Wiederladen: Die Suche nach Komfort

Faulheit kann den Erfindergeist ganz schön beflügeln! Die vielen Handgriffe beim Wiederladen von Langwaffenpatronen und der relativ beengte Platz in meinem Hobbyraum haben mich dazu bewegt, die nachfolgend beschriebenen Vorrichtungen zu bauen. Ausschlaggebend war die lange Zeit, die das Wiederladen von Langwaffen-Patronen in Anspruch nimmt, wenn man jede Pulverfüllung einzeln abwiegt, nur um sich Präzision und Gleichmäßigkeit beim Schießen zu erhoffen.

Los geht´s mit der Pulverwaage:

Ich benutze eine „Eliminator“ von Dillon. Diese habe ich mir erst mal auf Augenhöhe montiert, damit ich die Anzeige besser anpeilen kann. Um Ungenauigkeiten zu vermeiden, sollte der Stand nochmal mit einer Wasserwaage kontrolliert werden, wenn z.B. eine Plattform wie bei mir verwendet wird. Bei der Positionierung der Pulverwaage und der nachfolgenden Komponenten, sollte bei der Verwendung einer Plattform darauf geachtet werden, dass das Waagschälchen überhängt – das erhöht später den Bedienkomfort.

Dillon Eliminator

Modifikation des Pulverfüllers

Als nächstes habe ich meinen Pulverfüller modifiziert, es ist ein „Perfect Powder Measure“ von Lee. Das Teil kostet um die 30 € und teurere Geräte braucht man meiner Meinung nach wirklich nicht kaufen, weil sie alle volumetrisch abmessen und die Ungenauigkeit durch die Form und Körnung des Pulvers herrührt. Ich wollte mir zudem die Arbeit sparen, die Patronenhülse am Pulverfüller zu füllen, diese dann doch wieder ins Waagschälchen auszuleeren, ggf. nach zu dosieren und schließlich wieder alles zurück in die Hülse zu schütten. Die Idee war also, den Pulverfüller so zu positionieren, dass das Pulver direkt in die Schale der Pulverwaage fällt – und das hört sich erst mal leichter an, als es ist. Bauartbedingt kann man den Pulverfüller nämlich gar nicht so nah an die Waage heran bringen, dass das gesamte Pulver zuverlässig in der Schale ankommt. Dazu habe ich ein Fallrohr entwickelt, dass es erlaubt, das Füllgerät weit genug weg zu montieren und das gleichzeitig verhindert, dass das Pulver beim Fall zu viel kinetische Energie entwickelt, sodass es beim Aufprall auf die Schale wieder heraus fliegt.

Nach einigen Versuchen ist dieses Rohr dabei herausgekommen

Fallrohr

 

Prallhülse

Nach der Installation sollte der Pulverfüller in etwas so aussehen (das schwarze Zeugs ist der Sekundenkleber):

Lee Perferct Powder Measure 1

Lee Perferct Powder Measure 2

Lee Perferct Powder Measure 3

Die Konstruktion besteht im Wesentlichen aus einem einfachen Edelstahlrohr von ca. 120mm Länge, das zunächst auf der Drehbank bearbeitet wird. Dazu muss an einem Ende auf einer bestimmten Länge der Außendurchmesser auf jenen des originalen Kunststofftrichters (der Trichter, aus dem das Pulver unten herausrieselt) angepasst werden. Anschließend wird das Rohr in einem Winkel von 30° gebogen und gekürzt. Nun benötigt man ein Stück Metall, das man so auf das Rohr schweißt, dass es dicht ist. Bestenfalls ist es schon halbrund, ca. 2mm dick und man hat ein (WIG-)Schweißgerät zur Verfügung. Jedenfalls wird am unteren Ende des Rohres mit der Flex wieder ein Schlitz hinein geschnitten, aus dem das Pulver dann herausrieseln kann (Schnittkanten mit einer Feile sorgfältig entgraten!). Ich hätte mich gefreut, wenn die Arbeit hier schon getan wäre, aber das Pulver flog beim Austritt zu stark nach links und rechts. Also habe ich mit Sekundenkleber eine kurze Rohrhülse aus Aluminium an die Austrittsöffnung geklebt, damit seitlich austretendes Pulver gefälligst an die Rohrhülse prallt und dann langsam nach unten fallen kann. Leider hatte das Pulver immer noch zu viel Schwung, sodass ich letzten Endes noch die Rückseite und Teile der Vorderseite der Rohrhülse mit dünnem Blech (ca. 0,3 – 0,5mm dick) zugeklebt habe – danach war endlich Ruhe. Jetzt fliegen ab und an nur noch vereinzelte Körner aus der Waagschale aber damit kann ich leben.

Eigenbau Powder-Trickler

Die nächste Baustelle war die Genauigkeit des Pulverfüllers, aber das Problem ist ja bekannt. Für solche Fälle gibt es ja die Feindosierer („Powder-Trickler“), den könnte man nun kaufen und an die Waagschale stellen – oder anhand folgender Zeichnungen selber bauen. Zur Info: Die Ringnut an der Rändelmutter zu drehen ist nur notwendig, wenn man auch den weiter unten beschriebenen manuellen Antrieb bauen möchte. Genau dann benötigt man die Rändelmutter ( Hersteller: Norelem, Artikelnummer: 06010-1052) mit Nacharbeit auch zwei Mal (davon 1x mit Gewinde M6 und ohne Gewinde M3, bitte weiter unten nachlesen).

Powder Trickler - Basis

Powder Trickler - Deckel

Powder Trickler - Rohr

Nacharbeit 06010-1052Und so sieht der fertige Powder-Trickler aus:

Powder Trickler

Damit sich die Rändelmutter auf dem Rohr nicht dreht, wird sie mit einem Gewindestift DIN 914 – M3x6 fixiert. Die Basis des Powder-Tricklers besitzt unten zur Befestigung ein Gewinde M6. Mit einem halbierten Kupferdichtring, den ich unter die Basis gelegt habe, habe ich beim Verschrauben des Tricklers dann die gewünschte Neigung des Rohrs erreicht. Ich empfehle, die nicht benötigte Seite des Rohres noch mit einem Stopfen zu verschließen, ich habe dazu mit der Lochzange ein Stück aus einer Gummimatte gestanzt. Einige Zeit vor dem hier beschriebenen Umbau war bereits meine Plattform zur Aufnahme der Ein-Stationen-Presse vorhanden. Die liegt ergonomisch günstig auf Tischhöhe, wahrscheinlich so, wie die meisten Pressen montiert sind. Den Powder-Trickler dann aber auf Schulter- bzw. Augenhöhe zu bedienen ist denkbar ungünstig und kann bei längeren Arbeiten auch anstrengend und damit nervig werden.

Hier schon mal ein Bild des bisherigen Status:

 

Pulverfüllstation

Powder-Trickler: Manueller Antrieb

Aus diesem Grund besitzt die Rändelmutter auch ihre Ringnut: Die Rändelmutter habe ich mir gleich zweimal angefertigt und auf dem erwähnten Plateau für die Ein-Stationen-Presse eine kleine Aufnahme montiert. Mit Hilfe eines großen O-Rings – der Schnurdurchmesser beträgt 3mm, der Innendurchmesser hängt von Euren Begebenheiten ab – habe ich dann die beiden Rändelmuttern verbunden und mir so einen manuellen Antrieb auf bequemer Höhe geschaffen. Da die Aufnahme ganz individuell gestaltet werden kann, verzichte ich hier auf eine Zeichnung und beschreibe lediglich die wichtigsten Schritte. Verwendet habe ich folgende Komponenten: Ein Stück Aluminium mit der Dicke 10mm. Dieses habe ich mit einer Passbohrung vom Durchmesser 8H7 versehen und eine Gleitbuchse (Firma IHG, Typ DU 0610) eingepresst – man erhält ein Durchgangsloch mit Durchmesser 6mm. Durch dieses Loch führt man eine Rändelschraube mit Gewinde M6 (Firma Norelem, Artikel 06090-062×20). Eine der oben erwähnten Rändelmuttern muss jetzt nochmal nachgearbeitet werden: Das Durchgangsloch auf einen Durchmesser 5,2mm aufbohren und ein Gewinde M6 hineinschneiden. Die Rändelmutter wird dann auf das Gewinde der Rändelschraube gedreht, zum Abschluss wird nochmal mit einer Mutter ISO 4032-M6 gekontert. Und so sieht der „manuelle Antrieb“ komplett aus: An der linken Rändelschraube wird per Hand gedreht, rechts wird dann der O-Ring in die Ringnut der Rändelmutter gespannt und das Drehmoment wird nach oben auf den Powder-Trickler übertragen.

Powder Trickler Antrieb

Hier nochmal eine Gesamtansicht:

Wiederladestation

Eigenbau-Pulvertrichter

Das Zurückschütten des Pulvers in die Patronenhülse geschieht bei mir mit meinem Eigenbau-Pulvertrichter. Eine Beschreibung zu den Kalibern .223 Rem. und .308 Win. findet Ihr später ebenfalls auf diesem Blog. Meine Zeitersparnis beim Befüllen der Hülsen beträgt nun locker 50%, ganz zu schweigen davon, dass mit weniger Handgriffen schlichtweg auch weniger Missgeschicke mit dem Pulver passieren.

Nachtrag:

Wer mehr über die Pulvertrichter für die Kaliber .223 Rem. und .308 Win. erfahren möchte, kann in diesem Artikel mehr darüber lesen.

Eine andere Variante für das Kaliber 6,5×55 Schwedenmauser wird in diesem Artikel vorgestellt.

Abschließbare US-Munitionskiste

Hier ist eine kurze Anleitung zur Herstellung von abschließbaren Munitionskisten. Es geht mal wieder nicht ohne schweres Gerät: Eine Drehbank und eine Standbohrmaschine sind leider Voraussetzung. Dafür ist die Sache denkbar einfach: Für die Variante 1 wird eine kleine US Munitionskiste (BHT ca. 270x170x80mm), sowie ein Stück Rundmaterial aus Edelstahl und eine Flachkopfschraube ISO 7380 M6x8 – A2 benötigt. Die kleine Munitionskiste hat den Vorteil, dass die Verriegelungslasche einen größeren kreisrunden Ausschnitt besitzt, als z.B. die größeren Muni-Kisten. Zunächst wird das Fertigungsteil laut nachfolgender Zeichnung hergestellt.

Verriegelungsbolzen groß

Durch den erwähnten Ausschnitt in der Verriegelungslasche wird nun die Stelle am Blechkörper angepeilt und markiert, an der die Bohrung für den Verriegelungsbolzen sitzen soll – mit Rücksicht auf die Schwenkbewegung der Verriegelungslasche sollte die Markierung unterhalb der Mitte des Ausschnitts liegen. Anschließend wird die Kiste an dieser Stelle (liegt wahrscheinlich auf der Blechfalz) gekörnt und mit einem Bohrer vom Durchmesser 5,5mm angebohrt. Der Verriegelungsbolzen wird dann an der Außenseite angesetzt und von innen mit der Flachkopfschraube fixiert. Das nachfolgende Bild zeigt noch meinen Prototypen, an dem der Verriegelungsbolzen angeschweißt wurde. Da dort natürlich die Farbe weggebrannt ist, musste auch noch neu lackiert werden. Das kann man heute aber einfacher haben…

 

 

Munitionskiste 1 abschließbar_1

Munitionskiste 1 abschließbar_2

Die Variante 2 habe ich entworfen, weil nach dem Kauf einer Langwaffe einfach mehr Munition und Zubehör transportiert werden musste. Gekauft habe ich dafür eine größere Munitionskiste (BHT ca. 280x335x140mm). Die Arbeitsschritte sind wie oben beschrieben, hier wird diesmal aber eine Schraube ISO 7380 M5x8 – A2 verwendet. Der Unterschied ist hier der Verriegelungsbolzen, der wegen des recht kleinen Lochs in der Verriegelungslasche auch kleiner ausfallen muss. Auch das zu verwendende Schloss muss angepasst sein und einen dünnen Bügel besitzen.

Verriegelungsbolzen klein

 

Und hier das Resultat:

Munitionskiste 2 abschließbar_1

Munitionskiste 2 abschließbar_2

Trageclip Höppner und Schumann

Für den Gehörschutz möchte ich ein sehr nützliches Zubehörteil für den Transport vorstellen: Den Trageclip von Höppner und Schumann. Wer seinen Gehörschutz unproblematisch ablegen und trotzdem griffbereit haben will, kommt um dieses Teil kaum herum. Der Trageclip ist komplett aus Kunststoff und kann an jeder Schlaufe (Rucksack, Gürtel etc.) bis zu einer maximalen Breite von ca. 60mm befestigt werden, ohne die Schlaufe komplett durch den Clip fädeln zu müssen. Die Basisplatte besitzt auf der Innenseite ein schmales Führungselement, mit dem der Clip an die Schlaufenbreite optimal angepasst werden kann. Dazu wird das Element einfach in das nächstgelegene rechteckige Loch geclipst (siehe Rechteckraster im rechten Teil) um eine Taumelbewegung durch zu großes Spiel an der Schlaufe zu verhindern. Die Basisplatte des Clips kann – wie am rechten Clip ersichtlich – an einem Scharnier geöffnet werden und schließt zuverlässig durch zwei seitlich angebrachte Rasthaken. Durch das Umlegen eines kleinen Bügels am unteren Ende wird dieser Mechanismus zusätzlich noch verriegelt. Der eigentliche Haken, an dem der Gehörschutz schließlich aufgehängt wird, ermöglicht durch seine Breite von 30mm, dass der Gehörschutz auch beim Laufen in Position bleibt und nicht etwa in alle Richtungen baumelt. Durch das Bohrungsmuster in der Basisplatte des Clips, kann der Haken in einer Vielzahl von Positionen relativ zur Basis befestigt werden, der Clip kann dadurch vielseitig an Ausrüstung oder Kleidung genutzt werden – sowohl an senkrechten, als auch an waagrechten Schlaufen. Die Ausladung des Hakens beträgt innen ca. 40mm – absolut ausreichend für einen Gehörschutz MSA Sordin Supreme Pro oder seine Varianten. Für ca. 15 € ist der Trageclip z.B. bei www.sportshooter.de zu haben.

Trageclip Hoeppner Schumann 1

Trageclip Hoeppner Schumann 2

Eigenbau Hülsenfangsack für Picatinny-Schiene

Für den Fall, dass auf dem Schießstand die Pflicht besteht, seinen Halbautomaten mit einem Hülsenfänger auszurüsten, habe ich nachfolgend beschriebene Variante zur Montage auf einer 3-Uhr Picatinny-Schiene entwickelt. Für den Umbau werden ein UTG Hülsenfangsack, ein Stück Edelstahl 25x6x35, ein 45° Picatinny-Adapter, etwas dicker Schweißdraht (oder etwas Vergleichbares) und vier Zylinderkopfschrauben mit Innensechskant ISO 4762 M3x10 – A2 benötigt. An Werkzeugen benötigt man eine Schere, einen Seitenschneider, Nadel und Faden, einen Gewindeschneidsatz M3 und am besten jemanden, der Fräsen und Schweißen kann.

Los geht´s mit dem UTG-Hülsenfangsack, den gibt´s beim großen Online-Versandhändler für ca. 13 € inklusive Versand. Für den 45° Picatinny-Adapter wird man dort auch fündig, die Preise sind allerdings stark unterschiedlich und haben verschiedene Lieferzeiten.

UTG Hülsenfangsack 1

 

Am Fangsack wird zunächst der Klettriemen abgeschnitten. Den zweiten Rahmen aus Schweißdraht muss man nicht unbedingt anfertigen, er hält den Hülsenfangsack während des Schießens aber auch im Inneren aufrecht, sodass die Hülsen sehr gut abgeführt werden können. Der Schweißdraht, den ich verwendet habe, hat einen Drahtdurchmesser von 3mm. Der fertige Rahmen sollte die Außenabmessungen von 130×55 mm nicht überschreiten (129×52 mm sind es bei mir, um genau zu sein). Denkt an etwas Reservematerial, damit Ihr einige Probestücke biegen könnt. Ich habe den Draht in einen Schraubstock gespannt und mit einem Überwurfrohr umgebogen. Ein Winkel ist zur Überprüfung hilfreich.

UTG Hülsenfangsack 2

Mit dem Seitenschneider werden nun beide Streben nahe des ersten Biegeradius´ abgeschnitten.

UTG Hülsenfangsack 3

Jetzt muss die Adapterplatte laut nachfolgender Zeichnung angefertigt werden.

Adapterplatte Hülsenfänger

Ist die Adapterplatte fertig, sollten mit Ihrer Hilfe am 45°-Picatinny-Adapter die vier Kernlöcher für die Gewinde M3 angerissen und gebohrt werden. Anschließend werden die erwähnten Gewinde M3 in den Adapter hinein geschnitten. Von der Anfertigung der Gewindeborhungen habe ich jetzt keine Bilder mehr gemacht. Wichtig ist, dass die Adapterplatte mit der Fase 1×45° nach oben in den Picatinny-Adapter eingelegt wird, das nächste Bild gibt Aufschluss über die korrekte Position.

 

UTG Hülsenfangsack 8

 

Die am Hülsenfangsack stehen gebliebenen Streben werden nun in die Nut 6x3mm der Adapterplatte eingelegt und bündig mit den Außenkanten verschweißt.

UTG Hülsenfangsack 4

Mit Hilfe einer Plastiktüte und Klebeband kann man nun den Fangsack etwas verpacken, um das Ende mit der Metallplatte zu lackieren. Nach der Montage an den Picatinny-Adapter mittels Schrauben M3 kann man dann abermals lackieren, falls der Anblick der blanken Schraubenköpfe stören sollte.

UTG Hülsenfangsack 5

Zuletzt wird der Rahmen aus Schweißdraht in den Hülsenfänger eingelegt und nahe dem Übergang vom gewebten zum maschenartigen Nylon mit Nadel und Faden eingenäht.

UTG Hülsenfangsack 6

Konzipiert wurde die Modifikation des Hülsenfangsacks für ein AR-15 der Firma HERA Arms, er passt aber auch auf andere Fabrikate mit Tri- oder Quadrail.

UTG Hülsenfangsack 7

Wer mehr über das obige AR-15 erfahren möchte, gelangt hier zum entsprechenden Artikel.

Wer sich eher für das obige Zielfernrohr interessiert, kann hier mehr darüber erfahren.