Kupferanteil ebenfalls mit Ammoniak reagiert. Aus diesem Grund wird man dort, wo das Patch von der Messingspitze durchstochen wird, immer etwas Blaufärbung erkennen können.

Ich habe abschließend noch drei weitere trockene Patches hinterhergeschoben, die sich der Reihe nach von links nach rechts im unteren Bereich des Bildes wiederfinden. Zuletzt wurde wieder zwei Mal mit Öl durchgewischt.

Ich muss sagen, dass ich mir vom Fluten des Laufs mit Ammoniak ein besseres Reinigungsergebnis erhofft hatte, bin andererseits aber auch erleichtert: Der Aufwand mit dieser Methode ist schon vergleichsweise hoch und einen Mehrnutzen zu meiner bisherigen Art und Weise, mit getränkten Patches zu Reinigen, kann ich auch nicht erkennen. Für mich ist das ein Zeichen dafür, dass meine bisherige Putzroutine gar nicht so verkehrt gewesen ist und so halte ich auch zukünftig an ihr fest.

TIKKA T3x Bullpup: neues Projekt

Nach dem nicht erfolgreichen Umbau meiner Remington 700 in ein Bullpup Gewehr, das System mit Magazin sitzt hinter dem Abzug und verbessert das Verhältnis von Lauflänge zu Gesamtlänge erheblich zugunsten der Handhabbarkeit des Gewehrs, habe ich mir zum runden Geburtstag eine Tikka T3 Varmint kurz links in 6,5×55 SE gegönnt.

Wie so oft, Gedenke ich auch hieraus eine Serie zu machen, in dieser dokumentiere ich den Fortschritt am Projekt aus den letzten Jahren. Wie so oft bei Prototypen und Arbeit mit begrenzten Fertigungsmöglichkeiten und verfügbarer Zeit, gibt es einige Iterationen im Projekt, auch aktuell befindet es sich wieder in einer Umgestaltung.

Begonnen hat die Planung noch in Sketchup, zwischenzeitlich bin ich auf Fusion 360 umgestiegen, und sah in den ersten Skizzen so aus:

Blau / lila im Hintergrund ist eine aus Aluminium gefertigte Verbindungschiene, an die alle wesentlichen Teile angeschraubt werden, orange ist ein modifizierter AR-15 Vorderschaft und hell bzw. dunkel grün sind Schaftteile die auf der Fräsmaschine aus POM gefräst werden.

Es entsteht die Verbindungsschiene, Eckpunkte der Ausfräsungen werden vorgebohrt, mittig der für das Magazin (weiss, unterhalb), links am Bildrand der für den Rückstoßstollen ( blau, unterhalb). Zu erkennen ist hier auch schon die geplante V-Bettung die hier noch mit dem 45° Fräser überfräst werden muss. dazwischen die Löcher für die Systemschrauben (rot, unterhalb).

dazu kommen in orange markiert die Bohrung zur Befestigung des AR-15 Vorderschaft, in blau markiert die Ausfräsung zur Aufnahme des Griffs und in schwarz markiert die Bohrungen zur Befestigung der Schaftkappe.

Die Schaftteile werden aus einem massiven POM Block mit der manuellen Fräsmaschine ausgefräst, die markanten Punkte zuvor mittels Bohrungen nach X / Y Koordinaten eingebracht. die Verbindungsschiene aus Aluminium wird in einer passenden Ausfräsung untergebracht.

Der Abzug wird mittels Stange nach vorne verlegt, durch die Verlegung der Kontaktpunkte der Abzugsstange nach oben, bewegt sich diese entgegen der Richtung des Abzug. Aus dem Abzug der Tikka wurde das originale Abzugszüngel ausgebaut und durch eines in U-Form ersetzt, das den Kontaktpunkt für die Abzugsstange direkt unterhalb die Systemhülse bringt bzw. die Verbindungsschiene bringt. Auf dem folgenden Bild in gelb markiert der hintere Drehpunkt des „Abzugszüngel“ im Abzugsgehäuse, in rot der vordere am nach vorne verlegten Abzug.

Unterhalb eine Detailaufnahme des neu gefertigten „Abzugszüngel“ im Abzugsgehäuse. Es handelt sich um einen rechteckiges Stück Stahl, welches für die Seitenwand des Abzugsgehäuses eingeschlitzt wurde, mit einer Bohrung für den Stift am Drehpunkt versehen wurde und entsprechend der originalen Fläche in Kontakt mit den internen Teilen des Abzugs geschliffen und poliert wurde.

Für eine bessere Ergonomie beim Repetiervorgang wurde der originale Kammerstängel gegen eine selbst nachgefertigte Variante mit Gewindebohrung parallel zur Achse des Verschlusses ausgetauscht. In diese wird eine seitlich abgebogene Rundstange mit beidseitigem Gewinde eingesetzt. Biegung und Winkel sind dabei so gewählt, das eine gute Handhabbarkeit in relativ weit hinterer Stellung für die repetierende Hand gegeben ist.

Zum Zeitpunkt des Entstehens dieser Variante habe ich einige Artikel zur Dicke und Steifigkeit von Gewehrläufen gelesen und unter anderem auch zur Versteifung durch Hüllrohre mit entsprechend großen Durchmessern um den Lauf. Ich wollte das selbst ausprobieren und habe entsprechende Haltebuchsen aus Edelstahl für ein Carbonrohr gedreht. das Carbonrohr wurde in die hintere Buchse eingesetzt welches selbst auf dem Lauf im Bereich des Patronenlagers aufgestützt war. Das vordere Ende war eine Kombination von einer auf das Laufgewinde aufgedrehten und mit einer 2-Kammer Mündungsbremse gesicherten Buchse mit entsprechend großem Außengewinde knapp unter dem Innendurchmesser des Carbonrohr. Auf dieses wurde eine weitere Buchse mit entsprechendem Innengewinde aufgesteckt. Durch aufschrauben auf das vorgenannten Außengewinde wurde eine Vorspannung im Rohr erzeugt. Letztgenannte sind unterhalb zu sehen.

Stand der Variante 1 zum Tikka T3x Varmint Umbau zu einem Bullpup Repetierer unterhalb.

Dabei soll es aber nicht bleiben, weitere Iterationen in der andauernden Entwicklung dieses Bullpup Gewehrs folgen.

IWA 2025: VORFREUDE

Nach einigen Jahren Abstinenz plane ich in diesem Jahr wieder auf der IWA, stattfindend in gut zwei Wochen, vorbeizuschauen. Natürlich sind allgemeine Neuheiten dabei interessant und auch das ein oder andere Ungewöhnliche wird sich in einer Ecke finden. Aber wie schon bei meinem letzten Besuch im Jahr 2019 (IWA 2019 -Laugo Arms Alien), habe ich ein Produkt ausgewählt, dem ich etwas mehr Aufmerksamkeit widmen möchte.

Das Produkt ist nicht neu, es war auf der letztjährigen IWA vertreten sowie auch auf der diesjährigen shotshow in Las Vegas vor einigen Wochen. Es handelt sich um das „Gungnir Enhanced Rifle System“ von „Ivaldi Industries“ wie es auf der Website beschrieben wird. In den zugehörigen Patenten DE102019135856A1, DE102019132880A1 und DE102019124569A1 kommt es mit dem Anmelder Präzisionstechnik Volkach GbR und den Erfindern Alber, Wilfried und Holthaus, Georg etwas lokaler daher.

Die vordergründigen Eigenschaften des Gewehrs, wie sie auch in Videos von der IWA 2024 bzw. shotshow 2025 zumindest ansatzweise dokumentiert werden, sind:

  • Multikaliber
  • Bullpup
  • Geradezug

So weit so gewöhnlich bzw. in dieser spezifischen Kombination doch etwas außergewöhnlich aber immer noch nicht vom Hocker reißend. Für mich besonders macht dieses Gerät, neben der Kombination die Art und Weise wie diese Eigenschaften umgesetzt und kombiniert werden, die Ingenieur-mäßige Komplexität des Abzugsmechanismus, der absurde Fertigungsaufwand für beispielsweise die integrierte Längenverstellung und der allgemeine Aufwand in der Entwicklung des Systems um es so kurz wie möglich zu machen. Dabei wird maximale Lauflänge in minimaler Gesamtlänge untergebracht und damit, in meiner bisherigen Einschätzung, das Desert Tech SRS übertroffen. Exakte technische Daten konnte ich allerdings noch nicht finden. Dazu kommt meine Vorliebe für alles, was ein Bullpup ist. Mein Projekt Bullpup Remington 700 in den Teilen 1 bis 8 auf diesem blog war dahingehend zwar nicht erfolgreich, ich werde aber in den kommenden Tagen den ersten Beitrag einer neuen Reihe zu einem Tikka T3x basierten Bullpup online stellen.

In Bezug auf den Lauf bzw. dessen Einbindung in die Waffe ähnelt das Gungnir ERS einer Desert Tech bzw. anderen Multikaliber Gewehre recht stark. Der Lauf ist mit einer Endhülse, ähnlich einer AR-15 typischen barrel extension, verschraubt, die die Verriegelungsflächen für den Verschlusskopf enthält. Damit ist das alle Komponenten zusammenbringende Chassis nur zur Übertragung der Rückstoßkräfte vorgesehen. Besonders ist dabei, dass die Verriegelungsflächen nicht in der typischen, zur Laufachse senkrecht ausgerichtet sind, sondern schraubenartig mit gewinkelten Flanken ineinandergreifen. Zusätzlich sind diese so ineinander verschränkt, dass die Kräfte die Endhülse zusammenziehen. Gut erkennbar in nachfolgendem Bild aus DE102019132880A1:

Dabei ist 10 die von mir beschriebene Endhülse mit dem regulären Gewinde 7 zur Aufnahme des Laufs, 25 der Verschlusskopf und an diesem die, nach hinten geneigten, Gänge des unterbrochenen Gewindes (16). 55 sind nach meiner Interpretation die Schnittstellen zur Kraftübertragung auf das Chassis des Gewehres.

Typisches „Problem“ eines Multikaliber Gewehres ist, dass der Magazinschacht zur Aufnahme des Magazins für das größte Kaliber geeignet sein muss. Das Gungnir ERS wird beworben mit den Kalibern von .223 Remington bis .50 BMG, also einer Spannweite von CIP L6 maximal Längen der Patrone von 57,4mm bis 138,48mm. Um das Gewehr nicht grundsätzlich gut 80mm länger zu machen als es sein müsste, kann das Chassis des Gungnir ERS in der Länge verstellt werden, entsprechende konkave und wellenförmig ausgeführte Rastpunkte, vermutlich gewählt zur Minimierung bzw. Eliminierung von „Spiel“ zwischen den einzelnen Bauteilen. Die nachfolgenden Abbildungen aus DE102019135856A1 zeigen diese im Detail und auch die generelle Konfiguration des Gewehrs mit der Längenverstellbarkeit, um sich an die Abmessungen des Magazins anpassen zu können. Dabei ist der untere Teil des Chassis 5 bzw. 3 sowie Schaftkappe und Unterbau der Wangenauflage 2 statisch, Abzugsgehäuse 4 und Griffstück 7 können verschoben werden. In / auf 4 wird die Aufnahme für Lauf/Laufendhülse eingesetzt, auf / an dieser befindet sich die Montageschiene für Zieleinrichtungen und der Vorderschaft.

Das dritte Patent aus der Reihe DE102019124569A1 widmet sich dem „Schlosssystem“, also allem zwischen Abzug und Schlagbolzen. Das Ganze ist aus meiner Sicht höllisch kompliziert, zwei wesentliche Punkte für mich sind:

  • Es gibt einen Hammer (im Patent als Schlagstück bezeichnet), dieser sitzt oberhalb der Laufachse, die Bewegung des Abzugs wird über eine Art Ring um den Lauf / Endhülse herum nach oben für die Auslösung des Hammers übertragen.
  • Der Hammer / das Schlagstück wird in seiner gespannten Position durch die Konstruktion als Kniehebel oberhalb der entsprechenden Hammerfeder gehalten, wenn er in gesicherter Stellung ist. Dadurch wirkt nicht nur die Sicherung mechanisch gegen den Federdruck, der das Schlagstück Richtung Schlagbolzen bewegen will, sondern der Federdruck selbst drückt das Schlagstück in die entgegensetzte Richtung.

Nachfolgend das Schlagstück und zugehörige Teile im entsicherten, gespannten, abgeschlagenen und überstreckten Zustand:

Ein wesentlicher Teil, um ein Bullpup so kurz wie möglich zu halten, ist ein sehr kurzer Verschluss, nach Ansicht von Bildern übertrifft das Gungnir Enhanced Rifle System hierbei meiner Meinung nach das Desert Tech SRS. DE102019135856A1 zeigt in Abbildung 15 den Verschlusskopf im Verschlussträger auf der Führungsschiene mit den Langlöchern zur Befestigung des Schiebegriffs, bei einem regulären Gewehr der Kammerstengel. Nach dem Verschlussträger folgt nur noch eine Abschlussplatte 2 und dann die Schaftkappe, hier nicht abgebildet.

Wesentlich kürzer als das wird es dann nur noch mit einer vertikalen statt horizontalen Verschlussbewegung wie etwa bei einem Steyr ACR aus dem amerikanischen ACR Programm der 1980er Jahre, aus dem auch das H&K G11 hervorging, oder dem sowjetischen TKB-022PM Sturmgewehr.

Ich freue mich in jedem Fall sehr das Gungnir Enhanced Rifle System auf der IWA 2025 hoffentlich etwas genauer unter die Lupe nehmen und gegebenenfalls einige Worte mit den Entwicklern wechseln zu können.