Bei weiteren Besuchen auf dem Schießstand mit der V1.0 des Remington 700 Bullpup Schaftes zeigten sich einige verbesserungswürdige Punkte:
Gewicht: Reduktion von ca. 11kg auf max. 10kg, lieber in Richtung 8kg, notwendig. Ein Jagdgewehr ist es damit immer noch nicht, aber bei ~5kg für die barreled action auch nicht zu erwarten.
Das „Hülse in Hülse“ Prinzip für die nach vorne Verlagerung des Kammerstengels ist nicht praxistauglich und wurde von einem anderen Schützen auch prompt beim Schließen des Verschlusses abgerissen.
Eine Abwicklung des Kammergriff ist notwendig, der Winkel ist aktuell zu steil.
Die Zielfernrohrmontage ist zu weit hinten und auch zu niedrig, hier muss eine neue her. ca. 70mm zusätzlicher Abstand von der Schaftkappe sind notwendig.
die „Verschlussplatte“ an der Unterseite des Schaftes ist nicht praktikabel, der Schaft allgemein viel zu hoch. Hier muss noch Aluminium verschwinden und wird durch ein Stück Kunststoff aus dem 3D-Drucker ersetzt werden.
Umrüstung vom Einzellader zum Mehrlader.
Für die Gewichtsreduzierung wird das 3D Modell überarbeitet. Bild zeigt V1 im Hintergrund und geplante V2 im Vordergrund.
Zu sehen sind darauf, von links nach rechts, folgende Maßnahmen:
Die bag rider Kufe (türkis) musste abspecken. Der Block wog 565 Gramm und nach einer Runde auf der Fräsmaschine liegt er bei 189 Gramm.
Das Aluprofil, an das alles andere angeschraubt wird (gelb) wird in der Höhe stark reduziert. Die darin liegende „Verschlussplatte“ wird durch ein 3D-Druck Teil mit Magazinschacht ersetzt (weiß). Das unter der Verschlussplatte liegende Abzugsgestänge aus Aluminium wird ebenfalls durch ein 3D-Druck Teil ersetzt.
Die äußere Hülse (blau) wird ausgeschnitten (Wandstärke 5mm!) und ein Carbonrohr (hellgrau) eingezogen. die innere Hülse entfällt.
Die ZF-Montageschiene (dunkelgrün) wandert 70mm nach vorne und muss auch noch erhöht werden.
Der Abzugsbügel (orange) erhält geringere Wandstärken.
Der Aluminium Vorderschaft entfällt (894 Gramm!) und wird durch ein Carbonrohr ersetzt (gleiche Dimension wie Punkt 3). Die Aufnahme des bisherigen Vorderschaft wird umgearbeitet und ein Aufnahmeblock für das Carbonrohr mit diesem verbunden (fehlt noch in der Darstellung).
Bilder zum Fortschritt und Details zu den einzelnen Maßnahmen in den nächsten Beiträgen.
In meinem ersten Artikel auf diesem Blog, habe ich eine günstige, chinesische Hommage an ein hierzulande exorbitant teures, amerikanisches Produkt auf meine CZ75 montiert. Dazu habe ich die mitgelieferte Montage modifiziert und einen Schwalbenschwanz-Adapter für die Schwalbenschwanzfräsung der Kimme angefertigt. Wie zu erwarten, war die Kopie nicht für die Erschütterungen der direkten Schlittenmontage geeignet. Der Rotpunkt hat sich nach 2 Schuss ins Nirvana verabschiedet. Da die Pistole danach die meiste Zeit im Schrank lag, gab es keinen Grund das Rotpunkt gegen ein funktionales zu Tauschen. Wenn geschossen wurde, dann mit dem 6″ Wechselsystem mit Kimme & Korn.
Auf meinem MR223 schieße ich von Beginn an ein Tac-Vector 1-6×24, welches in Ordnung aber nicht weltbewegend ist. Seit längerer Zeit denke ich darüber nach, dieses durch ein 1x vergrößerndes Rotpunktvisier zu ersetzen.
Für den bevorstehenden Besuch auf der IWA 2019 hatte ich mir vorgenommen, Rotpunktvisiere in Augenschein zu nehmen und eine fundierte Kaufentscheidung zu treffen. Angesehen habe ich mir:
Ampoint: Comp M5, M4, M3
Holosun: diverse Modelle
docter / noblex: docter sight 2+, 3
Burris: FASTFIRE 2, 3
Meopta: Meosight 3
Alle diese Rotpunktvisiere waren, von zuvor Durchschauenden, nach meiner Meinung viel zu hell eingestellt. Der Punkt franste auch bei den teuersten Modellen (Aimpoint Comp M5/ M4) immer extrem aus. Nach einer Nachjustierung, war dies meist in Ordnung. Dennoch fand ich die meisten Punkte immer noch zu „fransig“ und waren mir persönlich die 800-900€ für bspw. ein Aimpoint Comp M5 nicht wert.
Das Rotpunktvisier, dass mir persönlich aus der Auswahl am besten gefallen hat, war das Burris FASTFIRE 3. Der Punkt war sehr klar, bei passend vorausgewählter Leuchtstufe, und die nachgeschaltete, automatische Helligkeitsanpassung hat hervorragend nachgeregelt. Für ca. 300€ ist es auch etwas erträglicher in der Anschaffung.
Natürlich ist ein Burris FASTFIRE 3, als primär für den sportlichen Einsatz auf Faustfeuerwaffen gedachtes Rotpunktvisier, nur bedingt mit den für militärischen Einsatz auf Langwaffen konzipierten Aimpoints etc. zu vergleichen. Da meine Anwendung aber die sportliche ist und das Rotpunktvisier auf Pistole und Gewehr zum Einsatz kommen soll, denke ich hier eine passende Wahl getroffen zu haben. Mehr zum Burris FASTFIRE 3 an sich, der Montage auf dem MR223 und schließlich auch auf der CZ75 in den kommenden Beiträgen.
Eine halbautomatische Großkaliber-Pistole, die nicht dem Muster eines im Schlitten verriegelten und über eine Steuerkulisse abkippenden und damit entriegelndem Lauf folgt ist immer eine Besonderheit.
Dabei bildet die von uns auf der IWA in Augenschein genommene Laugo Arms Alien keine Ausnahme. Diese Ausnahme ist aber nicht nur in dem nicht typischen System begründet sondern auch der sonstigen Aufmachung und Gestaltung der Pistole.
Schon die äußere Erscheinung im Profil vermittelt den Eindruck, dass es sich hier eindeutig um eine Sportpistole handelt: Magazintrichter, Sportvisierung, agressive Schlitteneinfräsungen (slide serrations für den amerikanisch geprägten Leser).
Zudem fallen auf: sehr hoher beavertail und undercut zwischen Abzugsbügel und Griffstück für eine sehr „hohe“ Hand am Griff, scheinbar 2-teiliger Schlitten und extrem niedrige Laufachse, unterhalb der sichtbaren Unterkante des Schlittens.
Mit dem Schlitten in der mittels Schlittenfang arretierten, offenen Stellung werden die ungewöhnliche Form des Schlitten und die Laufposition noch deutlicher.
Die Ansicht von Schräg vorne zeigt: Der Lauf sitzt bei der Laugo Arms Alien in der Position, in der normale Pistolen die Rückholfeder mit entsprechender Führungsstange habe. Zudem ist die Visierung nicht auf den Schlitten montiert sondern sitzt auf einer Schiene, welche wiederum in einer Nut auf der Oberseite des Schlittens sitzt. Dabei ist die Schiene fest mit dem Rahmen verbunden, der Schlitten bewegt sich quasi unter ihr hindurch.
Der Lauf hat einen ordentlichen Durchmesser und macht den Eindruck TiN (Titannitrid) beschichtet zu sein. Gleichzeitig ist er feststehend, da sich das System der Alien vom typischen System des mit dem Schlitten kurzzeitig zurück laufenden Laufes unterscheidet.
Bei einem Blick in das geöffnete Patronenauswurffenster zeigt sich ein weiteres interessantes Detail.
Rot markiert ist hier der Hammer zu sehen, der oben in die Visierschiene eingebaut ist und sich aus der gezeigten waagrechten, gespannten Position nach unten in eine senkrechte Position bewegt und dabei auf den Schlagbolzen wirkt.
Visierschiene ausgebaut und umgedreht, Hammer gespannt:
Hammer entspannt:
Dem Hammer vorgelagert ist das sear, weches mittels eines aus dem Griffstück nach oben gerichteten, gegen das sear drückenden Stift ausgelöst wird. Der Abzug bzw. das Abziehen des Abzug ist für eine Sportpistole gut bis sehr gut, trotz der ungewöhnlichen Konstruktion.
Das nachfolgende Bild zeigt Schlitten und Visierschiene vom Rest der Waffe demontiert. Im Schlitten sind Auswurffenster, Ausschnitt für die Visierschiene, Hammer und Verschlussmechanik zu sehen. Die vordere (rechts im Bild) Brücke / Verbindung zwischen den beiden Seiten des Schlittens stellt die Schnittstelle zwischen Schlitten und Verschlussmechanik dar. Die mittlere Brücke / Verbindung beinhaltet bolt face (deutsche Entsprechung?), den Schlagbolzen und spannt im Zurücklaufen den Hammer. Die hintere Brücke / Verbindung dient scheinbar nur der Stabilität des Schlittens.
Hinter dem TiN beschichteten Lauf- / Patronenlager Block ist der Magazinschacht zu sehen, oberhalb der Stift zur Auslösung des Hammers und hinten am Ende des Schachts der Auswerfer.
Auf dem Patronenlager Block, hinter dem Auswerfer und über der Laufmündung ist jeweils ein „Haken“ zu erkennen, in den die Visierschiene einhakt. Zusätzllich wird sie dann mit einem Querbolzen in den „Haken“ fixiert. Bei geschlossenem Verschluss wird der Querbolzen durch diesen verdeckt.
Kommen wir zum Abschluss des Beitrags zum spannendsten Teil der Pistole, dem Verschlusssystem. Zu sehen sind die Rückholfeder des Verschluss/Schlittens (rot) und der Gaskolben (blau).
Der Gaskolben sitzt in einer Bohrung oberhalb des Laufes im Patronenlager Block, parallel zur Bohrung / Ausfräsung für die Federführungsstange und die Rückholfeder.
Damit kopiert die Laugo Arms Alien den Gasdruck-verzögerten Masseverschluss der Heckler und Koch P7, legt ihn auf die Oberseite des Laufes und ordnet Feder und Gaskolben horizontal an. Bei der H&K P7 sind beide vertikal zueinander angeordnet, die Feder umschließt den auch hier feststehenden Lauf, der Gaskolben sitzt unter dem Lauf.
Das Prinzip des Gasdruck-verzögerten Masseverschlusses nutzt Gasdruck aus dem Lauf, welcher mittels einer Bohrung direkt hinter dem Patronenlager in einen Gaszylinder geleitet und auf den Gaskolben drückt. Damit arbeitet der Gasdruck auf den Kolben entgegen dem Gasdruck auf den Hülsenboden der abgefeuerten Patrone und verhindert so, gemeinsam mit der Massenträgheit des Schlittens, eine vorzeitige Öffnung des Verschlusses bevor das Geschoss den Lauf verlassen hat.
nachfolgende Grafik zeigt das Wirkprinzip des Verschlusssystems:
Ob die Laugo Arms Alien Pistole die gleichen Druckentlastungsrillen hat wie die H&K P7 oder auch die Rollenverschluss-Waffen des gleichen Herstellers hab ich leider nicht erfragt. Nachfolgendes Foto des Patronenlagers lässt zwar einen leichten Schatten längs des Lagers erkennen, das könnte aber auch eine Verschmutzung sein und sieht für mich nicht nach solchen Rillen aus.
Insgesamt überzeugen Konzept, Handhabung und Qualität des Produkts, der Preis von 3.500€ für die nackte Kanone und 5.000€ für ein „package“ mit Picatinny Schiene als Austausch-Visierschiene und weiteres Zubehör sind schon knackig. Kaliber aktuell nur 9x19mm.
In Beitrag Nr. 6 der Serie „Rettet den Schweden!“ habe ich drei Punkte aufgeschrieben, die ich verändern möchte, um den Schwedenmauser in seinem Alu-Schaft vernünftig zum Schießen zu bringen.
Einer dieser Punkte war der Wechsel von einer Lee collet Matrize zur Hülsenhals-kalibrierung auf eine Redding full length Kalibriermatrize mit bushing.
Zur Auswahl des richtigen Bushing Durchmessers für den Hülsenhals schreibt Redding auf der Website:
The easiest way to determine the proper diameter bushing is to measure the neck diameter of several loaded or dummy cartridges with an accurate micrometer. (These dummy cartridges can be loaded with your old set of dies or a borrowed set.) Then, simply subtract 0.001″ from the cartridge that had the smallest average measurement. This will allow for a slight amount of spring back and create a proper press fit for the bullet.
Und hier liegt der Hase auch schon im Pfeffer. „accurate micrometer“ ist etwas, was nicht jeder in der Schublade hat, für diese Aktion jedoch unbedingt benötigt! Meine nachfolgende „Leidensgeschichte“ bei der bushing Auswahl soll dazu als Beispiel dienen.
Da ich zwischen den Jahren für ein paar Tage in den USA bei der Familie Urlaub machte, habe ich mir dorthin ein paar Komponenten bestellt, unter anderem die Matrize mit bushing. Wie immer war die Zeit etwas knapp und Opas Mikrometer nicht zur Hand, also wurden kurzerhand, entgegen jeglicher Intuition und Anleitung (!), ein paar geladene Patronen mit dem Messschieber vermessen und das vermeintlich passende bushing dazu bestellt.
Die Wahl fiel auf ein 0,292″ 7,417 mm bushing, da 0,293″ / 7,442 mm Hülsenhals-durchmesser bei den geladenen Patronen als Minimum gemessen wurde.
Nach Rückkehr aus den USA vergingen einige Tage, bis ich mit der neuen Errungenschaft die ersten Hülsen kalibrieren wollte und Nr. 9 in Matrize bzw. bushing stecken blieb. Die Details zu der darauf folgenden Operation gibt es hier.
Nach dieser Aktion dämmerte es mir, dass vermutlich das bushing viel zu eng ist, um die Hülsen vernünftig kalibrieren zu können. Das Vermessen einer geladenen Hülse mit dem Mikrometer liefert 7,485 mm / 0,2947″. Ich bestelle also ein neues bushing mit 0,294″ Durchmesser und hoffe auf einfacheres Kalibrieren für das nächste große Thema in der Schwedenmauser-Odysse: Entwicklung einer neuen Ladung für den Schweden mit dem Vihtavuori N550 Pulver.
Vor einigen Wochen habe ich auf http://bulletin.accurateshooter.com einen Artikel über in der Matrize feststeckende Hülsen gelesen und bei mir gedacht: „Ist dir noch nie passiert, wie doof sind die eigentlich!“
Nachdem ich kurze Zeit später meine Redding Vollkalibriermatrize mit Bushing „in Betrieb genommen“ und für den Schwedenmauser, wie hier angekündigt, mit dem kalibrieren meiner Hülsen begonnen hatte, steckte die 9. Hülse auch direkt so fest, das der Rand, bei dem Versuch, sie mit der Presse herausziehen, ab geschert ist.
Der Artikel gab zwei Weisheiten für den Fall einer feststeckenden Hülse mit auf den Weg:
Nicht mit der Presse dran ziehen!
er geht nur mit der dargestellten Methode raus, alles andere hilft nicht.
Nachdem Nr.1 schon mal gekonnt ignoriert worden war, wurde natürlich mit 2. ähnlich verfahren, die ganze Matrize mit WD40 eingeweicht und dann versucht die Hülse raus zu klopfen. kein Erfolg, wie im Artikel angekündigt.
Kommen wir jetzt zu dem, was der Artikel vorgeschlagen hat und was dann schlussendlich zum Erfolg geführt hat, in der nachfolgenden bebilderten Anleitung.
Notwendige Werkzeuge für diese Aktion:
Windeisen mit Gewindebohrer M6 (bietet sich an für large rifle) und passender Metallbohrer
Distanzhülse, passende Scheiben und eine Maschinenschraube M6 mit Sechskant
professionelles Stück Rollladengurt zum Beschädigungs-freien festhalten der Matrize im Schraubstock
nicht abgebildet: 10er Schlüssel, Rohrzange und Akkuschrauber
Schritt: einspannen im Schraubstock
Aufbohren / durchbohren der Tasche für das Zündhütchen bzw. des Zündkanals
3. Schneiden des Gewindes
4. Probe-einschrauben der Schraube zur Bestimmung des richtigen Abstands, so dass weit genug in die Hülse eingeschraubt werden kann.
5. Einschrauben mit Distanzhülse, gegen halten an der Matrize mit der Zange, weil man den lee-Adapter dran gelassen hat und sich die Matrize einfach herausschraubt statt die Hülse herzugeben und dann mit dem Schlüssel so lange drehen bis das bushing herausfällt.
6. sich freuen, dass die Hülse draußen ist!
7. sich ärgern, dass man nicht gleich auf den Artikel gehört hat.
8. die Bügelmessschraube aus der Werkstatt mitnehmen um die Hülsen noch mal zu vermessen und die Maße für die Auswahl des Bushings zu überprüfen.