Kugelkopf für Dreibeinstativ

Bisher hat sich für mich zwar noch kein weiteres Long Range-Event ergeben, aber Vorbereitung ist ja alles. Für den Fall, dass mal kein Schießtisch vorhanden sein sollte, oder das Schießen im Liegen nicht gewollt ist, habe ich mir ein paar Gedanken zum Schießen von einem Dreibein gemacht. Wieder mal…

Ja, die Idee ist nicht neu, ich hatte dazu bereits den einen oder anderen Beitrag verfasst, diesmal habe ich mich aber etwas länger mit dem Thema auseinandergesetzt und ausführlicher nach Komponenten gesucht. Von großer Hilfe war dabei Niko (einer der Redakteure), der mir den entscheidenden Tipp gegeben hat, wonach ich suchen soll, als ich zum professionellen Fotografieren von zwei Gewehren bei ihm war. Vielen Dank übrigens für die tollen Bilder!

Da der Vorderschaft meiner Savage 110 Elite Precision (s.o. im Hintergrund) auf der kompletten Unterseite eine Schiene mit Arca-Swiss-Profil hat, war in diesem Fall auch theoretisch nur ein einziges Bauteil für die Aufnahme des Gewehrs notwendig. Praktisch wollte ich für die sicherlich raren Gelegenheiten, in denen ich vom Stativ schieße, nicht das komplette Equipment neu kaufen. So habe ich nach einer Lösung gesucht, um die vorhandene Kombination aus Manfrotto-Dreibein MT190XPro3 und dem darauf montierten Getrieberegler 410 Junior weiter zu nutzen. Nach ausgiebiger Recherche beim großen Online-Versandhändler habe ich mir schließlich den Kugelkopf AM-40 der Marke Sirui zu einem Preis von 103€ gekauft.

Ich habe mich für diese Modell entschieden, weil es mit wenigen Bedienelementen recht schnörkellos daherkommt: Die Basis lässt sich um 360° rundum verstellen und beliebig klemmen. Der Drehknopf dafür ist auf der Rückseite und auf dem Bild nicht zu sehen. Auf der linken Seite ist der Drehknopf zum Klemmen des Kugelkopfes, koaxial kann man an selbigem auch noch die Dämpfung der Bewegung mittels mitgeliefertem Inbusschlüssel einstellen. Rechts oben befindet sich dann der Drehknopf zum Klemmen der Arca-Schiene. Der Kugelkopf-Durchmesser von 40mm ist schon relativ groß, gewährleistet aber, dass man damit auch große Lasten zuverlässig klemmen und halten kann. Der Hersteller wirbt hier mit bis zu 40kg. Ich hab´s ausprobiert: Die Savage 110 (10,4kg Gewicht mit leerem Magazin) wird auf 45° relativ zum Boden ausgelenkt zuverlässig gehalten!

Kugelköpfe gibt es online richtig viele, einer sticht aber noch besonders hervor, den ich hier kurz erwähnen möchte: Er ist von der Marke Sunwayfoto und hat einen Kugelkopf von 52mm, wird aber nur mit 20kg Traglast angegeben. Dieser ist in Onlineshops für Waffen und Zubehör auch unter einem anderen Namen für einen ordentlichen Aufpreis zu finden – beim großen Online-Versandhändler sind dafür gerade mal 130€ fällig. Dieser Kugelkopf hat eine besonders große Basis, ist grün eloxiert und hat für die Klemmung der Arca-Schiene zusätzlich zum Drehknopf noch einen Klemmhebel. Außerdem ist die Neigung mit nur maximal 44° zur senkrechten Achse eingeschränkt. Zum Schießen reicht das allemal aus und durch diese Einschränkung kann so das Umfallen des kompletten Dreibeins mit Waffe verhindert werden. Besonders erwähnenswert ist die abgestufte Klemmvorrichtung, die Picatinny- und Arca-Schienen aufnehmen kann! Ein an sich geiles Teil, aber mir war es zu groß.

Wer weiter online recherchiert, der findet Kugelköpfe auch gleich im Bundle mit einem Stativ kombiniert. Hier kann man meist noch ordentlich Geld sparen im Vergleich zu den Einzelpreisen.

Um den Kugelkopf AM-40 letztendlich nutzen zu können, war in meinem Fall noch ein wenig Zubehör und Nacharbeit notwendig. Der Kugelkopf hat bei dieser Größe ein 3/8″-16 Innengewinde. Um ihn in Verbindung mit dem Getrieberegler von Manfrotto nutzen zu können, musste ich die Schnellwechselplatte etwas nacharbeiten und mittig ein Loch von ca. 9,5 bis 9,6mm Durchmesser bohren, bzw. feilen.

Zur Befestigung habe ich mir dann noch die passenden Schrauben in der Länge 5/8″ bestellt (das sind umgerechnet ca. 15,9mm). Der dafür passende Innensechskant hat die Größe 7/32″. Ich empfehle, zusätzlich Loctite zu verwenden.

Hier ist der Kugelkopf auf der Schnellwechselplatte montiert:

Und hier ist das Teil auf dem Dreibein mit Getrieberegler:

Auf dem nachfolgenden Bild mag der Aufbau jetzt höher erscheinen, als er tatsächlich ist: Dreibein und Waffe sind so eingestellt, dass ein bequemes Schießen im Sitzen möglich ist. Was die Höhe des Manfrotto-Dreibeins angeht, habe ich mir zuerst Sorgen gemacht, ob sie ausreichend ist, um auch im Stehen schießen zu können. Getrieberegler und Kugelkopf bauen aber so hoch auf, dass es trotz Körpergröße von 185cm kein Problem ist. Zur Info: Der Aufbau kann leicht durch Herausziehen der Mittelstange am Dreibein um weitere ca. 25cm erhöht werden, der Stabilität ist das aber nicht mehr dienlich!

Picatinny-Montageschiene für 1911er, Teil 1

In meinem ersten Beitrag zum Anschlagschaft für meine 1911er Government von Les Baer hatte ich bereits eine Picatinny-Montageschiene bei Brownells verlinkt, die ich eigentlich mit Anschlagschaft im Verbund testen wollte. Da ich die Montage bei Brownells zu teuer fand, habe ich noch ein wenig recherchiert und schließlich eine ähnliche bei Ebay gefunden. Weil ich so lange auf die Teile zum Schaft warten musste, habe ich die Montagschiene schonmal vorher ausprobiert und hier ist mein Bericht dazu.

Die Montageschiene wurde bei Ebay unter dem Begriff „Aimtech AMP-7“ angeboten und war nur günstige 50 US-Dollar teuer. Der Versand belief sich auf zusätzliche 29 US-Dollar, dafür war der Artikel aber auch schon nach ca. 7-10 Tagen bei mir zuhause – inklusive zolltechnischer Behandlung! Alles in allem immer noch kein schlechter Preis…

Vor der Montage habe ich den Adapter erstmal unter die Lupe genommen. Das Bauteil ist aus Aluminium gefertigt, wobei ich vermute, dass das Teil zuerst gefräst und dann gebogen wurde. Die Oberfläche ist schwarz eloxiert, die Picatinny-Nuten sind – soweit ich das beurteilen kann – korrekt gefräst. Einziger und gravierender Nachteil ist die nicht korrekt winklige Position der Pica-Schiene gewesen. Schon vor der Montage ist mir aufgefallen, dass sich die Oberseite der Schiene nicht im rechten Winkel zur seitlichen Griffschale befindet. Bei näherer Untersuchung ist dann hinzugekommen, dass die Pica-Schiene in Richtung des Pistolenschlittens auch noch geneigt ist. Nach ca. 2-3 Stunden ist es mir dann gelungen, den Adapter so zu richten, dass ich zufrieden sein konnte. Die größte Schwierigkeit bestand für mich darin, das Bauteil zu spannen und die Kraft zum Biegen gut zu dosieren. Mit zwei automatischen Grip-Zangen, die eher im Metallbau Anwendung finden, ist es mir dann schließlich auch gelungen. Die Spuren des Eingriffs kann man auf der rechten Seite der Montageschiene gut erkennen.

Im Lieferumfang enthalten waren neben der eigentlichen Montageschiene noch zwei weitere Zylinderstifte, die am Ende beide noch ein Gewinde aufweisen. Die Sache mit der Befestigung der Montage an der Waffe ist gut durchdacht: Die mitgelieferten Pins ersetzen jeweils die serienmäßigen Pins, die den Hammer und dessen Federgehäuse (engl.: „Main Spring Housing“) im Rahmen halten (siehe gelbe Pfeile im Bild). Sobald diese Pins mit dem Gewindeende auf die Montageschiene, bzw. die Gewindelöcher in der „Griffschale“ treffen, werden sie mit dem ebenfalls mitgelieferten Sechskantschlüssel reingedreht. Da bei mir die Abzugssicherung beidseitig vorhanden ist, habe ich sie auf der rechten Seite kurzerhand herausgezogen.

Sinn dieser zusätzlichen Befestigung ist, die „Griffschale“ absolut fest auf dem Waffenrahmen zu montieren, denn allein durch die Schrauben der Griffschalen (zusätzliche Griffschrauben sind übrigens nicht im Lieferumfang enthalten) kann die Montageschiene nicht zuverlässig fest montiert werden. Leider weiß ich, wovon ich rede und das muss Euch ja nicht auch noch passieren…

Jedenfalls wollte ich den Aufwand nicht betreiben, die Waffe auch noch umständlich zu zerlegen und diese Pins zu verwenden. Die Griffschale/Montageschiene wurde also nur mit den Griffschrauben befestigt. Die Positioniergenauigkeit der Bohrlöcher ließ keine Wünsche offen, aber die Durchgengsbohrung war natürlich einige Zehntel im Durchmesser größer. Obwohl die Schrauben fest angezogen waren, konnte die relativ rauhe Oberfläche des Eloxals durch minimalste Bewegung im Schuss dann doch meine Brünierung „anfressen“. Ärgerlich, aber nicht tragisch. Ich habe den Braten schon vorher gerochen und habe nach nur 5-6 Schuss nachgeschaut, ob meine Befürchtungen wahr werden. Und ja, war leider der Fall…

Das Schießen wurde erstmal abgebrochen. Die Innenseite der „Griffschale“ habe ich dann mit 0,5mm dickem Gummi beklebt und das Problem damit gelöst. Nachfolgend meine Schussbilder mit dem von Marvin geliehenen Rotpunktvisier „Fastfire 3“ von Burris.

15m Distanz

Das Rotpunktvisier wurde erstmal mit wenigen Schüssen justiert, bevor dann letztendlich die Mitte getroffen wurde. Das Schussbild hätte durch Klicks noch ein wenig nach links korrigiert werden können, aber durch die nicht perfekt ausgerichtete Pica-Schiene hätte ich vielleicht auch noch eine Höhenkorrektur machen müssen. Ich war erstmal zufrieden und habe dann im Anschluss noch die Ziffern „3“ auf drei, neun und zwölf Uhr anvisiert.

25m Distanz

Für die Distanz von 25m habe ich dann mal eine Markierung von je vier Schusspflastern in der linken und rechten oberen Ecke angebracht, um ein ausreichend großes Ziel mit dem Reddot anvisieren zu können. Wie man sieht, ist da eine ganz schöne Höhenverlagerung des Schussbilds vorhanden. Das finde ich insofern beruhigend, als dass ich keine Klickveränderung am Reddot für die neue Distanz vorgenommen habe. Hätte sich jetzt noch eine signifikante Abweichung nach links oder rechts gezeigt, würde das bedeuten, dass ich die Montageschiene nicht mal annähernd gerade biegen konnte.

Sehr erfreulich war, dass es keinerlei Waffenstörungen beim Schießen gab, das Auswurffenster der 1911er wird durch die großzügige Aussparung in der Halterung nicht verdeckt. Zum Schlitten gibt es ausreichend Freiraum, sodass keine Kollision mit der Montageschiene zu befürchten ist.

Mein Fazit

Für die relativ geringe Summe von 80 US-Dollar (Versand nach Deutschland mitgerechnet) ist das ein gut durchdachtes und durchaus brauchbares Teil! Sehr schade finde ich die Zeit und Mühe, die man investieren muss, um die Winkligkeit des Produkts (wieder) herzustellen. Meiner Meinung nach lohnt sich der Kauf am ehesten für Schützen, die dauerhaft auf einer fixen Distanz mit einem Rotpunktvisier oder einer anderen Zielvorrichtung schießen möchten, da die korrekte Montage ein wenig Zeit in Anspruch nimmt und eine 100%ige Ausrichtung der Montage schwierig werden könnte – das hängt vom handwerklichen Geschick des Schützen ab. Wer letztgenannte Arbeit scheut, kann aber durchaus Höhe und Seite auf die gewünschte Distanz einstellen und loslegen. Erst bei wechselnden Distanzen kommt man in die Verlegenheit, zur Höhen- ggf. zusätzlich noch die Seitenlage justieren zu müssen. Mich reizt jedenfalls der Gedanke, diese Montage in Verbindung mit dem letzten Design meines Anschlagschafts künftig weiter zu benutzen und ich werde mich daran machen, eine eigene Montageschiene zu konstruieren, die ausschließlich auf CNC-Maschinen produziert und daher perfekt gerade sein wird. Aus Kostengründen wird sie später höchstwahrscheinlich zweiteilig ausgeführt sein.

Hier geht es zum zweiten Teil des Beitrags.