Taktischer Schaft für R700 LA

Ab und an verliert man das Interesse an Dingen, auch wenn es mal richtige Herzensprojekte waren, in die man viel Zeit investiert hat. Das war beim Projekt Taktischer Schaft für den AG42B Ljungman bei mir leider schon länger der Fall und in mir ist der Entschluss gereift, meine beiden Ljungmans zu verkaufen. Dass das für den extra dafür konstruierten taktischen Schaft alles andere als einfach werden würde, war mir klar, übertrifft der Preis des Schafts jenen des Gewehrs ja locker um das Doppelte.

Davon ist die Rede:

Vorher

Nachher

Als ich dann von einem Kollegen erfahren habe, dass er ein sündhaft teures R700 Long Action-System von Zermatt – übrigens im recht neuen Kaliber .300 PRC – in Auftrag gegeben hat, ergab sich für mich die Gelegenheit dieses System für künftige Schaft-Projekte mal zu vermessen. Da ein weiterer gemeinsamer Kollege das exakt gleiche System ebenfalls bestellt und mit einem eigens dafür georderten Schaft von MDT sogar noch einen obendrauf gelegt hat, durfte ich auch diese Gelegenheit nutzen und den Schaft gleich mit vermessen. Ein richtiger Glücksfall für mich, allerdings mit ordentlich Arbeit verbunden, deren Abschluss erst in einigen Monaten zu erwarten war. 

Dass ich für das zukünftige Projekt „Schaft R700 LA“ Teile des oben erwähnten Schafts des Ljungmans wiederverwenden könnte, hatte ich bereits im Hinterkopf. Los ging es also mal wieder im CAD, wo die gesammelten Daten in Modelle umgewandelt wurden. So wurden der komplette Hinterschaft sowie der Vorderschaft des Ljungman-Schafts für die Konstruktion quasi wiederverwendet, das Ergebnis sah im CAD dann so aus:

Da besagter (erster) Schützenkollge auch noch einen sehr guten 3D-Drucker besitzt, wurden der neue Basisschaft sowie das Abzugsgehäuse und einige Kleinteile ausgedruckt und zu einem kompletten Schaftsystem zusammengesetzt. Bemerkenswert ist, dass der komplette Auslösemechanismus für das Magazin tadellos funktioniert hat! Aufgrund des in der Größe beschränkten Druckbetts musste beim Basisschaft ein wenig improvisiert werden: Dieser ist für die erste Montage/Kollisionsanalyse zweiteilig ausgefallen, man kann die Schrauben und Muttern in seiner Mitte gut erkennen.

Anschließend ist das R700 LA-System in den Schaft gesetzte worden. Aufgrund des überaus massiven Laufs von 30“ Länge und durchgehend 30mm Durchmesser, war das für den Kunststoff schon durch das Eigengewicht eine harte Belastungsprobe. Der Schaft ist sichtbar durchgebogen, wenn man die Waffe abgestellt hat. Aber völlig OK, das war bei Kunststoff aus dem 3D-Drucker auch zu erwarten. Hier und da wurden einige Stellen mit der Feile am Prototypen und natürlich parallel im CAD korrigiert. So sah das komplette Gewehr im Anschluss aus:

Da dem Kollegen der kurze Vorderschaft nicht optimal gefiel, habe ich die Konstruktion nochmal geändert und einen ebenfalls noch verfügbaren Vorderschaft vom taktischen Schaft eines Schwedenmausers integriert:

Die Erprobung hat allerdings ergeben, dass dessen Dimension für den massiven Lauf des Zermatt-Systems zu gering sind und das spätere Gesamtsystem damit im Schuss zu sehr schwingt. Also wurde ein neuer Vorderschaft konstruiert, bei dem alle Wandstärken maximal ausgereizt und alle Wandungen mit Abstützungen auf maximale Biegesteifigkeit ausgelegt wurden.

Nachdem dieses Bauteil dann in die Fertigung ging, hieß es erstmal „Warten“ auf die Lieferung für einen weiteren Versuch im scharfen Schuss.

MDT Magazin .338LM für PSG Walküre

Nach langer pandemiebedingter Pause konnte ich mit einem meiner Schützenkollegen endlich wieder zu einem Long-Range Event fahren. Wir haben dort erstmalig seine PSG Walküre im Kaliber .338 Lapua Magnum auf Distanzen bis einschließlich 1100m geschossen (das Einschießen auf 100m hat vorher natürlich im Verein stattgefunden). Ziel war es, für die Walküre in Kombination mit der gewählten Munition (zunächst fiel die Wahl noch auf Fabrikmunition) die entsprechenden Klickwerte zu ermitteln. Ich habe die Gelegenheit genutzt, um auch neue Klickwerte für mein AR-15 von Hera Arms zu ermitteln. Nach dem Einbau des etwas kürzeren Matchlaufs SPB200 mit 16,75“ und notwendiger neuer Laborierung war hier sicherlich mit neuen Klickwerten zu rechnen. Die Ergebnisse können unter „Downloads“ nachgelesen werden.

Der eigentliche Inhalt dieses Beitrags ist aber die Modifikation zweier Magazine von MDT für die PSG Walküre. Diese wurden von meinem Kollegen zusätzlich zum mitgelieferten AICS-Magazin nachgekauft und haben im vorderen oberen Bereich leider keine Rastnase gehabt. Es mag sein, dass das für andere Gewehre völlig ausreichend ist, aber eben bei der Walküre nicht: Schaut man von unten in den Magazinschacht der Walküre, so sieht man im vorderen Bereich eine in den Kunststoff eingebettete Metallkante, die eben diese Rastnase des AICS-Magazins aufnehmen, bzw. arretieren kann. Ich habe mich bereit erklärt, die beiden Magazine zu modifizieren und berichte hier kurz über die einzelnen Schritte.

AICS-Magazin für .338 Lapua Magnum

Oben ist das im Lieferumfang enthaltene AICS-Magazin zu sehen. Die Rastnase, die es nachzubilden gilt, ist beim Prägevorgang entstanden. Meines Wissens ist der Schaft der Walküre ebenfalls von MDT, weshalb dann die hauseigenen Magazine in .338LM diese Rastnase nicht aufweisen, wird ein Rätsel bleiben. Vielleicht eine Fehlproduktion?

Blechdimensionen

Ohne Flex, Schweißgerät und einen Feilensatz geht es leider nicht. Zu Beginn benötigt man ein Stück Metallblech mit den Dimensionen 1,5x7x12mm – ein kleines Plättchen eben. Die eigentlich benötigte Dicke des Metallplättchens beträgt ca. 1,2 bis 1,3mm, aber das als Halbzeug zu bekommen, gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen – dann lieber später kurz die Flex oder die Feile angesetzt. Der Werkstoff ist fast egal, allerdings habe ich bewusst kein Edelstahl ausgewählt.

Schweißvorbereitungen

Was man auf den Bildern nicht mehr sieht, sind die Schweißvorbereitungen an dem Metallplätchen: Einfach relativ mittig und ohne besondere Symmetrie oder Sinn für Schönheit werden erstmal zwei Löcher D=3,5 bis D=4,0 in das Blech gebohrt, entgraten der Bohrlöcher ist aber trotzdem angesagt. Das Blech wird dann mittig auf die Stirnseite des MDT-Magazins gelegt und zeigt, in welchem Bereich man vor dem Punktschweißen die Brünierung des Magazins wegschleifen sollte. Das Blech wird zum Punktschweißen dann mit seiner langen Kante an der oberen geraden Kante (die wird später eingeschliffen) des Magazins angelegt. Vor dem Schweißvorgang habe ich noch das Magazininnere entfernt: Drückt dazu den Zuführer nach unten und lasst ihn im hinteren Bereich (am Patronenboden) stark nach unten abkippen. Der vordere Bereich kann dann hinter die vorderen Magazinlippen geschoben und durch die entstehende Lücke nach schräg oben/vorne herausgezogen werden.

NAchbearbeitung

Ist das Metallplätchen erstmal angeschweißt, gilt es, dessen Kanten einzuschleifen: Am oberen Ende hin zur Metallkante des Magazins muss das Plättchen sehr dünn auslaufen. Das ganze Plättchen sollte auch so abgeschliffen werden, dass von seiner ursprünglichen Dicke wie oben geschrieben noch ca. 1,2mm bis 1,3mm übrig bleiben.

MDT-Magazin für .338 Lapua Magnum

Achtung: Die am Magazin nach unten stehende (im oberen Bild nach recht gerichtete) Kante sollte scharfkantig bleiben, denn hier rastet später die in den Magazinschacht eingebettete Metallkante am Gewehr ein.

Die seitlichen Kanten habe ich so gut es geht abgerundet. Fast alle Schleifarbeiten habe ich mit einer Flex und einer Fächerschleifscheibe durchgeführt, nur für feine Entgratungen (oder Begradigungen von Kanten) habe ich die Feile verwendet.

Achtung: Das Magazin muss stirnseitig noch im oberen Bereich eine Auskehlung erhalten, damit die vormals gerade Kante nicht von unten an den Verschluss stößt, bevor das Magazin die Chance hat, einzurasten. In diesem Bereich läuft das angeschweißte Metallplättchen auch sehr dünn aus, das obige Bild zeigt das sehr gut.

Erst wenn das geschehen ist, sollte das Magazin probehalber ins Gewehr gesteckt werden, um die Passgenauigkeit zu prüfen. Man läuft sonst schnell Gefahr, irrtümlich an der scharfen Unterkante des Metallplätchens Material abschleifen zu wollen, denn es fehlt spürbar nicht mehr viel, bis das Magazin komplett dort einrastet, wo es eigentlich soll.

Der letzte Schritt ist das Brünieren der blanken Metallflächen, wobei ich hier bemerkt habe, dass später nicht alle Flächen perfekt geworden sind – je nach Legierung des Schweißdrahts kann es auch damit zusammenhängen.