Eigenbau – Pufferpatrone Kaliber 12

Pufferpatrone Kaliber 12 1

Kurz nach dem Kauf meiner Selbstladeflinte Benelli M4 Super 90 habe ich mich nach Pufferpatronen auf dem Markt umgesehen und bin eher enttäuscht worden, weil kein Artikel meinen Anspruch an ein Preis-Leistungs-Verhältnis erfüllt hat. Das soll nicht heißen, dass alles Schrott war, was ich gesehen habe, es sind nur einfach meine Kriterien nicht erfüllt worden. Und die waren simpel: Ich benötige eine Pufferpatrone um den Nachladevorgang an meiner Flinte zu trainieren. Diese soll so weit wie möglich dem Original in Größe und Gewicht entsprechen, denn es geht ja schließlich um das sichere und wiederholgenaue Hantieren beim Nachladen. Schließlich will ich mit der Flinte ja auch dynamische Disziplinen schießen, wo es auf ein schnelles Nachladen ankommt. Das sichere Abschlagen der Waffe steht bei mir dabei nicht im Vordergrund. Deshalb sind solche durchaus sinnvollen Eigenschaften wie ein gefedertes Schlagstück aus Messing in diesem Fall auch eher zweitrangig für mich – ich würde die Pufferpatrone im Trockentraining zuhause sowieso wieder heraus repetieren, ohne den Abzug zu betätigen.

Da gab es also aus Aluminium gedrehte Pufferpatronen, die nur halb so lang waren, wie die Originale. OK, die hatten ein gefedertes Schlagstück aus Messing, Gewicht und Größe entsprachen aber nicht dem Original – durchgefallen. Dann eine Variante ebenfalls halb so lang wie das Original, jedoch komplett aus Kunststoff: Wegen mangelnder Größe und zu geringem Gewicht ebenso durchgefallen. Aber es wird besser: Großes durchsichtiges (leider sprödes) Kunststoffgehäuse mit Messingschlagstück: Für mich in Sachen Haltbarkeit und Gewicht durchgefallen, die Größe war hingegen schon mal gut.

Machen wir´s kurz: Das Original wäre immer noch das Optimum, wenn es nicht die Gefahr gäbe, beim Training versehentlich einen Schuss in den eigenen vier Wänden abzugeben. Und genau da setze ich an: Der Slug wird ganz einfach entschärft!

 

Treibmittel entfernen

Zuerst wird das Treibmittel entfernt, dazu wird die Kunststoffhülse an drei Stellen angebohrt. Ich habe dazu einen Metallbohrer genommen und die Löcher von Hand (d.h. ohne Maschine) gebohrt. Es sind zwei Löcher mit Durchmesser 2mm und ein Loch mit Durchmesser 4mm. Ab 3mm rieselt beim Brenneke Slug nämlich das Pulver in plättchenform heraus. Die Löcher sollten sehr nahe am Boden des innen liegenden Kunststoffbechers gebohrt werden. Nach Entfernen des Treibladungspulvers sind die Innenteile nämlich beweglich und man kann den Bohrer dazu nutzen, alles wieder in Richtung Hülsenmund zu drücken. Die insgesamt drei Löcher verhindern übrigens, dass beim Auslösen des Zündhütchens die Hülse des Slugs zu stark einseitig ausbaucht: Mit drei Löchern entweicht das Gas nämlich ausreichend schnell und gleichmäßig, sodass die Hülse formstabil bleibt.

 

Zündhütchen deaktivieren

Zur Schalldämmung kann der Slug nun mit einer Plastiktüte umwickelt und dann z.B. in einen Blumentopf gesteckt werden. Das Zündhütchen habe ich mit einem automatischen Körner ausgelöst. Ich empfehle dazu Gehörschutz und Schutzbrille zu tragen und die Patronenhülse nicht mit der anderen freien Hand fest zu halten!!!! Es ist nämlich damit zu rechnen, dass das Zündhütchen durch die drei gebohrten Löcher noch heiße Gase ausstoßen wird!

 

Pufferpatrone Kaliber 12 5

Ersatzstoff einfüllen

Ok, die Pufferpatrone ist jetzt eigentlich schon brauchbar, für mich aber noch nicht ganz fertig. Die Komponenten im Inneren der Patrone werden jetzt – falls notwendig – nochmal mit dem Bohrer zum Hülsenmund gedrückt und die beiden Löcher mit Durchmesser 2mm werden durch Klebeband verschlossen. Jetzt benötigt man eine Kartusche Acryl oder Silikon, füllt etwas davon in eine Spritze und spritzt das Zeug durch die Bohrung mit D=4mm. Nach dem Aushärten ist die Pufferpatrone dann fertig. Die Kosten für fünf Dummies belaufen sich somit auf knappe 4 Euro und näher am Original geht kaum.

Lackieren kommt übrigens nicht gut, man hat Ruck Zuck Lacksplitter in der Waffe, ich hab die Farbe mit Nitro-Verdünnung ganz schnell wieder abgewaschen.

Pufferpatrone Kaliber 12 6
So nicht!

 

3 Kommentare zu „Eigenbau – Pufferpatrone Kaliber 12

  1. Hi engineer78
    Habe mittlerweile auch endlne Flint und finde deine Konstruktion ist echt mega, muss nur sagen trau mich da selbst nicht so ran mit dem Zerlegen.

    Gibt es da ne Möglichkeit die vielleicht zu beziehen 😉

    Liebe Grüße

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s