AG42B Ljungman, Taktischer Schaft Teil 6

Herr Broszat, dieser Artikel ist Ihnen gewidmet!

Sie hatten im letzten Beitrag dieser Serie einen Kommentar hinterlassen und erwähnt, dass die Verschlussfeder des Gewehrs möglicherweise in ihrer Federrate nachgelassen hat – und Sie hatten Recht! An dieser Stelle also nochmals vielen Dank für Ihren Hinweis! Ich habe diese Möglichkeit gar nicht in Erwägung gezogen, glücklicherweise war es mir aber ein Leichtes, das nachzuprüfen. Ich musste dazu erst gar nicht die Produkte von Gutekunst studieren, sondern habe zwei Verschlussfedern aus meinem mittlerweile ganz ansehnlichen Ersatzteilvorrat verwendet. Wenn ich mir also die tadellose Lackierung dieser Federn ohne jegliche Spuren von Schmauch oder Schmutz so anschaue, kann es sich dabei eigentlich nur um unbenutzte Arsenalware handeln.

Ein Hoch auf die Messtechnik…

… so man sie hat! Wieder einmal bringt mich mein Beruf in Sachen Hobby in riesigen Schritten weiter: Ich habe aus meiner Firma kurzerhand mal eines unserer Kalibriergeräte inklusive Sensor bis 20kN Kraft ausgeliehen.

Den Sensor habe ich einmal mit den beiden alten und natürlich auch mit den beiden neuen Federn in das Verschlussstück eingelegt. Um eine gute Krafteinwirkung zu gewährleisten – möglichst unter Ausschluss von Querkräften – habe ich mit einer Stecknuss meines Ratschekastens noch etwas improvisiert. Der Versuchsaufbau ist simpel, siehe nächstes Bild.

Folgt man also der Gleichung F=c*x (Neu: F=R*x) zur Berechnung der Federkraft, kann bei bekannter Auslenkung „x“ und gemessener Kraft „F“ die Federrate „c“ (Neu: „R“) berechnet werden. Sie ist jener Federkennwert, der die „Härte“ der Feder beschreibt. Mir reicht ein qualitativer Vergleich, so vernachlässige ich also die Betrachtung der Auslenkung „x“ und die Berechnung der tatsächlichen Federrate (aber nur, weil die Auslenkung „x“ in beiden Versuchen identisch ist!). Ich schaue mir also nur die gemessenen Kräfte an und stelle fest, dass es mit 36N für das alte Federpaar zu 51N beim neuen Federpaar erhebliche Unterschiede gibt! Mit anderen Worten: Das alte Federpaar hat nur noch 70% der Federsteifigkeit im Vergleich zu den beiden neuwertigen Federn. Da die Gleichung eine lineare Variable (nämlich die Auslenkung „x“) hat, ist es auch völlig egal, wie sehr ich die Federpaare im Versuch vorgespannt hätte, die obige Aussage bleibt gleich – wie gesagt, solange die Auslenkung für beide Versuche ebenfalls gleich gross ist.

Es ist also durchaus möglich, dass diese Info schon alles war, was mir zu meinem Glück gefehlt hat!!! Rückblickend betrachtet kommt die Erkenntnis, dass ich sehr viel Energie in alternative Lösungsansätze gesteckt habe:

  • Neue Laborierung mit 36,9 gr. N150 und Zusatzgewichte für den bereits vorhandenen Schwingungsdämpfer
  • Neukonstruktion einer modifizierten Schraube für die Gasabnahme
  • Kauf eines weiteren AG42B Ljungman. Ja, verrückt – ich weiß!
  • Konstruktion von Sicherungsträger und Sicherungsbolzen für eine Nachfertigung

Zu letztgenanntem Punkt übrigens noch ein wenig mehr Information: Ich habe in unserem Werkstofflabor freundlicherweise Unterstützung bei der Materialbestimmung des Sicherungsblocks erhalten. Keine Ahnung, wie das Bestimmungsverfahren nun genau heißt (irgendeine Spektroskopie), aber das Ergebnis zählt:

Es wird vermutet, dass es sich aufgrund der Zusammensetzung um einen Einsatzstahl ähnlich 13NiCr6 handelt. Bei der Gelegenheit wurden auch noch drei Härtemessungen durchgeführt, die folgende Ergebnisse nach Vickers (HV10) lieferten: 680HV, 690HV und 693HV. Da bin ich mit dem von mir ausgesuchten Stahl 42CrMo4V für die Nachfertigung dieser Teile immer noch ganz gut unterwegs. Außerdem hilft die Bestimmung der Zusammensetzung, die zum Aufschweißen beste Elektrode auszusuchen, denn das beschädigte Teil gebe ich auf keinen Fall auf!

Dem neu gekauften AG42B habe ich jetzt dessen Sicherungsblock entnommen und in mein Gewehr eingebaut, nicht ohne die dortigen Prallflächen vorher mit Edding zu markieren. Demnächst geht es wieder auf den Schiessstand. Sollte sich also herausstellen, dass die Kollision durch die neuen Federn jetzt gänzlich vermieden wird, wechsle ich nochmal zur härteren Laborierung mit 37,5gr. N150. Zeigt sich auch dann die Eddingschicht unberührt, ist das Ziel erreicht. Ich werde auf jeden Fall weiter berichten!

Hier geht es zum siebten Teil der serie

3 Kommentare zu „AG42B Ljungman, Taktischer Schaft Teil 6

  1. Hallo nochmal

    freut mich das ich helfen konnte.
    Das Hoch auf die Messtechnik teile ich. Ich arbeite bei Europas größtem Kalibrierdienstleister, der Fa Trescal, die sich mit 3600 Mitarbeitern nur um das Thema kalibrieren kümmert. Ich bin da also nur ein kleines Rädchen im Getriebe.
    Aber mal eine andere Frage. Welcher Schießstand ist denn noch offen ? Ich schieße bei der SG Sprendlingen, da haben wir uns auch schon gesehen. Die SG hat leider geschlossen. Ich habe zwar einen Schlüssel weil ich “ dritter stellvertretender Arbeitsminister “ bin, aber ich darf natürlich nicht schießen wenn kein Schießbetrieb ist.

    Gruß
    Dieter Broszat

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    1. Mein Zweitverein!
      Die Welt ist doch klein….

      Ich schieße aktuell in der WSG Wiesbaden, dort aber nur mit Zeitplanungsapp „Zeitfrei“. Gäste haben es dort aktuell schwer, denn den benötigte Gastschützenausweis erhält man nur in der Gaststätte, die leider seit Wochen geschlossen ist.

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