Long Range Shooting: Vorbereitungen

Long Range Shooting - Vorbereitungen 10

Nächste Woche ist es wieder soweit: Besuch eines Long Range-Events und Schießen auf Distanzen jenseits von 1000m! Bei der Zusage zum Event bin ich wegen der Jahreszeit eigentlich von „Artic Warfare“ ausgegangen, aber bei der derzeitigen Wetterlage sieht es so aus, als ob der Kelch nochmal an mir vorüber geht. Trotzdem will ich vorbereitet sein und nehme ein paar Dinge mit, die ich hier vorstellen möchte.

Ich bin mir sicher, dass jeder seine Ausrüstung in Schuss hält, aber was man wirklich nicht beeinflussen kann, ist das Wetter. Das wird beim anstehenden Besuch Mitte November auch eine wesentliche Rolle spielen, denn ich rechne in dieser Gegend Deutschlands mit Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt, zumindest in den frühen Morgenstunden.

Wer wie ich also dazu bereit ist, eine lange Autofahrt in Kauf zu nehmen, um mal etwas Außergewöhnliches zu erleben, der will nicht, dass der Spass auch noch im Regen untergeht. Deshalb berichte ich hier von meiner „Trockenübung“ zu hause. Dabei will ich insbesondere auf die sekundäre Ausrüstung eingehen, die ich mir dafür zugelegt habe. Ob sich der ganze Aufwand gelohnt und was er letztendlich gebracht hat, darüber werde ich nach dem Event nochmal ausführlich berichten.

Wer lieber etwas über die primäre (schießsportliche) Ausrüstung auf den Bildern erfahren möchte, kann unter den folgenden Links mehr zu den Themen

Savage Arms 10 BA,

Hera Arms The 15th,

Zeiss Spektiv Diascope 85 mit Leica Laser-Entfernungsmesser CRF 1600-B oder

Digiscope-Adapter zum Zeiss-Spektiv

erfahren.

Beginnen wir mit dem Zelt: Der Markt an Zelten ist gross, da kann man schon einige Zeit mit der Suche nach dem geeigneten verbringen. Meine Kriterien waren folgende: Genügend Platz für Schütze und Spotter inklusive deren Ausrüstung, kleines Packmass und günstiger Preis. Vor allem letzteres, denn das Zelt sollte eine Notlösung sein, ich will ja nicht zum Dauercamper auf dem Event werden (obwohl… eigentlich doch!). Dass ich für günstiges Geld damit rechnen muss, Abstriche zu machen, war von Vornherein klar, es sollte ja auch nur Regen abhalten – im schlimmsten Fall Dauerregen von ca. 6 Stunden. Da das klassische Scharfschützenteam nun mal aus zwei Mann besteht, habe ich ein Iglu Dreimann-Zelt bei ASMC gekauft, schließlich soll man sich in dem Zelt auch noch bewegen können. Das Packmass ist mit ca. 60cm x Durchm. 20cm und 2,4 kg Gewicht nicht übertrieben gross und der Preis hält sich mit knapp 35 Euro stark in Grenzen.

Da der Zeltboden nicht unbedingt der stärkste ist, empfehle ich hier unbedingt noch eine PE-Folie aus dem Baumarkt oder BW-Zeltplanen als Unterlage, damit kleine Unebenheiten nicht gleich zu Löchern führen.

Probeliegen im Zelt hat dann ergeben, dass der Schütze durchaus doch noch nass werden kann, weil vor dem Zelt eben kein Regenschutz vorhanden ist – Ihr könnt das beim Kauf Eures Zeltes ja besser machen als ich. Aus einer früheren Bestellung bei ASMC habe ich aber glücklicherweise noch zwei Poncho-Liner, die man aufknöpfen und als Tarp / Zeltplane benutzen kann. Da sie rundherum nicht nur mit Ösen, sondern auch mit Kordeln versehen sind, habe ich einen davon als zusätzlichen Regenschutz kurzerhand über das Zelt geworfen und mit den dortigen Stangenschlaufen verknotet. Vorne ist er noch mit drei Teleskop-Zeltstangen und etwas Schnur abgespannt. Den zweiten Poncho werde ich bei Regen dann seitlich des ersten anknüpfen und bis auf den Boden abspannen, so ist der Schütze dann auch seitlich vor Regen geschützt.

Für den Liegekomfort des Schützen muss eine Kombination aus simpler Isomatte und darüber liegend eine Bundeswehr-Isomatte herhalten, der Spotter hat es da schon besser: Aus einer Lagerräumung habe ich selbstklebende Matten zur Schalldämmung bekommen, die ich ganz einfach zu einem Würfel zusammengeklebt habe. Auf dem Teil lässt es sich prima sitzen und durch die vielen Poren dürfte das Kissen auch ziemlich isolierend wirken.

Elektronischer Windmesser

Kurz vor dem Event habe ich noch eine wichtige Lieferung bekommen: Meinen Windmesser von Kaindl, den „Windmaster2“ oder auch „Windtronic2“, wie es auf dem Gerät selbst steht. Den gab es inklusive Tasche für 56 Euro bei Amazon.

Kaindl Windmaster2 01

Die Bewertungen waren größtenteils positiv, überzeugend war für mich aber eine Rezession, in der jemand die geringe Abweichung zu einem Laborgerät festgestellt hat. Weitere Vorteile sehe ich darin, dass man den Windmesser nicht in den Wind drehen muss und dass er ein Stativgewinde am unteren Ende besitzt. Wie man sehen kann, habe ich das Stativ meines Billig-Spektivs (Marke Auriol, ca. 30 Euro, nur zum Pistolenschießen) verwendet, um den Windmesser im Gelände zu platzieren.

Kaindl Windmaster2 02

Befestigt habe ich ihn mit der übrig gebliebenen kleinen Stativschraube meines Zeiss-Spektivs. Der Windmaster2 hat ein großes, gut sichtbares Display und zeigt neben dem Momentanwert auch den bisherigen Durchschnittswert, sowie den Maximalwert der Windgeschwindigkeit an. Der Anwender kann dabei zwischen den Einheiten Kilometer pro Stunde, Knoten, Meter pro Sekunde und Meilen pro Stunde wählen.Außerdem befindet sich im linken Bereich des Displays eine Balken-Skala, die die Windstärke noch in Beaufort anzeigt. Man merkt schon, dieses Gerät eignet sich für eine ganze Reihe von Sportarten.

Von Nachteil ist es, dass die Windrichtung nicht angezeigt wird. Da kann man sich aber mit einer improvisierten Windfahne selbst helfen (siehe unten). Die teuren Produkte von Kestrel habe ich mir nicht kaufen wollen. Ich halte diese für nicht unbedingt genauer und die vielen Zusatzfunktionen, wie z.B. hinterlegte ballistische Tabellen, interessieren mich wenig, da ich ja eine Drop Chart erstelle.

Eigenbau Windfahne

Wenn man im Zelt liegen sollte, bedeutet das erstens, dass es regnet und zweitens, dass man die Windfahne am Gefechtsstand nicht mehr sehen wird. Also wird etwas benötigt, das der Spotter beim Schießen vor der Nase hat. Da er sowieso den Wind ermittelt, liegt es nahe, dass die improvisierte Windfahne wieder eine Kombination mit dem Windmesser ergibt. Sie wird später ganz einfach oben auf den Windmesser aufgeklebt.

Verwendet habe ich ein Stück Bremsleitungsrohr von ca. 50mm Länge, an dessen einer Seite ich ein Gewinde M4 hineingeschnitten habe. Dort wird dann eine Rändelschraube M4 oder etwas Vergleichbares mit großer Auflagefläche hinein geschraubt.

Eigenbau Windfahne 01

Mit der Lochzange habe ich dann einen passenden Stopfen aus einer 3mm Gummimatte gestanzt, den ich mit einer Nadel und etwas gelbem Faden durchstoßen habe.

Eigenbau Windfahne 02

Jetzt muss nur noch der Gummistopfen in das andere Ende des Bremsleitungsrohres gepresst werden und das Teil ist fertig.

Eigenbau Windfahne 03

Viele Wege führen hier übrigens nach Rom, man verwendet einfach das, was im Haushalt so rumliegt…

Für das unmittelbare Wohlbefinden sollte im November auf ausreichend warme und/oder mehrschichtige Kleidung geachtet werden, denn großartige Bewegungen sind beim Schießen nun mal nicht drin und man läuft Gefahr, schnell auszukühlen. Wer ab und an auch mal im Herbst oder Winter Wandern geht, dürfte in dieser Hinsicht aber sowieso gut ausgerüstet sein.

Es kann losgehen!

 

ERA-TAC Blockmontage T2063-0020

ERA-TAC Blockmontage 13

Dieser Artikel befasst sich mit der Installation einer ERA-TAC Blockmontage mit einstellbarer Vorneigung auf meiner Savage, Typ 10 BA. Wie bereits in meinem zurück liegenden Artikel zur Savage angekündigt, wurde die Modifikation notwendig, weil ich auf Distanzen von 800m schon am Ende des Verstellbereichs meines Zielfernrohrs angelangt war. Normalerweise ist die Montage eines Zubehörteils jetzt auch keine große Kunst, aber scheinbar habe ich noch nicht mal einen normalen Repetierer: Die Firma Recknagel hat mich nämlich schon im Vorfeld darauf hingewiesen, dass Savage Arms speziell bei meinem Modell abweichende Nutabstände auf der Picatinny-Schiene gefertigt hat. Es ist mir ein absolutes Rätsel, weshalb man sich so etwas erlaubt, denn nicht umsonst gibt es einen militärischen Standard und den kann man sogar bei Wikipedia nachlesen – um ein Geheimnis handelt es sich also nicht gerade.

Dieser Erfahrungsbericht richtet sich also eher an Besitzer einer Savage 10 BA.

Da es bei der vorhergehenden Verwendung meiner beiden Montageringe überhaupt keine Probleme gab, vermute ich, dass die Nutbreite also korrekt gefräst wurde und lediglich der Abstand zwischen den Nutflanken um einige Zehntel größer ist, als normal. Oder anders gesagt: Die stehen gebliebenen „Zinnen“ sind etwas breiter, als sie sein sollen. Sowas fällt aber erst dann auf, wenn man eine ZF-Aufnahme „aus einem Stück“ hat. Bezogen auf die Länge der neuen Blockmontage hat das für mich eine unerwünschte „Materialzugabe“ von genau 1mm gemacht – was liegt da näher, als zwei „Zinnen“ um je 0,5mm runter zu feilen? Die Schiene abzumontieren und auf die Fräse zu spannen wäre auch nicht gerade schneller gegangen: Hier wäre die meiste Zeit wohl für das Ausrichten, Spannen und Einmessen drauf gegangen.

Einen Hinweis möchte ich vorab noch geben: Ich habe die Lage meines Zielfernrohrs vor der Demontage zu einem Fixpunkt vermessen, damit ich später wieder die gleiche bequeme Position hinter dem Gewehr einnehmen kann wie bisher auch. In meinem Fall waren dass 90,5mm von der Okularkappe bis zur Stirnseite der Picatinny-Schiene. Die neue Blockmontage liegt mit einer Höhe von 20mm auch 7,3mm höher als die alten Montageringe (Höhe 12,7mm), das lässt sich aber leicht mit der verstellbaren Schaftbacke wieder ausgleichen. Blöd ist nur, dass ich zum Reinige des Laufs die Schaftbacke nun immer wesentlich herunter drehen muss.

Zuerst mal habe ich das Gewehr großzügig abgeklebt, damit keine Späne in die Systemhülse oder deren Zwischenräume gelangen können – der Verschluss sollte nicht entnommen werden, sondern ganz einfach verschlossen bleiben.

 

Die „Picatinny-Zinnen“, die es zu bearbeiten galt, habe ich mit einem Messschieber angerissen, anschließend habe ich auch oberhalb der Schiene abgeklebt. So setzt man auch nicht versehentlich an der falschen Stelle zum Feilen an.

ERA-TAC Blockmontage 03

Das Wunschmass beider „Zinnen“ habe ich regelmäßig mit dem Messschieber geprüft, die entstehenden Späne habe ich mit einem Pinsel entfernt – der lag zufällig in der Nähe. Nach dem Feilen ging die Blockmontage spielfrei in die Nuten, die beiden seitlichen Muttern wurden dann mit einem Maulschlüssel SW 11 angezogen.

 

Beim vorläufigen Befestigen des ZFs habe ich eine Fühlerlehre benutzt, um den Zwischenraum der Klemmschalen bei jeder Schraube gleich zu halten. So ´ne Wissenschaft muss man natürlich nicht draus machen, aber wenn man die Ausrüstung schon mal griffbereit hat… Ansonsten wird sicherlich auch ein gesundes Augenmass ausreichen.

ERA-TAC Blockmontage 07

Mit dem Ausrichten des ZFs habe ich mir hingegen echt schwer getan. Den Okularabstand zum gewählten Fixpunkt konnte ich noch leicht einstellen, aber das Fadenkreuz waagrecht zu bekommen hat per Augenmass lange gedauert. Auch hier habe ich am Ende wieder die Fühlerlehre genutzt, um an der geraden Fläche an der ZF-Unterseite den Abstand zur Blockmontage zu vermessen. Zusätzlich habe ich die komplette Systemhülse von hinten angepeilt und die horizontale Lage der Verstelltürme kontrolliert.

 

Als letztes wird die Vorneigung eingestellt, dazu sind die beiden seitlich angebrachten Torx-Schrauben zu lösen. Anschließend kann mit dem Kulissenstein an der Verstellung die gewünschte Vorneigung eingestellt werden. Ich habe zunächst 50 MOA gewählt, zusätzlich zu den 20 MOA, die meine Schiene schon haben soll – ehrlich gesagt habe ich letztere aber noch nicht bemerkt. Zuletzt werden die Schrauben natürlich wieder gekontert – das Gewehr kann jetzt neu eingeschossen werden.

 

Nachtrag:

Mittlerweile steht fest, dass das Modell 10 BA (.308 Win.) keine Picatinny-Schiene mit Vorneigung beistzt. Diese Vorneigung ist dem Modell 110 BA (.338 Lap. Mag.) vorbehalten, welche 20 MOA aufweist.

ERA-TAC Blockmontage 12

 

Bei der Blockmontage handelt es sich übrigens um die Artikelnummer T2063-0020 die für einen ZF-Durchmesser von 30mm ausgelegt ist, eine Bauhöhe von 20mm (zum Vergleich: ehemals 12,7mm mit HM-Ringen) und Muttern zur Klemmung hat. Im Lieferumfang enthalten waren zwei Torx-Schlüssel, von denen einer zu klein war, dafür ist der andere dann aber beim Öffnen der Konterschraube für die Vorneigung an einem Zahn abgebrochen 🙂

Ein Hoch auf die eigenen Werkzeuge, wenn man sie hat …

ERA-TAC Blockmontage 05

Alles in allem macht die Blockmontage aber einen sehr guten Eindruck! Die Verarbeitung ist sehr sauber und die Technik überzeugt – ich kann das Teil auf jeden Fall weiter empfehlen. Wer sein Glas nicht häufiger auch auf andere Gewehre baut, kann wie ich auf die Schnellspanner verzichten und so noch ein wenig Geld sparen.

Die Blockmontage habe ich über www.spartac.de für 360 Euro zzgl. Versandkosten bezogen (Anfrage notwendig, da Artikel nicht im Online-Shop vorhanden). Aktuelle Preise sind dort bitte auch anzufragen.

Und hier sind die ersten Ergebnisse und Eindrücke auf der 100m- und 300m-Bahn:

Für alle Fälle wollte ich das Gewehr auch auf 100m schießen können, die zuerst gewählte Vorneigung von 50 MOA hat sich dann aber als zu gross herausgestellt, da ich im unteren Verstellbereich des ZFs auf 100m nicht mehr in die Mitte der Scheibe gekommen bin. So wurde die Blockmontage also auf 40 MOA gestellt, womit sich jetzt ca. 500 mögliche Klicks nach oben ergeben (das sind umgerechnet knapp 62 MOA, die das ZF jetzt verstellt werden kann).

Zum Vergleich:

Mit der vorherigen Montage waren nur 281 Klicks (ca. 35 MOA) nach oben möglich, den Verstellbereich habe ich damit fast verdoppelt. Beachtet man, dass das Geschoss auf der Flugbahn immer tiefer abfällt und das Verhältnis von Schussweite und Geschossabfall keineswegs linear ist, dann schätze ich, dass die gewonnen zusätzlichen 27 MOA noch für Distanzen bis höchstens 1200m ausreichend sind. Etwas mehr könnte man wohl noch rausholen, wenn man anfängt, die Pulverladung zu erhöhen um dem Geschoss eine gestrecktere Flugbahn zu ermöglichen. Ich werde auf jeden Fall berichten !

 

Nachtrag Mai 2019:

Im Jahr 2018 ist es mir gelungen mit den eingestellten -40 MOA Vorneigung Treffer auf eine Entfernung von 1126m zu erzielen. Die Ladedaten der zugehörigen Munition könnt Ihr hier oder im Bereich Downloads nachlesen.

Optischer Powder Check für Dillon XL 650

Dillon XL650 Powder Check 10

Wer wie ich mehrere Kaliber schießt und zu faul ist, sein Pressenzubehör ständig umzurüsten aber auf Sicherheit trotzdem nicht verzichten mag, findet in diesem Artikel eine Anleitung, den sog. „Powder Check“ an einer Dillon XL 650 für günstiges Geld in einer abgewandelten Form zu realisieren. Der Schiesssport ist ohnehin schon teuer genug, da versucht man eben zu sparen wo es geht und ich gestehe, dass der Geiz hier mein eigentlicher Antrieb war. Aber genug in die Abgründe meiner Seele geblickt, es geht los:

Ausgangsbasis ist meine Eigenbau-Kopfplatte für die Dillon-Ladepresse XL 650, den Artikel zum Nachbau dieser Kopfplatte kann man hier nachlesen. Soll der Powder Check in dieser optischen Variante für eine originale Kopfplatte von Dillon nachgebaut werden, muss an dieser vorher die Bohrung für den Fühlerstab des originalen Powder Checks auf einen Durchmesser von 12mm aufgebohrt werden (gemeint ist das Loch rechts unten in der Kopfplatte, siehe nachfolgendes Bild).

Dillon XL650 Powder Check 1

Für den optischen Powder-Check werden folgende Teile benötigt:

  • 1x Gewindeadapter
  • Gewindeadapter
  • 1x Gewindestange M6
  • Gewindestange M6
  • 1x Indikator (Alternativwerkstoff: Aluminium)
  • Indikator
  • 1x Indikatoraufnahme
  • Indikatoraufnahme
  • 1x Indikatorblech
  • Indikatorblech
  • 1x Originale Dillon Einschraubmatrize
  • 3x flache Sechskantmutter ISO 4035-M6-A2
  • 1x flache Sechskantmutter ISO 4035-M5-A2
  • 1x Kupferdichtscheibe oder Karosseriescheibe ISO 7093-6,4-A2
  • Schneideisen M5 mit Halter
  • Sekundenkleber

In die Bohrung D=12mm der Kopfplatte wird zuerst der Gewindeadapter eingelegt.

Dillon XL650 Powder Check 2

In diesen wird dann die Gewindestange geschraubt, bis sie an der Unterseite der Kopfplatte leicht übersteht.

Dillon XL650 Powder Check 3

Von unten wird die Gewindestange dann mit der Scheibe und einer der flachen Sechskantmuttern M6 gekontert.

Dillon XL650 Powder Check 4

Jetzt wird der gewünschte Fühlerstab von Dillon mit dem Schneideisen M5 nachgeschnitten. Das Ergebnis ist nicht gerade schön, aber der Zweck heiligt ja bekanntlich die Mittel. Das Bauteil „Indikator“ wird aufgeschraubt und mit der flachen Sechskantmutter M5 provisorisch gekontert.

 

Spätestens jetzt sollte die universale Einschraubmatrize von Dillon auf der Position drei eingeschraubt werden. Wenn ich mich recht erinnere, dürfte der Preis dafür bei ca. 15 Euro liegen. Auf die obere Ringfläche der Einschraubmatrize geben wir jetzt etwas Sekundenkleber und setzen das Teil „Indikatoraufnahme“ darauf. Später kann dieses Teil wieder gut abgelöst werden. Wer es bombenfest haben will, sollte die Indikatoraufnahme besser an der eintauchenden Zylinderfläche verkleben.

 

Falls noch nicht geschehen, sollte die Presse jetzt ladefertig gemacht und justiert werden. Ich gehe mal davon aus, dass die richtige Menge Pulver bereits mit einer Waage kontrolliert wurde, sodass das letzte Teil – das „Indikatorblech“ – jetzt bei betätigter Presse (oberer Totpunkt) auf der Gewindestange mit den letzten beiden Muttern M6 gekontert werden kann.

 

Was ich auf der Zeichnung nicht festgehalten habe, ist die leichte Auskehlung am Keil des Indikatorbleches, damit sich von der Seite schauend kein Spalt ergibt. Das kann man mit einer halbrunden Feile noch leicht nacharbeiten.

 

Hier noch ein kurzer Film zur Funktionsweise:

 

Eigenbau-Kopfplatte und -Standfuss für Dillon XL650

CIMG5123

Die Kopfplatte von Dillon ist ein Aluminium-Druckgussteil, das maschinell nachbearbeitet wurde. Für die Massenfertigung konzipiert, sollte man dieses Teil nur nach unten stehender Zeichnung anfertigen, wenn einem wirklich langweilig ist – und wenn eine Fräse in der Nähe rumsteht … Ansonsten lohnt sich der Aufwand zur Anfertigung kaum, das Teil ist beim Händler schon für ca. 35 € oder sogar weniger zu haben.

Ich habe eine originale Kopfplatte vor Zeichnungserstellung auf einer Maschine vermessen, es hat sich aber im Nachhinein auf der Presse herausgestellt, dass die Bohrungen für die zwei dünnen Verriegelungsstifte leicht versetzt waren. Das hatte zur Folge, dass es bei längeren Hülsen wie z.B. .357 Mag. Zuführstörungen in die Matrizen gab. Also wurden die Bohrungen heraus geschnitten, wieder zugeschweißt und anschließend glatt geschliffen – wenn man genau hinschaut, sieht man diese Nacharbeit auch. Die Zeichnung zeigt bereits den neuen Zustand ohne Bohrungen für die Verriegelungsstifte.

Für die beste Ansichtsqualität empfehle ich einen Download des nachfolgenden Bildes.

Kopfplatte

Für die Verwendung ist nun noch etwas Handarbeit gefragt:

Ich habe die Kopfplatte voll mit Matrizen bestückt (sie müssen nicht korrekt justiert sein) und auch in die Hülsenhalteplatte alle fünf Hülsen eingelegt. Anschließend wird die Presse betätigt, bis sie oben im Endanschlag ist. Alle Hülsen befinden sich nun in den Matrizen und die Kopfplatte ist korrekt ausgerichtet, denn das Bohrungsmuster für die Matrizen stimmt 100%ig. Jetzt kann man mit einer Bohrmaschine vorsichtig durch die Stiftlöcher der Presse in die Kopfplatte bohren (nur leicht anbohren!), um die beiden Bohrungsmittelpunkte zu bestimmen. Auch wenn es verlockend ist, gleich durchzubohren – die Kopfplatte sollte nun entnommen und an einer Standbohrmaschine durchgebohrt werden! Wer das mit einer Handbohrmaschine bei eingelegter Kopfplatte versucht, läuft Gefahr, die Stiftlöcher an der Presse durch Schrägstellung des Bohrers aufzuweiten, nachfolgend eingelegte Platten können dann Spiel aufweisen, was wiederum zu beschädigten Hülsen führen kann.

Noch ein Hinweis:

Die Kopfplatte besitzt mittig einen Bohrungsdurchmesser von 19mm, um sie auf dem nachfolgend beschriebenen Ständer ablegen zu können. Wenn sie stattdessen auf einen originalen Ständer von Dillon passen soll, muss diese Bohrung mit einem Durchmesser von 19,8mm ausgeführt werden.

Für die Anfertigung des Ständers benötigt man lediglich die beiden Teile laut nachfolgenden Zeichnungen und eine Senkschraube ISO 10642 M8x20-A2. Der Zusammenbau ist denkbar einfach.

XL 650 Ständer - Basisplatte

XL 650 Ständer - Aufnahme

CIMG5124

Hier noch eine Ansicht meines Quick-Change-Kits für das Kaliber .357 Mag. :

CIMG5125

Wie Ihr seht, war ich zu knauserig, für jedes Kailber auch noch einen Powder-Check von Dillon zu kaufen. Das Umbauen und neue Justieren des Powder-Checks ist generell schnell gemacht, wenn man wenigstens noch eine Einschraubmatrize auf dieser Position hat. Da mich aber mal wieder der Erfindergeist gepackt hat, arbeite ich derzeit noch an einer optischen Variante des Powder-Checks, die werde ich bei Gelegenheit vorstellen. Und hier ist der Artikel auch schon!

Digiscope-Adapter zum Zeiss Diascope 85

Zeiss Digiscope Adapter 8

Bei meiner Suche nach einem geeigneten Spektiv hatte ich – wie bereits im vorigen Artikel (hier nachlesen) erwähnt – damals auch die Marke Swarovski ins Auge gefasst. Als Zubehör habe ich dabei für sehr viel Geld einen Digiscope-Adapter für diese Marke gefunden, der mich dazu inspiriert hat, auch einen für meine Digitalkamera zu konstruieren. Wer meinen mit jenem von Swarovski vergleicht, wird übrigens schnell merken, dass das Teil von Swarovski wesentlich professioneller und zudem für hochpreisige Kameras vorgesehen ist. Mein Adapter ist jedenfalls für eine einfache Digitalkamera – hier die Casio Exilim EX-ZS100 – konzipiert.

Die Installation ist dabei denkbar einfach und bemerkenswert stabil: Der Digiscope-Adapter kann leicht auf das Okular des Spektivs aufgeschoben werden und wird am hinteren Teil desselben mit drei Kugeldruckschrauben ausgerichtet und geklemmt. Die das Spektiv berührenden Teile der Schrauben sind dabei übrigens aus Kunststoff. Die Augenmuschel des Okulars besteht aus einem leicht konischen Gummiring durch den eine Klemmung herbeigeführt werden kann: Der erste Aluring mit größerem Durchmesser wird einfach darüber geschoben, der zweite hingegen ist untermaßig und klemmt beim Aufschieben. Sollte der Adapter nicht ideal koaxial zum Okulartubus liegen, kann nun an den Kugeldruckschrauben vorsichtig nachjustiert werden. Kameraspezifisch ist nur das Bauteil „Aufnahme“, hier finden sich zwei Bohrungen mit Durchmesser 12mm, durch die später eine ¼“-Stativschraube zur Klemmung der Kamera durchgeführt wird. Die Positionen der Bohrungen sind auf die Position des Kamera-Stativgewindes und der Objektivlänge bei minimalem und maximalem Zoom abgestimmt. Die übergroßen Durchmesser von 12mm ermöglichen es später, die Kameralinse korrekt am Okular des Spektivs noch horizontal auszurichten, wenn der Bildausschnitt nicht mittig liegen sollte.

Für den Digiscope-Adapter werden folgende Teile benötigt:

  • 1x Klemmring
  • Klemmring
  • 1x Klemmring Okular
  • Klemmring Okular
  • 1x Aufnahme
  • Aufnahme
  • 2x Verbindungsbolzen
  • Verbindungsbolzen
  • 3x Kugeldruckschraube Norelem (Gewinde M6), NLM 07110-70620
  • 3x Kugelkopf Norelem (Gewinde M6), NLM 06250-11606
  • 3x Sechskantmutter (flach) DIN439 M6-A2
  • 4x Senkschraube ISO 10642 M3x10-A2
  • 2x Zylinderkopfschraube ISO 4762 M3x12-A2
  • 1x Stativschraube ¼“, Gewinde ca. 17mm lang

Der Zusammenbau ist denkbar einfach:

Einfach die beiden Verbindungsbolzen in den Klemmring einschrauben. Ich habe auf gefräste Schlüsselflächen verzichtet, deshalb sollte etwas Schraubensicherung verwendet werden.

Zeiss Digiscope Adapter 1

Anschließend wird der „Klemmring Okular“ aufgeschoben und mit den beiden Zylinderkopfschrauben befestigt. Auf dem Bild stehen sie noch heraus, beim Einschrauben werden sie aber vollständig versenkt.

Zeiss Digiscope Adapter 2

Für die Klemmung am Okulartubus sind drei Kugeldruckschrauben notwendig, die ich der besseren Handhabbarkeit wegen mit Kugelköpfen und flachen Sechskantmutter versehen habe. Schraubensicherung sollte hier auch nicht fehlen. Am Schraubenende sind gut die roten Kunststoffeinlagen sichtbar. Sie sind in einer Kugelpfanne gelagert und passen sich auch einem geneigten Untergrund an. Mir ging es hauptsächlich darum, das Spektiv zu schonen.

Zeiss Digiscope Adapter 3

Die präparierten Stellschrauben werden eingeschraubt und die Aufnahme für die Digitalkamera wird mit den vier Senkschrauben befestigt. Am Prototypen mussten die Aluringe etwas nachgearbeitet werden, das kann man an der fehlenden Eloxalschicht deutlich erkennen. Die hochgeladenen Konstruktionszeichnungen weisen aber schon die korrigierten Maße auf.

Jetzt kann die Konstruktion auf das Okular geschoben und geklemmt werden. Bei einem Spektiv mit Schrägeinblick gibt es keine Kollision mit dem Spektivkörper.

Größten Wert wurde bei der Konstruktion darauf gelegt, dass die Vergrößerung des Okulars weiterhin verstellbar bleibt und zudem noch komfortabel bedient werden kann. Auf dem nächsten Bild kann man deutlich den Spalt zwischen Okular und Verbindungsbolzen erkennen.

Zeiss Digiscope Adapter 10

Noch einige Ansichten mit eingeschwenktem Laser-Entfernungsmesser:

Als letztes besorgt man sich eine Stativschraube mit ¼“-Gewinde und kürzt sie auf ca. 17mm Länge. Das Längenmass musste ich natürlich an die Kamera anzupassen.

Zeiss Digiscope Adapter 14

Dann kann man endlich die Kamera montieren:

Das nächste Bild ist in Verbindung mit dem Digiscope-Adapter entstanden. Der Adapter ist so ausgelegt, dass die Vergrößerung am Okular des Spektivs weiterhin problemlos bedient werden kann. Da die Digitalkamera auf dem Okular aufliegt, sollte die Vergrößerung des Spektivs auch so eingestellt werden, dass sich auf dem Kameradisplay der größtmögliche Bildausschnitt ergibt.

Digiscope Bild 1

Nachtrag vom 27.09.2015:

Habe versucht, den Vollmond zu fotografieren.

Hier könnt Ihr Euch ein Video mit dem Adapter anschauen. Man erkennt deutlich eine Verzerrung des Bildrandes, da natürlich von der Austrittslinse abgefilmt wird. Für mich ist dieser Effekt aber vernachlässigbar. Wer die Lautstärke etwas aufdreht, wird hören, wie die Kamera selbständig nachfokussiert bzw. die Blende nachjustiert – wenn man Ihr Zeit dazu lässt. Klasse Sache, dass man nicht mehr ständig selbst an der Scharfstellung des Spektivs herum fummeln muss.